Wie Gemeinde leben?

Nachtrag vom 19.10.2010: Hier auf jesus.de gibt es ein paar interessante Gedanken von verschiedenen Usern zum Thema –

Das Thema beschäftigt mich immer wieder.
Wie leben wir Gemeinde?

Geht es um Mega-Churches mit einer nahezu hierarchischen Struktur?
Um Netzwerk-Gemeinden, die trotz ihrer Unterschiede doch regelmäßig zusammenkommen?
Um Hauskirchen?
Oder um ein Christsein, das fast losgelöst von Gemeinde zu sein scheint wie bei „Der Schrei der Wildgänse“?

Ein kurze Untersuchung des biblischen Befundes ergibt diese Merkmale:

In der Bibel lesen wir davon, dass sich Christen versammeln. Ob drei oder Tausende.
Der sog. 5fältige Dienst scheint dann eine Rolle zu spielen (Apostel, Propheten, Lehrer, Evangelisten, Hirten (=die heutigen Pastoren)).
Älteste, Diakone könnten auch relevant sein. In dienender, begleitender, leitender Funktion.
Außerdem geht es nach 1.Kor 12-14 um die gegenseitige Ergänzung der Christen bei den Versammlungen (einer hat eine Prophetie, einer hat eine Lehre usw.).
Ferner sammeln Gemeinden für andere Gemeinden Geld oder kümmern sich um (ihre) Ärmeren.
Der Ort der Versammlung scheint eher nebensächlich zu sein. Da mag es mehr und weniger Hilfreiches geben.
Die Versammlungen sind in erster Linie eine Versammlung der Christen, wobei man davon ausgehen muss, dass auch mal Nichtchristen reinschnuppern (1.Kor 14).
Die Häufigkeit der Versammlungen wird in der Bibel nirgends vorgeschrieben, aber wahrscheinlich gab es „alles“: von täglich bis einmal in der Woche.
Interessanterweise lesen wir nichts davon, dass ganze Gemeinden missioniert haben. Es gab einzelne Evangelisten, ansonsten war jeder Christ herausgefordert als Christ in seinem Umfeld zu leben und sollte bereit sein, über seinen Glauben Rechenschaft abzulegen.
Bei den Versammlungen wurde i.Ü. gemeinsam gebetet, Abendmahl gehalten, gelehrt und geteilt.

Wo seht Ihr ein anderes Bild von Gemeinde?
Was würdet Ihr ergänzen/korrigieren?
Leben unsere Gemeinden das so?
Oder sind wir auf dem Holzpfad?

Knackpunkte sehe ich hier:
Unsere Versammlungen haben zu oft eine Tendenz zum Alleinunterhaltertum: der Prediger predigt, der Info-Mensch gibt die Infos wieder, die Musiker musizieren und der große Rest der Gemeinde steht bzw. sitzt in den Reihen, ist weitgehend passiv und hofft, dass Predigt & Musik gut werden.
Wie kommen wir dahin, dass einer lehrt, einer prophezeit, einer lobpreist usw.?
Sprich: Wie kommen wir zu mehr Beteiligung bei den Gottesdienstfeiern?

Ein Gemeindehaus wird von der Bibel her nicht verboten. Aber fraglich ist, inwieweit wir solche Häuser sinnvoll füllen. Oder inwieweit sie so viele Ressourcen fressen, so dass sich der Kern der Gemeindearbeit zu sehr verschiebt.
Ist eine wandernde Gemeinde letztlich besser als eine stationäre Gemeinde?

Das Amt des Pastoren ist eine zwiespältige Sache. Mein Verdacht ist, dass manche „Pastoren“ eher Lehrer sind oder Evangelisten sind oder Propheten… aber eben den Titel „Pastor“ tragen.
In der Regel sind die „Pastoren“ auch Gemeindeleiter. An ihnen geht nichts vorbei. Sie halten die meisten Fäden in der Hand. Ist das okay? Hilft es dem allgemeinen Priestertum aller Gläubigen?

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10 Gedanken zu „Wie Gemeinde leben?

