Der Wert von Familie

Vor Jahrtausenden zogen die Menschen im Stamm durch die Landschaft.
In manchen Kulturen ist es heute noch normal, dass die Familie zusammen hockt.
Doch in unseren Gefilden hat sich das spätestens mit der Industriellen Revolution im 18. und 19.Jahrhundert geändert.
Papa und Mama mussten schuften gehen. Mitunter sogar die Kinder.

Hierzulande können wir dankbar sein, dass dieser Revolution der Ausbeutung von Mensch und Natur einige Zügel angelegt wurden. Kinderarbeit ist verboten, es gibt Tarifverträge, es wird über einen Mindestlohn diskutiert, es gibt Vorschriften, um die Gesundheit der Arbeitnehmer zu schützen…

Insbesondere die Zeit nach dem 2.Weltkrieg schien eine Zeit des Wohlstandswunders zu sein. In Deutschland muss niemand verhungern. Es gibt viele Wege, um Wohnraum zu bekommen. Kindergärten und Schulen können die Grundlage für eine gebildete Bevölkerung schaffen. Ein hohes Gut in einem ansonsten ressourcenarmen Land.

Zu Recht können wir dankbar für viele dieser Errungenschaften sein.
Stolz bin ich da weniger. Mein persönlicher Anteil an diesen Zivilisationsschätzen dürfte nicht oder kaum vorhanden sein.
Aber ich glaube so viel verstanden zu haben, dass es gut ist, wenn wir diese Schätze bewahren und ggf. fördern.


Doch eben diese Bewahrung sehe ich in Gefahr.

Eine Gefahr, die weniger Gefahr geblieben ist, sondern vielmehr Tatsache geworden ist, ist der Zerbruch der Familie.

Es sind nicht nur Scheidungen, die dazu beitragen.
Oder Trennungen von Nicht-Verheirateten.
Die Kinder dieser Paare mögen das vielleicht eines Tages verkraften.
Aber ein 5-jähriges Kind versteht die Welt nicht mehr, wenn es sich zwischen dem Vater und der Mutter entscheiden muss. Es hat doch beide lieb.
Das kann Spuren hinterlassen. Bindungsschwierigkeiten, wechselnde Partnerschaften nach dem Muster der Eltern können die Folge sein.
Es gibt genügend Beispiele, wie Menschen solche Krisen positiv verarbeiten. Aber ob das die Regel ist?

Ähnlich wie zu Beginn der industriellen Revolution sind Eltern mehr und mehr genötigt, Geld zu erwirtschaften. Das Modell der Hausfrau (bzw. des Hausmanns) scheint ein Auslaufmodell zu sein. Wenn beide Eltern Geld verdienen wollen/müssen, dann geschieht das selten deswegen, weil man sich die zweite Urlaubsreise im Jahr gönnen will.
Es geht wesentlich stärker darum, dass man sich die Miete und Lebensmittelkosten leisten kann. Das erfolgsversprechende Sparen für die künftige Rente ist einer Minderheit gegönnt. Nach jetzigen Schätzungen werden selbst die „50-Euro-pro-Monat-Sparer“ im Alter ein Sozialfall sein. Im schlimmsten Fall wird dann selbst das mühsam Angesparte auf die Grundsicherung angerechnet.

In den Medien wird ja viel (vor allem: kritiklos) dafür geworben, wie wichtig es nun sei, dass Kinder schon frühzeitig in den Kindergarten kommen. Das Motto scheint zu sein: Je jünger das Kind, desto besser. Dann wären die Eltern wieder „frei“, um zu arbeiten. Die Freiheit (von den Kindern und der Familie), um zu arbeiten, würde wahrscheinlich kaum jemand so benennen, da ja schon der Begriff der „Autobahn“ angreifbar sein kann. Und doch: Ist es nicht das, worum es geht?
Dass Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen?
Dass man ungebunden von der Familie ist, um in das Heer der Geldverdiener einzutreten?
Denn abgesehen von eigenen Kindern oder der Partnerschaft gibt es kaum andere Faktoren, die das ungezügelte Arbeitsleben behindern können.

Unsere Regierung hinkt aktuell den eigenen Zielen hinter her: Noch fehlen für das Jahr 2013 Tausende von Kita-Plätzen für die unter 3-Jährigen. Das ist ein Umstand, den ich gar nicht schlimm finde.

Denn so werden einige Eltern gezwungen sein, sich etwas länger mit ihren Kindern zu beschäftigen. Das wird den meisten Kindern nutzen. Soziale Stärken und andere Qualitäten müssen zu Hause gelernt werden. Trotz mancher Fehlentwicklungen in der Historie haben solche „Familien-Menschen“ immerhin unsere Demokratie aufgebaut. So ganz falsch kann die heimische Erziehung also nicht gewesen sein.

