Watt mutt, datt mutt…

Ich bin eigentlich kein großer Fan der ganzen „Losungsgeschichten„. Es ist ja eh nur ein Teil der Verse wirklich gelost worden und das auch nur aus schon vorher festgesetzten Bibelversen. Spannend wären doch mal Verse wie dieser hier:
„… und du sollst den goldenen Räucheraltar vor die Lade mit dem Gesetz stellen und die Decke in der Tür der Wohnung aufhängen.“ (2. Mo 40,5)

Dennoch – ähnlich wie eine festgesetzte Liturgie, die für alle RK-Kirchen weltweit gilt – ist auch die Nutzung der Losungen eine Art stillschweigender Konsens unter den Evangelischen.
Zu Jahresbeginn NICHT über über die Jahreslosung zu predigen, wäre schon extrem freikirchlich. Und da ich gerne das Gemeinsame und Verbindende finde, gibt es hier nun ein paar Gedanken zur Jahreslosung 2012:
Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne.“ (2.Kor 12,9)



1) Großartige Gotterlebnisse
Paulus, der Verfasser dieser Verse, beschreibt zu Beginn des Kapitels großartige geistliche Erlebnisse mit Gott. Da war jemand (wohl meint Paulus sich selbst), der bis in den dritten Himmel entrückt war und dort Unaussprechliches erfahren hat.

Ich stehe der charismatischen Bewegung nahe. Es gibt dort eine Sehnsucht, Gottes wundersames Eingreifen zu erleben: sei es die Erweckung, die plötzlich über ganz Deutschland kommen soll; sei es die plötzliche Krankenheilung, die Totenauferweckung (Woody Allen soll mal etwas wie das hier gesagt haben: „Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Ich möchte nur nicht dabei sein, wenn es passiert.“) oder doch zumindest das befreiende Lachen im Heiligen Geist zu erfahren.
Ich finde, dass das eine gute Sehnsucht ist.
Auch in der Apostelgeschichte betete die Gemeinde, dass Gott seine rechte Hand ausstrecken möge, damit Wunder und Zeichen passieren. Und schließlich hat Jesus Christus selber mit solchen Dingen vorgelegt und sprach dann sinngemäß: „Folgt mir nach und lehrt das!“
Aber was wir gerne bei dieser Erwartung von spektakulären Gotteshandlungen vergessen, ist das, was Paulus dann beschreibt:

2) Der Pfahl im Fleisch
Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe.“
Paulus kann das nicht anders gemeint haben als so:
„Ich habe Starkes mit Gott erfahren. Aber damit ich nicht meine, ich sei nun der geistliche Überflieger, hält Gott mich an der kurzen Leine.“
Es klingt so, als gäbe es einen Preis für großartige Erlebnisse mit Gott.

Ausleger rätseln immer wieder, was der „Pfahl im Fleisch“ sein soll. Eine Krankheit?
Wir wissen es nicht wirklich. Es spricht aber einiges dafür, dass es keine Krankheit war.
(Exkurs:
a) Wie soll ein stark Kranker (es war ein „PFAHL“ im Fleisch und nicht ein kleiner Mückenstich!) Tausende von Kilometern reisen können, oft zu Fuß, Steinigungen überleben, Verfolgungen und psychischen Stress?
Um all das zu verkraften, benötigt man schon eine gewisse Gesundheit.
b) Das altgriechische Wort, das hier steht, kann im Sinne von „Krankheit“ verstanden werden und wird oft so verwendet. Es kann aber auch ganz andere Bedeutungen haben, die nichts mit einer Krankheit zu tun haben, wie z.B. „Schwachheit“.
c) Paulus listet wenige Verse später das auf:
Darum bin ich gutes Muts in Schwachheiten, in Mißhandlungen, in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten,…“
Krankheiten werden nicht aufgezählt, sondern äußere und innere Lasten.
Doch gerade hier wäre doch der Platz gewesen, um zu sagen: „Ich bin guten Muts, auch, wenn ich Fieber habe und mein rechtes Bein zu kurz ist!“
Das Fehlen von „Krankheit“ im eigentlichen Sinn, deutet darauf hin, dass Paulus mit dem Pfahl keine Krankheit gemeint hat.
d) Vielleicht sollten wir Paulus wörtlich verstehen, als er schrieb:
nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage…“.
Was wäre, wenn der Pfahl im Fleisch darin bestanden hätte, dass Paulus satanische Angriffe erfahren hatte – ähnlich wie bei Hiob oder bei Jesus – mit dem Ziel, dass er sich deswegen umso mehr an Gott hält!?
Exkurs Ende)

Hat Jesus Christus Großartiges mit Gott erlebt?
Klar! Wer, wenn nicht Er!?
Wasser in Wein verwandelt, über die See gelaufen, einen Sturm gestillt, Tausende gesättigt, Kranke geheilt und Tote auferweckt… schließlich vom Tod auferstanden!
Das kann man nicht toppen!
Aber es hatte seinen Preis!
Angriffe des Satans; Kritiker ohne Ende und falsche Freunde; Verwandte, die sich zeitweilig distanzieren; mitunter ohne ein Dach über dem Kopf; schließlich die Folter und der Tod am Kreuz.
Das sind wirklich Lasten.

