Werft ihn raus!

„Überhaupt geht die Rede, dass Unzucht unter euch ist, und zwar eine solche Unzucht, wie es sie nicht einmal unter den Heiden gibt: dass einer die Frau seines Vaters hat.
Und ihr seid aufgeblasen und seid nicht vielmehr traurig geworden, sodass ihr den aus eurer Mitte verstoßen hättet, der diese Tat begangen hat?
Ich aber, der ich nicht leiblich bei euch bin, doch mit dem Geist, habe schon, als wäre ich bei euch, beschlossen über den, der solches getan hat:
Wenn ihr in dem Namen unseres Herrn Jesus versammelt seid und mein Geist samt der Kraft unseres Herrn Jesus bei euch ist, soll dieser Mensch dem Satan übergeben werden zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn. Euer Rühmen ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?
Darum schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja ungesäuert seid.
Denn auch wir haben ein Passalamm, das ist Christus, der geopfert ist.Darum lasst uns das Fest feiern nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern im ungesäuerten Teig der Lauterkeit und Wahrheit.“
(1. Kor 5,1 ff.)

Die Gemeinde im antiken Korinth war eine der „Urgemeinden“. Aber sie war ein Beispiel an Chaos, Lieblosigkeit, Stolz und Streit. Dennoch spricht Paulus sie im Brief als „Heilige“ und „Tempel Gottes“ an.
Ist Paulus blind?
Will er schleimen?

Nein – er schreibt die göttliche Wahrheit:
Die Identität der korinthischen Christen ist in Jesus Christus begründet. Von Jesus her gesehen sind sie wirklich „heilig“. Nicht, weil sie so gut wären, sondern weil ihnen das angerechnet wird, wer Jesus ist.
Aber eben weil sie von Gott als etwas Besonderes gelten, sollen sie sich anders verhalten. Oder zumindest lernen.

Der Unzuchtsfall in ihren Reihen spricht aber eine andere Sprache. Sie dulden nicht nur, dass jemand mit seiner Stiefmutter zusammen ist, sondern sie sind sogar stolz darauf. „Schau mal, wie tolerant wir sind!“
Für die korinthischen Christen ist es Ausdruck ihrer christlichen Freiheit.
Aber vor Gott ist es Sünde.

Paulus bemängelt, dass die Korinther über diese Sünde nicht trauern.
Damit offenbaren sie ihre Herzenshaltung: Statt Trauer und Schmerz über die Sünde zu haben, geben sie der Sünde einen Rahmen.

Somit geht es im Text nicht zuerst darum, was alles Unzucht sein mag.
Oder wie genau ein Ausschlussverfahren in der Gemeinde zu laufen hat.
Es geht vielmehr darum:
Lieben wir Gott so sehr, dass wir die Sünde entsprechend hassen?
Oder sind wir tolerant gegenüber der Sünde geworden, erklären sie und rechtfertigen sie vielleicht sogar?

Paulus empfiehlt dann der gesamten Gemeinde, das betreffende Gemeindemitglied dem Satan zu übergeben. Das Ziel soll sein: Weg aus dem Segensbereich Gottes und wieder rein in den Einflussbereich des Satans, damit der Betroffene „aufwacht“ und umkehrt zu einem Leben unter der Herrschaft Jesu. Dabei mag der Körper leiden. Aber er selbst könnte so gerettet werden.
So ist auch der Gemeindeausschluss keine Racheaktion oder ein Strafverfahren ohne Perspektive. Der Gemeindeausschluss ist das letzte Mittel, um jemanden zur Besinnung zu bringen. Der Gemeindeausschluss macht deutlich: „Jetzt bist Du vom Körper Jesu abgetrennt!“

Die Paul’sche Empfehlung ergeht nicht an den Pastor, die Gemeindeleitung oder einem ähnlichen Gremium. Paulus spricht die ganze Gemeinde an. Die Gemeinde selbst hat die Vollmacht und nicht ein einzelner „Häuptling“.
Der Grund ist klar:
Schließlich sollen wir uns gegenseitig darin ermutigen und begleiten, mit Jesus Christus zu leben. Mit diesem Ziel: Eine Herzenseinstellung wie Jesus zu bekommen, damit wir Gott und den Nächsten völlig lieben können. In diesem Prozess mögen manche Christen eine besondere Unterstützerrolle spielen. Aber letztlich ist jeder Christ dafür nötig (1. Kor 12).
Und schließlich ist die gesamte Gemeinde durch den Vorfall betroffen. Wenn ein Organismus vom Krebs befallen ist, dann geht es auch nicht nur die Brust was an. Der Krebs hat vielleicht gestreut. Und mit einem Mal sind der Arm, der Bauch und andere Körperteile erkrankt.
Deshalb hat die Gemeinde als vollmächtiges Organ über den Ausschluss zu entscheiden.

Paulus wird bei der Entscheidung dabei sein. Nicht nur gedanklich, sondern durch den Heiligen Geist. Das ist nicht die Macht des Paulus. Das ist die Macht und Gegenwärtigkeit des Heiligen Geistes, die Paulus befähigt, im Geiste anwesend zu sein.

Der Wunsch Gottes bei alledem ist, ein Team zusammenzubauen, das Ihn ehrt, indem es das tut, was Er sagt. Und wir werden dabei entdecken: Gott zu gehorchen, dient mir selbst zum Segen.

Leider und traurigerweise müssen dann zum Schutz der Gemeinde und zur Besinnung anderer, manche Leute aus der Gemeinde geworfen werden.

Ein radikaler Schritt der Liebe zu Gott und dem Nächsten.

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