Jesus-Baby vs Herakles-Baby

Die Weihnachtsgeschichte von und mit Jesus Christus ist Insidern wohl bekannt, wiewohl die Anzahl derer wächst, die nicht mehr wissen, was der eigentliche Grund von Weihnachten ist und eher an die Geschenke oder im besten Fall an das „Fest der Liebe“ denken (für diese: bitte in der Bibel lesen => Neues Testament – Lukas-Evangelium im Kapitel 1 oder Matthäus-Evangelium im Kapitel 1).

Die Geschichte, dass Gott Seinen Sohn als Baby in diese Welt schickt, um die Retterfunktion zu übernehmen, war damals vor ca. 2000 Jahren auch nicht sonderlich bekannt. Sie musste erst noch bekannt werden.

Doch es gab Stolpersteine:
Für die Juden war diese Jesus-Baby-Story höchst provokativ und im Kern eine Gotteslästerung. Ebenso wie die Moslems bekennen sie den EINEN Gott, der unmöglich einen Sohn haben kann. Und schon gar nicht einen, der schließlich am Kreuz stirbt. Wir können uns die Provokation dieser Geschichte kaum ausmalen. Vielleicht wäre es so, wie wenn bekannt würde, dass ein hochrangiger Pfarrer eine Liebesbeziehung zu einer Minderjährigen hat und dies nun als besonderes Vorbild gepriesen werden würde. Das würde mindestens ein intensives Kopfschütteln hervorrufen und sicherlich Tausende Rufe nach einem Ausschluss des Pfarrers aus der Kirche produzieren.

Aber auch für die alten Griechen war die Jesus-Geschichte nicht wirklich angesagt.
Die Griechen hatten zig Geschichten über ihre Götter und Helden. Einer von ihnen war Herakles – göttlich-menschlicher Natur. Im zarten Alter von 8 Monaten soll er zwei Schlangen erwürgt haben. Als er an der Brust seiner Mutter gestillt wurde, saugte er so stark, dass die Milch schließlich empor spritzte und so die Milchstraße entstanden sein soll. Ein unheimliches Baby. Aber so musste eine Helden- und Retterstory klingen, um bei den Griechen anzukommen.
Und das Jesus-Baby, das keine maximale Saugkraft hatte und noch niemanden im Babyalter erwürgt hatte?
Laaaaaangweilig!
Zumindest aus der Kreuzigungsgeschichte hätte man ein Drama machen können.
Aber glänzen konnte man damals bei den Griechen mit dieser Jesus-Geschichte nicht.

Kurzum:
Weder bei den Juden noch bei den Griechen war diese Jesus-Baby-Geschichte als Top-Seller programmiert. Eigentlich ein Rohrkrepierer.

Wer denkt sich also so eine Geschichte aus?

Das war kein Mensch.

Die eher unglücklichen Rahmenbedingungen für die Verbreitung der Weihnachtsgeschichte sprechen letztlich als ein Indiz dafür:
Diese Geschichte mit Jesus ist tatsächlich passiert und der Verfasser heißt Gott.

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4 Gedanken zu „Jesus-Baby vs Herakles-Baby

