Warum keine Mega-Gemeinde….

Heute habe ich mit anderen zusammen den Bibeltext in Matthäus 18,15 ff. gelesen.
Abgesehen davon, dass ich keine Gemeinde kenne, in der das so gehandhabt wird, wie es beschrieben ist (Exkurs: Immerhin ist das eine deutliche und unmissverständliche Anweisung Jesu, die aber regelmäßig unter den Tisch fällt – dafür wird umso mehr Wert auf manch andere Bibeltexte gelegt), taucht dann die Frage auf: Aber wie soll das denn in einer Gemeinde umgesetzt werden?

Jesus ordnet an, dass ein Konflikt zwischen Christen zuerst unter vier Augen besprochen werden soll. Hilft das nicht, sollen 1-2 andere hinzugenommen werden und als Zeugen dieses Gesprächs zu einer Schlussfolgerung kommen. Hört der eigentliche Adressat nicht darauf, soll das Anliegen vor die Gemeinde gebracht werden. Schließlich soll die Gemeinde als „letzte“ Instanz entscheiden.

1) Jesus ordnet diese Vorgehensweise an.
Wer gehorcht Ihm?

2) Suche ich wirklich das Gespräch unter vier Augen oder fange ich an, hinter dem Rücken des anderen zu reden?

3) Jesus sieht die Gemeinde als „letzte“ Instanz.
Ebenso spricht der Apostel Paulus in seinen Briefen stets die gesamte Gemeinde an (abgesehen von den individuellen Briefen wie z.B. an Timotheus). In 1.Korinther 5 empfiehlt er sogar der gesamten Gemeinde, einen anderen Christen aus der Gemeinde auszuschließen.
Warum ist diese Feststellung wichtig?
Weil wir diese Kompetenz meistens an die Gemeindeleitung/den Pastor delegiert haben.
Das aber ist weder von Jesus noch von den Aposteln vorgeschrieben. Stattdessen wollen sie der Gemeinde diese Kompetenz zutrauen.
Könnte es sein, dass die meisten Gemeinden in diesem Punkt ungehorsam gegenüber Jesus sind?

4) Eine Gemeinde war auch in den Augen Jesu eher eine kleine Einheit.
Wenn wir Mt 18,15 ff. auf eine „Mega-Gemeinde“ anwenden (wiewohl 80 Personen aufwärts wahrscheinlich auch schon das Limit überschritten haben), dann fragt man sich natürlich: „Ja, wie soll denn das gehen? Wir können doch nicht unsere Gottesdienstordnung über Bord werfen, nur weil zwei Leute nicht miteinander können! Wir können doch nicht 100 andere in einen Konflikt reinziehen, der sie womöglich selber spaltet!“
In der Tat erscheint das im Anblick einer 100-Mann-Gemeinde völlig unpraktikabel.
Sind die Worte Jesu also letztlich „für die Katz'“?
Nein. Ich meine, dass Jesus die Ortsgemeinde nie größer als einen Familienverband gedacht hat. Er hatte selber nur 12 Apostel an Seiner Seite. Auch den Tausenden, die hungrig waren, empfiehlt Er, sich in kleineren Gruppen hinzusetzen. Und wenn wir an die 3000 denken, die laut Apostelgeschichte 2 neu zum Glauben an Jesus gekommen sind, dann kann die Jesus-Lehre ganz praktisch nur in kleineren Gruppen vermittelt worden sein – „sie trafen sich in den Häusern“.
Die Anweisung Jesu aus Mt 18,15 ff. kann nur befolgt werden, wenn wir zahlenmäßig überschaubare Gemeinden haben. In einem „Familienverband“ werden Konflikte schnell deutlich. Jeder ist betroffen. Deshalb wird klar: Dieser Konflikt geht jeden was an, weil jeder Konflikt das Potential in sich trägt, das Ganze zu vergiften.

In einer „Mega-Gemeinde“ mit 100 Mann/Frau/Kind, kann man sich verstecken. Man kann Konflikte „umgehen“. Man muss sich nicht dem Problem stellen.
Aber in einer „normalen“ Gemeinde von vielleicht maximal 20-30 Personen, funktioniert das nicht. Der Konflikt holt die Betroffenen ein. Und eine solche „kleine“ Gemeinde hat den Instinkt, überleben zu wollen. Sie werden ein starkes Eigeninteresse entwickeln, Konflikte auf eine gute Art und Weise zu lösen. Denn die Alternative wird die Zerstörung der Gemeinde sein.
Eine „Mega-Gemeinde“ kann nach Außen hin lange so tun, als würde sie leben, während sie im Innern schon längst gespalten ist.
Aber bei einer „normalen“ Gemeinde gehen sofort die Alarmglocken an. Sie wird auf Dauer gesünder leben können als die große „Gemeinde-Maschine“.

Was ich auch in der Bibel über die Ortsgemeinde lese: Es spricht deutlich mehr für die Gemeinden mit 5-30 Personen als für die Gemeinden mit 60 + X-Gemeinden.

