Im Kiez

Zwar wohne ich nicht im Kiez „Heerstraße Nord“, bin aber auch nur wenige Minuten entfernt. Am Samstag war schönes Wetter. Es hat sich ergeben, dass ich durch den Kiez gelaufen bin. Zur Mittagszeit. In einem Einzugsgebiet mit ca. 17.000 Menschen. Wochenende. Gutes Wetter. Tausende von Menschen.
Aber wo sind sie?

Wer durch dieses Gebiet läuft, wird sich das immer wieder fragen: Wo sind die vielen Menschen?
Es scheint egal zu sein, zu welcher Tageszeit man dort ist.
Mehr als ein paar wenige Menschen (in Relation zu den möglichen Tausenden) sind selten zu sehen.

Die Säufer waren die „Zuverlässigen“, die man bei wärmeren Temperaturen ab dem späten Nachmittag antreffen konnte.
Doch selbst die sind jetzt „weg“. Die Säufer haben an der Heerstraße ein neues „Quartier“ entdeckt, nachdem vor dem Einkaufszentrum ihre alte Sitzgelegenheit abgerissen wurde.

Heute hatte ich ein Gespräch mit Erziehern, die seit Jahren und Jahrzehnten im Kiez arbeiten.
Sie meinen, die Kinder seien viel mit dem PC oder Fernseher beschäftigt.
Manche Eltern würden lange schlafen. Nicht, weil die Nachtschicht so anstrengend gewesen wäre. Ihr „Job“ bestünde darin, nächtelang zu zocken, Filme zu gucken oder anderweitig ihre Kinder zu vernachlässigen.

Wenn das Wetter am Samstag nicht so schön gewesen wäre, hätte man sich vor Bedrückung glatt verdrücken können.
Passend dazu folgender Film (via Andichrist):

Armut kennt viele Geschichten (Regie: Isabel Prahl) from Maximilian Kaiser on Vimeo.

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12 Gedanken zu „Im Kiez

  1. Pingback: Gottes Führung « Notizblog

  2. Hhhmmm, mir stellt sich nur die Frage: „Wo waren denn die Christen, wenn schon nicht die Gesellschaft auf einander aufpasst?“ Laut Bibel wird es immer arme Menschen geben, denn die Schwachen sind dazu da, ihre Barmherzigkeit gegenüber den Starken zu zeigen, damit man ihnen helfen „darf“. Aber was ist heute nur mit der (un)-christlichen Gesellschaft los: es wird Dir sogar der letzte gute Traum weggenommen, den man sich von einer gerechten Welt so vorstellt. Sicher, vorgestellt wurde nur ein kindlicher Traum, der allerdings von einem anderen Kind derbe zerstört wurde, jedoch zeigt dieser Film auch, wie hart die Realität ist. Ich meine nicht die Armut oder Hartz4, sondern die Lieblosigkeit der Menschen untereinander. Ja ich weiß, das Denken und Trachten des Menschen ist von Jugend auf böse (1. Mose 6,5; 8,21). Aber sollte es nicht anders sein? Die Botschaft des Films war für mich nicht die Darstellung der Realität, sondern die menschliche Zerstörung von dem letzten Rest des Guten, was man sich so vorstellen mag. Hartz4 ist schlimm – keine Frage – aber was die Menschen daraus machen, ist noch schlimmer. Es fehlt an menschlicher Wärme und Zuwendung. Und dies wird leider mehr und mehr, sodass die Menschen begreifen sollten, dass sie ihre Probleme selber schaffen, wenn sie nicht anfangen, miteinander zu teilen. Nein, es geht nicht um das Geld ! Gibt es in den christlichen Gemeinden nicht auch so etwas wie die „christliche Elite“, die meinen, die „wahren Christen“ zu sein und dabei ihre geringeren Glaubensbrüder und Glaubensschwestern nicht beachten bzw. sogar bedrängen, dass man jenes oder dieses zu tun habe, wobei aber diese angeblichen Christen sich das schwere Joch nicht selber anziehen wollen?

