Wie mit Gefühlen umgehen? – Teil 5

Fortsetzung von hier aus

Nur mit einem grundlegenden Wesenwandel ist eine dauerhafte Grundlage gelegt, um heilsam mit den eigenen Empfindungen umzugehen.

Ist diese Grundlage aber vorhanden, dann bestehen alle Chancen, sich nicht von der Angst, der Sorge, dem Zorn, der Bitterkeit usw. beherrschen zu lassen.


In Galater 5, 16 ff. wird uns ein Teil des heilsamen Weges aufgezeigt:
„Ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen…Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit…Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden…Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.“

Die Grundlage für den Wesenwandel ist die Zugehörigkeit zu Jesus Christus.
Nun sollen wir „im Geist leben“.

Das steht im Kontrast zum „Leben nach dem Fleisch“:
„Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen;“
(Römer 8,13a)

Wie hier schon erwähnt, bedeutet das Leben nach dem Fleisch das: ein egozentrisches Leben.

„Im Geist zu leben“ ist das völlige Gegenteil dazu.
Mit diesem Geist ist der Heilige Geist gemeint, von dem Jesus Christus gesagt hat:
„Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen.“
(Johannes 16,14)

„Im Geist zu leben“ entspricht dem:
Genauso wie der Heilige Geist ein christozentrischer Geist ist, dessen Hauptaufgabe es ist, Jesus Christus zu verherrlichen, so ist auch das Leben im Geist von dieser Hauptaufgabe gekennzeichnet.
Nicht mehr das Ich, sondern Jesus Christus steht im Mittelpunkt.

Dass wir Christen auch anders leben können, zeigt schon die Ermutigung im Galater-Brief „Lebt im Geist…“ (s.o.). Diese Aufforderung wäre sinnlos, wenn wir nicht auch anders handeln könnten.
Durch unsere Wesensveränderung sind wir befähigt, jesusgemäß zu leben!
Das heißt nicht, dass das stets funktionieren würde.
Aber es heißt: Wir sind fähig gemacht dazu. Wir haben eine Fähigkeit bekommen, die wir vorher nicht hatten. Das ist die Wahrheit.

Es geht somit um die Einübung eines christozentrischen Lebens.
Klassischerweise helfen dabei die Meditation des Wortes Gottes, das Gebet als ein Wechsel zwischen Reden und Redenlassen, die barmherzige und offene Gemeinschaft mit anderen Christen, das bewusste Danken und Loben. Die tägliche Übung dieser Praktiken ist unerlässlich.

Es ist wie mit der Aufforderung „Lebe gesund!“
Wer das beherzigt, wird sich täglich waschen, wird täglich Vitamine zu sich nehmen, wird sich die nötigen Mineralien einverleiben, wird sich ausreichend bewegen. Wer nur alle paar Tage Vitamine zu sich nimmt und sich ansonsten von Schokoküssen ernährt, der wird krank. Wer nur alle paar Wochen Sport treibt, wird seine Gelenke mehr schädigen, als sie zu festigen.
Wir brauchen die tägliche Übung.
Es reicht schlichtweg nicht, einmal pro Woche über das Wort Gottes nachzudenken. Es reicht nicht, einmal bei der Gottesdienstfeier zu beten. Es gilt das: Betet allezeit. Und: Der Mensch lebt von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.
Nur die tägliche Speise wird uns kräftigen und unsere neue Fähigkeit wie einen Muskel wachsen lassen. Bildlich gesagt.


Um den „Erfolg“ müssen uns wir dann kaum noch kümmern.
Denn Gott verrät uns im Galaterbrief, was dann „von alleine“ wachsen wird:
…Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit…“
Das ist die Frucht eines Lebens im Geist.

Eine Frucht braucht Zeit.
Wir werden kein „Instant-Ergebnis“ haben.
Aber wer für 3-4 Wochen am Ball bleibt, wird nach und nach Änderungen merken.

Um etwas lebensnäher zu sein, ein Beispiel aus meinem Leben:
Hin und wieder predige ich anderen Gemeinden.
Einmal bekam ich nach einer solchen Predigt eine Kritik zugesteckt, die mich sehr beschäftigt hat.
Das hätte ich leichter abhaken können, wenn ich nicht ein weiteres Mal in dieser Gemeinde hätte predigen sollen.
Nun kamen starke Emotionen auf. Sie reichten von starker Unsicherheit über das Empfinden des Verletztseins bis hin zu subtilen Rachegedanken.
Aber die tägliche Beschäftigung mit dem Wort Gottes und das Gebet halfen mir immer wieder, mich eben nicht auf diese belastenden Emotionen einzulassen. Stattdessen war ich motiviert, von Jesus Christus her zu leben. Deshalb betete ich immer wieder für diese Gemeinde. Ich segnete sie im Namen Jesu. Ich sprach über meine emotionale Spannung mit Vertrauten.
In der Folgezeit kamen die belastenden Empfindungen zwar immer wieder hoch, aber es fiel mir leicht, mich auf Gott auszurichten.
Als ich dann eines Sonntags mit der Predigt dran war, hatte ich wirklich Frieden. Ich war gelassen. Ich wusste: Nicht die belastenden Emotionen haben Macht über mich, sondern durch Gottes Kraft habe ich Macht über sie!
Wer es jeden Tag übt, im Geist zu leben, wird ähnliche Erfahrungen machen:
Nicht die Egozentrik gewinnt, sondern Jesus gewinnt durch uns.

