Christenheit – wohin? (5) und Gebet

Fortsetzung und „Weiterdenkung“ von hier

C. Peter Wagner hat in einem seiner Bücher das Gebetsleben von Pastoren untersucht.
Wenn ich mich recht entsinne, kam er damals immerhin auf einen Durchschnittswert von ca. 18 Minuten Gebet pro „westlichem“ Pastor. In Südkorea und anderen Teilen der Welt ging es wohl eher um Stunden.
Wagner stellte m.E. die These auf, dass Gemeindewachstum und das Gebet zusammenhängen. Simple Gleichung:
Viel Gebet = Gemeindewachstum. Wenig Gebet = Gemeindesterben.

Nun habe ich keine Untersuchung unternommen, habe aber seit nun 17 Jahren als Christ einige Erfahrungen gesammelt. Ich kann die obige Gleichung völlig unwissenschaftlich stützen.
Ich erinnere mich an meine erste Gemeinde. Es gab ein Gebetsteam, das jeden Sonntag vor den Gottesdienstfeiern gebetet hat. Es gab Gebetsteams, die parallel zu Glaubenskursen gebetet haben. Es wurde Fürbitte während der Gottesdienstfeiern angeboten. Wenigstens von einem Ältesten weiß ich, dass er täglich jeden frühen Morgen mit einem anderen Christen gebetet hat. Es gab gemeinsame Lobpreis- und Gebetsabende. Und tatsächlich wuchs diese Gemeinde in den ersten Jahren und ist nun eine der dynamischsten Gemeinden in Berlin-Spandau.

In einer anderen Gemeinde war das Gebetsleben nicht so ausgeprägt.

Es wurde auch gebetet. Es gab auch monatliche Gebetstreffen. Gebet war nicht unwichtig. Aber den meisten fehlte der Drang zum gemeinsamen Gebet. Gebet war mitunter eher ein „Runterrasseln“ bestimmter Punkte. Dennoch: Es wurde gebetet und diese Gemeinde hält ihren Status.

Von anderen Gemeinden weiß ich, dass Gebet relevant ist. Aber es sind auch dort nur wenige, die sich beteiligen. Der Status quo wird oft gehalten. Das heißt dann aber, dass Gemeinden älter werden samt ihren Mitgliedern, kaum Neue dazu finden und eine Gemeinde auf diese Weise langsam, aber sicher im Sterbeprozess ist.

Diese Erfahrungen stärken meinen Verdacht:
Gebet ist in der deutschen Christenheit nicht unwichtig.
Aber es ist eindeutig zu schwach besetzt.
Es sind immer die gleichen „Pappnasen“, die zusammenkommen und beten.
Und selbst bei diesen ist die Erwartungshaltung auf Gottes Reaktion oft niedrig angesetzt.

Hat das was mit dem Niedergang des Christentums in Deutschland zu tun?

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4 Gedanken zu „Christenheit – wohin? (5) und Gebet

  1. Ich sehe diesen Trend auch schon lange mit Bedauern. Ich habe viel über diese Gebetsmüdigkeit nachgedacht und bin unter anderem darauf gestoßen, dass Gebet von Christen viel zu sehr als Methode, als fromme Übung oder Wettbewerb betrachtet wird. Nicht aber als intimen Austausch mit der Person unseres lebendigen Gottes. Selbst die meisten „Prophetien“ sind selten wirkliches Reden Gottes, sondern entstammen so manchen sehr menschlichen Ambitionen.

    Einfach mit Gott reden und sein Reden erwarten, das scheint nicht wahr oder nicht spektakulär genug zu sein. Nicht wahr genug, weil so viele Christen zwar mit dem Munde zustimmen, dass man mit Gott reden kann und ER auch mit uns – nur mit dem Herzen glauben sie es eigentlich kaum. Womöglich fehlt schlicht die Erfahrung? Womöglich deshalb, weil die „Starbeter“ unter uns für „erfolgreiches Gebet“ den Stab so hoch hängen, dass (nüchtern betrachtet) selbst diese niemals diese Hürde nehmen können?
    Da müssen anscheinend immer die fantastischsten Ergebnisse beim Gebet herauskommen – so wie Krankenheilungen am Fließband oder am Besten gleich noch Totenauferstehungen. Ein simpler Trost im Gebet gefunden, scheint lange nicht relevant genug zu sein.

    Mangelndes Gebet in Gemeinden kann und kommt wohl auch aus dem Machbarkeitswahn der Christen. Dem frommen Wettbewerb welche Gemeinde Gottes Herz angeblich näher ist – messbar an der Anzahl von GD-Besuchern und Programmen. In der Begegnung mit Gott in Ruhe Gottes Leitung gemeinsam als Gemeinde zu suchen scheint out zu sein. Bei negativen Vorfällen unter uns, gemeinsam vor Gott in die Buße zu gehen ist offensichtlich schon lange out.

    Wir müssen uns der Frage stellen, wenn wir Gott nicht im Gebet suchen, suchen wir dann überhaupt noch wirklich Gott in dem was wir tun?

    • Danke für Deine Gedanken!
      Das, was Du schreibst, spielt bestimmt immer wieder eine Rolle in unseren Gemeinden.
      Bei unserer Gemeindegründung versuchen wir als Leitung immer wieder gemeinsam zu beten. Wir führen Gebetsspaziergänge durch, es gibt das monatliche Gemeindegebet, Gebet taucht in fast allen Gemeindegruppen auf, wir führen immer wieder Gebets- und Fastentage durch, als Gemeindeleitung beten wir 1-2x wöchentlich gemeinsam… und doch lassen sich nur wenige „mitreißen“. Fehlt die Lehre? Die Zeit?
      We will see…
      Dennoch: Ich bin dankbar für jeden Mitbeter.

  2. Sehr gut beobachtet, Charlie 🙂

    hi, Dirk,

    ich denke, dass Lehre fehlt und dass bei Gebet immer noch zuviel auf Reden der Schwerpunkt gelegt wird, weniger auf Hören und dann Reden.
    Da werden Sorgen und Probleme heruntergerasselt und wer am schnellsten am meisten vorbringen kann, der hats.
    Dann ist in Gebetsversammlungen häufig das Aushalten des Schweigens beim Hören ein Problem. Wenige können das.

    Jesus hat Voraussetzungen und Ordnungen geschaffen und wir sollen auch im Gebet eine gute Haushalterschaft lernen und ausüben. Wir haben sehr viel Autorität verliehen bekommen, aber anstatt sie anzuwenden, werden die betreffenden Punkte von vielen Gott vorgejammert, anstatt aufzustehen und seinen Willen zu verkünden in eine Situation hinein.
    WIR sollen den Bergen der Sorge und des Zweifels befehlen, sich zu entfernen, damit die Lösungen zum Vorschein kommen.
    Ich kenne Menschen, die beten sich regelrecht in eine Depression hinein.
    Ich kenne Menschen, die proklamieren mit Feuer und Schriftkenntnis für jemanden…..und dann verlassen sie die Gebetsversammlung und erzählen dem Nächsten: Ach, der XY wird sich doch nie ändern, bei dem ist Hopfen und Malz verloren.

    Es fehlt wirklich an Lehre.

    Shalom
    Deborah

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