Bist Du stark oder schwach?

Es gibt Menschen, die sich als stark ansehen. Sie gucken auf das, was sie leisten im Vergleich zu anderen. Sie kennen ihre Fähigkeiten, vielleicht auch ihre Schwächen. Sie meinen, ein Fünkchen mehr Überblick zu haben als andere. Vielleicht sind es sogar mehrere Funken.
Dann gibt es Menschen, die sich als schwach ansehen. Ein Problem jagt das andere. Nie haben sie eine Verschnaufpause. Immer sind sie die Geplagten. Wenn sie das Leben anderer sehen, dann merken sie, wie das Leben anderer gelingt. Aber ihr eigenes Leben? Das ist nur eine einzig große Wunde.

Die Stärke des einen oder die Schwäche des anderen wird oft nur deutlich, wenn wir den direkten Vergleich mit anderen haben. Die anderen können als Spiegel dienen. Leider ist der Spiegel selbst verzerrt.

Das führt dann zu weiteren Reaktionen:
Die Starken sollten sich gefälligst mehr um die Schwachen kümmern.
Die Schwachen sollten sich mal am Riemen reißen.
Aus den Unterschiedlichkeiten wird schnell ein Gegeneinander.

Diese menschlichen Gegebenheiten sind auch dem Apostel Paulus nicht unbekannt gewesen.
So schreibt er im Römer-Brief 15, 1 ff.:
„Wir aber, die wir stark sind, sollen das Unvermögen der Schwachen tragen und nicht Gefallen an uns selber haben. Jeder von uns lebe so, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten und zur Erbauung. Denn auch Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen, sondern wie geschrieben steht (Psalm 69,10): »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.« Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.“


Paulus stellt sich in die Reihe der Starken („Wir aber, die wir stark sind,…“).
Wie definiert er die Stärke und Schwäche?
„Ich weiß und bin gewiss in dem Herrn Jesus, dass nichts unrein ist an sich selbst; nur für den, der es für unrein hält, ist es unrein.“ (Römer 14,14)
Stärke ist für Paulus nicht die körperliche Kraft.
Stärke ist nicht das Maß der Bildung.
Stärke ist nicht die Menge an Geld und Besitz.
Stärke ist nicht die Klugheit.

Stärke ist, im Vertrauen auf Jesus Christus zu leben und deshalb frei zu sein.
Wer im stärkeren Maße auf Jesus Christus vertraut, der fragt nicht danach, ob bestimmtes Essen kultisch rein oder unrein ist (s.a. Römer 14,14). Der weiß: Gott hat mich befreit und kultische Vorschriften gelten mir nicht mehr.
Wer stark ist, der muss nicht eine bestimmte Kleiderordnung einhalten, um sich akzeptiert zu fühlen.
Wer stark ist, der muss nicht auf bestimmte Feiertage achten.
Die Starken sind die Freien.

Doch was zählt die Stärke, wenn sie ohne Liebe ist (s.a. 1.Korinther 13)!?
Deshalb fordert Paulus die Starken auf, das Unvermögen der Schwachen zu tragen.
Was ist dieses Unvermögen?
Gemessen an Römer 14 ist es das Unvermögen, die durch Christus gewonnene Freiheit zu erkennen und zu leben.
Wie trägt man nun dieses Unvermögen der Schwachen?

Paulus setzt Christus zum Vorbild für die Antwort:
„Denn auch Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen, sondern wie geschrieben steht (Psalm 69,10): »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.«

Christus war bereit, unsere Verfehlungen auf sich zu nehmen.
Er war bereit, die Verantwortung  für unsere Schuldigkeiten zu tragen.

Das Unvermögen der Schwachen zu tragen heißt also das:
Kritisiere die Schwachen nicht wegen ihres Unvermögens.
Gründe keinen frommen Elite-Club!
Sondern versetze Dich in die Situation des Schwachen, leide mit ihm, kommuniziere auf seiner Ebene, bete für ihn in liebender Gesinnung und sei bereit, alles für den Schwächeren zu tun, damit dieser freier wird.

Denn das ist auch die Richtung, die Christus gegangen ist:
Sein Stellvertretertod diente nicht dazu, damit wir schwach bleiben.
Sein Tod diente dazu, dasswir frei werden.

So soll auch unser Mittragen der Freiheit der Schwachen dienen.
Ansonsten werden die Schwachen immer schwach bleiben.

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