    Oliver

  3. @Olly:
    Ich denke, dass Hartz4 vom Prinzip her eine hilfreiche Sache ist. Klar – es gibt viele Nachteile, vor allem, wenn man Hart4 mit dem sozialen Netz vergleicht, dass es noch in den 80’ern gab. Aber, hey… immerhin bekommen Menschen hier eine gewisse Unterstützung. In anderen Ländern verhungern Leute notfalls…
    Es ist mehr das, was Du auch nennst: Die Lieblosigkeit, die mangelnde Wertschätzung, das Empfinden des Abgestempelt-Seins, wenn man zum Jobcenter muss…
    mitunter kommt diese Lieblosigkeit auch darin zum Ausdruck, dass es manch Bedürftigen schwer gemacht wird.
    Wir Christen können manchmal wirtschaftlich helfen (was bei Hartz4 gar nicht so einfach ist, weil theoretisch jede Einnahme gemeldet werden muss und dann von der eigentlichen Leistung abgezogen werden kann) – aber wir können auf jeden Fall auch Wertschätzung vermitteln – ein Mitgehen/Mitleiden/Mitfreuen.

    • Ähhhmmm, danke 😉

      Als Berufsarbeitsloser mit langjähriger Erfahrung in allen Angelegenheiten der staatlichen Subventionen kenne ich mich da bestens aus. „Wir Christen“ sollten allerdings weniger die eigenen „Mitchristen“ behelligen, indem „wir“ sie nicht auch noch wegen des schlechten Lebenslaufes bedrängen. Die Aufforderung im Sinne von „geh mal arbeiten“ wird von mir aber ständig mit „gib mir Arbeit“ beantwortet, so dass ich gerne mal auch all die „scheinheiligen Christen“ auf den Mond schießen möchte, die mir keine Arbeit geben. Der Bibelvers in Galater 6,12 ist hier die beste Antwort für alle „gesetzlichen Christen“, um ihnen ihre eigene Sünde unter die Nase zu halten, damit sie auch in diesen Dingen Buße tun können.

      Sorry, dass ich aus Deinem Beitrag eine dogmatische Angelegenheit mache, aber die christlichen Fundamentalisten in allen Gemeinden müssen endlich auch einmal etwas auf den Deckel bekommen, damit sie nicht aus jeder Angelegenheit eine Sache der so genannten Bibeltreue machen.

      Sorry, aber die christliche Ethik vieler Christen stinkt zum Himmel.

      Sorry, wir kennen uns ja nicht und deshalb möchte ich Dich hier von meinen Vorwürfen ausschließen, aber es muss auch einmal gesagt werden, was gesagt werden muss. Insbesondere dann, wenn man Beiträge sieht oder liest, die von der ach so schlechten Menschheit berichtet.

      Höret her – ihr Christen – der Welt geht es sooooo dreckig, weil die Christen nicht mehr Christen sind !!!

      Und dies schreibe ich als bekennender Christ, weil ich schon viel mit falschen Christen zu tun hatte.

      Gnade und Frieden
      in Jesus

      Oliver

  4. @Oliver:
    Wow – klingt nach einer Menge frustrierender Erfahrung bei Dir!
    Wünsche Dir, dass Du bei alledem nicht bitter wirst.
    Ich war auch eine zeitlang als arbeitslos gemeldet und bin froh, dass diese Zeit vorbei ist. Mir hat schon der Weg zum Amt mit aller Offenlegung und Rechenschaftpflicht gereicht. Habe mich unfrei gefühlt. Jetzt verdiene ich zwar eher ein Taschengeld, aber fühle mich freier.
    Aber ich kenne die zweifelnden Fragen an Gott. Hatte auch Existenzsorgen und damit eine zeitlang stark zu kämpfen. Da braucht man keine frommen Kommentare. Aber durchaus fromme Ermutigung.

    Gott ist mit Dir!

