Gottes Wesen und die Hölle oder: Die Hölle und unser Gottesbild

Als „gelinkte“ Fortsetzung von „Ewig in der Hölle schmoren?“ anbei drei weitere Verlinkungen:

o JNj. mit Hinweisen auf lesenswerte Artikel zum Thema.

o Justin Taylor, der auf eine Rezension zum Buch von Rob Bell verweist (Love wins – ein Buch zum Thema der Hölle, das in manch christlichen Gruppierungen für Gesprächsstoff sorgt).

o Mark Driscoll, der in Kürze seine Schau auf „Gott & Hölle“ darstellt.

Die Behandlung des Themas ist insoweit wichtig, weil die Beantwortung der Frage „Warum hat Gott die Hölle geschaffen?“ wesentlich für unser Gottesbild ist. Das Gottesbild wiederum prägt bei vielen das Denken und Handeln. Sowohl die Bilder vom „Horror-Gott“, der nur auf das Strafen aus ist, als auch das vom „Kuschel-Gott“, der niemals einer Fliege das Bein rausreißen würde, sind entscheidend für unseren Lebensstil, für die Kindererziehung, die Stimmung in einer Gemeinde, den Umgang mit anderen Menschen.
Wenn ich glaube, dass Gott in erster Linie ein strafender Gott ist, werde ich Angst vor Ihm haben oder auch Wut gegen Ihn entwickeln. Angst und Wut werden zu Begleitern in meinem Leben.
Wenn ich glaube, dass Gott letztlich immer alles verzeiht, wird Er mein „Kumpel-Gott“ sein, mit dem man Pferde stehlen kann und der auch mal Fünfe gerade sein lässt. Ich würde einen „laissez faire“-Stil entwickeln und manches, was ernst genommen werden sollte, etwas weniger ernst nehmen.

Wie schon in der ersten Verlinkung (s.o.) dargestellt, ist die Existenz der Hölle mit dem Inhalt der absoluten Gottesferne biblisch nicht von der Hand zu weisen.

Für mich bleibt die Frage nach der Ewigkeit der Gottesferne.
Werden die Menschen, die ohne Jesus leben wollten, völlig ausgelöscht (s.a. der zweite Tod nach Offenbarung 2,11; 20,6; 20,14; 21,8) oder werden sie ewig leiden (s.a. Daniel 12,2 und ???)?

M.E. hängt die Antwort davon ab, wie wir das Wort „ewig“ definieren bzw. vom Altgriechischen oder Hebräischen her mit Bedeutung füllen dürfen.
Folgend meine unvollständigen Beobachtungen dazu:

– Die „Äon-Lehre“:
Gelegentlich wird der Vorschlag gebracht, dass „ewig“ ein „Äon“ bezeichnen würde, womit ein langer Zeitabschnitt gemeint sei, der aber auch wieder zu Ende gehen würde. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Leiden in der Hölle irgendwann zu Ende ist. Allerdings muss dann gleichermaßen festgehalten werden, dass auch das ewige Leben irgendwann wieder zu Ende sein müsste (dieser Schluss taucht bei den meisten Anhängern dieser Lehre allerdings nicht auf).
Diese Äon-Lehre kann letztlich auf die „Allversöhnungslehre“ hinaus laufen. Man würde davon ausgehen, dass Gott die Menschen alle zur Versöhnung führt (wofür manche Bibelverse zu sprechen scheinen!). Das Leiden in der Hölle wäre zeitlich begrenzt.
Manche meinen, Gott würde die Gottlosen auch gegen ihren Willen retten. Andere bauen das Werkzeug des Fegefeuers ein, bei dem eigentlich jeder erkennen muss, dass er Jesus zur Errettung braucht und dann auch – irgendwann – zum rettenden Glauben findet.
Unser Gottesbild könnte in eine stärkere Unsicherheit führen, denn wir wüssten nicht, wie lange nun ein „Äon“ ist. Und: Was geschieht mit den Jesus-Gläubigen nach dem „ewigen“ Leben? Fängt dann alles wieder von vorne an? Dann wären in der Nähe der Kreislaufvorstellungen des Buddhismus und ähnlicher Philosophien und Religionen angelangt. Gott würde eine Art „ewiges“ Spiel mit uns treiben.
Verbunden mit der „Allversöhnungslehre“ würde das Bild eines Gottes entstehen, der durchaus straft, aber nur mit dem Ziel, dass schließlich jeder zum Glauben findet. Es gäbe also einen Höllen-Ausgang, wobei sich die Tür nur öffnet, wenn man Jesus als Herrn und Erlöser bekennt. Wer das nicht tut, wird weiter in Schmach und Schande sein. Dieser Gott würden jedem immer wieder neue Chancen geben. In diesem irdischen Leben, aber auch später. Jeder, wie er kann und mag, wird gerettet. Selbst, wenn wir das irdische Leben gottlos und menschenfeindlich gelebt hätten, wäre das eigentlich irrelevant, denn spätestens in der Hölle könnte man ja noch umkehren.
Das Gottesbild, das hier entsteht, hätte mindestens zwei Aspekte:
Gott wäre wie ein unendlich geduldiger und liebender Papa.
Aber Gott wäre auch wie jemand, dessen Worte man heute nicht ernst nehmen muss. Es gäbe ja noch die zweite, dritte… tausendste Chance auf das ewige Leben!