Die Zugehörigkeit zu Jesus Christus und das Leben im Geist sind absolute Grundlagen für den heilsamen Umgang mit Emotionen.
Im nächsten Teil wird es einige Tipps geben, die wir von dieser Grundlage ausgehend, immer wieder anwenden können.

Bildquellen:
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6 Gedanken zu „Wie mit Gefühlen umgehen? – Teil 5

  1. Komme gerade aus dem Urlaub – deswegen jetzt erst…;-) – gute und wichtige Gedanken. Aber an einem Punkt beisst sich bei mir die Katze bei mir immer wieder in den Schwanz (deswegen mag ich Katzen nicht, hihi…). Zum regelmäßigen Bibellesen und beten benötige ich auch so etwas wie Selbstdisziplin. Wenn ich mir – ganz fleischlich religiös – vornehme, jeden Tag Stille Zeit zu machen (was natürlich nur einen Form ist, kann auch anders aussehen), dann scheitere ich nach kurzer Zeit. Warum? Weil Selbstdisziplin auch eine Frucht des Geistes ist. Aber um mehr im Geist, also christozentrisch zu leben, benötige ich wieder… uswusf… irgendwie denke ich: Kampf gehört dazu – aber: nachdem ein siegreicher Herr dahinter steht wünsche ich mir manchmal mehr Leichtigkeit… ich lese Bibel, tagelang und genieße es… dann geht es wieder den Bach runter… Gott hat mir mal gesagt: Hör mal auf zu kämpfen. Damit hatte er recht. Wie schnell sind wir, bin ich aus dem Fleisch heraus religiös… insofern bin ich gespannt, wie du das Dilemma löst….;-) – Segen!

  2. @wegbegleiter:
    Herzlich willkommen in der Heimat! Hoffe, dass Dein Urlaub gut war.
    Zum Dilemma:
    Ich denke, dass das Dilemma eher theoretischer Natur ist als praktischer. Hört sich erst einmal „hardcore“ an, oder? Liegt aber daran, wie man die sog. „Stille Zeit“ definiert.
    Ich bin 50% Hausmann und 50% Pastor. D.h.: Jeder Tag ist eine Herausforderung, Kinder, Haushalt & Gemeinde unter einen Hut zu bekommen. Morgens ist Stress. Keine Zeit für die sog. „Stille Zeit“. Oder doch? Ja, weil ich meine „Stille Zeit“ splitte. Morgens auf der Toilette kann ein paar Verse aus der Bibel lesen. Vorher beim Aufwachen bete ich oft ein Standard-Gebet, einen 4-Zeiler oder 5-Zeiler. Während des Tages beschäftigen sich die Kinder auch mal 10 Minuten alleine. Zeit zum Bibellesen. Zwischendurch nach dem Motto: „Betet allezeit“ bzw. in Zungen beten. Zum gemeinsamen Mittagessen gibt es idR. ein-zwei Verse aus der Bibel vorgelesen, eine kurze Erklärung dazu und das Gebet. Längere Gebetszeiten nur im „Gemeindeprogramm“ mit anderen Christen.
    Meine Entdeckung ist die:
    Zuerst muss ich erkennen (Offenbarung von Gott?), wie wichtig das Wort Gottes ist. Dann den ersten Schritt machen. Mehr nicht. Nach ein paar Tagen oder Wochen den zweiten Schritt.
    So long… nur mal in Kürze, mehr vielleicht ein anderes Mal.

    Gnade sei mit Dir!

  3. Nachtrag:
    Völlig vergessen:
    Grundlegend ist die neue Natur. Erst durch diese bin ich befähigt, gottgemäß Dinge in meinem Leben zu ändern. Nicht autark, sondern in der Beziehung zu Gott. Diese habe ich, ob ich „Stille Zeit“ mache oder nicht. Jesus hat den Weg frei gemacht. Dabei mag man sich fragen, ob ich den ersten Schritt machen muss, um etwas zu ändern oder Gott. M.E. hat Gott den ersten Schritt gemacht, indem Er durch Jesus die Grundlage für die Veränderung gelegt hat.
    D.h. ich weiß nun:
    Gott hat mich befähigt, mir Zeit für Ihn zu nehmen.
    Nun kann ich den nächsten Schritt tun.

  4. Pingback: Wie mit Gefühlen umgehen? – Teil 6 « berlinjc

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