Das Revolutionäre der Reformation

Irgendwo in den fernen www-Welten habe ich sinngemäß letztens das gelesen:

Das Revolutionäre an der Reformation – unterstützt von Martin Luther – war vielleicht gar nicht die Entdeckung, dass wir allein durch Gnade Gottes gerechtfertigt werden.
Sondern vielleicht vielmehr die Betonung, dass allein die Bibel Maßstab des christlichen Glaubens sein soll und nicht die kirchliche Tradition.
Letzteres nicht in dem Sinn, dass die kirchliche Tradition wertlos sei oder man nichts aus ihr lernen könne.
Aber in dem Sinne, dass durch Entkoppelung von Bibel und Tradition quasi jeder Christ in den Stand gesetzt wurde, selbst die Bibel auszulegen.
Das hätte zum einen für eine positive Freiheit und Mündigkeit und damit u.U. auch Reife einzelner Christen gesorgt, zum anderen hätte es damit auch mehr „Wildblüten“ gegeben.

„Sola scriptura“ – vielleicht ist das wirklich der eigentliche Sprengsatz der Reformation.

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2 Gedanken zu „Das Revolutionäre der Reformation

  1. Da muß ich an einen Witz denken:

    Was ist der Unterschied zwischen den Brüdern und der Katholischen Kirche?

    Die Katholische Kirche hat einen Papst, die Brüder haben Hunderte.

    Wir glauben an die Bibel, aber wir brauchen immer wieder Menschen die uns erklären was wir lesen. Apg 8,30

    Ich glaube nicht an ein feststehendes Lehramt.
    Ich glaube aber, daß es Lehrer gibt.
    Schon bei Bibelübersetzung muß interpretiert – und somit auch erklärt werden.
    Die Bibe, der Heilige Geist, und der Leib Christi sind eine Einheit.
    Es überwiegt manchmal die eine Sache und manchmal die andere.
    Es gibt auch kein Rezept in welchem Verhältnis die einzelnen Teile zueinander stehen müßen.

    Segen euch alle

    Helmut

  2. Die „Wildblüten“, oder besser der Wildwuchs, hat m.E. auch wieder seine Wurzeln in kirchlichen, oder besser: Sekten-Traditionen.
    Gängige Irrlehren: Taufe (stellvertretend) für die Toten, Stammapostel, zig Daten zum kommenden Weltuntergang, Jesus ist nicht (unser) Gott, Sonderoffenbarungen, abenteuerliche Sakraments- oder Abendmahlverständnisse (ok, das ist schon die hohe Schule der Theologie) …

    Von Einzelnen (damit fängt es meist an) oder Gruppen wird die Bibel mißverstanden (Übersetzungsprobleme, zu wenig Forschen in der Bibel), sei es aufgrund des Bildungshintergrundes -wer kann schon Altgriechisch,- sei es, dass Diskussionen oder Belehrungen unerwünscht sind/waren. Der Glaube an die eigene Unfehlbarkeit in der Interpretation der Bibel kommt hinzu, und dann landet man bei kognitiver Dissonanz. Die eine Irrlehre zieht die nächste nach sich. Nun sollte man meinen, dass neu hinzukommenden, Jesus suchende Menschen, irgendwann ein Licht aufgeht, dass in der Gemeinschaft Irrlehren vorkommen – das Lichtlein wird dann von den traditionellen Überlieferungen, Papsttum im Kleinen mit Unfehlbarkeitsansprüchen und Sonderlehren erstickt.

    „Sola Scriptum“: ja für den Einzelnen, aber insbesondere für die Gemeinde oder den Hauskreis, wo jeder seine Gaben im Schriftverständnis mitbringt. Der eine bringt das Sprachverständnis mit, vielleicht auch in historischen Sprachen, der andere hat die Gabe, sich relevante Bibelstellen gut merken zu können (oder hat ganze Passagen auswendig gelernt), jemand kann gut erklären, und jemand anderes stellt Fragen von Anfängerfragen bis hin zu komplexen theologischen Fragestellungen. Und wiederum jemand hat die Gabe, die Bibel und ihre Aussagen in die heutige Zeit und Lebenssituationen zu transportieren. „Sola Scriptum“ heißt auch, das, was in der Bibel steht, entsprechend umzusetzen und in einer christlichen Gemeinschaft eingebunden zu sein.

    Also muß „Sola Scriptum“ auf unsere Lebensgestaltung abfärben:
    – lebe in einer christlichen Gemeinschaft
    – prüfe alles, aber das Gute behalte (gilt auch für Traditionen und althergebrachte Auslegungen)
    – lass dich korrigieren, wo es notwendig ist
    – habe den Mut, auch andere zu korrigieren
    – setze deine Gaben in einer Gemeinschaft ein
    – setze die guten Ordnungen, die Gott gegeben hat, in dein Leben um. Gerade bei Paulus findet man viel, was das Leben in der Gemeinschaft, in der Ehe, mit Kindern usw. angeht
    – akzeptiere, dass man in der Bibel keine Rosinenpickerei betreiben kann, „Sola scriptum“ meint die ganze Schrift d8e widerspruchsfrei an sich selbst ausgelegt werden muß)
    – bemühe dich um geistiges Wachstum, sei dabei wie Olympionike, der ganz vorne sein will
    – und nimm dabei trotzdem Rücksicht auf die (im Glauben) Schwachen
    – …

    Oder, um es abzukürzen: lebe mit und nach der Bibel.

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