  1. Wer allerdings mit römischen Ohren hört, der hört schon sehr den revolutionären Ton der Weihnachtsgeschichten. Die Lesungen des Advents reihen einen Benzinkanister an den anderen und legen die Streichhölzer bereit. Spätestens am 2. Advent sollte man wissen, dass es nicht um eine niedliche Geschichte geht. Da wird eine Bombe gebastelt. Markus beginnt sein Evangelium mit einem Satz der die Grundfesten der röm.-griech. Vorherrschaft erschüttert: Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Dieser Satz stellt alles in Frage an was im römischen Weltreich als sicher und wahr galt. Evangelium ist nicht einfach nur eine gute Nachricht. Es ist eine politisch-religöse Ansage. Wenn Caesar einen Sieg errungen hatte, sandte man Boten aus, um diesen Sieg zu verkünden. Sie verbreiteten das Evangelium.
    Sohn Gottes war der Titel des römischen Kaisers. Markus lenkt den Blick auf Johannes den Täufer und Jesaja, deutet auf die Rückkehr aus dem babylonischen Exil und verbindet das zu einer Kampfansage an das herrschende System.
    Auch bei Lukas ist es eben nicht eine sentimentales Märchen, nicht ein Mythos, sondern er legt sich fest. Lukas sagt, wie kein anderer Evangelist: Jetzt! Jetzt ist es passiert es! Als Augustus Octavius Kaiser war. Jeder weiß, wer damit gemeint ist: Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex Maximus, Consul XIII, Imperator XXI, Tribunicae potestatis XXXVII, Pater patriae. Alle diese Titel greift der Evangelist auf und deuten sie auf den Hintergrund der prophetischen und apokalyptischen Literatur der jüdischen Tradition radikal um. Das Magnificat Mariens, der Gruß Elisabeths, der Lobgesang des Zacharias, die Darstellung im Tempel, da werden unglaubliche Aussagen getroffen. Nicht nur für Juden ist das „unerhört“, sondern auch gerade für die Römer. Bei Matthäus ist es ähnlich, er nimmt Micha, Hosea, Jesaja und Jeremia als Zeugen und kontrastiert in seiner Erzählung diese Realität mit der realen Herrschaft des Herodes I. Herodes hat nicht umsonst den Beinamen der Große. Das war ein extrem erfolgreicher Mann. Er baute den Tempel in Jerusalem aus und übertraf damit alles was es im Imperium gab, selbst der Tempel in Ephesus ( klassisches Weltwunder) verblasste daneben. Er erwarb eine wirtschaftliche Vormachtstellung im Bereich der Bronze und Pech (wichtig für die Seefahrt), er gründete Städte nach hellenischem Vorbild, er war geschickt in der Diplomatie und oft der lachende Dritte in den Auseinandersetzungen zwischen Rom und Ägypten. Soviel Erfolg hatte auch Neider, die er ohne zu zögern umbringen ließ, selbst wenn sie aus der eigenen Familie kamen. Der Mann konnte was, aber bei Matthäus wird klar, dass er nicht eine Sekunde eine Chance hatte, gegen das was da in Betlehem passiert. Seit dem da der Stern über einem Stall aufging ist Herodes der Große nicht mehr als eine kleine aber unrühmliche Nebenfigur in der Geschichte der Menschheit.
    Ich denke, wir erliegen viel zu oft der Gefahr, die Weihnachtsgeschichten wirklich nur als sentimentale Geschichtchen zu lesen. Als die Evangelist sie schrieben, da herrschte in Rom noch der Kaiser und Kaiser Kyrios war das religiöse und politische Bekenntnis der Zeit, alles andere entbehrte jeglichem Sinn so offensichtlich war die Macht der Caesaren. Christus Kyrios war nicht das Bekenntnis von harmlosen Wirrköpfen, sondern der Ruf der Rebellen, die jetzt eine neue Weltordnung verkündeten. Und Männer wie Nero oder Vespasian waren Kaiser. Nero ein besonnener Mann, der vorschnelle Todesurteile ablehnte, ein Freund des Volkes, der den Senat respektierte und großzügiger Förderer der Künste. Vespasian ein ausgeglichener und bescheidener Mensch, ein Reformer, der versuchte das Reich zu einen und die Schulden zurückzufahren. In diese Situation sang und singt der Kantor das Martyrologium Romanum und wir bekennen „ER wird wiederkommen in Herrlichkeit, um die Lebenden und die Toten zu richten;und Seiner Herrschaft wird kein Ende sein.“
    Das ist kein Rohrkrepierer in den Ohren der Mächtigen im Imperium, das ist eine höchst alarmierende Nachricht, sehr viel unheimlicher wie ein Baby, das Schlangen erwürgt.

  2. @bee:
    Gute Zeilen von Dir.
    Du hast Recht: Was für die Juden vor allem aus religiösen Gründen provokant war, war für die Römer politisch provokant.
    Wie auch immer: mit dieser Jesus-Geschichte musste man anecken.

  3. Politik und Religion haben damals weder die Juden noch die Griechen oder Römer voneinander getrennt. Die Juden erwarteten einen Messias, der die Stämme Israels wieder vereint und das davidische Königreich aufrichtet. Wenn das mal keine politische Erwartung ist, weiß ich es auch nciht. Der moderne Trend eine Unterscheidung zwischen der privaten Person, ihren Handlungen und Überzeugungen und der öffentlich bzw. politische Person, die dort eine ganz andere Rolle übernimmt, zu machen, ist denke, ich ziemlicher Müll. Religion auf den privaten Bereich beschränkt, ist keine Religion mehr. Das gerade viel Christen versuchen sich von Religion zu lösen und ihr privates Ding zu machen, finde ich von dieser Seite betrachtet, sehr merkwürdig.
    Die Verheißung eines privaten Messias kann ich zu mindestens in der Schrift nicht finden.

  4. Da hast Du sicherlich mehr Wissen als ich.
    Ich will einfach die Schwerpunkte deutlich machen, wobei ich zugebe, dass ich kein Historiker bin. Das Politische-Religiöse ist ja kein Entweder-Oder, aber es kann eine Frage der Gewichtung sein.

    Wenn ich die jüdische Anschauung richtig verstehe, dann ist ihr Antrieb zunächst ein religiöser, aus dem sich dann politische Folgen ergeben. Wenn das Evangelium also aneckte, dann zuerst aus religiösen Gründen.
    Mit den Römern und Griechen kenne ich mich noch weniger aus, vermute aber, dass z.B. die Römer das Politische mindestens gleichrangig zum Religiösen sahen; in der Praxis (konkret: die Römer als Besatzungsmacht) könnte das Politische vorrangiger gewesen sein (so wurde m.E. von den Juden nicht verlangt, die römischen Götter anzubeten – es galt eher eine Toleranz gegenüber diversen Kulten und Religionen; wenn es aber um die Kritik oder gar Ablehnung des römischen Staatskultes ging, musste man scheinbar mit Widerstand rechnen).

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