Identität- Zerrbild

Die Berufung des Menschen zur Gottesebenbildlichkeit kann kaum nachvollzogen werden, wenn wir in diese Welt schauen. Und wer Mut hat, mag sich sogar beim Blick in das eigene Leben fragen, wo denn darin diese Ebenbildlichkeit (1. Mose 1,26 f.) zu sehen sei.

Wesentlich näher scheint uns der Gedanke an das Zerrbild zu sein.
Menschen haben Ängste. Sorgen. Menschen bestehlen andere. Lügen. Suchen ihren eigenen Vorteil und werden beklatscht, wenn sie es clever anstellen. Menschen können stolz sein und neidisch. Habgierig und eitel. Diese Verhaltensweisen erscheinen uns noch harmlos, wenn wir an die Greueltaten in manchen Kriegen denken – und vergessen dabei, dass oftmals solch „harmlose“ Vergehen wie Machtstreben, Eitelkeit und Lüge manche Kriege erst initiiert haben.

Der Mensch als Zerrbild – so stellt sich uns das Menschenleben dar.

Die Bibel benutzt diese Worte dafür:
„… sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,“ (Römer 3,23).

Viele andere Verse unterstreichen diesen Satz. Ein Blick in Römer 1 und 3 dürfte reichen.

Wie kam es zu diesem Zerrbild, wo wir doch als Ebenbild Gottes gedacht waren?

In 1. Mose 3 wird die Szenerie dargestellt:
Die Schlange will Eva verführen.
Eva lässt sich auf das Gespräch ein. 1. Fehler.
Eva glaubt der Schlange mehr als Gott. 2. Fehler.
Eva trägt die Verführung weiter zu Adam. 3. Fehler.
Adam lässt sich darauf ein, statt als schützende Mauer dagegen zu stehen. Der 4. und wohl größte Fehler.

Dahinter steht:
Adam und Eva vertrauen der Schlange mehr als ihrem Schöpfer.
Sie misstrauen Gott damit. Und so schaffen sie in ihren Herzen eine Trennung zwischen sich und Gott.

Gott entdeckt Adam und Eva in ihrem Zustand der Gottestrennung.
Indem Er sie aus dem Paradies verweist, vollzieht Er letztlich sichtbar das, was längst in den Herzen von Adam und Eva ist: Die Trennung von Gott.

Wie können Adam und Eva jetzt noch Ebenbild Gottes sein?
Gar nicht.
Denn die Ebenbildlichkeit war Bestandteil der Nähebeziehung zu Gott. Ebenbild heißt, Gott wiederzuspiegeln. Wer den Menschen sieht, soll Gott sehen. Das aber ist in der Trennung von Gott nicht mehr möglich.
Es bleibt ein Zerrbild.

Adam und Eva konnten von nun an nicht mehr das „Ebenbild fortpflanzen“, sondern nur noch ein Zerrbild. So wird jeder Mensch zum Opfer dieser Tragödie und zeitgleich zum Täter einer fortgesetzten Tat.

So ist wohl in den meisten Menschen die Sehnsucht nach Heilung, nach Frieden, nach Liebe – letztlich nach Gott, der die Ebenbildlichkeit erdacht hat.
Und gleichzeitig „pfeift“ der Mensch auf Gott, verneint Ihn oder handelt gegen Ihn.

Die Aussagen manch Gutmeinender ist: „Aber ich befolge doch die 10 Gebote“ und meinen damit eigentlich, dass sie keinem Menschen was Böses wollen. Was sie verkennen, ist, dass der erste Teil der 10 Gebote nur die Gottesbeziehung behandelt. Selbst bei der eben genannten Schutzbehauptung wird Gott vergessen…

Bild von http://www.sxc.hu/photo/379471 – Seite aufgerufen am 28.07.2010 – Künstler: http://www.sxc.hu/profile/jfg

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12 Gedanken zu „Identität- Zerrbild

  1. Ja das kann ich gut nachvollziehen. So gesehen „werden“ wir erst eines Tages wieder richtige Ebenbilder Gottes sein? Oder habe ich das falsch verstanden?

  2. Willkommen, Quincy!
    Ja, ich meine auch, dass die Christen die Ebenbildlichkeit Gottes formvollendet erst in Zukunft haben werden. Jetzt sieht uns Gott durchaus schon als Ebenbild an – durch Jesus Christus. Dazu möchte ich in einem der nächsten Artikel etwas schreiben.

    Gott ist mit Dir!