  1. Also ich sehe die Gemeinde in Jerusalem im Tempel, solange man sie dort duldet. Ich sehe auch Paulus in die Synagogen gehen, um zu predigen. Scheint immer seine erste Anlaufstelle gewesen zu sein. Sich in privaten Häusern zu versammeln scheint mir eine eher durch Ausschluss und Verfolgung erzwungene Lösung. Die Kirchenväter berichten davon, dass zwar der Wortgottesdienst für ungetaufte zugänglich war, aber nicht die Eucharistie.
    Ich sehe, einen Hierarchie mit Diakonen, Priestern und Bischöfen. Wobei die Bischöfe das Amt der Apostel innehaben und wie beim Jerusalemer Konzil Lehrentscheidungen gemeinsam treffen. In ihrem Beschluss schreiben sie: … der Heilige Geist und wir haben beschlossen…
    Das ist ein ziemlich Ansage.

  2. Moin Dirk,

    ich kann Deiner Aufzählung völlig zustimmen. Mir fehlt nur ein ganz zentraler Punkt darinnen – nämlich der Mittelpunkt: Mt. 18:20 eben 😉 und darin sehe ich auch das Problem vieler Gemeinden. Es wird sich „wegen“ und „um“ alles mögliche versammelt nur unser entscheidender Mittelpunkt wird viel zu oft vernachlässigt.

    Blessings,
    JNj.

    • Vielleicht gehen wir damit schon zu selbstverständlich um. Wir setzen einfach voraus, dass der Herr „da“ ist. Aber das muss ja nicht so sein, ist auch kein Automatismus.

      • @JNj.: Eine gewisse theologische Selbstverständlichkeit ist in mir drin. Deshalb (Mt 28,18 ff.) will ich ja selbst Gemeindebau und es berührt mein Herz. Aber wie? Das ist immer wieder die Frage. Es gibt tolle Konzepte – aber wenn sie nicht vom Geist Gottes geleitet sind, ist es oft verlorene Liebesmüh.

  3. Habe viel über diese Sache nachgedacht.
    Normalerweise versuche wir eine Gemeinde so zu bauen, daß es das ganze Bild abdeckt.
    Eine Gemeinde wo die Diakonie bedacht wird, Die „reine Lehre“ wo man entweder Chrismatisch oder wo man nüchtern ist 😉
    Eine Gemeinde wo man entweder barmherzig ist und trotzdem fähig ist Gemeindezucht zu üben. eine Gemeinde für Junge und für Alte.
    Wir wollen in einer Gemeinde Menschen zusammenbringen die sich nach einem Heilungsdienst ausstrecken- und Krankheit so hassen wie die Sünde,- mit Menschen die ihr gnazes leben lang in der Krankenpflege arbeiten und den Kranken Menschen dienen.

    Je mehr solche Aspekte wir abdecken um so mehr denken wir, daß wir dem Bild der Gemeinde, daß Jesus hat, nahe kommen.

    Ich sehe das nicht mehr so!
    Ich sehe verschiedene Kommunitäten in denen wir verbindlich miteinander leben und zusammengenommen sind wir Gemeinde.

    Ich müßte jetzt ein Buch über Individualismus schreiben, Ist er nur negativ?, müßen und können wir Ihn abschaffen?
    oder sollten wir akezeptieren daß er da ist und damit umgehen?

    Ich denke;
    Wir sollten in unseren Kommunitäten daß leben, was uns Gott auf unser Herz gelegt hat und sollten dankbar sein für die anderen Darstellungen des Reiches Gottes.

    Ein Zitat von Haso

    Die “ganze Gemeinde”

    Wir alle brauchen ein Bewusstsein für die umfassende Verheißung des Reiches Gottes. Keiner von uns sollte sich das Vorrecht entgehen lassen, ein Agent von Gottes Gerechtigkeit und Schalom auf dieser Erde zu sein. Christen und Gemeinden, die diese ganzheitliche Sicht nicht haben, berauben andere und sich selbst. (Man kann das Gebot, seinen Nächsten zu lieben “wie sich selbst” auch so interpretieren: wer seinen Nächsten liebt, liebt sich selbst. Auf Dauer gibt es keinen anderen Weg, glücklich zu werden, als sich für den Schalom des Nächsten zu engagieren.)

    Andererseits kann und soll nicht jeder alles machen. Deshalb gehört jenes Totschlagargument begraben, mit dem Christen anderen, die etwas tun, vorwerfen, dass sie nicht auch etwas ganz anderes tun. Christen, die ihre Stärke in der Evangelisation haben, werfen sozial engagierten Christen gern vor, sich nicht um “die Seele” zu kümmern. Christen, die sich sozial engagieren, werfen evangelistisch engagierten Christen gern vor, sich nur um “die Seele” zu kümmern. Warum begreifen sich beide nicht gegenseitig als Teil eines Ganzen? Warum lernen sie nicht voneinander? Warum inspirieren sie sich nicht gegenseitig? Warum segnen sie sich nicht gegenseitig?

