Weihnachten 2

„Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.“
(Matthäus 1,19)

Josef und Maria sind zwar nur verlobt – aber im Gegenteil zu Klima im heutigen Deutschland galt das schon fast als Ehebündniss. Fast. Es reichte, um Josef als den Mann von Maria zu bezeichnen.

Josef ist „ihr Mann“. Fast scheint es, als müsste das Matthäus in seiner Schrift noch einmal betonen: Maria hat keinen anderen! Josef ist wirklich ihr „one and only“! Die Schwangerschaft von Maria ist wirklich ein Wunder – alles legal… aber irrational.

Josef ist ein Guter. Ein „Frommer“. Der meint es ernst mit Gott. Er tut sein Bestes. Ein Ehrenmann. Aber bei allem Respekt für Maria: diese Schande der Schwangerschaft will er nicht mittragen.

Was tun?
Maria an den Pranger stellen?
Das wäre womöglich die Vorgehensweise einiger Pharisäer gewesen. „Wer mir in den Hintern tritt, der bekommt die Rechnung! Aug‘ um Aug‘, Zahn und Zahn. Gerechtigkeit muss sein!“

Aber in Josef entdecken wir keinen, der Fairness einfordert.
Stattdessen denkt er sich diesen Weg aus:
Er würde Maria verlassen.
Dann müsste er nicht die josefunabhängige Schwangerschaft mittragen.
Die Leute könnten denken:
„Erst schwängert er sie und dann lässt er sie im Stich!“
Er wäre der Böse.
Aber als Mann kann man sich das leisten. Die Leute könnten munkeln, ob Maria vielleicht das Essen hatte anbrennen lassen. Für manche Zeitgenossen war das damals durchaus ein Trennungsgrund.
Reden würden die Leute so oder so.
Trotzdem: Maria hätte als Verlassene noch immer die Chance auf einen zweiten Mann. Und Josef könnte weit wegziehen und einen Neuanfang starten.

So viel zur menschlichen Weisheit.
Solche Zwickmühlen wie die von Josef erfahren wir immer wieder:
Wir wollen keinem was Böses, aber wir wollen uns auch nicht auf den Arm nehmen lassen. Und dann heißt es mitunter: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Kann klug sein.
Andere ziehen sich lieber zurück.
Nach heftigen Enttäuschungen muss ein Streit nicht sein. Aber das Miteinander will man auch nicht mehr. Es stirbt etwas zwischen Menschen. Wahrscheinlich gibt es hierzulande Tausende von Beziehungen, die auf diese Weise gestorben sind.
Gefühlstechnisch nachvollziehbar.

Kann aber auch volle Kanne gegen Gottes Idee sein.

Bildquelle:
http://www.sxc.hu/photo/686130 von http://www.sxc.hu/profile/debsch – Seite aufgerufen am 20.12.2010

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3 Gedanken zu „Weihnachten 2

  1. Klasse Beitrag Dirk!
    ja, wer „Gottes Idee“ in der Praxis tatsächl. über seine eigene stellt, kann etwas wunder-volles erleben:
    Liebe findet einen Weg, auch wo wir keinen sehen, weil sie der Weg ist!
    Segen

  2. Pingback: Weihnachtserkenntnisse « berlinjc

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