Bleibt nur die Frage: Wird diese Erkenntnis dann zur Gehorsamsfrage?

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14 Gedanken zu „Warum keine Mega-Gemeinde….

  1. Als jemand, der in einer Gemeinde mit mehr als tausend Mitgliedern aufgewachsen ist, finde ich es ja fast süß, dass hier 100 Leute als „Mega-Gemeinde“ bezeichnet werden 😉
    Schönen Gruß

  2. In der Tat habe ich auch überlegt, ob ich diesen Begriff bei einer Anzahl von 100 Leuten stehen lassen soll. Habe mich dann entschieden, diese Gleichsetzung beizubehalten, um den Kontrast zwischen der normalen Gemeinde und einer vielleicht eher unnormalen Gemeinde darzustellen.

  3. Hmm eine große (MEGA)-Gemeinde ist denke ich an und für sich nichts schlechtes. Allerdings sollte es meiner Meinung nach innerhalb dieser Gemeinde genung Haus- und Gebetskreise usw geben, damit es Wachstum und Leben in der Gemeinde gibt. Ich sehe das Gegenteil in meiner Gemeinde. Recht groß und nur 1-2 Hauskreise, ab und an Bibeltreffen. Der Rest schafft seinen Glauben kaum (so jedenfalls mein Empfinden) nicht über den Sonntag Vormittag hinaus.

    „Wird diese Erkenntnis dann zur Gehorsamsfrage?“ Was wäre die Antwort? Austreten? Abspalten? Wiederbeleben?

    • Ich bin mir noch nicht sicher, ob eine große Gemeinde schlechter/besser ist. Wahrscheinlich ist es so: In einer kleinen Gemeinde kann es auch viel Murks geben, aber jeder Einzelne hat mehr Einfluss und kann daher auch mehr mitmischen. Krumme Wege könnten so auch mal in einen besseren Weg umgeleitet werden. Wenn doch Irrlehre auftaucht, dann sind eher weniger Menschen betroffen. Ein Leiter einer kleinen Gemeinde lebt sehr stark davon, ob er vom Vertrauen der Einzelnen getragen wird.
      Bei einer großen Gemeinde hat der Einzelne weniger Einfluss. Wegänderungen sind ein langer Prozess. Irrlehre betrifft viele Menschen. Der Leiter kann lange Zeit im Amt sein und gar nicht checken, dass er das Vertrauen der Leute nicht mehr hat.
      Je größer eine Gemeinde, desto mehr Organisationsaufwand, desto mehr Management, desto mehr Regeln oder auch: desto anonymer kann der Einzelne bleiben und lange und unentdeckt im Ungehorsam gegenüber Gott sein.

      Ich will nicht sagen, dass das in jeder großen Gemeinde so ist und so kommen muss. Aber ich denke, dass die Wahrscheinlichkeit dafür relativ groß ist.

      Die Alternative sehe ich nicht unbedingt darin, aus großen Gemeinden auszutreten. Das würde ich als sektiererisch empfinden. Ich denke schon, dass große Gemeinden ihre Aufgaben haben können, die kleinere Gemeinden so nicht stemmen können. Es hat definitiv seine Vorteile.
      Ich muss aber eben auch feststellen, dass wesentliche Aussagen über das Gemeindeleben in kleineren Gemeinden besser gelebt werden können als in großen Gemeinden.

      Übrigens: Gratulation, dass es mit Deinem Kommentar nun geklappt hat! 🙂

  4. @just wondering:
    Nach meiner Ansicht war das eine Mega-Church und wiederum keine.
    Es war natürlich eine Mega-Church, weil diese 3000 Leute sich als die Gemeinde in Jerusalem identifizierten (und nicht als „Apostel Petrus Gemeinde“ und „Tempel-Gemeinde“ und „Heilungs-Gemeinde“).
    Meine Überlegung ist: Wie haben sich diese ca. 3000 Leute organisiert? Und: Wie klappte das, als weitere 5000 dazu kamen?

    Ich kenne mich mit den Größen des damaligen Tempels nicht aus und weiß nicht, wieviel Menschen auf einmal dort reinpassten. Ich vermute aber, dass nicht gleichzeitig 3000 + x Leute reinpassten. Das wäre ein Unterschied zu einer heutigen Mega-Gemeinde, wo man versucht, alle unter ein Dach zu bekommen.
    Und selbst wenn das geklappt hätte: Wie haben sie dann miteinander kommuniziert?
    Es gab keine moderne Technik, aber dafür sicherlich viel Stimmengewirr. Ich vermute, dass es nicht gelang, sich mit einer einzelnen Stimme durchzusetzen. Es gab vermutlich keine Ein-Mann-Vorführung vorn vorne. Auch das wäre ein Unterschied zu einer heutigen Mega-Church.

