Vorherbestimmt zum Glauben und Unglauben?

Beim Lesen der Bibel stößt man auf Verse, die danach klingen, als wäre der Glaube des Einzelnen vorherbestimmt. Damit seien die gemeint, die von Beginn der Welt an im „Buch des Lebens“ stehen. Manche ziehen daraus den Umkehrschluss, dass es damit auch eine Vorherbestimmung zum Unglauben gäbe. In der Folge hieße das, dass Gott die einen zur Erlösung und die anderen zur Verdammung ausgesucht hat.
Das riecht nach Schicksal, dem man sich ergeben muss.

Wenn man sich aber bewusst macht, dass wir Gott um die Errettung Einzelner bitten können, dann werden wir durch unser Gebet ziemlich viele Menschen in die Vorherbestimmung zum Glauben bringen können. Nicht, weil unsere Gebete so stark wären, sondern, weil es Gottes Wille ist, dass Menschen zu Ihm finden. Da Er uns aber dabei haben will, handelt Er oft nur, wenn wir beten.
Wenn wir also beten, dass Gott eine bestimmte Person erretten möge, dann wird zwar keine Person zum Glauben an Gott genötigt. Aber die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Gott diese Person in das „Lebensbuch“ einschreibt und eine Person vorherbestimmt.

Gott ist das deswegen möglich, weil Er ewig ist. Er ist nicht an die lineare Zeit gebunden. Er kann jederzeit an den Anfang eines Lebens gehen.
Diese Sichtweise löst jegliche Spannung zwischen Vorherbestimmung zum Glauben und zum Unglauben auf.

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4 Gedanken zu „Vorherbestimmt zum Glauben und Unglauben?

  1. Aber die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Gott diese Person in das „Lebensbuch“ einschreibt und eine Person vorherbestimmt.

    Und hier haben wir schon den Fehler! Diese Annahme, dass Menschen erst durch die Errettung in das Buch des Lebens eingetragen würden, ist schon falsch. Tatsächlich ist
    a.) die Idee eines „Buch des Lebens“ garnicht mal alleine in der Bibel zu finden, sondern auch in anderen Religionen.
    b.) laut Bibel sind (fast) alle Menschen, die jemals zum Leben gekommen sind und werden (also schon als Fötus im Mutterleib) im Buch des Lebens eingetragen. Denn darin stehen zunächst einmal alle, die leben (werden).
    Jesus – bitte nachlesen – sagt lediglich, dass unsere Sorge sein sollte, dass unsere Namen nicht aus dem Buch des Lebens gelöscht würden. Es geht also nicht um eine Eintragung per Erlösung, sondern um eine Erhaltung des bestehenden Eintrags.
    Lediglich in der Offenbarung (Offb 13:8+17:8) lesen wir von ganz ganz wenigen Menschen, einer scharf eingegrenzten Gruppe, deren Namen schon von Beginn an nicht im Buch des Lebens standen. Das zu verallgemeinern ist unseriös.
    Gott geht also nicht jederzeit zum Anfang des Lebens eines Menschen, sondern er erhält das Ende der Menschen variabel. Sprich: er gibt uns die Freiheit der Entscheidung und damit auch unser Ende zu verändern.

    Da aber zunächst alle Namen aller Lebenden im Buch des Lebens stehen, haben wir hier eher einen starken Hinweis darauf, dass Gott keine Vorauswahl oder Vorherbestimmung getroffen hat. Alleine das Gott schon immer wusste was für uns erst sein wird, heißt eben noch lange nicht dass ER das auch so bestimmt hat. Etwas (vor allem als nicht in der Zeit eingebundener Allwissender) zu wissen, ist eben nicht gleichbedeutend mit etwas so bestimmen. Dies ist ein ganz typischer Denkfehler der Anhänger der Prädestination.

