Gott lässt Leid sehen – Hesekiel 37,1-2

„… führte mich hinaus im Geist des HERRN und stellte mich mitten auf ein weites Feld; das lag voller Totengebeine. Und er führte mich überall hindurch. Und siehe, es lagen sehr viele Gebeine über das Feld hin, und siehe, sie waren ganz verdorrt.“ (Hesekiel 37,1b-2)

„Im Geist“
Der Prophet Hesekiel erfährt etwas „im Geist des Herrn“. Es ist eine Formulierung, die andeutet, dass das Geschehen im spirituellen Raum stattfindet und nicht im greifbar-geografischen Raum.
„Im Geist des Herrn“ heißt ebenso: Das hier ist keine Illusion, ein Traum oder eine Märchenstunde. Das hier ist geistliche Realität! Das hier ist wirklich! Denn es ist Gottes Sicht auf unsere Wirklichkeit.
Ein schwacher Vergleich: Wenn ein Physiker eine Formel aufgrund seiner Beobachtungen entwickelt, dann steht die Formel zunächst nur auf dem Papier. Aber sie wird irgendwann greifbar, weil mit dieser Formel z.B. bestimmte Gegenstände hergestellt werden oder Menschen bestimmte Handlungen vornehmen werde. Das heißt: Die Theorie hat zu einem gewissen Zeitpunkt Einfluss auf die greifbare Wirklichkeit.
So ist es auch hier: „im Geist des Herrn“ spielt sich in einer anderen Dimension ab, die dann aber Einfluss auf unsere greifbare Realität gewinnen wird.
M.E. ist das ein Gesetz Gottes: Geschehnisse müssen sich zuerst im geistlichen Raum abspielen und durchkämpft werden, bevor sie irdisch-sichtbar werden.

„Ein Feld voller Totengebeine“
Was geschieht in diesem spirituellen Raum?
Gott lässt Hesekiel ein Totenfeld sehen. Ein Feld, wie nach einer Schlacht. Überall sind Tote zu sehen. Nur: Das Feld ist alt. Man findet kein frisches Blut. Die Toten liegen hier schon länger. Es handelt sich nur noch um Skelette. Sie sind „verdorrt“.
Knochen über Knochen.
Töter geht es nicht.
Gott mutet dem Hesekiel diesen Anblick zu.
Er lässt ihn Leid sehen.
Gott packt uns nicht in ein rosaweiches Samtkissen. Nun gut – manchmal schon, Er ist ja der liebende Vater.
Aber wenn Er jemanden beruft, dann will Er das Herz des anderen erreichen, denn das Herz ist die Schaltzentrale des Wesens.
Und hier will Gott das Herz von Hesekiel erreichen.
Dazu gehört es, Hesekiel etwas sehen zu lassen, was zuerst schocken mag, was gruselig sein könnte, was Angst machen kann, was betroffen oder unsicher macht…. wie auch immer: aber ein Feld voller Toter lässt kaum jemanden kalt.
Auf diese Weise will Gott, dass Hesekiel den Blick Gottes bekommt – mehr als das… Hesekiel soll den Herzschlag Gottes spüren.
Denn diese Totengebeine stehen für das Volk Juda.

Dieses Volk mag sich lebendig fühlen.
Aber vor Gott sind sie schon lange tot.

Damit Hesekiel nicht nur mal einen kurzen Blick darauf wirft, sondern es ihm nahegeht, lässt Gott ihn durch das Feld gehen. Links. Rechts. Überall sind Tote und Knochen. Wenn es je etwas Hoffnungsloseres gegeben haben sollte, dann ist es diese Feld von Knochen.

Wer den Herzschlag Gottes spüren und erleben will, der wird auch in diese Momente geführt: Sieh das Leid und die Not!
Löse Dich von Deinem bisherigen Denkgewohnheiten und erlerne das Denken Gottes.
Nur, weil etwas lebendig aussieht, muss es nicht lebendig sein.

Das Volk Juda damals war sehr beschäftigt – aber aus Gottes Sicht waren sie eigentlich tot.

So ähnlich ging es mir kürzlich.
Ich war mit Bekannten und Freunden unterwegs in der Stadt. Überall Menschen, die sich amüsieren wollen. Prostituierte, Allkohol und Feierlaune bis zum Exzess waren da. Und ich spürte: So ist unsere Stadt!
Kaum einer meint es böse mit Gott – aber sind gehen einem Vergnügen nach, das sie auslaugen wird. Das ist Macht der Finsternis und Macht des Todes.
Große Teile unserer Stadt sind wie ein Feld voller Totengebeine.
Dabei auf Tote zu schimpfen, weil sie tot sind, ist eine vergebliche Mühe.
Da hilft keine Moralpredigt.

Wenn überhaupt irgendwas helfen soll, dann muss es damit zu tun haben:
Dass wir bereit sind, das Leid zu sehen und das Feld voller Totengebeine auszuhalten.
Erst dann, wenn wir das Herz für die Sache haben, werden wir die sinnvolle Motivation entwickeln, was zu tun, um das Leid zu beseitigen.

Und bei manchen mag auch das der Fall sein:
Vielleicht gibt es manches Totenfeld in unserem Leben.
Wenn Gott uns solch Unangenehmes sehen lässt, dann nicht, um uns zu deprimieren, sondern um Heilung zu bewirken.

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2 Gedanken zu „Gott lässt Leid sehen – Hesekiel 37,1-2

  1. *trällert*These are the days of Ezekiel,
    The dry bones becoming as flesh;

    So lift your voice; it’s the year of jubilee,
    And out of Zion’s hill salvation comes.

  2. super Beitrag Dirk!!

    Ja, wenn wir unter „Evangelisation“ nur wieder das verstehen würden, was Jesus dazu sagt:
    Indem ihr hingeht, predigt und sprecht: „Das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus; umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt. (Mat 10:7,8)

    denke, es würde funktionieren …

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