    Weiterhin nehmen wir an, dass die 12 Apostel federführend für die erste Gemeinde waren. Doch wie betreuen 12 Männer 3000 + x Menschen in einer Stadt ohne Telefon und schnelle Fortbewegungsmittel? Wie gelang die Lehre, das Abendmahl, weitere Taufen, gemeinsames Gebet usw.?
    M.E. ging das nur dezentral, also „in den Häusern“ der Einzelnen.
    Und wahrscheinlich schafften es die 12 Apostel auch nicht, Tausende von Menschen gleichzeitig zu lehren. Wahrscheinlich hielten sie sich praktisch an das 2.Tim 2,2-Prinzip: Sie lehrten andere, die wiederum andere lehrten… das wäre dann keine Konzentrierung der Lehrvermittlung in den Händen einiger Profis, sondern es wäre eine Weitergabe von Lehre, die das allgemeine Priestertum aller Gläubigen stärkte.
    Auch das wäre ein Unterschied zu einer Mega-Church, weil es dort idR eine Handvoll angestellter Pastoren gibt, die alles zentral leiten. Aber so konnte das damals in Jerusalem wohl nicht funktionieren.

  5. ich hatte versucht, etwas Ironie reinzubringen … Nun gut. Wir müssen mal festhalten, dass der zentrale Gottesdienst für die ersten Christen, die ja samt und sonders Juden waren, der jüdische Tempel- bzw. Synagogengotttesdienst war (Alle waren täglich einmütig im Tempel…). Die Versammlung in den Häusern kann durchaus die beabsichtigte ergänzende Versammlungsform gewesen sein, kann aber auch dem Umstand geschuldet sein, dass es keinen Versammlungsort für eine solche Menge von Menschen gab. 3000 passten in den Tempel, sie konnten allerdings nicht alle in den inneren Bezirk. Das Thema Kommunikation ist gut: Die hätte ohne eine bestimmte Struktur überhaupt nicht funktioniert. Sprich: ohne jemand, der eine wie auch immer geartete Autorität über die jeweilige Versammlung hatte. (Nichts Unnormales übrigens – jede menschliche Gemeinschaft hat eine Struktur, auch die, die bewusst keine haben will. Wo die Leiter bzw. Ältesten nicht durch Wahl berufen werden, kristallisieren sich die Alpha-Tiere mit der Zeit heraus. Da kann man sich streiten, welches von beiden der biblischere Weg ist).
    Ich rede keiner Mega-Church das Wort. Ich sehe die Defizite sehr deutlich, und dummerweise haben wir nicht wenige davon nach Deutschland importiert. Wie groß eine Gemeinde werden kann, bevor sie sich teilt oder zu groß wird, dafür gibt es keine Schablone; das ist im Ergehen von Gemeinden durchaus unterschiedlich.
    Was die Leitungsfrage anbelangt, so war zumindest in Jerusalem klar, dass die Apostel den Hut aufhatten. Das „Murren“ in Apg. 6 richtete sich zunächst mal an die Apostel, die hier als Autoritäten wahrgenommen wurden und die Wahl der Diakone ging auf ihren Vorschlag zurück. Natürlich entwickelten sich die Ältesten für die Gemeinden (in Jerusalem und anderswo) erst allmählich, aber von einer Aufteilung, von der du ausgehst, findet sich nichts in der Schrift. Gerade die Gemeinde in Jerusalem hatte so etwas wie eine „Gesamtleitung“ – ich kann in der Apg nichts von spontanen basisdemokratischen Entscheidungen lesen. In späteren Zeiten ging sogar Paulus als Apostel, der in den Gemeinden, die seine Briefe empfingen, gar nicht vor Ort war, so weit, dass er über die Köpfe der Leitenden hinweg einfach anordnete, was zu geschehen habe und was nicht (z.B. in Korinth).
    Strukturen sind Werkzeuge. Sie können sowohl befördern als auch behindern – das hängt nicht a priori von ihrem bloßen Vorhandensein ab, sondern von der Herzenshaltung der Menschen, die sie mit Leben füllen. Wenn es nur um Macht geht (und die Versuchung ist bei jedem da, der Verantwortung trägt), dann wirken sie einengend und zerstörerisch. Wenn die Leitung aber ihre Bedürftigkeit vor Gott und ein offenes Ohr für das Reden Gottes bewahrt, können Strukturen auch hilfreich sein für die, die in ihnen leben.

    • Ich mag Ironie… wird per Schriftzeichen leider oft nicht deutlich… aber, wenn wir mehr hin – und herschreiben sollten, kriege ich das mit der Ironie noch mit.. 🙂

      Ich kann sehr vieles von dem, was Du schreibst, verstehen und finde es gut.

      Mir ist es wichtig, Gemeinde missional zu deuten. Die Sendung der Gemeinde ist m.E. einer der Hauptgründe, weshalb es Gemeinde noch auf dieser Erde gibt. Es soll also hin zu den Menschen, in die Welt gehen.
      Vorbild: Jesus… und die Apg als Tatsachenbericht auch, wenn es in das passt, was wir von Jesus her über Gemeinde verstehen.

