Erbe Gottes sein – setzt das den Tod Gottes voraus?

Laut Bibel kann man Erbe Gottes sein.
„Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.“ (Römer 8,17)

Wie wird man ein Erbe Gottes?
„Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.“ (Galater 3,29)

Man braucht die Zugehörigkeit zu Jesus Christus. In diesem Sinne gelten wir schließlich als Gottes Kinder (s.a. Römer 8,14-17). Und als Kind Gottes ist man auch Erbe Gottes.

Nur… wie kann man Gott beerben, wenn dieser Gott doch ausdrücklich als ein lebender Gott bezeichnet wird? Setzt das Erbe nicht den Tod voraus? Anders: Muss Gott tot sein, damit wir erben können?

Eine wahrhaft schwierige Kiste.
Was ist die Antwort?

Manche setzen eine Parallele zum Gleichnis mit dem verlorenen Sohn (Lukas 15). Dort verlangt der Sohn vom Vater, dass dieser ihm seinen Anteil am Familienvermögen übergibt. Man kann das durchaus als ein vorzeitig ausgezahltes Erbe verstehen.
Aber auch dann würde dies vor dem Hintergrund des späteren Todes des Erblassers stehen. Das heißt, der Tod wäre wieder impliziert und wir bräuchten wieder den gedanklichen Schritt zum Motto „Gott ist tot“.

Wieder andere weisen daraufhin, dass es dem Paulus als Verfasser des Römerbriefes nicht um eine streng juristische Definition des Erb-Begriffes gegangen sei. Schließlich hätten wir heute auch ein anderes Verständnis von rechtlichen Begriffen als es in der Antike der Fall gewesen wäre. Paulus hätte einfach die eschatologische Spannung verdeutlichen wollen: Wir sind jetzt schon Anwärter auf das großartige himmlische Geschenk – aber noch ist das Geschenk nicht völlig in unserem Besitz.
Hätte Paulus also von einer Schenkung geschrieben, dann hätten wir annehmen müssen, dass der himmlische Reichtum jetzt schon in unserem Eigentum ist. Dem widerspricht letztlich aber auch unsere Erfahrung: Ja, es gibt hier und da Zeichen und Ahnungen vom himmlischen Reichtum – aber noch haben wir auf Erden kein Paradies.
So hätte er eben auf das Konstrukt des Erbes zurückgegriffen, um die erwartungsvolle Perspektive der Kinder Gottes zu verdeutlichen.

Eine Auslegung, die ich bislang am interessantesten finde, ist die:
Die Kinder Gottes beerben nicht Gott selbst, sondern Adam.
Adam, dem ersten Menschen, wurde der Auftrag und die Verheißung zuteil, die gesamte Schöpfung zu verwalten und zu genießen (Gen 1,28 ff.). Mit dem Sündenfall wurde dieses Projekt zu einem Desaster, das bis heute entsprechend anhält.
Da Gott aber an Seinem Wort festhält, bleiben der Auftrag und die Verheißung bestehen.
Doch es funktioniert nicht nach der adamitischen Methode (1.Kor 15,50). Mit dieser wird mehr zerstört als erhalten wird.
Dieses adamitische Prinzip – bzw. Adam selbst – muss also beseitigt werden. Das ursprüngliche Prinzip muss aufleben. Anders gesagt: der alte Mensch muss sterben und ein neues Wesen muss entstehen, das Auftrag und Verheißung gemäß Genesis 1,28 ff. lebt (1.Korinther 15,47 ff.).
Oder wieder anders formuliert:
Jemand muss den alten Menschen, den Adam, beerben.

Was wird also geerbt?
Das ewige Leben, das Adam eigentlich galt (Umkehrschluss aus Genesis 2,16);
das Reich Gottes (=Gottes direkter Wirkungsbereich analog zum Paradies);
die Welt im Sinne von „Schöpfung“ (s.a. Auftrag und Verheißung für Adam).

Die neutestamentlichen Belege dazu kann man sich „zurechtbasteln“:
Kinder Gottes sind Erben des ewigen Lebens: Titus 3,7.
Kinder Gottes sind Erben des Reiches Gottes: Jakobus 2,5.
Kinder Gottes sind Erben der Welt: Matthäus 5,5; Römer 4,13; 8,21; Galater 3,29; Offenbarung 5,10; 21,1.

Dennoch flammt kurz die Überlegung auf:
Aber müsste es dann im Römerbrief 8,17 nicht heißen „Erben Adams“ – statt „Erben Gottes“?
Ohne die altgriechische Grammatik hier im Detail aufzuschlüsseln, ist das denkbar, um Römer 8,17 zu verstehen:
Die Kinder Gottes erben das, was ursprünglich Adam zugedacht war.
Doch Auftrag und Verheißung kommen letztlich nicht von Adam, sondern von Gott.
So kann gesagt werden, dass das Erbe von Gott kommt, auch, wenn Gott selber nicht beerbt wird.

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Ein Gedanke zu „Erbe Gottes sein – setzt das den Tod Gottes voraus?

  1. Hallo Berlinijc ,

    Das griechische Hauptwort heißt ,,klero nomia“ und bedeutet soviel wie Losland,Losteil(wörtl.das Verloste) und bezeichnet ursprünglich das Land Israels das nicht den Juden selbst sondern Jewe gehörte.Dieses wurde dann durchs Los verteilt wodurch die Israelis Nutznießer desselben wurden.

    So sind auch wir Nutznießer geistlicher Segnungen durch Christus(Sein Leben und Seine Verherrlichung in überhimmlischen Bereichen) das uns in ihm von Gott aus zugelost wurde. Wir sind nicht Erben Gottes, sondern Inhaber eines geistlichen Losteils Gottes.

    Röm 8:17 ,,wenn aber Kinder,dann auch Losteilinhaber,und zwar Losteilinhaber Gottes:Losteilinhaber aber zusammen mit Christus,wenn wir nämlich mit ihm Leiden,damit wir auch mit ihm verherrlicht werden.“ Konkordantes NT

    Die Dabhar Übersetzung übersetzt statt „Losteilinhaber“ noch genauer mit „Beloste“.

    Infos zur konkordanten Methodik: http://www.konkordant.de

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