Mitgliedschaft ohne Kirchensteuer

Das weltliche Gerichtsurteil hat es für die Frommen klargestellt:
Wer A sagt, muss auch B sagen.
Oder so:
Entweder man ist Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche und zahlt dann eben auch. Oder man lässt beides.

Die Begründung des Gerichts klingt simpel und ist es von Seiten des Gerichtes auch:
„Die Kirchen haben ein Selbstbestimmungsrecht. Was geht uns das an?“
(Meine Übersetzung)

Ein sicherlich federführendes Urteil auch für die Evangelische Landeskirche.

Böse könnte man meinen:
Bei Geld hört die Freundschaft auf.
Positiv könnte man meinen:
Ist doch nur konsequent.

Als Freikirchler könnte ich mich aus diesem Thema schön raushalten. In unseren Gefilden gilt – zumindest theoretisch – der Grundsatz der Freiwilligkeit. Wiewohl es dem Bund der Freien evangelischen Gemeinden als Körperschaft des öffentlichen Rechts möglich wäre, eine Art Kirchensteuer einzuziehen, wird bewusst darauf verzichtet.
Wenn jemand spendet, dann soll er gerne geben und nicht aus Zwang.
Natürlich freut man sich auch hier über große Spenden und es ist nicht auszuschließen, dass mancher Prediger schon versucht hat, manipulativ mehr Kollekte einzusammeln, als recht ist.

Die Grundfrage ist aber die nach dem System.
Und im Prinzip haben die Christen und Gemeinden nur diesen gemeinsamen Nenner:
die Bibel.

Das ist also die spannende Frage:
Wie werden gemäß der Bibel die Gemeindemitgliedschaft und die Finanzen gesehen?

Nun, das ist ein sehr weites Thema, das man gründlich exegetisch angehen könnte und dann aber auch auf den Umfang einer Bachelor-Arbeit kommen würde.
So viel Platz soll hier nicht gemacht werden.

Mir reicht vorerst die Überlegung:
Wie hat es denn Jesus Christus gehandhabt?

Er war nicht völlig gegen Geld. Schließlich lebte er einige Jahre in Abhängigkeit von denen, die ihn unterstützten.
Aber Er sah Geld sehr kritisch. Er wusste, dass wir unser Herz schnell an das Geld hängen können. Das Geld gewinnt dann an innerer Macht und lenkt unser Leben auf Wege, die selten hilfreich sind. So mangelte es Jesus nicht an Warnungen vor dem Geld.

Jesus war hingegen sehr für die Gemeinschaft der Gläubigen.
Ja, das war wohl Sein Hauptanliegen:
Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zu bringen und zugleich eine Gemeinschaft der Gottgläubigen zu bilden. Je mehr, desto besser.

Für Ihn gab es einen wichtigen Schlüssel in diese Gemeinschaft:
das Vertrauen in Ihn selbst.
Wer Jesus als dem Herrn und Erlöser vertraut, der wird Mitglied der Gottesgemeinschaft.
Dieses Vertrauen wurde mit der öffentlichen Taufe verknüpft.

Musste zuerst die Bereitschaft bestehen, einen vorher festgelegten Betrag an diese Gemeinschaft zu zahlen?
Keine Spur davon.

In die Gemeinschaft mit Gott – und damit in die Gemeinschaft mit anderen Christen – kommt man durch das pure Vertrauen auf Jesus Christus. Nicht mehr und nicht weniger.
Der Umkehrschluss gilt auch:
Wie bleibt man in der Gemeinschaft mit anderen Christen?
Durch das Vertrauen auf Jesus Christus, das nach und nach entsprechende Taten folgen lässt.

Nun könnte man den Spieß umdrehen:
Was ist, wenn sich ein Christ weigert, die Gemeinschaft finanziell zu unterstützen?
Dann ginge es ja nicht mehr um die Aufnahme in die Gemeinschaft, die – mal flapsig gesagt – gratis zu haben ist. Es ginge um das Verhalten des Christen IN der Gemeinschaft.

Man könnte das überlegen:
Ein Christ, der sich weigert, die Gemeinschaft finanziell zu unterstützen, weigert sich gleichzeitig, die Gemeinschaft mitzutragen. Wer aber nur schmarotzt, ohne seinen Teil zum Erhalt der Gemeinschaft beizutragen, der untergräbt letztlich die Gemeinschaft und stellt sich schlussendlich praktisch gegen sie. Da nutzen auch Lippenbekenntnisse nichts. Motto: Was bringt mir die Mücke, die nur mein Blut aussagt?

Allerdings gibt es hier einige Denkfehler.
1) Die Jesus-Gemeinschaft definiert sich eben nicht über das Geld, sondern über die Zugehörigkeit zu Jesus Christus.
Die Kirchensteuer oder irgendwas anderes als Maßstab für die Zugehörigkeit zu erklären, schiebt Jesus Christus vom ersten Platz weg. Damit nimmt hier das Geld den „Königsplatz“ ein. Jesus hatte davor gewarnt.