      Deshalb spricht viel für das „Klein-Klein-Modell“.
      Jesus hat diese Kleingruppen-Mentalität selbst gelebt (die 3 Apostel, die 12 Apostel, zu 2. in die Dörfer gehen, wo 2 oder 3 in Seinem Namen zusammen sind usw.).
      Und dieses Modell scheint nach Erfahrungen von Missionaren das effektivste zu sein, um ganze Völker zu erreichen. Auf jeden Fall besser als „Mega-Gemeinden“.

      Dazu gehört dann auch die Lehre der Apostel, die ja eigentlich nur deshalb Autorität hatte, weil es die Lehre Jesu war, eben vermittelt von den engsten Live-Zeugen Jesu.
      Deshalb bezweifle ich nicht die Autorität der Apostel oder den Sinn einer dienenden Führung.

      Doch, damit Gemeinde wächst (das heißt ja, dass Menschen zu einem Leben mit Jesus finden), muss Führung weitergegeben werden. Da kommen 2.Tim 2,2 in’s Spiel, 1.Tim 3,1 ff…. geeignete Leute finden, die gelehrt werden können, damit diese wiederum andere lehren.

      Da Paulus selbst diese Prinzipien formuliert hat, denke ich nicht, dass er als der „Oberbischof“ galt.
      Seine autoritären Weisungen können zum einen ganz menschlich verstanden werden: So tickte er eben, der Paulus!
      Man kann es auch als dominante Fürsorge verstehen, ohne dass er deshalb die Delegation von Führungsverantwortung verneint hätte.

      Beachtlich ist bei der Mehrzahl seiner Weisungen auf jeden Fall das:
      Sie gehen idR nicht an „den Pastor“ oder „die Gemeindeleitung“, sondern oftmals an die gesamte Gemeinde. Man kann damit verstehen, dass Paulus sich als „Häuptling“ verstanden hat, der letztlich auch über den Ältesten einer Gemeinde stand (was aber eben seiner eigenen Theologie widersprochen hätte).
      Man kann damit aber auch verstehen, dass Paulus die Gemeinde nicht als Hierarchie gesehen hat („da die Leitung, da der Rest der Gemeinde“), sondern tatsächlich tendentiell als demokratisches Gebilde.

      Die Strukturen können da helfen und hemmen. Natürlich ist eine dienende Führungskraft super, auch in einer hemmenden Struktur. Aber besser ist eine dienende Führungskraft in einer helfenden Struktur. 🙂

      • Ich verstehe nicht so ganz, warum eine größere Gemeinde nicht missional sein kann. Ich kanns nur wiederholen, ich bin auch kein Fan von „Mega-Churches“ (wobei mein Problem da nicht struktureller, sondern meistens theologischer Natur ist), aber einige von denen, gerade in den USA, haben über ihre Kleingruppenarbeit Menschen in den eigenen Reihen motiviert und Leute in ihrem Umfeld erreicht, die vorher nie im Traum daran gedacht hätten, einen Fuß in eine Gemeinde zu setzen. Klar haben kleine Gruppen ihre eigene Dynamik, die Menschen finden sich eher darin wieder, die Schwellenangst ist nicht so groß etc… Aber die Bibelstellen, die Du da nennst, als dogmatischen Beleg für eine notwendige Kleingruppenstruktur heranzuziehen, finde ich exegetisch schon sehr gewagt. Jesus hatte ja mehr als 12 Jünger, eine ganze Menge zog zeitweise mit ihm. Aber er hatte 12 Apostel, die sehr nahe bei ihm waren, und die von ihm in besonderer Art und Weise gelehrt wurden. Und die das dann bei den Ältesten in der Gemeinde später fortsetzten.
        In der Apg begegnet uns das immer wieder: „Die Apostel UND die Ältesten“ (Kap. 15 und 16 vor allem).
        Dass Gemeinde keine hierarchische Struktur hatte, sehe ich nicht. Die Ältesten waren eben nicht nur Moderatoren, Ältestendienst war erst mal Hirtendienst, und das ist per se eine Leitungs- und Führungsaufgabe. Sicherlich nicht mit dem Kanon an Ämtern, den die späteren Kirchen hatten. Paulus nennt ja auch ganz eindeutige Kriterien, die Diakone und Älteste erfüllen sollten – das konnte wohl nicht jedermann machen, der gerade Bock drauf hatte. Ich finde, dass z.B. gerade mit dem basisdemokratischen Modell (in den FeGs zum Beispiel) sich die Gemeinden oft selbst im Weg stehen, auch geistlich. Wo alles hinterfragt werden kann (was ja an sich nichts Verkehrtes ist), kann halt auch schnell alles zerredet werden. Und um das zu verindern braucht es – richtig – Leitung.
        Unser Problem ist, dass wir auch in unseren Gemeinden „Leitung“ und „Macht“ oft als Synonyme verstehen. De facto ist es ja auch so: Der, der Leitung hat, kann Weisung an den geben, der keine hat. Das ist aber in der Tat auch in der Bibel so. Zum „Machtspielchen“ wird es erst dann, wenn in der Leiterschaft nicht mehr Jesus im Vordergrund steht, sondern das eigene Ego. Und das gilt für die „Geleiteten“ genauso (Machtspielchen gehen ja nicht immer nur von den Leitern aus …). Einer der Gründe, warum Leiter auch vor Gott eine wesentlich höhere Verantwortung für die ihnen anvertraute Gemeinde tragen werden. Und warum man sich immer vor Augen halten muss, dass Leitung (ich mag diesen Kunstbegriff „Leiterschaft“ nicht …) Dienst an der Gemeinde ist und keine Herrschaft.