    Segen euch Helmut

    • Die Idee der Kommunitäten taucht in meinem Horizont immer öfter auf.
      Liegt es daran, dass diese Idee schon „immer“ in uns Christen schlummert und ich nur etwas sensibilisierter bin und diese Ideen wirklich wahrnehme?
      Oder liegt es daran, dass sich etwas im Organismus „Christen“ bildet – evtl. das Bewusstsein „Allein geht man ein, aber zusammen können wir die Welt entflammen“?
      Auf jeden Fall höre ich in letzter Zeit immer öfter Christen von diesem Wunsch sprechen: die Gründung einer Kommunität, direkt in der Stadt oder am Stadtrand.
      Faszinierend…

  4. Die von Dir geschilderten Knackepunkte sehe ich leider auch – insbesondere das Thema Alleinunterhaltertum. Und das betrifft nicht nur den Gottestdienst – einer moderiert oder leitet, einer musiziert, einer predigt – , sondern auch viele andere Aspekte des Gemeindelebens, sogar die simplen organisatorischen Dinge.
    Da wird die wöchentliche Bibelstunde auch zur „Berieselungsstunde“, und der „mündige“ Christ ist die Ausnahme. Dann droht noch die Gefahr, dass man als Gemeinde allzu sichtbar werden möchte, engagiert sich im Umweltschutz, in der Altenhilfe, will in die Politik, macht sich also die Welt zum Freund und mischt in Bereichen mit, die weltliche Gruppierungen genauso gut oder gar besser beackern können. Diakonische Bestrebungen tauchen auf – die Jerusalemer Gemeinde wurde aber nicht vom Volk dafür geachtet, dass sie sich um andere kümmerte, sondern um die Notleidenden in der Gemeinde.

    Es lohnt sich durchaus ein Blick in Epheser 4 (bis 6), das dort Geschriebene gilt für den einzelnen Christen und damit dann auch für die Gemeinde. Zuerst einmal das Hinwachsen zu Christus hin, als Christ „mündig“ werden, eine passende Lebensgestaltung dazu , ein entsprechendes Gemeindeleben, … .
    Solange wie diese Dinge nicht stimmen, sehe ich bei Mt 28,18ff nicht die oberste Priorität – das würde nicht mal funktionieren.
    Warum ist wohl die Crystal Cathedral von 10.000 Mitgliedern wieder auf 3000 herunter? Und dazu noch mit dem 3-fachen des jährlichen Spendenaufkommens verschuldet?!

    • Die Problematik zu Crystal Cathedral ist eine Vater-Sohn-Geschichte, die schließlich zur Trennung und dann zur einstweiligen Insolvenz jener Mega-Kirche führte. Mit Sicherheit ist diese Kirche auch kein gutes Beispiel für Aspekte des Gemeindelebens, auch wenn man meinen möchte, dass Größe in Bezug auf die Mitgliederzahl ein Zeichen für ein gutes Gemeindeleben ist. Tja, auch mit deren Vorstellungen eines Wohlstandsevangeliums kann man das Gemeindeleben zerstören 😉

    • Ich sehe es wie Du:
      Der einzelne Christ ist herausgerufen, um Christus ähnlicher zu werden. Diese Aufgabe kann uns kein Pastor, Diakon, Bischof usw. abnehmen. Wir haben einen besseren an der Seite: Jesus selbst!

      Zum „Alleinunterhaltertum“: Letztens habe ich ein paar Christen gefragt und viele finden es gut, sich mal in Ruhe hinsetzen zu können, mal selber nichts leisten zu müssen und über eine Predigt nachzudenken. Hat mich etwas gewundert, diese Reaktionen.
      Ist das also ein berechtigtes Anliegen, dass der Prediger (oder sonstwer) auch mal den Alleinunterhalter spielt, damit sich die „Schäflein“ in Ruhe auf die Weide setzen können, um sich zu ernähren?

      Ich vermute, dass das okay ist.
      Wenn es nicht ständig so läuft.
      Schließlich ist Gemeinde auf Ergänzung angelegt (wie der Mensch überhaupt).
      Gut wäre auch mal ein anderer Lehrer/Prediger. Und Dienstbereiche für andere Christen.
      Wahrscheinlich bekommen wir aber nicht alle Dienstgaben in eine Versammlung unter, oder?

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