    • @berlinjc:

      Nett und vielen Dank für Deine Antwort, aber ich habe diesbezüglich keine zweifelnden Fragen an Gott. Hhhmm, hinsichtlich möglicher Bitterkeit wird mir mein Herr und Gott schon aufhelfen, das weiß ich schon genau. Allerdings merke ich auch, dass ich aufgrund der Schlechtigkeit jedes Menschen, d.h. vor allem der falschen Christen, mich in den Zynismus fallen lasse, so zu werden, wie solche, die die so genannte „christliche Elite“ darstellen. Jaja, mit „Gesetzlichkeit“ fährt man gut – vor allem bei den „gesetzlichen Christen“. Allerdings bin ich nicht gesetzlich in Bezug auf die Bibel. Mir geht es nicht um das Geld – ich hoffe, dass dies jetzt klar ist. Mir geht es um die unchristlichen Einstiegshürden, auf dem berufenen Wege sich auch beruflich als Prediger betätigen zu dürfen. Jedoch sind evangelikale Freikirchen diesbezüglich noch rigeroser in ihrer Einstellungspolitik als die staatlichen Kirchen. Nun gut, es muss ggf. auch nicht der Job sein, aber mir wird ofmals vieles in christlichen Gemeinden verwehrt, so dass ich im Sinne von 1. Thessalonicher 2,16 nicht ein geistliches Amt übernehmen darf. Jaja, Gemeindeleiter sind auch nur Menschen, allerdings sind viele solche, die ihr Sündenmaß stets voll machen, indem sie ihr „Fußvolk“ bedrängen (Amos 5,12), falsche Lehren anzunehmen und sogar jenen verwehren, das gute Wort weiterzugeben. Bezüglich meines irdischen Lebens habe ich keine „Existenzsorgen“ – schon lange nicht – nur was fange ich bloß mit meinem Potential an, wenn ich nicht darf und wenn man mich nicht lässt ? Die christlichen Fundamentalisten meinen, stark zu sein, um mit Autorität predigen zu müssen. Allerdings verkennen sie den biblischen Grundsatz in 2. Korinther 12,9.10, wonach es darum geht, „schwach zu sein“, damit man stark in Gott ist. Der Heilige Geist, der Jesus Christus von den Toten auferweckte, ist es nämlich, der mit Kraft und Macht an den Menschen arbeitet und nicht die Menschen mit ihren überredenden Künsten, die rein zufällig eine bombastische Rede, aber keine Predigt halten (vgl. 1. Korinther 2,4.5.7). Ich klage die christlichen Fundamentalisten an, endlich ihre andere Backe hinzuhalten und nicht selber Krieg zu führen im Namen des Herren. Die Selbstgerechtigkeit vieler Christen ist Sünde und muss hier auch einmal genannt werden, denn die Vereinsmeierei in den christlichen Gemeinden ist bei weitem viel schlimmer als bei der freiwilligen Feuerwehr oder bei beim Taubenzüchterverein. Man braucht keine frommen Kommentare, sondern durchaus fromme Ermutigung. Hier gebe ich Dir Recht !

      Gnade und Frieden
      in Jesus

      Oliver

  5. Hi Oliver!

    Ein weites Feld…
    Auf jeden Fall hast Du eine Kämpfernatur, so wie Du schreibst.
    Leider würden mich manche auch zu den Fundamentalisten zählen, weil ich auf die Fundamente Jesu Christi bauen will. Ich nehme die Bibel ernst, ich glaube an Gott, ich glaube an die Gottessohnschaft Jesu, dessen Kreuzigungstod und Auferstehung. Ich habe als Gemeindeleiter auch schon zig Fehler gemacht, einige erkannt und idR. um Verzeihung gebeten – bei den Menschen.
    Ich weiß um viele meiner Schwachheiten, Macken und Sünden – aber auch um meinen Wunsch, bei Gott zu sein.
    Ohne Frage gibt es viel Schindluder in unseren Gemeinden. Und es gibt etliche Christen, denen das Entscheidende fehlt:
    die Liebe zu Gott und Menschen.

    Mögen wir darin wachsen!

    Gott segnet Dich!

    • Hi Dirk,

      ja, ein weites Feld …

      Mögen wir alle in Jesus wachsen, so dass der Satz von Johannes dem Täufer
      auch für jeden einzelnen von uns gelte möge:

      „Er muss wachsen, ich aber abnehmen.“ (Joh 3,30)

      Vielen Dank für Deine Antworten !

      Gnade und Frieden
      in Jesus

      Oliver

  6. @Andi:
    Wow – danke!
    Als die Knoxville-Christen hier waren, haben wir ihnen eine Infomappe mitgegeben. Wir hatten den Text gegliedert. Eben genau nach diesem Lied! Passt!

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