  6. Ja, ich poche gerade etwas auf diesem „Klein-Modell“… beschäftigt mich aktuell und deswegen verfechte ich es entsprechend. Kann sich auch wieder legen… 🙂

    Mega-Gemeinden will ich das Missionale nicht absprechen. Kann ich auch gar nicht, weil das ein Über-den-Kamm-scheren wäre und den einzelnen Gemeinden nicht gerecht würde.
    Schließlich habe ich keine Fall-Studien hinter mir, sondern operiere nur mit dem, was ich bruchstückhaft kenne oder von anderen gehört/gelesen habe.

    Wahrscheinlich ist mir die Betonung der kleineren Gemeinden auch deshalb wichtig, weil es etliche Christen gibt, die es irgendwie gut finden, wenn eine Gemeinde Hunderte von Mitgliedern auf einem Fleck versammeln kann. Das riecht dann nach „Erfolg“. Zumindest ging es mir lange Zeit so. An solchen Gemeinden misst man sich gerne. Man schaut gerne zu den großen Gemeinden. Was haben die richtig gemacht? Warum sind wir noch nicht da?
    Du verstehst sicher, was ich meine.
    Ich möchte gerne davon weg.
    Klar, auch von großen Gemeinden lernen.
    Aber „Erfolg“ anders definieren.

    Was die leicht dogmatische Kritik an großen Gemeinden betrifft:
    Dabei stütze ich mich nur auf Beobachtungen von Missionaren. Also kein Eigenerlebnis.
    Ihre Beobachtung ist die:
    Große Gemeinden entwickeln idR eine stärkere Innenschau und pflanzen sich nicht bis wenig fort.
    Sie erreichen auch Menschen und dienen ihnen. Aber praktisch findet mehr das Wachstum durch andere Christen aus anderen Gemeinden statt.
    Man ist leicht mit den Ressourcen für das große Gebäude beschäftigt.
    Mitunter geht viel Energie dafür drauf, die Gemeinde zu kontrollieren. Schließlich soll vieles so laufen, wie es das Leitbild der Gemeinde vorsieht.
    Es gibt viele gute Programme, die für Gemeinschaft und Seelsorge sorgen. Allerdings lassen diese manchmal auch den Blick für das Eigentliche der Gemeinde verschwimmen.

    Kleinere Gemeinden können oft nur das Wesentliche leisten. Sie sind auf sehr preiswerte Unterkünfte angewiesen bzw. die Privathäuser. Ressourcen werden weniger in Gebäude investiert, sondern mehr in Menschen.
    Die Frage, wie man wachsen/überleben kann, ist oft viel drängender. Das missionarische Bewusstsein der Einzelnen ist deshalb oft stärker.
    Konflikte in den eigenen Reihen können kaum übersehen werden, weil es recht familiär zugeht. Der Leiter lebt oft stärker vom Vertrauen der Gemeinde als vom gewählten Amt.
    Es gibt mitunter weniger Programm von Vorne, sondern mehr das gemeinsame Gestalten. Das allgemeine Priestertum aller Gläubigen besteht da nicht nur ideell. Die Versammlung der kleinen Gemeinde spiegelt eher das „Einander“ wider, während wir bei der großen Gemeinde eher das von Vorne geleitete Programm haben.
    Entscheidungsprozesse in kleinen Gemeinden sind oft unbürokratischer und sind schneller.

    Natürlich sind das Pauschalisierungen. Es gibt auch negative Beispiele von kleinen Gemeinden und positive von großen Gemeinden. Aber in der Tendenz scheint es doch wie beschrieben zu sein. Dann zu entdecken, welchen Stellenwert bei Jesus die Kleingruppe hat, ist dann faszinierend. Fast so, als hätte Jesus die Kleingruppen-DNS in die Apostel hinein gelegt.

    Und natürlich ist das auch ein bisschen Schwarz-Weiß. Aber manchmal hilft das, Dinge auf den Punkt zu bringen.
    Schließlich gibt es ja auch Kombinationen, z.B. die Netzwerk-Gemeinde, die aus mehreren kleinen Gemeinden bestehen kann und sich dann aber regelmäßig zu gemeinsamen Mega-Gottesdienstfeiern trifft… auch schön.

