Wie mit Gefühlen umgehen? – Teil 3

Gefühle an sich sind „sehr gut“ (s.a. Teil 2).
Es ist sehr gut, dass Du Empfindungen hast. Es ist sehr gut, dass Du Zorn fühlen kannst und Liebe, Groll und positive Verbundenheit.
Das Fühlen an sich ist nicht schlecht. Gott hat uns mit all diesen emotionalen Möglichkeiten geschaffen und Er sprach letztlich: Es ist sehr gut!

Doch seit dem Wachsen des Zerrbildes im Menschen, gibt es eine fast unabänderliche, emotionale Tendenz im Menschen. Sie ist geprägt vom sogenannten „Fleisch“ – anders formuliert: der Mensch ist egozentrisch.
Der Mensch kann teilweise auch anders handeln – aber der Sog der Egozentrik ist stärker als vieles andere.

Der Apostel Paulus schreibt von den Folgen der Egozentrik:

„Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen.“
(Galater 5, 19 ff.)

Hinter alledem stecken starke Emotionen: sexuelle Lust, Sehnsucht nach Sicherheit und Orientierung, Macht, Rechthaberei, Arroganz, Gier …

Diese Emotionen haben in den meisten Menschen einen intensiven  Einfluss. Viele können sich ihrem Zorn, ihrer Gier, ihrer Eifersucht, der Angst … nicht entziehen. Diese Emotionen kommen einfach und nehmen Besitz über den Willen.

Mancher kann solche Emotionen verbergen. Mancher kann sie ansatzweise kontrollieren. Aber es scheint, als würden sich starke Gefühle dann doch ihren Weg suchen und ihr Zerstörungspotential entfalten.
Einige Menschen leiden unter diesen Emotionen: die Wenigsten wollen Rachegedanken pflegen, aber wenn entsprechende Emotionen da sind, scheinen diese Gedanken und Gefühle stärker zu sein, als der eigene Wille.

Wie können wir mit solch unangenehmen Emotionen umgehen?

Allein dadurch, dass die Werke (Emotionen, Gedanken, Handlungen) im Neuen Testament aufgeführt sind, verrät einen weiteren Schritt:
Die belastenden Emotionen dürfen beim Namen genannt werden.

Es macht wenig Sinn, den Schein zu wahren. Gott kennt sowieso unsere Herzen. Ihm können wir nichts vormachen.
Deshalb kann es sehr hilfreich sein, die eigenen Gefühle zu identifizieren und sie zu einem Gebet zu formulieren.

„Herr, ich spüre Hass… Gott, ich merke, wie Gier in mir aufkommt… Jesus Christus, ich fühle die Angst in mir…“

Sobald wir das tun, wird Licht in das Dunkel scheinen. Die erste, vielleicht zu Beginn schwache, Klarheit wird aufkommen.

Zudem entdecken wir im Galaterbrief 5,19 ff. etwas Fundamentales. Es geht um eine Erkenntnis, die grundlegend für den heilsamen Umgang mit den eigenen Emotionen ist:
Der normale Mensch ist von diesem Fleisch (Egozentrik) geprägt.
Das ist das normale Wesen eines Menschen.
D.h.: Es ist zunächst völlig normal, dass Menschen gierig sein können, hassen können, Angst spüren, Machtempfinden haben usw.
So ist der normale Mensch: Er lässt sich leichter von solchen Emotionen leiten als von Emotionen des Friedens.
Das kennt wohl jeder:
Eben schien die Welt noch in Ordnung zu sein, dann stürmt ein negatives Erlebnis hinein und die Emotionen des Durcheinanders haben sofort die Überhand.
Umgekehrt geht es kaum bzw. wesentlich schwieriger:
Eben war die Welt noch im Chaos, tiefe Ängste und Trauer prägen das Fühlen … da sieht man einen schönen Schmetterling und die Welt ist wieder in Ordnung…!?
Nein – so geht das nicht.
Die belastenden Emotionen sind in der Regel stärker als die angenehmen Gefühle.
Das ist der Normalzustand des Menschen.

Das ist eine grundlegende Erkenntnis, denn sie macht das bewusst:
Eigentlich benötigt der Mensch einen völlig neuen Grundzustand.
Es muss eine Wesensveränderung vor sich gehen.
Denn nur so können die angenehmen Emotionen stärker sein als die belastenden Gefühle.

Dazu mehr im vierten Teil.

Bildquellen:
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sowie
http://www.sxc.hu/photo/190593 von http://www.sxc.hu/profile/brokenarts

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8 Gedanken zu „Wie mit Gefühlen umgehen? – Teil 3

  1. Dieser Beitrag trifft mich sehr. Ich muss zugeben, dass dies eines meiner größten Probleme ist. Ich möchte Jesus dienen und ihn nicht entehren. Dennoch bin ich ein sehr impulsiver Mensch (ich kann furchterregend sein) und oftmals bricht mein Zorn aus mir heraus, gerade wenn auf meinem Arbeitsplatz oder in der Welt oder um mich herum Dinge geschehen, die ich als ungerecht empfinde. Nichts hasse ich mehr als Ungerechtigkeit.

    Dann lasse ich allerhand dummes aus meinem Mund kommen und hinterher bin ich beschämt ob meines Ausbruchs.

