Auf Gott hören… und dann selber reden!

Beim Gebet weiß ich kaum, wo ich anfangen soll. So umfangreich und vielfältig ist das Thema! Immerhin eines, das Jesus selbst behandelt hat.

Dass wir unsere Gebetslisten und Wünsche haben, stelle ich mal als eine Selbstverständlichkeit da. Jesus lädt uns ein, unsere Bitten beim himmlischen Vater loszuwerden. Bittet, so wird Euch gegeben…
Allerdings sind sich die meisten Ausleger einig: Das hier ist nicht das Janis-Joplin-Mercedes-Gebet. Motto: Ich bete für den Lottogewinn und Gott schenkt mir 6 Richtige (für manchen entpuppen sich diese mitunter als Falsche).

Unsere Bitten, egal wie konkret, egal wie schwammig, sind keine Magie, kein Türöffner, kein Selbstläufer.
In der Bibel gibt es Voraussetzungen für erfüllte Gebete.

Und eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die:
Das Gebet nach dem Willen Gottes.
Der Gebets-Klassiker (für manche auch das sonntägliche Gebetsgedicht, das man brav auswendig aufsagt) ist das „Vater Unser“. Jesus selbst lehrte es.
Ob man es nun bei jeder Gottesdienstfeier aufsagen sollte oder nicht, stelle ich mal auf das Nebengleis.

Betonen will ich das:
„Dein Wille geschehe…“

Diese Bitte steht vor der Bitte für unser tägliches Brot.
Sie steht vor der Bitte um Vergebung und der Erlösung vom Bösen.

„Dein Wille geschehe“ steht am Anfang.
Und das nicht aus Versehen. Denn es geht um die Verankerung in Gott.

Jesus selbst sprach:
„Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.“ (Joh 5,19)

Jesus betont wiederum die Verankerung in Gott, Seinem Vater.
Wer, wenn nicht Jesus, hätte sagen können: „Ich tue, was ich will!“ Oder: „Was ich will, das geschieht!“
Stattdessen macht sich Jesus abhängig vom Willen des himmlischen Vaters.
Jesus tut nur das, was Er den Vater tun sieht.
Anders formuliert: Jesus richtet sich nach dem Willen des Vaters aus.
Einzig und allein darin liegt Seine Macht, Wunder zu tun.

Was heißt das für unsere Gebete?
Das heißt, das sich auch unsere Gebet nach dem Willen des himmlischen Vaters ausrichten sollen.

Wie oft drehen sich unsere Gebete nach unseren Wünschen und Vorstellungen!
Da wollen wir ein schönes Gemeindehaus haben… aber ist das auch der Wille Gottes?
Da suchen wir nach dem begabten Mitarbeiter…aber ist das auch der Wille Gottes?
Da wollen wir, dass unsere Gemeinde Hunderte von Mitgliedern hat… aber ist das auch der Wille Gotttes?
Da wollen wir, dass wir dieses oder jenes haben, sind und bekommen… aber ist das auch der Wille Gottes?

Sofort mag mancher einwenden:
„Ja, aber wir sollen doch konkret beten! Wir dürfen doch mit allem zu Gott kommen. Er belohnt doch großen Glauben!“

Ich frage zurück:
Worum geht es beim konkreten Gebet? Worauf richtet sich der Glaube?
Wenn es einzig und allein unser Wille ist, dann möge man fast wünschen, dass sich dieser nicht erfüllt.
Wenn sich unsere Anliegen mit denen von Gott decken, dann wird Er diesen Glauben sicherlich belohnen.

Ich will beharrliche und konkrete und ausdauernde Gebete nicht gering schätzen.
Ich will aber daran erinnern: Auch das Volk Israel betete um einen König, wiewohl Gott sie davor warnte. Sie bekamen ihre Könige. In der Regel mit mehr Nachteilen als Vorteilen.

Es kann sein, dass Gott irgendwann auch unser Gebet NACH UNSEREM WILLEN erhört.
Ob das hilfreich ist, sollten wir bezweifeln.

Ich möchte das plastisch machen:
Viele Gemeinden wünschen sich größere und schönere Häuser.
Mehr Platz, mehr Technik, zeitgemäß usw.
Das kann richtig sein.
Was aber, wenn Gottes Plan eher viele kleine Christengruppen vorsieht und weniger die großen Versammlungshäuser?
Was, wenn Gott dann doch eines Tages auf unser Drängeln hin das Mega-Gemeindehaus schenkt, eine Gemeinde daran aber jahrelang zu knabbern hat, weil die Kosten so hoch sind und keine Ressourcen mehr für die Ärmeren und Schwächeren vorhanden sind?

Oder:
Viele Gemeinden wünschen sich, dass sie möglichst viele Dienstbereiche anbieten können. Kindergottesdienst, Teeniearbeit, eine Gruppe für junge Erwachsene, für das Mittelalter, die Senioren, die Frauen, die Männer, das Lobpreis-Team, das Seelsorgeteam, die 12’er-Gruppen usw….usw…usw.
Das kann tatsächlich eine große Hilfe sein, all diese Gruppen zu etablieren.
Was aber, wenn Gottes Plan eher die unorganisierte Schlichtheit vorsieht und eher die ganze Gemeinde-Familie zusammen sehen will und gar nicht auf die individuellen Gruppen abfährt?

Ein letztes Beispiel:
Eine Gemeinde wünscht sich unbedingt den Ausbau des Lobpreis-Teams.
D.h.: Gitarristen, Schlagzeuger, Keyboard-Spieler, Sänger… am besten noch einen Chor.
Das kann echt stark sein, wenn so eine Mannschaft voll Geistes Gott lobt.
Aber was ist, wenn Gottes Plan vorsieht, die Schlichtheit der Anbetung in Stille und im Leben zu betonen… und die super Lobpreis-Band dafür gar nicht nötig ist?