    In Sachen „Leitung“ sehe ich nur eine Hierarchie und das ist die zu Jesus Christus hin als dem Haupt der Gemeinde. Was nutzt ein Ältestenbeschluss, wenn dieser gegen Jesu Willen sein sollte?
    Ich denke dabei immer wieder an das Begehren des israelischen Volkes, sich einen König wählen zu dürfen. Ursprünglich wollte Gott allein sie leiten. Er gab ihrem Begehren nach und sie mussten mit den Folgen leben. Wer weiß, wie es gelaufen wäre, hätten sie gelernt, sich nicht von Königen abhängig zu machen, sondern von Gott?
    Unser Ziel sollte sein, dass jeder Christ befähigt ist, in der Abhängigkeit zu Jesus zu reifen.
    Das könnte dann auch mal unseren Vereinsstrukturen und entsprechende Leitungsstrukturen entgegentreten.

    Ich stehe ja selber in Leitungsverantwortung. Daher bin ich natürlich nicht gegen Leitungsverantwortung und auch nicht gegen Macht. Ich merke ja, wie sehr wir uns nach „dem Hirten“ sehnen und wie gut es tun kann, wenn da einer ist, der bereit ist, mehr Verantwortung zu tragen und der mir sagen kann, wo es lang geht.
    Es mag sein, dass es an meinem Persönlichkeitstyp liegt: ich schätze die dienende und begleitende Führung. Neudeutsch: Coaching.
    Ich begleite die anderen so gut ich kann auf ihrem Weg mit Jesus. Ziel: mehr Abhängigkeit vom Haupt. Damit „erziehe“ ich Leute dazu, mich und meine Leitungsaufgabe kritisch mit den Augen Jesu zu prüfen.
    In unserer wirklich kleinen Gemeinde sehe ich das:
    Entscheidungen kann ich kaum per Leitungsbeschluss durchfechten. Ich bin auf den Willen bzw. das Vertrauen der anderen zwingend angewiesen. Hier geht es nicht um Mehrheiten und Minderheiten, sondern viel mehr darum, dass möglichst alle mitziehen.
    Unsere Beschlüsse funktionieren, solange sie rein verwaltungstechnischer Art sind.
    Sobald aber Entscheidungen anstehen, die das Leben der Gemeinde betreffen, ist das Miteinander überlebenswichtig für unser Gemeinde.
    Natürlich gilt das m.E. ebenso für eine große Gemeinde.
    Aber m.E. ist das einfacher zu leben, wenn ich nur 30 Personen vor mir habe und ihre Meinungen kenne, als wenn ein Beschluss für 300 Leute dran ist. Geht vielleicht auch nur mir so….

  7. Ich kann Deine Einwände gut verstehen. Meine Schwierigkeiten mit großen Gemeinden liegen eher auf ekklesiologisch/theologischer Ebene: Zum einen gehen viele, wenn wir mal ehrlich sind, vor allem wegen der „Show“ hin, die sie geboten kriegen. Der Entertainmentfaktor ist in der evangelikalen (und charismatischen – da sowieso) Christenheit mittlerweile stärker, als wir es erkennen oder wahrhaben wollen. Zudem sind einige dieser Groß-Gemeinden so dermaßen derbe „seeker friendly“, dass sie vor lauter Entgegenkommen dem „Seeker“ gegenüber völlig vergessen haben, was sie ihm eigentlich sagen wollten. Da geht es oft nicht mehr oder nur noch zweitrangig um Vergebung der Schuld und ein Leben in der Nachfolge Jesu, sondern um „Your best life now“. Ehrlich, wenn ich so was haben will, schau ich mir Vorträge von Dr. Strunz an.
    Kleine Gemeinden haben unbedingt den Vorteil, dass die Herausforderung in jeder Hinsicht größer ist. Weil nicht haufenweise andere da sind, die mir das Nest machen, in das ich mich reinsetzen kann, bin ich angehalten, mich selbst in aller Unvollkommenheit einzubringen.
    Klar, Jesus ist das Haupt der Gemeinde – völlig richtig. Und auch klar: Auch die besten und glaubensmäßig hingegebensten Ältesten können falsch entscheiden. Das kann man nie ausschließen. Und trotzdem ist in der christlichen Gemeinde vom ersten Tag an eine Leiterschaft vorhanden, erst sind es nur die Apostel, später andere. Sind wir mal ehrlich: Jede menschliche Gemeinschaft hat eine menschliche Leiterschaft, ob sie nun will oder nicht. Wenn die Leiter nicht berufen/gewählt werden, kristallisieren sie sich mit der Zeit als Alpha-Tiere heraus.
    Und: Leitung in dem Sinne heißt ja nicht „Herrschaft“. Das ist mal wieder das typisch deutsche Problem mit Autorität. Leitung heißt zuerst, zu dienen, Verantwortung zu übernehmen. Aber auch wichtige Entscheidungen zu treffen, auch dann, wenn sie beim ersten Hören unpopulär sind. Leitung soll ja nicht „herrschen“ oder klerikal abheben, sie soll in Verantwortung vor Gott stehen und in Sorge und Fürsorge für die Herde handeln. Deshalb ist es ein besonders verantwortungsvoller Dienst. Und deshalb stellt Paulus auch klare Kriterien auf. Und, klar, ein Leiter, der Gott und der Gemeinde dienen will, sollte beide gut kennen und nicht über die Köpfe der Menschen, die er kennt, hinweg entscheiden. Es sei denn, Gott zeigt ihm, dass er es machen soll. Was das „Coaching“ anbelangt, sind wir völlig einer Meinung.

