Fromm-Quatscher, Kaninchenbratverein und die Einmütigkeit

Stell‘ Dir vor, dass Du mit Super-Intellektuellen, mit einem Schnorrer, einem Mann mit einem IQ von 60, einer Tratsch-Tante, einem Nörgel-Kind, einem rechtsorientierten Politiker, einem Neureichen und einem Fromm-Quatscher für ein Jahr jede Woche ein Treffen hast. Aufgabe: Kommt klar miteinander!

Wie schwer diese Aufgabe ist, zeigt uns ein Blick in einen x-beliebigen Verein. Ein Verein ist eine Organisation, in der sich Menschen mit einem gemeinsamen Interesse treffen. Es geht beim Kaninchenzuchtverein um Kaninchen, ihre Aufzucht und wahrscheinlich nicht um die richtige Zubereitung des Kaninchen-Bratens. Beim Fußballverein geht es um das Erlernen und Fördern von Fußball und danach möglicherweise noch um den Besuch des Vereinslokals.
Obwohl es allen Beteiligten deutlich ist, dass sie nur wegen des einen Interessenschwerpunktes zusammen sind, ergeben sich genügend Nebenkampfschauplätze. Plötzlich geht es um die Farbe des Vereinslokals. Oder darum, ob man beim Kaninchenzuchtverein nicht doch auch Bratrezepte austauschen darf.
Und dann kommt der Streit.
Die ersten Mitglieder treten wieder aus und suchen sich einen anderen Verein und gründen womöglich den ersten Kaninchenbratverein oder den „Grünes Vereinslokal e.V.“.
Die anderen bleiben und fühlen sich bestätigt, dass sie schon immer den richtigen Weg kannten und die Störenfriede nun endlich weg sind.

In einer christlichen Gemeinde ist selten anders.

Es gibt dabei oft zwei Kernprobleme:
Das erste Problem ist der andere.
Das zweite Problem bin ich.
Meinetwegen kann die Reihenfolge auch anders sein.

Wir sind mitunter so unterschiedlich, dass es ein Wunder ist, dass manche Gemeinde dennoch seit Jahrzehnten existiert und nicht schon längst das Zeitliche gesegnet hat.

Dennoch ruft uns Gott immer wieder dazu auf, aufeinander Rücksicht zu nehmen.
Das hört sich schön an.
Aber wie geht das, wenn ein Rechtspolitiker auf einen Linkspolitiker trifft?
Wenn die Oma, die sich nach Besinnung sehnt, auf ein quengelndes Kleinkind trifft?
Wenn sich der Klassik-Liebhaber und der Grunge-Fan treffen?
Wenn der Lobpreis-Armwedler mit der Fraktion der Gefalteten-Hände-Sitzebleiber zu tun hat?

Es scheint fast unmöglich zu sein, dass so ein Konstrukt auf Dauer hält.

Deshalb gibt uns Gott durch den Apostel Paulus einen wesentlichen Tipp mit:
„Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß, damit ihr einmütig mit „einem“ Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Römer 15,5-7)

Paulus gibt einen Segenswunsch mit. Besser: ein Gebet.
Gott gebe euch…
Damit wird deutlich, dass wir im Miteinander oft an unsere Grenzen kommen. Dass wir selbst schnell zum Gegeneinander kommen. Eben deshalb brauchen wir die Hilfe von Außen. Deshalb das Gebet an Gott: Wenn wir es nicht können, dann möge uns Gott helfen!

Aber nicht irgendein Gott.
Sondern der Gott der Geduld und des Trostes!
Genau das brauchen wir im Miteinander: Geduld.
Und wenn die Fetzen geflogen sind, hilft auch der Trost weiter.

Dieser Gott gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid.
Interessant, dass es keine Gemeinde gibt, die sich „Eintracht Jesu“ nennt – dafür einen entsprechende Fußballvereine…
Eintracht ist nicht Einstimmigkeit.
Es geht nicht darum, dass wir in allen Punkten einer Meinung sind.
Wir dürfen unterschiedliche Erkenntnisse haben. Wir dürfen unterschiedliche Ausdrucksweisen haben. Ja, wir sollen sogar unterschiedlich sein (s.a. 1.Kor 12 – der „Leib-Gedanke“).
Trotz der Unterschiedlichkeit einträchtig zu sein, heißt, dass wir uns wegen der Unterschiedlichkeit nicht zoffen. Reden und Austausch müssen sein. Aber Streit hilft prinzipiell wenig.

Doch worauf bezieht sich die Eintracht dann?
Auf Jesus Christus.
Wir sollen einträchtig gesinnt sein – Christus Jesus gemäß.
Jesus ist unsere Basis, unser Weg und unser Ziel.
Ist doch ganz klar, dass der „junge“ Christ wahrscheinlich nicht kapiert, weshalb der Amillenialismus eine sehr bedenkliche Kiste ist und dass der „alte“ Christ wahrscheinlich einiges Feuer der ersten Jesus-Leidenschaft gegen schöne Rituale eingetauscht hat. Ist doch klar, dass wir auf unterschiedlichen Reife-Graden unterwegs sind.
Doch dass diese uns nicht trennen müssen, zeigt der Verweis auf Jesus Christus.
Er ist unser Herr und unser Erlöser.
Jeder, der das von sich im Bezug auf Jesus bekennen kann, der gehört dazu.
Darin ist unsere Eintracht überlebensfähig.
Schwierig wird es nur da, wo wir den „richtigen“ Glauben nicht mehr an Jesus Christus hängen, sondern an die Ablehnung des Amillenialismus oder an die Akzeptanz bestimmter Traditionen.

So richtig befreiend wird das Ganze aber erst, wenn wir schließlich lernen, von uns selbst wegzugucken. Wir sollen weg davon kommen, in der eigenen Suppe zu kochen.
Schließlich haben wir einen Lebenssinn. Und das ist der:
„damit ihr einmütig mit „einem“ Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.“
Wir sind geschaffen zum Lobe Gottes.
Und zwar nicht jeder für sich.
Sondern wir zusammen, als der Leib Jesu: mit einem Munde, einmütig…

Deshalb sollen wir einander annehmen.


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3 Gedanken zu „Fromm-Quatscher, Kaninchenbratverein und die Einmütigkeit

  1. Klar! Tschaka! Hab ich gar keine Probleme mit, den anderen anzunehmen – so lang der sich so verhält, wie’s mir gefällt … 😉

  2. In einer christlichen Gemeinde ist selten anders.

    Das liegt daran, daß Gemeinschaften, die sich als »christliche Gemeinden« bezeichnen, in Wirklichkeit oft keine geistlichen, sondern soziale Strukturen sind. Deshalb sind sie auch den Begrenzungen und Verwerfungen sozialer Gemeinschaften unterworfen. Je mehr eine Gemeinschaft sich auf die menschlichen Bedürfnisse statt auf die geistlichen Tatsachen verlegt, desto stärker »sozialisiert« sie sich in diesem Sinne und desto anfälliger wird sie dafür, den Weg alles Fleisches zu gehen.

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