    • @Charly:
      Danke für’s Mitdenken!
      a) Interessanter Hinweis.
      b) Könntest Du mir bitte nochmal die Jesus-Stelle(n) zeigen? Finde ich gerade nicht…

      In der Tat gibt es Bibelstellen, m.E. vornehmlich aus dem AT, wonach die Bitte existiert, nicht aus dem Buch des Lebens gelöscht zu werden.
      Allerdings ist dabei nicht ganz deutlich, ob die Bittenden bzw. ob Gottes Aussage vor dem Hintergrund zu verstehen ist, dass wir es eigentlich mit Gerechten zu tun haben, die durch Sünde aus dem Buch gelöscht werden oder ob es um Ungerechte geht, die dennoch im Buch des Lebens stehen.
      Die Offb.-Stellen finde ich nicht so allgemein. Immerhin gibt es nicht allzu viele Stellen zum Thema „Buch des Lebens“. Da sind auch diese relevant und erhellen den Horizont.

      Bei alledem müssen wir berücksichtigen, dass der Aspekt der „Vorherbestimmung“ in der Bibel auftaucht (u.a. Römer). Was auch immer das heißen mag… aber vernachlässigen dürfen den Aspekt nicht.

      Letztlich ist das eben meine Überlegung:
      Unsere Vorstellung von Prädestination (zum Heil / zum Unheil?) ist zwangsläufig menschlich begrenzt. Wir denken linear. Vom Anfang bis zum Ende.
      Gott aber ist ewig. Das Gestern kann für Ihn wie das Heute und das Morgen sein.
      Für uns schreibt Er zwar lineare Geschichte, ist aber nicht in der Geschichte gefangen.
      Deshalb kann Er aus dem Buch des Lebens löschen und eintragen.
      Unsere Gebete und die Verbreitung des Evangeliums können dabei wichtige Kanäle sein, durch die Gott Leben wirken kann.

  2. Na Ja- Aufgelöst kann man ja wohl nicht sagen 😉
    Ich glaube auch, daß unser Gebet notwendig ist, daß Menschen errettet werden.
    Menschen werden nicht errettet, wen Menschen nicht beten.

    [Jak 4,2 b] . Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; 1.Problem

    [Jak 4,3] ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden. 2. Problem

    [Jak 1,6] Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. 3. Problem.

    Es stimmt schon mit der Vorherbestimmung haben wir Kein Problem.

    Aber mit uns schon,

    Über Gebet von Finney
    gebet
    Lohnt sich zu lesen

    Da Gott in seiner Allmacht sich entschieden hat mit mir Pfeife zusammenzuarbeiten könnte es schon so etwas wie eine Bestimmung zum Verderben für manche sein ein bisschen betroffenes 😉

  3. Ich verstehe diese Aussage von Jesus so:
    Lukas 10:20 Doch darüber freut euch nicht, daß euch die Geister untertan sind; freut euch aber, daß eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind!

    Für mich ist es schon relevant, dass wir zB in Psalm 69 lesen, dass Gerechte und Ungerechte im Buch des Lebens stehen – denn David bittet Gott, die Ungerechten aus dem Buch des Lebens zu löschen. (Was Gott dann doch alleine entscheidet) Nicht im Buch des Lebens einmal eingetragen (gewesen) zu sein, macht uns Gerecht. Dort nicht gelöscht zu werden bestimmt, ob wir am Tag des Gerichts als Gerechte gewertet werden.

    Deinen Gedanken zu Gottes Zeitlosigkeit kann ich nur zustimmen. Zu solch abstrakten Denken sind aber so manche nicht fähig. Das beobachte ich unter Anhängern der Prädestination fast schon regelmäßig.

    Btw.: Laut Bibel gibt es im Himmel noch weitere Buchhaltungen:
    Das Buch des Lebens
    Das Buch Israels Jes. 4:3; Hes. 13:9
    Das Buch der sieben Siegel Offb. 5ff
    Das Buch der Tage Ps. 139:16
    Die Bücher der Werke Offb. 20:12ff; Dan. 7:10
    Das Buch der Erinnerungen Mal. 3:16; Ps. 56:9

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