  8. Vllt.übertragen wir zu schnell die Verhältnisse unserer Zeit auf die junge Kirche. Wir legen so viel Wert auf unsere Persönlichkeit, Unabhängigkeit, Individualität u.ä., dass wir uns gar nicht mehr vorstellen können, dass es eine Zeit gab, wo das Leben nicht wie in einem Entwicklungsroman auf das Individuum konzentriert war. Wir haben sofort Angst, wenn wir Gemeinschaft und Beziehungen nicht mehr selber definieren und kontrollieren können.
    Sich einfach in eine Hierarchie einfügen, dass können wir nicht mehr und wir können uns nicht vorstellen, dass das jemals wirklich für andere Menschen möglich war. Wir unterstellen, dass da irgendwas, was wahnsinnig wichtig für das Menschsein, irgendetwas für unser Menschsein erst so richtig konstituiert, verloren geht. Wahrscheinlich wären wir schon mit einem Leben in einer antiken Großfamilie völlig überfordert, mehr noch in einem Leben in antiken Dörfern oder Städten, wo Privatsphäre auf ein Minimum beschränkt war. So viel Nähe und soziale Kontrolle können wir wahrscheinlich gar nicht mehr aushalten.
    Ich denke, dass es ist unser neuzeitlicher Individualismus gepaart mit einem romantischen Harmonie-Verständnis, der kleine Gemeinden für uns attraktiv machen, denn dort ist jeder irgendwie wichtig. Ähnlich attraktiv sind große Gemeinden nur, wenn sie zu mindestens ansatzweise eine flache Hierarchie bzw. demokratische Strukturen aufweisen.
    Ich kann mir nicht helfen, aber nichts davon finde ich im Neuen Testament und in der jungen Kirche. Die Brief des NTs gibt es nur, weil Leute wie Paulus oder Johannes eine für heutige Verhältnisse nicht mehr fassbare Fülle an Autorität besaßen. Es waren eben nicht moderen Gemeindeleiter, sondern die ersten Bischöfe. Freund Paul beansprucht für sich selber die gleiche Autorität, die ein antiker Vater in den damaligen Familien hatte, wenn er eine Gemeinde sagt, dass sie seine geistlichen Kinder sind. Auch wenn, er hier vllt. nicht die allumfassende Autorität meint, die nach römischen Recht ein Pater Familias hatte, so geht dieser Anspruch doch weit über das hinaus, was wir uns heute gefallen lassen würden. Statt das zu akzeptieren, übertragen wir solche Aussagen lieber auf unsere bürgerliche Kleinfamilien-Situation und suchen seinen Anspruch keinzuhalten, in dem wir ihn auf die sehr beschränkte Rolle von Vätern in unserer Gesellschaft oder auf einen väterlichen Freund reduzieren. Das tuen wir quasi ständig mit allen Sachen in der Bibel. Wir wollen einfach, dass die ersten Christen demokratische Strukturen in ihren Gemeinden hatten und dort der Individualität und Entwicklung der Gläubigen ähnlich viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wie wir es heute wünschen. Ich denke nicht, dass die Apostel eine Couching-Agentur betrieben haben.
    Ich denke, wir müssen uns einfach öfter eingestehen, dass die Lebenswelt der Antike uns fremd ist und über weite Strecken auch fremd bleiben muss. Ich kann mich einfach nicht exakt in die Welt und Emotionen einer kleinasiatischen Purpurhändlerin um das Jahr 50 hineindenken und noch weniger hineinleben. Von daher könnte es mir auch völlig wurscht sein, wie ihr Verhältnis zur und ihre Stellung in der Gemeinde war und wie diese Gemeinde funktionierte, es sei den, ich vermute, dass in diesem Verhältnis und durch dieses Organisationsform irgendwie göttlicher Heilswille Gestalt annimmt. Dann muss ich mich jedoch auch von vielen Rechten verabschieden, die mir die moderne Gesellschaft als Individuum einräumt und die damals schlicht nicht vorhanden waren und daher auch nicht berücksichtigt wurden. Was dann bei mir zwangsläufig zur Frage führt, ob all diese Rechte wirklich so wahnsinnig für mich als Person in Hinblick auf mein Heil sind.
    Auf der anderen Seite sehe ich auch, dass moderne Führungssysteme (Gemeindeleiter ist bei mir eher etwas, was im Abstellraum des Gemeindesaal steht ;-)) entlastend für eben diese Führung sind. Da eben mit der Autorität die Verantwortung kommt und eine In-Dienstnahme vor deren Konsequenz man sich in der Tat fürchten kann. In diesem Dienst muss man sich eben auch davon verabschieden, dass man sich selber gürtet und geht wohin man will.