2) Die Kirchensteuer ist nicht das System des Neuen Testamentes und somit prinzipiell zu hinterfragen.
Die Kirchensteuer ist sicherlich eine Möglichkeit, wie Gemeinden an ihr Geld kommen. Es geschieht viel Gutes durch diese Steuer. Man denke nur an die vielen christlichen Krankenhäuser und Kitas. Daher will ich die Kirchensteuer nicht Sünde nennen.
Aber das Neue Testament zeigt uns einen anderen Weg auf:
Christen sollten sich füreinander opfern. Das ist mehr als die Kirchensteuer tun könnte. Es geht nicht mehr um „Deins“ oder „Meins“, sondern um „Unser“.
Dennoch kann auch das nicht verordnet werden, sondern kann nur aus der Beziehung zu Jesus Christus geboren werden. Diese Erkenntnis wächst langsam. Und die Umsetzung erst recht. Da aber die Jesus-Gemeinschaft auf Liebe basiert (s.a. Doppelgebot der Liebe) kann es nicht um einen Zwang zur Abgabe gehen, sondern nur um die Freiwilligkeit. Alles andere wäre keine Liebe.
Ohne Frage: Wer seinem armen Bruder nicht hilft, obwohl man könnte, der sündigt.
Doch stets geht es um den Nächsten. Um den, der in „meiner“ Gemeinschaft ist. Es geht um konkrete Not – und nicht – provokant formuliert – darum, dass das Putzen der goldenen Leuchter im Vatikan weiterhin bezahlt werden kann.
Die Kirchensteuer pauschalisiert, löst sich vom konkreten Fall und ist gemäß der Gebotes der Liebe, die eben Freiwilligkeit beinhaltet, kritisch zu betrachten.

3) Die Weigerung, die Gemeinde finanziell zu unterstützen, rechtfertigt nicht den grundsätzlichen Ausschluss.
Selbst, wenn sich nun ein Christ weigert, die Gemeinschaft finanziell zu unterstützen, dann ist nach biblischem Muster nicht der Ausschluss die Folge. Es geht vielmehr darum, diesen Christen zu „gewinnen“. Vielleicht kann er sich auf anderem Wege einbringen? Statt Geld setzt er handwerkliche Fähigkeiten ein?
Im Kontakt mit diesem Christen muss natürlich die Frage auftauchen:
„Wieso willst Du nichts spenden?“
Möglicherweise hat er gute Gründe. Vielleicht gibt es Dinge, die im Leben dieser Gemeinschaft nicht in Ordnung sind und er zeigt durch seine Weigerung mit dem Finger darauf.
Bevor jemand aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen wird, müsste schon viel passiert sein. Im 1.Korintherbrief wird ein Fall des Ausschlusses dargestellt: Ein Gemeindemitglied hat ein sexuelles Verhältnis, zu dem sogar die „Heiden“ sagen: „Pfui, Spinne! Das macht man aber nicht!“
Wenn es so weit gekommen ist, dann befiehlt der Apostel Paulus den Rauswurf des Mitglieds.
Doch in vielen, vielen anderen Fällen gilt: Ermutigt einander, helft einander, korrigiert einander, betet füreinander… mit Geduld und Barmherzigkeit. Wir sind Lernende. Es passieren Fehler. Wer hinfällt, möge wieder aufstehen. Denn Gott vergibt gerne Schuld.
Einen Kirchenausschluss an die Nicht-Zahlung der Kirchensteuer zu koppeln, schafft einen Automatismus, der den Lernprozess des Einzelnen verkennt.
Das wären daher meine Fragen an den Christen, der sich im Gerichtsurteil gegen die Zahlung der Kirchensteuer gewendet hat:
Würdest Du einem notleidenden Christen finanziell unter die Arme greifen?
Wärst Du bereit, diese eine bestimmte Gemeinde-Aktion mit Geld zu unterstützen?
Würdest Du manchen christlichen Organisationen spenden?
Sollte er sich in all diesen Punkten gegen das Spenden stellen, würde ich versuchen, mit ihm seelsorgerlich zu klären, weshalb er nicht vom Geld loslassen kann.
Aber ein Rauswurf aus der Gemeinschaft wäre sicherlich keine Hilfe.

Wie dem auch sei:
Die Welt dreht sich weiter.
Wir reizen unsere Gemeindesysteme gerne bis zum „Geht nicht mehr“ aus.
Wir halten gerne an Traditionen fest.
Ein Hinterfragen gleicht schnell einer „Sünde“.
Und dann wundern sich die Gemeinden, Kirchen und Christen, weshalb keiner Mitglied werden will…

Gut zu wissen, dass es auch anders geht!

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2 Gedanken zu „Mitgliedschaft ohne Kirchensteuer

  1. Pingback: Kirchenmitglied ohne Kirchensteuer? « Katalyma – Blog

  2. Pingback: Netzfunde von Donnerstag, dem 4. Oktober 2012 | Ein feste Burg ist unser Gott

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