– Die „Neverending-Lehre“:
Die meisten Theologen haben bislang die Ansicht vertreten, dass das Wort „ewig“ tatsächlich „nie aufhörend, immer andauernd“ bedeuten würde. D.h.: Das ewige Leben hört nie auf und somit werden alle Jesus-Gläubigen auch ewig leben. Die „Schande und Schmach“ ist ewig (s.a. Daniel 12,2) und somit werden alle anderen ununterbrochen an dieser Schande und Schmach leiden.
Natürlich tauchen dann Folgefragen auf: Was bringt es Gott, wenn von Ihm eigentlich geliebte Wesen für immer leiden müssen? Hat das ewige Leiden irgendeinen Sinn? Eine Funktion? Oder ist es schlichtweg „ewige Rache“?
Entweder Er ist ein Gott, der ohnmächtig gegenüber Seinen eigenen Gesetzen ist (Gott könnte den Ort der Hölle und die Existenz in der Hölle nicht rückgängig machen, sobald jemand dort ist) oder Er ist ein Gott, der das andauernde Leiden der Gottlosen ausdrücklich will.
Entgegen der letzten Schlussfolgerung argumentiert mancher, dass in der Hölle nur Freiwillige seien – also Menschen, die den Glauben an Jesus abgelehnt haben. Gott würde ihnen nicht zumuten wollen, entgegen ihres eigenen Beschlusses nun ewig in Seiner Gegenwart zu leben.
Doch muss weitergefragt werden:
Wieso muss die irdische Entscheidung eines sinnlich, intellektuell und sonstwie beschränkten Wesens unabwendbare Folgen in Form ewigen Leidens haben? Das wäre so, wie wenn ein Kind den eigenen Eltern ungehorsam war und nun bis zum Sterbetag Fernsehverbot und Zimmerarrest erleiden muss (wobei das Fernsehverbot durchaus heilsam sein könnte…).
Wie dem auch sei: Hier kommen wir zu einem Gottesbild, das eine Radikalität und Absolutheit in sich birgt. Das ist kein „lieber“ Gott. Das ist ein leidenschaftlich-eifersüchtig-liebender Gott, aber gleichermaßen auch ein völlig eiskalter, unnahbarer und vernichtender Gott. Wer auf Seiner Seite ist, gehört zu den Gewinnern. Für immer. Wer aber gegen Ihn ist, der gehört zu Seinen Feinden. Für immer.

– Die „Auslöschungs – Lehre“:
Eine gelegentlich auftauchende Lehre, die aber keinen breiten Konsens hat, ist die Ansicht, dass das Wort „ewig“ im Sinne von „unumkehrbar“ zu verstehen sei und sich das Wort auf die Folge des Glaubens bzw. Unglaubens bezieht und nicht auf die Person.
D.h.: Wenn von ewiger Schmach die Rede ist, dann ist die Schmach an sich unumkehrbar. Ist der Zustand dieser ewigen Schmach erst einmal eingetreten, dann gibt es kein Zurück mehr. Keine Allversöhnung. Aber nur weil die Schmach unumkehrbar ist, heißt es nicht, dass die  Ungläubigen auch ewig die Schmach erleiden müssen.
Übertragen auf das ewige Leben hieße es das:
Wer als Jesus-Gläubiger das ewige Leben hat, hat ein Leben bekommen, das unvergänglich ist. Das heißt noch nicht, dass der Gläubige das ewige Leben auch ewig erleben wird!
An dieser Stelle werden die Verse aus der Offenbarung relevant (s.o.):
Die Ungläubigen erleiden den zweiten Tod, die Gläubigen aber werden am „ewigen Leben“ bleiben. Denn worin soll der zweite Tod bestehen, wenn mit dem ersten Tod schon der irdische Körper vernichtet wurde? Nach biblischen Verständnis bleibt nur der Geist des Menschen übrig, der jetzt noch vernichtet werden kann. Das wäre die völlige Auslöschung der Feinde Gottes. Auch darin würde die Ewigkeit deutlich werden: Eine Auslöschung ist unumkehrbar.

Aktuell sympathisiere ich mich dem letzten Denkmodell. Es ist für mich schlüssiger, vor allem, was die Aussagen zum zweiten Tod betreffen. Und das dabei resultierende Gottesbild ist mir etwas näher: Gott zwingt niemanden die Erlösung auf. Wer ohne Ihn leben will, wird Ihn in der Ewigkeit nicht loben müssen. Da ein ewiges Leiden begrifflich nicht wirklich in der Bibel auftaucht und es uns relativ uneinsichtig ist, wenn wir an einen liebenden Gott denken, wäre die völlige Auslöschung der beste „Kompromiss“.

Wie dem auch sei:
Nie würde ich versuchen wollen, das ewige Leben auf’s Spiel zu setzen, in der Hoffnung, dass man ja doch noch eine Chance nach dem Tod bekommt. Da kann man nur verlieren.
Dann lieber jetzt das ewige Leben ergreifen und jetzt schon ein sinnerfülltes, werteorientiertes Leben führen, in dem Bewusstsein, von Gott geliebt zu sein. Da kann man nur gewinnen.

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