    Ich schäme mich dann immer, weil Jesus sicherlich anders gehandelt hätte. Wie sollen Menschen sehen, dass ich Jesus Nachfolge, wenn ich dauernd Feuer vom Himmel rufe (wie Johannes und sein Bruder)???

    Ich versuche jeden Morgen im Gebet etwas an mir daran zu ändern, aber schon wenn ich auf der Strasse bin und jemand sich falsch verhält geht es los. Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich Jesus wirklich in mir habe – ein quälender Gedanke – denn so wie ich mich manchmal aufführe, kann sich ein Christ doch nicht benehmen.

    Ich werde versuchen Deine Ratschläge zu befolgen und immer wenn ich merke, dass der Jähzorn in mir aufkommt beten. Danke für diesen Beitrag.

  2. Hi Quincy!

    Ich finde es gut, dass Du eine solche Selbsterkenntnis hast. Meistens leidet man dann umso mehr, weil nun weiß, wie man tickt. Aber ich finde, damit ist ja schon etwas Licht herein gekommen.
    Vom Empfinden steckst Du scheinbar total im Römer 7-Dilemma: Du willst das Gute tun, tust aber immer wieder das, was Du eigentlich verabscheust. Ich meine: Wer ehrlich mit sich selber ist, kennt dieses Dilemma – ich kenne es auf jeden Fall.
    Du scheinst schon seit einiger Zeit in einem Prozess zu sein, der von einem Hin und Her, aber sicher auch manchen „Siegen“ gekennzeichnet ist. Dieser Prozess dauert nach meinem Dafürhalten ein Leben lang, zumindest vom Prinzip gedacht. Aber es wird auch besser und ich halte es für möglich, dass Du in ein paar Monaten oder Jahren zurückblickst und merkst, wie Gott Dich zum Guten verändert hat. In weiteren Artikeln will ich darstellen, welche biblischen Grundlagen weiterhin zu beachten sind, um einen heilsamen Umgang mit Gefühlen zu entwickeln. Dabei bin ich selbst Lernender.
    Auf eines solltest Du achten:
    Dein Sinn für Recht und Unrecht bzw. Gerechtigkeit könnte eine Gabe Gottes sein.
    Es könnte Deine Aufgabe sein, diese Gabe geistlich und nicht menschlich einzusetzen.

    Gott segnet Dich!

  3. Danke für Deine aufbauenden Worte. Wie meinst Du „Es könnte Deine Aufgabe sein, diese Gabe geistlich und nicht menschlich einzusetzen.“ – wie könnte das aussehen?

  4. So wie Du Deine Reaktionen beschrieben hast, hast Du einen starken Sinn für Recht. So eine Art „Gerechtigkeitskämpfer“. Ich kenne Leute, die sich dann auch sehr aufregen können, wenn Unrecht geschieht und sie gehen mit allem Einsatz in den Konflikt, um das Unrecht zu beseitigen. Doch etliche kämpfen rein menschlich: Gespräche, Diskussionen… irgendwann auch Beschuldigungen, Vorwrfe, Distanz… und leider enden dann viele dieser Einsätze in einem noch größeren Scherbenhaufen. Das ist menschliches Kämpfen.
    Geistliches Kämpfen bedeutet stattdessen das (ich schreibe pauschal, schließlich mag es Situationen geben, in denen man sofort und schnell einschreiten muss):
    Man sieht das Unrecht, die Emotionen kommen in Wallung … und jetzt wird gebetet!
    „Herr, segne diese Verbrecher, damit sie Deine Liebe erkennen und von ihrem Unrecht lassen!“
    Oder:
    „Jesus, Du bist auch für diesen Typen gestorben und hast für seine Schuld bezahlt, weil Du ihn liebst. Wie kann ich ihn auf Deine Liebe aufmerksam machen?“
    Und weiter das Wort Gottes benutzen:
    „Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: ‚Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.‘ “ (Römer 12,19)
    Usw.
    Beten und das Wort Gottes meditieren … trotz der emotionalen Herausforderung.
    Sicherlich ein Lernprozess – aber wer dran bleibt, wird bei sich einen geistlich hilfreichen Automatismus einpflanzen, der zum Guten für sich selbst und den anderen sorgt.
    Wer sich dann noch beauftragt sieht, das Unrecht direkt anzusprechen, wird vielmehr aus dem Frieden agieren als aus dem Zorn.

    Das ist natürlich jetzt pauschal und verkürzt, aber ungefähr die Richtung, die ich mit dem geistlichen Einsetzen Deiner Gabe meine.

  5. Hmm – danke! Die Beschreibung klingt ganz nach mir ;). Im Prinzip nichts weiter, als ein Zeichen der Hilflosigkeit (diese Ausbrüche). Werde versuchen Jesu Kraft da einzusetzen – mal sehen, was dabei raus kommt!

    Danke!

  6. Pingback: Meine impulsives Temperament bringt mich oft in Schwierigkeiten – und es lässt mich nicht gerade als Nachfolger Jesu wirken… - Bitte öffne was verschlossen ist, Jesus, Gebet, Menschen, Situation, Dikosss, Verhalten, Prinzip, Bitte, Herzen - Jesus un

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