Was ich sagen will:
Unsere Gebetswünsche sind allzu oft ein Zeichen unserer Zeit und Kultur.
Ich bin mir nicht sicher, ob iranische Christen ein großes Gemeindehaus haben wollen. Möglich, dass sie sich in ihren Wohnzimmern viel wohler fühlen.
Und eine Super-Lobpreis-Band mit allem Schnick-Schnack würde in vielen Teilen der Welt nicht funktionieren, schlichtweg weil der Stromanschluss für die E-Gitarre fehlt.
Und möglicherweise befremdet es Christen anderer Kulturen, dass wir für jede Sorte Mensch ein individuelles Angebot formen und weniger das wirkliche Miteinander suchen.

Wenn die anderen ein tolles Haus haben, wollen wir das auch. Ist ja auch praktisch.
Wenn die anderen zig Dienste und Teams haben, streben wir auch danach.
Und irgendwie schielen wir dabei immer auf die Gemeinden, die größer und wuchtiger scheinen.
Auf die Idee, dass eine kleinere Gemeinde viel vorbildlicher sein könnte, kommen wir selten.
Uns beeindruckt die Größe und die Zahl.
Gott aber beeindruckt ein gläubiges und hingegebenes Herz.
Und da kann es sein, dass Er eine Mega-Gemeinde sagen müsste: „Kehrt um zur ersten Liebe!“
Und dass Er einer kleinen Gemeinde sagen würde: “ Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut – du bist aber reich…Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.“

Was sind doch unsere Wünsche manchmal ganz anders als die unseres himmlischen Vaters!

Darum geht es also:
Den Willen Gottes zu erkennen und zu tun.
Und darum dreht es sich auch im Gebet.

Aber dürfen wir Ihm denn nicht unsere Anliegen nennen?
Natürlich dürfen wir.
Er liebt uns doch und will helfen!

ABER:
Seine Hilfe besteht nicht immer darin, dass unsere Gebete erfüllt werden.
Manchmal besteht Seine Hilfe eben genau darin, dass Er unsere Wünsche nicht erfüllt!

Nehmen wir an, dass ein Kind zum Papa geht:
„Papa, ich will so gerne das da probieren!“ Und es zeigt dabei auf eine Flasche Wodka.
Soll der liebende Papa den Wunsch des Kindes erfüllen?
Bloß nicht! Würde er das tun, wäre er kein liebender Vater!
Er muss es ablehnen. Da hilft auch kein Jammern und Weinen. Und sollte das Nörgeln monatelang andauern… ein guter Vater verwehrt diesen Wunsch und schenkt dem Kind gesundes Mineralwasser.

Doch sind unsere Wünsche nach einem schönen Gemeindehaus und einer tollen Anbetungsband denn so schlecht wie der Wodka für das Kind?

Vielleicht trägt es sich auch anders zu:
Da will jemand so gerne Urlaub in seinem Traumland machen.
Erholung darf sein. Tut gut. Dient der Familie. Warum also nicht!?
Doch der Reiseberater und Freund sagt das:
„Ich kann Dir helfen, in dieses Land zu kommen. Aber Du musst wissen, dass es ziemlich teuer ist. Du wirst dafür lange sparen müssen. Oder Du nimmst Dir einen Kredit auf, an dem Du lange abzahlen wirst. Schließlich gibt es in diesem Land einige unangenehme Tierchen, die Dir eine böse Krankheit übertragen können. Ich würde Dir lieber die Nachbarinsel empfehlen: billiger, weniger gefährlich… allerdings auch mit weniger Luxus ausgestattet.“

Ein Gebet nach unserem Wunsch kann dazu führen, dass unsere Wünsche auch durchkommen. Aber die Folgen können viel härter und schwieriger sein.
Ein Gebet nach dem Willen Gottes wird dazu führen, dass göttliche Folgen eintreten. Verglichen mit dem Reiseland: vielleicht weniger Luxus – dafür aber insgesamt viel einfacher zu stemmen.

Die Beispiele könnte man beliebig weiterspinnen.
Stets geht es um das:
Ein starkes Gebet zeigt sich nicht darin, dass es immer und immer wieder vorgetragen wird.
Ein starkes Gebet zeigt sich darin, dass es nach dem Willen Gottes ist!

Ist es nicht einengend, sich so nach dem Willen Gottes auszurichten?
Wer so fragt, weiß nicht, dass es ein absolut liebender Gott ist, der das Beste für uns im Sinn hat – und: dass es ein Gott ist, der das Beste auch bewirken kann.
Meine Eltern lieben mich auch sehr. Aber bei einer OP würde ich mich eher an einen Facharzt wenden. Doch der beste Fall ist der: wenn wir von einem Arzt behandelt werden, der uns wirklich helfen will.
Die Ausrichtung nach dem Willen Gottes ist nicht einengend.
Es ist vielmehr Befreiung und Heil. Vergebung und Erlösung. Gnade und Liebe.

Somit möchte ich das lernen:
Beim Beten mehr darauf zu achten, was Gott zu einer Sache sagt und denkt.
D.h.: Ich darf Ihm meine Anliegen nennen.
Dann aber soll ich auch hinhören… was will denn mein himmlischer Vater dazu sagen?
Und nebenbei auch mal „Danke“ sagen, für das, was Er gibt.

So „funktioniert“ Gebet.
So „funktioniert“ eine liebevolle Beziehung.

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