Immer schön gegeneinander!

In kleinen Alltagsnischen (stiller Ort, beim Frühstück…) lese ich zur Zeit „Herausfordernde Gemeinschaft“ mit Jean Vanier als Herausgeber.
Verschiedene „Gemeinschaftspioniere“ schildern ihre Erlebnisse in christlich-geprägten Wohngemeinschaften, Hausgemeinschaften und Lebensgemeinschaften. Vor allem das Leben mit körperlich und geistig beeinträchtigten Menschen ist ein Schwerpunkt dieser Berichte.

Was ebenfalls durchschimmert, ist die Schwierigkeit, wenn Lutheraner, Anglikaner, Römisch-Katholische und Christen anderer Bekenntnisse zusammen eine Hausgemeinschaft haben wollen. Brennpunkt ist dann zumeist die Abendmahlsfeier.
Zum Teil konsequent gelebt, aber von Außen betrachtet irgendwie schräg, gehen die Christen dann jeweils zu ihrer Ortsgemeinde, die dann vielleicht Dutzende von Kilometern entfernt ist, um dort das Abendmahl empfangen zu können – oder sie bemühen sich, von ihren „Oberhäuptern“ eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, wenigstens für die geistig beeinträchtigten Menschen.
So steht in einem Text das:
„Der geistig behinderte Mensch kann sehr wohl Gott suchen, aber nicht den Unterschied zwischen Katholik und Protestant verstehen. Seine Sehnsucht nach Gott sollte geachtet, aufrechterhalten und gefördert werden… Möchte er die Kommunion empfangen, dann sollte ihm dazu verholfen werden. Möchte er sie in beiden Kirchen empfangen…, dann sollte ihm das ermöglicht werden…“*
Ich frage mich, ob dann der „normale“ Mensch unserer Zeit nicht auch als behindert gelten muss. Oder kennen und verstehen unsere Mitmenschen den Unterschied zwischen den christlichen Bekenntnissen?

Wie dem auch sei –
meine Fragen sind dabei:
Wieso führen unterschiedliche Erkenntnisse so oft zu Trennungen zwischen den Christen?
Bei uns im Kiez führt es dazu, dass wir zwar zusammen ökumenische Gottesdienstfeiern abhalten, aber als Freikirche dürfen wir nicht dauerhaft einen Raum der Landeskirche mieten. Sind wir nicht ein Leib?
Wieso schaffen wir es so selten, uns auf eine biblische Basis zu einigen, mit der wir wieder mehr als „ein Leib Jesu“ auftreten?


*S. 75, Herausfordernde Gemeinschaft, Jean Vanier (Hrsg), Otto Müller Verlag Salzburg, 1985

Advertisements

9 Gedanken zu „Immer schön gegeneinander!

  1. Jetzt muß ich hier mal einen katholischen Link setzen.
    Johannes Hartl hat eine sehr gute Lehre gehalten über Ökumene

    Man sollte über die Unterschiede nicht meckern.
    Ich als Charismatiker mecker ja auch nicht wenn ich im evangelischen Gottesdienst die Hände nicht heben soll, so wie es in der Bibel von den Männern verlangt wird. 😉