    • Liest sich gut und richtig. Wäre die Frage, ob die Gabenverteilung an „alle“ und das allgemeine Priestertum aller Gläubigen und die Betonung der Abhängigkeit von nur einem Haupt – eben Jesus Christus – eben genau die übliche religiöse Hierarchie durchbrochen hat, ohne deshalb die Verantwortung der Ältesten und Dienstinhaber zu schmälern… ich beantworte die Frage natürlich mit „Ja“.
      Denn Verantwortlicher für eine tendentielle Basis-Demokratie zu sein, bedeutet ja nicht, weniger Lasten tragen zu müssen. Im Gegenteil: indem ich versuche, andere zur eigenen Reife und Verantwortung zu begleiten, löse ich sie von der Abhängigkeit von mir als Pastor und führe sie im besten Fall mehr in die Abhängigkeit zu Jesus Christus. Wenn mir die Menschen dann dennoch ihr Vertrauen entgegenbringen, dann nicht, weil ich das kraft meiner Amtsautorität einfordern müsste bzw. könnte, sondern wenn dann, weil sie mich kennen gelernt haben. Das schafft vielleicht eine „natürliche Autorität“, die aber wesentlich besser in ein Beziehungssystem passt als eine System-Autorität.

  9. Es ist recht einfach zu behaupten, dass Jesus die hierarchischen Strukturen seiner Zeit aufgelöst hat, allerdings sollte man dann auch berücksichtigen welchen Sinn und welche Aufgeben diese Hierarchie hatte und welche Kräfte über diese Strukturen suchten Einfluss zu nehmen.
    Ich finde es z.B. sehr interessant, dass die römische Besatzung das Amt des Hohepriesters nicht nur politisch beschnitten haben, sondern auch die Amtszeit verkürzten und das letzte Wort bei der Besetzung des Amtes hatten.
    Wenn man das weiß, finde ich, dass vieles was wir an Kritik am religösen Establishment der Zeit in den Evangelien findet, nicht so einfach als Kritik an Hierarchie und Autorität im Allgemeinen ausgedeutet werden kann, wie wir es heute gerne tun. So wenig wie die Tempelreinigung eine Kritik am Tempel war – man beachte, dass die Möglichkeit Geld im Tempel zu wechseln und Opfertiere zu erwerben eine gerade eingeführte lebenspraktische Neuerung war – so wenig war die Kritik an den damaligen Strukturen und Autoritäten eine generelle Absage an Strukturen und Autorität. Es war vielmehr eine Rückführung, eine Restauration hin zum Ursprünglichen und eine Wiederherstellung Israels. Und das wurde, wenn man sich die Reaktion der Leute in den Evangelien anschaut, vorallem von den Gegner Jesu verstanden.
    Die haben sofort geschnallt, dass da jemand den Gottesnamen für sich beansprucht und um sich herum mit der Rekonstitution Israels beginnt.
    Dieses wiederhergestellte Israel bekennt Christus als Kyrios und verbreitet die Siegesnachricht Christi, denn Evangelium nur als Gute Nachricht zu übersetzten, begreift einfach nicht, was mit dem ursprünglichen Begriff gemeint war.
    Wenn wir uns die junge Kirche angucken, organisiert sie sich sehr schnell und straff und sie hat ein sehr tiefes Wissen darüber, wer sie ist und welche Aufgaben sie hat.
    Wir sind schnell dabei, denke ich, das zu vergessen.
    Letztens erst hat eine von meinen Bekannten mir wieder erzählt, dass ihr Gemeinde nie was gebracht hat. Da wurden ihre persönlichen Probleme nicht gelöst und ihre Schwierigkeiten in Beziehungen nicht abgestellt.
    Bei ihr ging es wahnsinnig viel um Empfindungen und Befindlichkeiten.
    Gemeinde als Lebenshilfe-Verein, den ich jederzeit verlassen kann, wenn ich den Eindruck habe, dass mir nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird oder ich meine Vorstellungen nicht durchsetzten kann.
    Sicher ist es richtig über Freundschaft mit Jesus zu reden und über eine lebendige Gottesbeziehung, allerdings wird das, denke ich, oft falsch verstanden. Vielleicht auch weil Freundschaft und Beziehungen heute eher aus egoistischen Gründen gepflegt werden. Ich stelle mir bei solchen Gesprächen oft vor, wie derjenige die Frage der Taufliturgie „Was erbittest Du von der Kirche Gottes?“ ehrlicherweise beantworten würde.
    Wahrscheinlich wäre es in diesem Fall eben eher die Bitte nach personal Coaching gewesen und nach einem glücklichen und harmonischen Lebensgefühl. Ein Anspruch dem in der Tat in kleinen Gruppen besser Rechenschaft getragen werde kann.
    Ich denke, man kann diese Missverständnisse vermeiden, in dem man klar sagt, dass es im christlichen Leben nicht darum geht sich in einem Club von gleichgesinnten gut zu fühlen.
    Ich denke, es geht weniger um die Zahl der Mitglieder als darum, ob man weiß, was man eigentlich sein will. Und wenn Du sagst, Du willst Leute in eine Beziehung mit Jesus hinein-entwickeln und Gemeinde couchen, was erwartest Du, dass passiert, wenn es passiert?

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