Der Sinn oder Unsinn von Predigten

Was bringen Predigten?

In meinem christlichen Gemeindeumfeld sind die Predigten oft 25 bis 40 Minuten lang.
Manchmal unterstützt durch den Beamer oder OH-Projektor.

Die meisten Prediger, die ich kenne, können predigen, sind aber nicht herausragend.
Zu den Durchschnittspredigern zähle ich mich auch.

Wenn’s einigermaßen ordentlich werden soll, benötigt eine Predigtvorbereitung 6-8 Stunden. Wenn dann noch Bilder oder Texte per Beamer dazu kommen sollen, sind es schnell 10-11 Stunden an Vorbereitung.

Doch wenn es dann zur Verkündigung kommt, merkt man schon an den Gesichtern, ob die Zuhörer dabei sind oder gegen den Schlaf ankämpfen. Ein normaler Schnitt könnte bei mir sein, dass ca. 1/4 wenig mit der Predigt anfangen kann und 2/4 der Zuhörer hier und da einen Punkt interessant finden und maximal das letzte Viertel von der Predigt beeindruckt ist. Doch selbst dieses letzte Viertel der Zuhörer wird sich einen Tag später wahrscheinlich nur noch an 1-2 Punkte aus der Predigt erinnern. Nach einer Woche ist es bestensfalls noch ein Aspekt. Und über einen Gesamtzeitraum von einem Jahr und vielen, vielen Predigten bleibt vielleicht eine Predigt hängen und ansonsten bleibt nur der persönliche Gesamteindruck des Redners.
Und dafür pro Predigt 8-10 Stunden an Vorbereitung investieren?
Dafür, dass die meisten den Inhalt der Predigt schnell vergessen, wenn sie überhaupt was „mitgenommen“ haben?

Dieses Predigtgeschehen schiebe ich nicht in die „Schuhe“ der Zuhörer oder des Predigers.
Die geringe Nachhaltigkeit von Predigten ist einfach dem Aufbau unseres Gehirns geschuldet. Wir lernen am schlechtesten, wenn wir nur zuhören können. Wir lernen am besten, wenn wir Dinge selber ausprobieren müssen.
Herkömmliche Predigten sind dem positiven Lern-Muster entgegengesetzt.

Selbst Jesus hat eher das getan:
1) Vorleben
2) Andere miterleben lassen
3) Dann gemeinsam darüber reden (was eine Predigt mitunter hilfreich erschienen ließ)
4) Schließlich: den anderen selber machen lassen

Das dürfte eines der besten Lernmuster sein.
Warum unsere Predigten oder Gottesdienstfeiern dem so entgegengesetzt aufgebaut sind, weiß ich nicht.

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7 Gedanken zu „Der Sinn oder Unsinn von Predigten

  1. Du hast Recht, Predigten sind z.T. noch wie am Anfang der christlichen Kirchen, nur nicht mehr in Latein. Gottesdienste sollten lebendiger sein, Besucher ihre eigenen Gedanken zur Predigt mit einbringen, oder so!

  2. Pingback: Gut predigen = vielfältig kommunizieren | Auf'n'Kaffee

  3. Ok, Ich habe diesen Antwort schon bei xxx gepostet, aber für diesen Blog tue Ich es nochmals:

    Ich muss Immer daran denken was Ich über die Prediger von “The Great Awakening” gehört habe ( http://en.wikipedia.org/wiki/First_Great_Awakening )

    “The First Great Awakening (or The Great Awakening) was a religious revitalization movement that swept Protestant Europe and British America, and especially the American colonies in the 1730s and 1740s, leaving a permanent impact on American religion. It resulted from powerful preaching that gave listeners a sense of personal guilt and of their need of salvation by Christ. Pulling away from ritual and ceremony, the Great Awakening made religion intensely personal to the average person by fostering a deep sense of spiritual guilt and redemption, and by encouraging introspection and a commitment to a new standard of personal morality.”

    und…

    “The new style of sermons and the way people practiced their faith breathed new life into religion in America. Participants became passionately and emotionally involved in their religion, rather than passively listening to intellectual discourse in a detached manner. Ministers who used this new style of preaching were generally called “new lights”, while the preachers who remained unemotional were referred to as “old lights”.”

    Wobei das wohl nicht ganz stimmt… Jonathan Edwards mit seiner berühmten Predigt “Sinners in the hand of an angry God” war wohl relativ monoton.

    Ich denke das das Entschiedene ist, das Gottes Wort in seiner Gesamtheit gepredigt wird so Menschen keine andere Wahl haben als auf das gehörte zu reagieren. Entweder Sie erkennen das Sie Gottes Hilfe in Alles brauchen, oder Sie wenden sich davon ab. Hauptsache Sie sagen nicht “nettes Predigt” und haben es am nächsten Tag schon vergessen.

    Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. – Hebräer 4,12

    • @Brian:
      Von solchen Tagen der Erweckung schwärme ich auch. So etwas möchte ich gerne miterleben.
      Die hatten damals keinen Beamer und kein Mikro – aber es haben sich Tausenden zu Jesus gewandt.
      Allerdings waren die Menschen damals auch nicht so zerstreut und dauerberieselt wie heute. Damals gab es andere Denkvoraussetzungen (Wahrheit war ein sicherlich ein feststehender Begriff – in unserer heutigen Gesellschaft wird ja z.T. die Existenz von Wahrheit schon bezweifelt). Das Menschsein ist genauso vor Gott – aber das Lebensumfeld der Menschen und damit auch vieles im Denken der Menschen ist anders. Und damit schwer zu vergleichen.

      Hinzu kommt, dass man auch heute kernig und deutlich predigen kann… doch ohne das Wirken des Heiligen Geistes bewirkt das mitunter eher verhärtete Herzen als das Gewinnen für Jesus.

      Wenn wir an der üblichen Form einer Predigt festhalten wollen, dann sehe ich nur diese Hilfen zur Lösung:
      – Prediger müssen beten und beten und beten
      – Die Gemeinde muss beten und beten und beten
      – Der Heilige Geist muss wirken
      – Prediger müssen rhetorisch an sich arbeiten – immer wieder

      Dann könnte Erweckliches aufbrechen…

      Segen für Dich!

  4. Also, bei uns sagt man, dass man über alles predigen darf, nur nicht über 15min.
    Weniger ist hier vllt. oft mehr. Ich hab ja schon mal gesagt, dass sich niemand die wichtigsten 38 Punkte für ein super Gebetsleben, oder was immer… merken kann. Und es kann sich auch niemand die 50 schönsten Verse zur____________ (Fill in the blank) merken. Echt nicht, auch nicht wenn man sie mitstenographieren würde. Wobei ich für meinen Teil auch „Mitmach“-Predigten für nicht besonders clever halte. Bei uns ist das ein No-Go, was aber den ein oder anderen nicht davon abhält, dass im den Mini-Messen zu veranstalten. Entweder die Leute trauen sich nicht was zu sagen, oder du hast hinterher eine Diskussion an der Backe. Beides passt – wenigstens nicht in meine Vorstellung von Liturgie. Das mag bei Dir was anderes sein, von daher, kannst Du es ja versuchen.
    Ich finde nichts schlimmer als „abwechslungsreiche“ Gottesdienste, ich will mich in die Liturgie fallen lassen können….. aber naja,…. das ist was anderes.
    Was ich für meinen Teil für total praktisch halte – auch wenn ich es nicht immer selber umsetzte- ist – wenn man die Schriftstellen, die an dem Tag dran sind, vorher liest und sich Gedanken oder Stichworte macht, was man selber dazu zu sagen hätte. Wenn man am Ende nur feststellt, wie unterschiedlich man an die Texte geht, hat man schon was gewonnen, finde ich. Das ist bei uns kein großer Aufwand, weil ja die Texte immer schon feststehen. Hier also wieder mein Werbeblock für die Lesejahre, mit denen man dann auch verhindert, dass man 50 Wochen über den Verlorenen Sohn predigt und zwei über Kreuznachfolge.

    • @bee:
      In der Tat – das wäre schon revolutionär für die mir bekannte, evangelisch-evangelikalen Gemeinden: 15 min.-Predigten!
      1-2 Punkte eines Bibeltextes verdeutlichen… reicht!
      Allerdings eine riesige Herausforderung für Prediger. Es scheint nämlich leichter zu sein, 30 min. zu predigen statt alles Unwesentliche zu kürzen und damit auf 15 min. zu kommen…. vielleicht probiere ich das das nächste Mal aus.

      15 min. genügen als Gedankenanstoß und lassen sich hoffentlich leichter merken.
      Die „tiefergehende“ Lehre kann dann in Hauskreisen/Bibeltreffen u.ä. vermittelt werden und zwar im Dialog, so wie es bei Jesus auch eher der Fall gewesen sein dürfte.

  5. Die Latte liegt seit Palmsonntag 2011 bei 3 min. 36 sec. für die kürzeste Predigt, die ich gehört habe. 😉 Allerdings wird auf Palmsonntag ja die komplette Leidensgeschichte in verteilten Rollen gelesen, von daher bleibt da auch nicht mehr besonders viel zu sagen.

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