Christenheit – wohin? (3)

Die Gemeinden in der sog. nordwestlichen Welt zerfallen (Teil 1).
Unsere Gesellschaft ist weit davon entfernt, „christlich“ zu sein (Teil 2). Wir sind tatsächlich Teil einer multikulturellen bzw. pluralistischen Gesellschaft (was nicht heißen soll, dass das Miteinander reibungslos funktionieren würde – s.a. aktuelle Debatte über Thilo Sarrazin (und leider „kaum Debatte“ über seine Thesen)).

Nun will ich ein weiteres Puzzlestück hinzufügen:

Kirchengeschichtlich ist es auffällig, welch rasante Verbreitung das Christentum in den ersten Jahrhunderten genommen hat. Diese Verbreitung bedeutete nicht, dass nun überall Erweckung ausgebrochen wäre. Es gab durchaus Widerstände. Es gab durchaus lahme Gemeinden.
Und doch schien das Christentum eine immer reizvollere Alternative darzustellen. So wurde das Christentum von einer sekterierischen jüdischen Bewegung zur Staatsreligion im Römischen Reich.

Die damaligen Bedingungen sind teilweise vergleichbar mit unserer heutigen Gesellschaft, insbesondere, wenn wir an Griechenland und das heutige Italien denken:

o Es gab damals eine bis dato einmalige Infrastruktur im Mittelmeerraum, sicherlich wesentlich gefördert durch die Pax Romana.
Heute ist der nordwestliche Raum unseres Planeten ebenso einmalig ausgestattet. Jetzt ist es einem Großteil unserer Bürger möglich, „in alle Welt“ zu fahren und zumindest „in alle Welt“ zu kommunizieren. Science-Fiction ist jetzt.

o Es gab ein einheitliches politisches System, das viele örtliche Schattierungen aufwies. Rom herrschte, aber ließ etlichen eroberten Staaten viel Gestaltungsspielraum.
Heute besteht eine ähnliche Lage mit den USA als ein System der Bundesstaaten. Und natürlich ist das heutige Europa ein eindeutiger Nachfahre des antik-römischen Gedankens – ein Europa, das trotz diverser nationaler Unterschiede eine totale Einheit anstrebt.

o Im römischen Reich ging es religiös-pluralistisch zu. Nicht nur, dass die Römer Dutzende von unterschiedlichen Göttern kannten. Nicht-exklusive Religionen anderer Völker wurden mitunter geduldet. Die jüdische Religion war relativ respektiert. Religion, Esoterik, Okkultismus, Philosophie waren „in“ und wurden ernsthaft oder schlichtweg aus traditionellen Gründen praktiziert.
Heute gibt es ebenso eine riesige Bandbreite an religiösen und philosophischen Möglichkeiten: „Alles ist erlaubt“. „Jeder soll nach seiner Facon selig werden.“ All das natürlich mit öffentlich unterschiedlichen Gewichtungen. Der Islam wird hier in Schutz genommen und dort kritisiert. Das Christentum wird öffentlich vertreten und öffentlich gebrandmarkt. Hinduismus und Buddhismus gelten als positiv interessant (wobei letztlich wohl keiner wollte, dass sich diese Weltsichten durchsetzen). Okkultismus und Esoterik werden eher gefördert als gemieden. Atheisten laufen Sturm. Und etliche Menschen scheinen es eher mit einem Mix aus „Selfmade-Religion“ samt einem Hauch von Aberglauben zu halten.

o Damals gab es die herrschende römische Klasse sowie ein gewolltes Sklavensystem. Von manchen Haussklaven, der wohl eher einem Hausmeister und Verwalter glich und damit eine durchaus gehobene gesellschaftliche Stellung inne hatte, bis hin zu Sklaven, die nicht nur rechtlich, sondern tatsächlich als „Sache“ behandelt wurden.
In Deutschland haben wir kein offizielles Sklavensystem. Aber mittlerweile „riecht“ manche Entwicklung danach. Ein-Euro-Jobber, die wertvolle Dienste tun und dennoch nicht aus ihrer relativen Armut herauskommen. Leiharbeiter, an denen sich Vermittlungsfirmen eine goldene Nase verdienen. 400,-EURO-Jobber, die selten den finanziellen Aufstieg schaffen. Menschen, die 2-3 Jobs haben und nur unwesentlich mehr nach Hause bringen als ein Hartz4-Empfänger empfängt. Und letztlich die Wenigen, die immer reicher werden und einen starken Einfluss auf das Weltgeschehen haben. All das nennen wir nicht „Sklaverei“. Wir nennen es „Kapitalismus“.

Mit diesen und anderen Vergleichen könnte man fortfahren (z.B. die militärische Expansion Europas im Vergleich zum alten Rom).

Bei alledem gibt es auf jeden Fall diesen Unterschied:
Damals war das Christentum zuerst unbekannt und entwickelte erst nach und nach ein Image. Die Chance des Neuen.
Heute ist das Christentum bekannt und dies ist weitgehend mit negativen oder leicht kritischen Assoziationen versehen.

Ich halte diesen Unterschied für wesentlich.
Das Christentum gleicht- rein vom öffentlichen Image her – nicht einer innovativen, spirituellen und praxistauglichen Lebensweise, wie es in der Antike erschien.
Heute gleicht das Christentum eher einem Machtapparat, der statisch wirkt und bemüht ist, den Schaden klein zu halten.
Dass das einen Teil der Kirche betrifft, ist klar.
Dass es vielerorts völlig anders ist, taucht in den Medien und damit in der Öffentlichkeit selten auf.

Eine kleine Chance zum „Neuanfang“ sehe ich nur in der 3.Generation. Natürlich sind auch sie beeinflusst durch manche Medienproganda gegen die Kirche. Doch andererseits haben sie mitunter so wenig Ahnung vom Christentum, dass eine Erstbegegnung durchaus positiv verlaufen kann.

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Ein Gedanke zu „Christenheit – wohin? (3)

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