  3. Wie deutest du in diesem Zusammenhang 1. Mose 3,22 ?
    Auf den ersten Blick sieht es doch so aus, als wenn der Mensch eine göttliche Qualität dazugewonnen hat…

  4. @Tom:
    „Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!“ (1 Mo 3,22)

    Ja, spannend! Habe zig brainstorm-Gedanken dazu. Auch Fragen.
    Aber zum Kern: Hat der Mensch eine göttliche Qualität dazu gewonnen?
    Jetzt würde ich gerne Hebräisch können! 🙂

    Meine These:
    Der Mensch ist geworden WIE unsereiner…
    Das „Wie“ kann wirklich Gleichstellung bedeuten iSV. Identität.
    Es kann auch bedeuten „so ähnlich“. „So ähnlich“ wäre aber nicht identisch, sondern nur so ungefähr wie „unsereiner“ (wahrscheinlich Majestätsplural, oder?).

    Dieser zweite gedachte Fall würde dem Gesamtszenario am nächsten kommen.
    Denn der Werdegang der Erkenntnis des Menschen war schlangenmäßiger Natur und nicht göttlicher Natur. Die Klugheit/Erkenntnis wird in der Bibel ja eher positiv gesehen. Aber woher kommt sie und wie entsteht sie? Wonach richtet sie sich aus?
    Hier war sie nicht direkt von Gott initiiert, sondern von der Schlange und führte deshalb auch nicht zu noch mehr „Ebenbildlichkeit“, sondern zur Entfremdung des Menschen von Gott.

    Wenn es stimmt, wie ich im ersten Artikel schrieb, dass die Ebenbildlichkeit von Gott her kommt, in Gott ihren Platz hat und zu Gott hin führt – somit also ein Ausdruck einer intensiven Nähebeziehung zu Gott ist – dann kann die m.E. perfekte Nähebeziehung des Menschen vor dem Sündenfall nicht noch gesteigert werden. Es konnte nicht „noch mehr“ Ebenbildlichkeit geben.
    Auch deshalb müsste gesagt werden: Der Mensch hat nicht wirklich eine rein göttliche Qualität dazu gewonnen, sondern eine quasi-göttliche – „so ähnlich“ wie Gott.

    Ist das stimmig?

    Und:
    Wenn Gott in 1. Mose 3,22 sagt, „dass er nicht lebe ewiglich“, muss das dann so verstanden werden, dass Adam und Eva eigentlich nicht ewig leben sollten und somit schon im Paradies vergänglich waren?

  5. Die deutsche Übersetzung ist natürlich gut. Bei meiner eigenen Übersetzung kommt auch nicht viel anderes heraus: (Wajomär) Und es sprach (JHWH) der Herr (Elohim) Gott (hen) siehe (ha’adam) der Mensch (haja) er ist geworden (k’achad) wie einer (mimänu) von uns (ladaat) in Bezug auf Erkenntnis (tov) gut (wara) und böse (wattah) und nun (pän) damit nicht (jischlach) er sich ausstrecken wird (jado) seine Hand (w’lakach) und nehmen wird (gam) auch (me’ez) vom Baum (hahajim) des Lebens (w’achal) und essen (wachai) und leben (laolam) für alle kommende Zeit.

    Ich stimme dir natürlich zu, daß die Ebenbildlichkeit von Gott her kommt.
    Aber in 1. Mo 3,22 scheint rein objektiv der Mensch tatsächlich eine Fähigkeit dazugewonnen zu haben. Diese hat er auch nach dem Rauswurf aus dem Paradies nicht verloren. Die Frage ist für mich: Kann er auch damit umgehen? Vorher war der Mensch bei allem was er tat auf Gott bezogen. Nun muß er allein klarkommen. Und das klappt überhaupt nicht um es milde auszudrücken. Er ist plötzlich für alles selbst verantwortlich und offensichtlich total überfordert. Fast alles was der Mensch anpackt hat katastrophale Auswirkungen. Aber ich schweife ab.

    Die schwierige Frage ist halt, was genau ist und worin besteht die Ebenbildlichkeit. Ist es die Nähe zu Gott, wie du schreibst, die Vernunftbegabtheit, die Fähigkeit Gott zu erkennen (und damit nach griechischem Denken Anteil an Gott). Da habe ich auch nicht wirklich einen Plan. Wie sagt Sokarates: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Jo, das haut hin 🙂

    Zu deinem Nachsatz über 1. Mose 3,22: Ja, wäre eigentlich eine logische Schlußfolgerung aus diesem einen Vers, oder?

