Bewegung und Kultur

Ständig finden soziale Bewegungen statt.
Facebook mag eine solche Bewegung sein: Menschen unterschiedlichster Kulturen und Generationen nutzen Facebook als Kommunikationsmedium.
Es wird von den Nutzern kaum etwas verlangt. Und vielleicht sind es auch diese Elemente, die eine umso stärkere Bindung erzeugen:
– Es ist freiwillig (Einladungsaspekt).
– Man meint, davon zu profitieren (Ego-Aspekt).
– Es ist auf Menschen bezogen (Gemeinschaftsaspekt).
Und u.a. das scheint die Bereitschaft zu steigern, jeden Tag bei Facebook reinzuschauen.

Gemeinde ist ebenso als Bewegung gedacht. Jesus sagte: „Geht hin in alle Welt…“. Gemeinde als soziale Bewegung, die sogar die körperliche Bewegung beinhaltet.
Vor allem in den ersten drei Jahrhunderten – so die Kirchenhistoriker – war das Christentum eine enorm dynamische Bewegung und breitete sich vergleichsweise effektiv aus.
Es wurde eingeladen zum Vertrauen auf Jesus Christus,
persönliches Seelenheil wurde zugesagt und
man wurde Teil einer Gemeinschaft.

Manche sagen, dass diese Bewegung an Dynamik verlor, als die Konstantinische Wende Einzug hielt (das Christentum wurde zur Staatsreligion). Die Gemeinde als Institution und Organisation nahm gegenüber der Gemeinde als Bewegung zu.
Kirche war nun weniger die Versammlung derjenigen, die zum Herrn Jesus Christus gehören, sondern Kirche wurde mehr zum Gebäude.

Die Auswirkungen haben wir bis heute.
Auch, wenn viele Deutsche mit „Gemeinde und Kirche“ kaum noch etwas anfangen können, so scheint doch die Vorstellung eines Gebäudes mitzuschwingen.
Eltern, die höchstens per Karteikarte Kirchenmitglied sind, wollen plötzlich ihre Säuglinge taufen lassen. Zwar sind sie in der Regel unwissend, was die Bedeutung der Taufe betrifft, aber sie sehen darin eine Zugehörigkeit, die (hoffentlich) zu einem gelungenen Leben beiträgt. Sie erwarten dann ein Kirchengebäude und entsprechende Zeremonie-Handlungen.

In dieser Herausforderungen stehen m.E. auch die heutigen Gemeindegründungsbewegungen (GGB).
Dies sind Bewegungen, die innerhalb von kurzer Zeit zu einer Vielzahl von Gemeindegründungen führen (wiewohl man bei einem Ersntnehmen der ursprünglichen Bedeutung von Gemeinde dieselbe mit Bewegung gleichsetzen müsste und das Wort „Gemeindegründungsbewegung“ sozusagen doppeltgemoppelt wäre).

Diese Bewegungen scheren sich kaum darum, ob man sich im Wohnzimmer, in der Kneipe oder in einem traditionellen Kirchengebäude trifft. Denn sie wissen: Gemeinde besteht nicht aufgrund eines Gebäudes, sondern besteht durch die Menschen, die Jesus Christus zugehörig sind. Und diese können sich „überall“ treffen und Gemeinde sein.

Vor allem die Hauskirchen-Bewegung (schon wieder so eine Bewegung!) hat den Finger auf einen wunden Punkt der westlichen Christenheit gelegt: „Wir brauchen kein sakrales Haus. Wir können uns auch im Wohnzimmer treffen!“

Theoretisch gedacht, ist das eine nicht nur berechtigte, sondern sogar richtige Ansicht, wenn wir den neutestamentlichen Kontext beachten. Genau diese Rückbesinnung könnte dazu verhelfen, wirklich eine Bewegung in Deutschland zu werden.

Aber eine Schwierigkeit der Hauskirchenbewegung und der GGB ist die:
Wir leben nicht im Zeitalter des Neuen Testamentes.
Wir sind kulturell durch die Kirchengeschichte geprägt.
Und wenn ein Deutscher an Kirche denkt, dann denkt er sicherlich nicht an Christen, die sich im Wohnzimmer treffen, sondern an eine Institution, die durch Prunkbauten repräsentiert wird.

Der Effekt bei der praktischen Umsetzung von GGB in Deutschland ist dann wahrscheinlich der: Christen, die sich in einem Wohnzimmer treffen und sich „Gemeinde“ nennen, gelten schnell als Sekte. Damit drückt der Laie etwas aus, was ihm suspekt erscheint, ohne den Begriff als solchen passend zu platzieren.
Da mögen die Anhänger der GGB rufen: „Aber was wir tun, ist doch biblisch!“
Das wird andere Menschen im Zweifel nicht beeindrucken.

Somit könnte bei einer GBB schon von Beginn an der Tod im Topf sein.
Schließlich kostet es viel Geld und Zeit, um Gebäude zu kaufen oder zu bauen. So etwas können sich nur ein paar wenige Gemeinden auf Dauer leisten.
Wenn aber ein Gebäude feste Bedingung für eine Gemeinde wird, dann verlangsamt sich das Entwicklungstempo und eine Bewegung wird kaum möglich werden.

Wie müsste eine GGB in Deutschland also aussehen, um auch kulturell angenommen zu werden?

Ideen dazu?

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