Das gilt umso mehr, wenn man sich die Alternative anguckt:
Die Erziehung durch Fachkräfte.
Ich selber kenne einige Erzieher und Lehrer und kann sie für die Qualität ihrer Arbeit nur loben. Das sind absolut vertrauenswürde Menschen, die oft mehr geben als sie vertraglich müssten.
Und doch: sie haben ihren Feierabend. Die Kinder sind nicht ihre Kinder. Das Kümmern um diese kleinen Wesen hat eindeutig seine Grenzen.
Zudem sind sie oft überfordert. Kein Lehrer kann seelische oder soziale Defizite eines Kindes beheben, wenn er sich um 27 andere Kinder zu kümmern hat, der Rahmenlehrplan ein volles Maß an Bildungsvermittlung vorgibt (schließlich sollen die Menschen nach dem 12.Schuljahr dem Arbeitsmarkt dienen können) und viele äußere Rahmenbedingungen mitunter nur Frontalunterricht zulassen.
Keine Erzieherin kann dem einzelnen Kind so viel Liebe vermitteln, wie es nötig wäre, wenn sie zugleich ein weinendes Baby zu beruhigen hat und in wenigen Minuten die Windeln eines anderes Kindes zu wechseln hat.
Und schließlich gibt es dann noch die schwarzen Schafe, die mit den ihnen Anvertrauten grausam umgehen und man sich wundert, wieso mancher Missbrauch erst Jahre später an das Licht kommt.

Nein, die Kinder noch früher in die „staatliche Obhut“ zu geben, ist kein Ersatz für Vater und Mutter oder gar die eigenen Geschwister.
Aber darum geht es den Gesetzgebern auch nicht.
Sie „opfern“ mal wieder dem Mammon, dem Arbeitsmarkt und dem Geldverdienen.

Wohl denen, die ihre Kinder selber erziehen können.
Wohl denen, die trotz Schwierigkeiten in der Beziehung zusammen halten.
Wohl denen, die ihre Verwandtschaft in der Nähe haben und sich gegenseitig unter die Arme greifen können.
Wir wissen: Auch die eigenen Eltern und die eigene Sippschaft sind nicht immer Vorbilder in Sachen „Familie“. Und doch sind die Chancen in einem solchen Verbund größer als sie der Staat je leisten könnte.

Wir brauchen eine Rückbesinnung auf den Wert von Familie.
Es müssten Werbekampagnen dafür geschaltet werden.
Eltern müssten in ihrer Rolle gestärkt werden.
Wir brauchen kein „Arbeitsvieh“. Wir brauchen starke Menschen, die mit ihrem gottgegebenen Wert anderen Menschen dienen.

Was kann der Staat dafür tun?
Ich bin mir nicht sicher, ob das geplante Betreuungsgeld die nötige Hilfe dafür bringt.
Dennoch ist es immerhin ein Versuch.
Das Kernproblem ist deutlich:
Familien müssen wirtschaftlich leben können.
Die Unterstützung durch Sozialleistungen kann nur eines der letzten Mittel sein.

Vielleicht geht es dann doch um das Motto „Arbeit muss sich wieder lohnen“.
Ein Spruch, der mittlerweile sehr hohl klingt.
Vor allem, da wir es mit globalen wirtschaftlichen Entwicklungen zu tun haben, die von einem Bundesland und vielleicht sogar von einer einzelnen Regierung kaum lokal dirigiert werden können.
Trotzdem sollten auch hier die Versuche gewagt werden:
Wie kann Arbeit billiger werden, ohne dass die Gehälter sinken?

Der Staat hätte womöglich weniger Steuereinnahmen. Möglicherweise wird man sich dann manchen Einsatz von deutschen Soldaten in fremden Ländern nicht mehr leisten können. Möglicherweise würden dann Planungen wie zum Flughafen Berlin-Brandenburg sorgfältiger und fachmännischer ausgeführt werden, um nicht unnötig Steuergelder zu verschwenden.

Aber die Menschen, nicht nur die Familien, hätten mehr Geld in der Tasche.
Und das wiederum könnte dann doch noch dem Steuersäckle der Regierung zu Gute kommen.
Sollten unsere Abgeordneten so einen gesellschaftsrelevanten Wurf geschafft haben, würde ich ihnen sogar die Erhöhung ihrer Diäten gönnen.

Mit mehr Geld in der Tasche könnte ein Elternteil zu Hause bleiben oder bräuchte nur teilweise arbeiten. Es wären mehr Kräfte, Nerven und mehr Zeit für die Kinder vorhanden.
Partner hätten mehr Zeit, um an ihren Beziehungen zu arbeiten. Unentgeltlich, aber lohnend.
Insgesamt könnte unsere Gesellschaft wieder stärker werden.

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2 Gedanken zu „Der Wert von Familie

  1. Danke für deine deutlichen Worte. Auch ich empfinde es als alarmierende Botschaft, wenn es schon so weit gekommen ist, dass Frauen, die sich entscheiden lieber Mutter als Arbeitnehmerin zu sein, öffentlich von Politikern und Medien herabgesetzt, ja zum Teil auch beschimpft werden. Diese Entwicklung ist hochgradig pervers und es ist gut, wenn diesem auch öffentlich begegnet wird.

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