    Helmut

  2. Also erstmal denke ich, dass man – je nach Grad der Behinderung – auch geistig-behinderten Leuten den Unterschied zwischen protestantischen Abendmahls- und Sakramentenverständnis ( gibt’s da inzwischen eigentlich was einheitliches?) und orthodox bzw. katholischem Verständnis der Dinge ganz gut erklären kann.
    Zum anderen ist es nicht nur das Abendmahl, was das Zusammen schwierig macht. Ich hör allerdings keine Beschwerden, dass man als Protestant nicht zum Rosenkranzgebet oder einer Novene eingeladen wird. Warum eigentlich, wenn’s so wichtig ist, das Zusammensein?
    Ich hör auch kein Gemecker darüber, dass man nicht zur Beichte zugelassen ist…
    Ich weiß von Verstimmungen in ökumenischen Hauskreisen, weil die Katholiken nach einer ökumenischen Andacht noch in die heilige Messe gegangen sind. Warum, wenn man so wahnsinnig tolerant ist?
    Sieh es einmal so, wer an der Kommunion teilnimmt, der sagt vor Gott und aller Welt, dass er wirklich glaubt, dass das der Leib Christi ist, Nicht vielleicht, nicht irgendwie und nicht nur geistlich, sondern wirklich wahr: Ave verum corpus, natum de Maria virgene, vere passum, immolatum in cruce pro homine,cuius latus perforatum,fluxit aqua et sanguine:
    esto nobis praegustatum in mortis examine.
    Er sagt auch, dass die katholische Kirche, die Eine ist, und dass er sich unter den Schutz und den Gehorsam des jeweiligen katholischen Bischofs stellt. Wer das will, der kann das jederzeit tun. Die Frage ist, ob es denen, die es ständig anmahnen wirklich so wichtig ist, dass sie das wirklich wollen. Einfach mal für dich darüber nachdenken, ob Du du dich wirklich dem Cardinal elect und Erzbischof von Berlin Rainer Wölki – ungeachtet der Konsequenzen für deinen derzeitigen Beruf – unterordnen willst.

  3. Ja Dirk, am Mahl des Herrn wird die ganze Absurdität der Denominationen überdeutlich…
    bei der Taufe ist es ja ähnlich -. (oder wird die gegenseitig anerkannt?) – Wohlmöglich schon, es darf eben nur nicht die biblische eines Glaubenden durch Untertauchen sein – das sind dann die bösen „Wiedertäufer“ – da ist man sich wieder einig 😀 …

    Helmut – du setzt ja immer häufiger katholische Links – gut dass du erwähnst, dass du noch „Charismatiker“ bist, aber die gibts in der RKK ja auch – hmmm… 😉

  4. „Wieso schaffen wir es so selten, uns auf eine biblische Basis zu einigen, mit der wir wieder mehr als „ein Leib Jesu“ auftreten?“

    Du sagst es! Biblisch soll es sein und nicht sentimentale „Heile, Heile, Gänschen Theologie“. Ich habe keine Problem damit mit jemand das Abendmahl einzunehmen, der sich an Worte der Bibel hält – alles andere wäre frommer Betrug!

  5. @alle:
    Entschuldigt bitte, dass die Freischaltung so lange gedauert hat!

    @helmut:
    Du hast Recht – über Unterschiede meckern bringt ja meistens wenig bzw. mehr Stress.
    Ich denke, es geht um die Art der Unterschiede… manches ist einfach Vielfalt und Typsache etc. – anderes hat dann aber auch inhaltliches Gewicht….

    @ bee:
    Vermutlich wollen die meisten Evangelischen nicht zur Novene eingeladen werden, weil sie das nicht kennen… 🙂 … aber auch, was das Rosenkranzgebet betrifft: Für manchen mag das ja eine Glaubenshilfe sein, aber das sind für mich keine wesentlichen Bestandteile der christlichen Praxis. Während Jesus also nicht direkt zur Novene oder Rosenkranzgebet eingeladen hat, so gilt für das Abendmahl was ganz anderes: das ist eindeutige Weisung Jesu an Seinen Leib.
    Und auf jeden Fall ist das gemeinsame Abendmahl Ausdruck des EINEN Leibes.
    In der Tat hätte ich Schwierigkeiten damit, das Abendmahl mit der Unterordnung unter einen Kardinal gleichzusetzen… warum dann nicht auch dem evangelischen Präses….? Sicherlich spielt das Thema „Unterordnung“ „überall“ eine Rolle, aber der Zusammenhang ist nicht hier zwingend… das wäre ja so, wie wenn man das Abendmahl nur zu sich nehmen darf, wenn man als Mann beim Gebet stets die Hände hebt (s.a. Helmut). 🙂

    @Albrecht:
    Klar, um das Verwässern kann es nicht gehen. Immerhin gibt es zig Warnungen vor Irrlehre im NT. Ich staune aber immer wieder darüber, wie Paulus die Gemeinden angeschrieben hat – Paradebeispiel ist für mich die korinthische Gemeinde, in der es ziemlich krass gewesen sein muss – und dennoch: „Heilige“.
    Oder ich denke an Jesus, der – zumindest nicht für unsere Ohren – den Petrus trotz dessen Leugnung eingesetzt hat.
    Sollten wir untereinander als Brüder und Schwestern anders miteinander umgehen?

