Ich bin kein Evangelist!

Ach, was kann ein herrlicher Druck auf die Christen ausgeübt werden, wenn man sie mit Matthäus 28,18 ff. konfrontiert: „Gehet in die Welt… machet alle Völker zu Jüngern Jesu…“!

Und was geschieht?
Wir bleiben hocken und warten auf den nächsten Sonntags-Gottesdienst.

Immer wieder kommt reflexartig die Entschuldigung:
„Ich bin kein Missionar!“
Oder:
„Ich bin kein Evangelist!“

Und oft höre ich auch das:
„Ich möchte meinen Glauben LEBEN.“
Was heißen soll:
„Die Leute sollen so beeindruckt von meinem christlichen Lebensstil sein, dass sie mich fragen, warum ich so wahnsinnig heilig-himmlisch lebe. Dann kann ich von Jesus erzählen!“

Das gibt es auch:
„Ich suche zuerst die Freundschaft. Dann – im Laufe der nächsten Jahre – kann ich ja mal von meinem Glauben erzählen. Und dann – vielleicht ein paar Jahrzehnte später – kommt mein Freund dann zum Glauben an Jesus.“

Nun – an all diesen Gegenargumenten zum Aktiv-Werden ist ja was dran.
Tatsächlich ist nicht dazu berufen, in ferne Länder zu reisen, um das Evangelium weiterzugeben.
Nicht für jeden ist es ein „göttlicher“ Drang auf andere loszumarschieren und Massen-Evangelisationen durchzuführen oder sie mit der Bibel unter’m Arm und mitten auf der Straße zu bekehren.

Wir sollten aber dennoch innehalten:
Was ist der glasklare Auftrag Jesu an Seine Leute?
Geht hin und „macht“ andere zu Nachfolgern Jesu, damit sie wiederum fähig sind, andere zu begleiten.

Wenn wir auf die Befolgung dieser Anweisung so viel Wert legen würden wie auf solch biblisch-ethische Gebote wie „Enthalte Dich vor der Ehe“ oder auf solch zeitgeistlich beliebig austauschbare Wünsche wie „Zum Lobpreis hat man die Hände zu heben“ versus „Zu den geistlichen Liedern hat man ruhig und mit ernster Miene dazusitzen“, dann sähe unsere Gesellschaft anders aus.

Wir beklagen den Sittenverfall – aber geben den Menschen viel zu selten eine Botschaft für ihr Herz und ihre Seele.
Ehrlich: Ich will auch keinem Verein angehören, der mir zuerst sagt, wie falsch ich bin.
Aber wenn ich höre, dass es um echte Liebe geht, bedingungslos, wertschätzend und befreiend… dann werde ich hellhörig.

Aber wie soll unsere Gesellschaft hören, wenn wir uns hinter solchen Scheinargumenten wie „Ich bin kein Evangelist“ verkriechen?
Wie soll unsere Gesellschaft von der Liebe Gottes erfasst werden, wenn wir ein ganzes Leben brauchen, um unseren einzigen Freund zu Jesus zu führen?
Genau diese Argumente – und einige andere Entwicklungen der westlichen Kirche – haben dazu geführt, dass Jesus Christus für viele Menschen irrelevant geworden ist.
Da mögen wir tausendmal die Blindheit der Menschen geißeln… besser wäre es, diese Menschen zu lieben und sie auf den zu verweisen, der uns befreit.

Letztlich: Wie egoistisch ist es, diese Befreiungsbotschaft für sich zu behalten!
Nein – das ist keine Liebe, die das Evangelium vergräbt und jahrelang auf den „richtigen“ Moment wartet, um den Schatz kurz an das Licht zu holen, um ihn dann schnell wieder einzubuddeln.

Natürlich ist nicht jeder Evangelist.
Aber jeder Christ ist Zeuge von dem, was Gott im eigenen Leben getan hat.
Und jeder Christ ist aufgerufen, andere in die Nachfolge einzuladen. Es gibt keine Ausnahmeregelung.

Natürlich soll nicht jeder in die „ganze Welt gehen und allen Völkern“ verkündigen.
Manchmal beginnt die Welt schon in der eigenen Familie, Nachbarschaft oder auf dem Arbeitsplatz. Und mal taktisch gedacht: Wäre ja auch blöd, wenn die letzten Christen Deutschland verlassen, um die mittlerweile christlichen Völker in Afrika und Asien zu bekehren. Die Wahrheit ist die: Mittlerweile senden diese Länder Missionare nach Deutschland!

So, liebe Christen-Leute… ein bisschen mehr Liebe, ein bisschen mehr Tempo, ein bisschen mehr Bekenner-Mut!
Sollten wir vielleicht das Motto entwickeln: „Lieber einmal zu aufdringlich von Jesus erzählt haben, als einmal zuviel geschwiegen“?

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