Ich will nicht sagen, dass wir erst einmal leiden müssen, bevor wir Großartiges mit Gott erleben können. Gott ist souverän und gnädig. Er kann Wundersames bewirken, ob wir gläubig sind oder nicht.
Aber womöglich besteht ein Unterschied zwischen einem Leben, in dem Gott punktuell gnädig eingreift und einem Leben, das überfließt von Kraft und Gnade Gottes.
Der Schlüssel zu diesem zweiten Leben könnte darin liegen:
Die Hingabe an Gott.
Die Loslösung vom eigenen Leben, den eigenen Wünschen und Plänen…
nach dem Reich Gottes wirklich immer und zuerst streben.

Paulus verzichtete auf eine akademische Karriere und nahm Strapazen auf sich, um das Evangelium zu verkünden.
Hiob hielt an Gott fest, auch als sein ganzes Leben im Mülleimer verschwand.
Jesus Christus verließ den himmlischen Reichtum, um uns Menschen durch Seinen Tod und die Auferstehung die Erlösung zu bringen.

Der rote Faden ist ein gotterfülltes Leben mit vielen großartigen Erlebnissen. Aber es gibt einen Preis dafür zu bezahlen. Vielleicht deswegen: „Damit ich mich nicht erhebe.“

3) Die Erkenntnis
Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne.“
Es klingt fast paradox, welche Erkenntnis Paulus dann beschreibt:
Wenn er schwach ist, ist er stark!

Es gibt manchmal so ein Jammern über unsere Schwachheit: „Och, ich krieg das nicht gebacken!“ – „Wenn ich doch fleißiger wäre!“ – „Ich schaffe das mit dem Abnehmen nicht!“ – „Ich falle immer wieder in die gleiche Sündenfalle!“ – „Wir sind ja so klein und sündig!“ … ein großer Jammerchor, der nur mit Hilfe von Antidepressiva singen kann:
„Ach, was sind wir doch schwach!“

Aber das ist keine Schwachheit im Sinne Gottes.
Schwachheit heißt bei Ihm:
Es geht nicht um meine Pläne, um mein Ego, um mein Image, um meine Wünsche…
es geht um Gottes Pläne, um Seine Ehre, um Seine Wünsche!

Der Täufer Johannes sagte das ähnlich, als er von Jesus sprach:
„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30)

Es ist ein Entweder-Oder:
Entweder wir dienen uns selbst oder wir dienen Jesus Christus.
Wir können nicht zwei Herren dienen.
Irgendwann wird es einen Konflikt geben und spätestens dann müssen wir uns entscheiden:
„Ich oder Jesus?“

Je mehr es von mir gibt, desto weniger gibt es von Jesus in meinem Leben.
Je mehr es von Jesus gibt, desto weniger Ego gibt in meinem Leben.
Wer hat mehr Einfluss?

Diesen Weg hat Jesus angekündigt:
„Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben.“ (Joh 12,25)

Jesus verheißt:
Gerade in der Selbstaufgabe zu Gunsten von Gottes Reich liegt die Erfüllung.
Er fordert nicht zum Selbstmordattentat auf (das würde ja gegen das Doppelgebot der Liebe verstoßen). Aber Er fordert auf:
„Mache eine Zäsur! Mache jetzt einen Schnitt in Deinem Leben. Und wähle: Entweder Du gibst mir all Deine Pläne und Ideen, Wünsche und Ambitionen oder Du hältst sie in Deiner Hand fest. Entweder wirst Du wirklich Erfüllung finden und ein Leben, das sich lohnt, oder Du wirst mit Deiner Egoshow verarmen.“

Alles für Jesus oder alles für mich?

Paulus hat das erkannt:
Gut, wenn ich schwach bin!
Gut, wenn es Lasten gibt in meinem Leben!
Gut, weil ich so Gottes Kraft und Gnade viel voller erfahre!
Ich bezahle diesen Preis, weil es keinen höheren Gewinn gibt!


 







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4 Gedanken zu „Watt mutt, datt mutt…

  1. *Frotzelmodus an*
    Oh, ich wußte gar nicht, dass wir extrem freikirchlich sind, denn bei uns wurde noch nie über die Jahreslosung gepredigt …. 😉 Ich dachte bis jetzt auch immer, derjenige, der Christen verbindet, ist der Heilige Geist und nicht irgendeine menschliche Vorgabe … Naja, ich kann ja noch dazu lernen …. 😉
    *Frotzelmodus aus *

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