  6. Super – Du kannst Hebräisch!
    Danke für Deinen Übersetzungsvergleich.

    Wenn der Mensch eine Fähigkeit dazugewonnen hat, dann muss etwas dazugekommen sein, was vorher nicht da war. Was heißt das für die Ebenbildlichkeit?
    Das heißt, dass Adam und Eva nun etwas widerspiegeln, was nicht direkt aus der Ebenbildlichkeit Gottes kommt. Ich gehe davon aus, dass die beiden vorher „perfekt“ – vollkommen waren. Mehr Ebenbildlichkeit als vor dem Sündenfall geht nicht. Die neue Fähigkeit scheint ihren Ursprung nicht in Gott zu haben und führt von Gott weg – das ist nicht mehr Ebenbildlichkeit, sondern da fängt das Zerrbild an.
    Insoweit eher keine neue göttliche Qualität, sondern eine antigöttliche.

    Schade, dass die Ebenbildlichkeit nicht weiter in der Bibel definiert wird… 🙂
    Ein Anhaltspunkt ist sicher Jesus Christus als der neue Adam. Wer Ihn sieht, sieht Gott. Jesus ist Ebenbild Gotttes. D.h.: In Ihm sehen wir, wie ein Ebenbild Gottes ist. Oder so: Jesus erkennen!

    Aber der Kern vom Ganzen?
    Ich würde noch an meiner These festhalten, dass Ebenbildlichkeit in erster Linie beziehungstechnisch ist. Ebenbild ist dann wie „Spiegelbild“. Und etwas widerspiegeln kann ich nur, wenn ich in der Nähe eines anderen bin und ihn von Angesicht zu Angesicht sehe.
    Alles andere (vernunft? Frucht des Geistes..?) ist dann nur eine „automatische“ Folge dieser Nähebeziehung/des Widerspiegelns.

  7. Also ich hab jetzt mal ein paar Minuten nachgedacht und merke, daß ich jetzt erst mal nichts weiter sinnvolles beitragen könnte. 😦

    Ich bin auf jeden Fall gespannt darauf, wie es weitergeht.

  8. Hi,

    ich nehme mal das „Wie-sein“ aufs Korn.

    Es gibt eine Parallele in 1. Petr 5,8, die mir zu dem Wie-sein spontan eingefallen ist.

    Wie etwas sein, es aber doch nicht sein….so tun als ob…..und da sind wir beim Nachäffen und bei der grossen Lüge: „ihr werdet sein wie Gott“…. alles wissen macht einen noch lange nicht zu Gott.

    Segen
    Deborah

  9. Pingback: Identität – neues Ebenbild « berlinjc

  10. @Deborah:
    Ja, das passt!
    Die Schlange verspricht, die Menschen würden sein wie Gott – aber eben eher nachgeäfft als wirklich mit einer göttlichen Identität versehen zu sein. Das Satanische kann nur nachmachen, aber nicht das Eigentliche schaffen. Das Satanische kann nur lügen und vorspiegeln, aber nicht widerspiegeln.
    Das würde dafür sprechen, dass Adam und Eva eben keine göttliche neue Qualität dazu gewonnen haben.

    Bei Wommack habe ich gehört:
    Adam und Eva wandelten vor dem Sündenfall im Vertrauen auf Gott. Sie blickten im Glauben. Sie lebten im Glauben.
    Erst, als sie den Blick des Glaubens aufgaben, sahen sie mit rein menschlichen Augen. Jetzt waren nur noch ihre 5 Sinne genutzt. Und just in diesem Moment erkannten sie, dass sie nackt waren. Vorher hatten sie das nicht bemerkt. Warum nicht? Weil sie im Glauben lebten und nicht mit fleischlichen Augen blickten.

    D.h. (meine Schlussfolgerung):
    Ihre neue Erkenntnisfähigkeit muss antigöttlich gewesen sein und somit satanisch, weil ihre Erkenntnis von Gut und Böse nun von Gott abgekoppelt war. Vorher wurden sie im Vertrauen auf Gott geführt und haben im Glauben Gut und Böse unterscheiden können.
    So macht es einen Unterschied, ob uunsere Erkenntnis aus dem Vertrauen auf Gott geboren wird oder ob sie unabhängig von Gott stattfindet.

    Gott ist mit Dir!

    • Ja, Dirk……was sie „gewonnen“ hatten: nun wussten sie was Angst ist.

      nackt >…ohne irgendwelchen Schutz… >schutzlos…

      Hebr 2,15 ..die Sklaverei der Todesfurcht…

      Wen Jesus frei macht, der ist recht frei!

  11. Pingback: Wie mit Gefühlen umgehen? – Teil 3 « berlinjc

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