    Segen an alle!

    • „Sollten wir untereinander als Brüder und Schwestern anders miteinander umgehen?“

      Wenn wir wirklich Brüder und Schwestern sind kein Problem, egal welche Couleur, aber…alleine schon das Abendmahlsverständis der katholischen Kirche ist absolut verwerflich…

  6. Dirk, also ich bezweifele ja stark, dass jemand nichts von Novenen, Engel des Herrn, Rosenkranz u.ä. weiß. Ich denke, es wird bewusst gemieden, weil hier die Gegensätzlichkeiten der verschiedenen Glaubenswelten deutlich werden. Wenn beim gemeinsamen Gebet schon rumrangiert werden muss, damit sich niemand über die Füße gefahren fühlt, finde ich eine gemeinsame Eucharistiefeier ziemlich daneben. Zumal wir uns nicht darüber einig sind, zu was denn jetzt genau Jesus uns da eingeladen hat. Es ist nämlich nicht die Tradition, die Form oder der Begriff, der uns hier trennt. Uns trennt der Glaube. Die Trennung ereignet sich ja nicht erst im Abendmahlsverständis oder Sakramentenverständnis. Sie ist schon vorher da. Sie betrifft auch nicht nur verschiedene theologische Denkansätze, sie zieht sich durch die gesamte Glaubenspraxis der Gemeinden und der einzelnen Gläubigen. Und diese Trennung ist eben nicht in Typ- oder Geschmacksfragen begründet. Schon der Grund warum ich zur Messe gehe unterscheidet sich von deinen Gründen einen Gottesdienst zu besuchen. Da einfach zu behaupten wir wären Eins, ist schlicht gelogen. Wir sind eben nicht ein Herz und eine Seele im Glauben und wir sind nicht Eins in der Radikalität wie Jesus und der Vater Eins sind.
    Wenn Albrecht sagt er könne gemeinsam mit jemandem zur Kommunion gehen, der sich an die Worte der Schrift hält, dann benennt er für mich den Grund warum es auf gar keinen Fall eine eucharistische Gastfreundschaft zwischen Protestanten und Katholiken geben darf.
    Was mich an ökumenischen Projekten häufig stört, ist, dass Glaubensinhalte und Glaubenspraxis zugunsten von Geselligkeit aufgegeben werden.

  7. Selbst wenn man einen Ochsen, einen Esel und ein Pferd in ein gemeinsames Joch spannt, werden sie nicht fliegen können. Das Zusammenorganisieren von Denominationen hebt deren Konstruktionsfehler nicht auf: Sie sind nun einmal aus dem Fleisch geboren, nicht aus dem Geist, und alles, was sie hervorbringen werden — ob nun einzeln oder vereinigt — kann nur (religiöses) Fleisch sein (Joh. 3, 7).
    Einheit kann es nicht zwischen den Denominationen geben, sondern nur jenseits der Denominationen.

    • Nee, is klaa! Taize ist die Reconquista.Gibt es eigentlich sowas wie Live Points für Leute, die auf ihren Blogs falsche Dichotomien anhäufen? Ich frag nur, weil Du augenscheinlich dein Leben damit verbringst Strohmänner aufzubauen und sie dann nieder zu brennen.
      Ich weiß ja nicht, warum du so einen Hass auf Religion und so eine Heidenangst vor der Katholischen Kirche hast, aber wenn Taize schon die Reconquista ist, habe ich große Hoffnungen für 2012 und die beginnende Re-Evangelisierung. Von daher vielen Dank für die Ermutigung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s