Männerevent – Wochenendtrip Sächsische Schweiz

Blasen an den Füßen, die Beine schwer wie Blei, Verspannungen im Schulterbereich und gleichzeitig zufrieden sein. Das ist mein Nachklang zu einem Wandertrip in der Sächsischen Schweiz über ein Wochenende.

Am Freitag-Abend fuhren wir los und kamen am späten Abend in Bad Schandau an. Erste Aufgabe: Das Finden eines Unterschlupfes im unbekannten und dunklen Wald. Alleine wäre ich eingegangen. Doch im Team fanden wir mit Hilfe von Taschenlampen einen Felsvorsprung: etwas vom Erdboden erhöht (gut gegen Zecken), mit einem kleinen Felsdach (gut gegen Regen, schließlich hatten wir kein Zelt dabei) und nicht im Kerngebiet der Sächsischen Schweiz (gut gegen Klagen von Parkrangern). Leider ist mein Schlafsack nur bis ca. 10 Grad Celsius effektiv, danach schwindet seine Leistungsfähigkeit rapide, weshalb mir zum einen kalt war und zum weiteren ich auch deshalb unruhig schlief, da ich befürchtete, vom Felsen runterzukullern.


Schließlich wachten wir am Morgen auf, hatten den Nachtregen überstanden, waren leicht durchgefroren, aber allesamt froh, nicht runtergekullert zu sein.
Nach dem Einverleiben von Müsliriegeln und dergleichen ging es weiter.

Tagesaufgabe: Das Finden einer Trinkwasserquelle.
Natürlich nicht bei der Tanke, sondern in der Felsgegend.

Es ging hoch und runter. Schon nach 2-3 Stunden wurde mein Rucksack mit ca. 14 Kilogramm zur Last. Beim Wandern (besser: beim Marschieren, weil einer von uns ein heftiges Tempo an den Tag legte) schwitzte ich permament und bei den kleinen Pausen fror ich. Also, immer wieder Jacke an und Jacke aus, Jacke an und Jacke aus…

Einige Wege waren eindeutig für die normalen Touristen geschaffen und relativ leicht zu begehen. Andere Wege waren herausfordernder, weil sie weniger gesichert waren oder herausfordernde Steigungen beinhalteten.
Aber der Blick auf die Landschaft lohnte manche Mühe: Faszinierende Felsformationen, weite Blicke über die Umgebung, urige Wege.

Leider entpuppten sich diverse Quellen entweder nicht als Trinkwasserquellen oder sie flossen nicht wirklich. Als richtiger Adventure-Man hatte ich zwar desinfizierende Tabletten dabei, um das Wasser genießbar zu machen, aber immerhin hatten wir noch einen kleinen Trinkwasser-Vorrat dabei. Sorge machte eher der heranrückende Abend. Wir brauchten frisches Wasser und eine neue Unterkunft.

Kurzum: Gut, dass es das „Zeughaus“ gibt!
Eine kleine Gaststätte inmitten der Sächsischen Schweiz.
Und während es draußen regnete, saßen wir als Survival-Outdoor-Adventure-Team im Gasthaus und tranken ein Bier. 🙂
Noch besser war es, dass ich meine Trinkwasserflasche auffüllen durfte.

Nach dieser kleinen Ruhepause ging es weiter. Ziel: eine Unterkunft finden.
Natürlich fernab der Zivilisation. Schließlich mussten wir unsere „Schande“, ein Gasthaus betreten zu haben, wettmachen und suchten so wieder einen Felsvorsprung oder eine Höhle zum Nächtigen.

Auf der Suche gelangten wir auf die Spitze eines Felsens, verscheuchten dabei einen Hirsch mit Rehen und konnten die untergehende Abendsonne betrachten. Wäre eine Frau dabei gewesen, hätte man sagen können: Es war romantisch. Aber unter Männern war es das: die wilde Freiheit…
mit mächtigen Abgründen neben der Felsspitze, die mir als höhensensibler Mensch eine gewisse Mulmigkeit verursachten.

Kurz bevor die Sonne unterging, fanden wir tatsächlich ein höhlenartiges Gebilde. Ein perfekter Schlafplatz!

Nach ca. 10,5 Stunden Wandern, Marschieren, Klettern, Entdecken (und dem Besuchen des „Zeughauses“) schliefen wir gegen 21:00 Uhr ein und wachten erst wieder gegen 08:00 Uhr morgens auf:
Mit Schmerzen in den Beinen, an den Füßen und den Schultern (bis auf unser jüngstes Team-Mitglied, das vor Kraft nur so strotzte). Aber auch dankbar, dass es nicht geregnet hatte und wir nicht von einem Luchs überfallen worden waren.

Am Sonntag befanden wir uns unter Zeitdruck. Schließlich mussten wir rechtzeitig die Bahn bekommen. Was wir am Samstag an Weite geschafft hatten, mussten wir nun zeitlich hinbekommen. Immerhin packten wir es – trotz der spürbaren Blasen, des irgendwie noch immer schweren Rucksacks und der schweren Beine – die ca. 7,5 km von Schmilka nach Bad Schandau in 1,5 Stunden zu laufen.

Nun ist es Montag, die Blasen tun noch immer weh, der Nacken ist verspannt und die Waden demonstrieren nachhaltig, dass sie in Ruhe gelassen werden wollen.
Dennoch war es ein Event, das nach Wiederholung ruft.
Wieder die herrliche Natur betrachten, wieder an das körperliche Limit gehen, wieder ein bisschen „Adventure-Feeling“ aufkommen lassen – naja, und dankbar für alle Einrichtungen sein, die zur Not dann doch mit einem Bier und aufgefüllter Wasserflasche zu Diensten sind.

Meine Lektionen:
Vorher mehr trainieren! Ich will nicht so schwitzen und keuchen.
Die Schuhe besser einlaufen! Ich will keine Blasen haben.
In einen dichteren Schlafsack und einen Rucksack mit Beckengurt investieren. Ich will es Nachts warm haben und will nicht, dass die Schultergurte des Rucksacks blaue Flecken verursachen.
Mehr Trinkwasser mitnehmen! Ich mag trockene Lippen nicht.
Den Rucksack leichter packen! Keine Ahnung, was ich noch weglassen muss, aber er war mir zur schwer.
Die Karten von Böhm sind originell, aber für den ersten Überblick eher verwirrend.

So oder so – ich bin Gott dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte und alles geklappt hat, ohne dass sich jemand was verstaucht hat oder wir im Zeckengebüsch schlafen mussten oder völlig vom Regen durchtränkt latschen mussten oder…

Na, denn – nächstes Jahr wieder!

Advertisements

2 Gedanken zu „Männerevent – Wochenendtrip Sächsische Schweiz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s