Der fromme Irrsinn mit der Berufung

Lange Zeit spürte ich den Druck, ob ich als Christ denn auch meine Berufung gefunden hätte.
Es ist wie eine alte, alte Geschichte, die sich durch Generationen von Köpfen geschlichen hat. Finde Deine Berufung!
Dahinter steckt dieser Gedanke:
Mit einem jedem von uns hätte Gott eine ganz individuelle Geschichte.
Es gäbe einen Plan, der nur auf mich zugeschnitten sei.

Einerseits löst dieser Gedanke positive Kraft aus:
„Ich? Ich bin was Besonderes in Gottes Augen? Es gibt einen Plan für mich? Stark! Diesen Plan will ich herausfinden!“
Andererseits kann dieser Gedanke auch enorm frustrieren:
„Ich? Ich bin was Besonderes in Gottes Augen? Es gibt einen Plan für mich? Aber welcher Plan ist das? Wie finde ich ihn? Und was ist, wenn ich ihn verpasse?“

Nach einigen Recherchen in der Bibel, bin ich zu diesem Ergebnis gekommen (Achtung! Kurzfassung! Nachfragen erwünscht!):

1. Es gibt eine Berufung, die jedem Menschen gilt.
Und das ist die höchste und wichtigste Berufung aller Zeiten!
Sie ist z.B. in 1.Korinther 1,9 zu finden.
Es ist die Berufung, in Gemeinschaft mit Jesus Christus zu leben.
Es wird nie eine höhere und wichtigere Berufung geben.
Wer diesen Jesus gefunden hat, der hat auch die höchste Berufung gefunden.
Dieser Berufung sollten wir all unsere Zeit und Kraft opfern.

2. Es gibt eine „kleinere“ Berufung.
In der Bibel tauchen immer wieder besondere Geschichten mit besonderen Menschen auf.
Da ist zum Beispiel Mose.
Er wollte sich für Gerechtigkeit einsetzen, aber wurde so zum Mörder und Flüchtling.
Als Mose in der Einöde sein Leben als Hirte eingerichtet hatte, da rief ihn Gott.
Gott wollte, dass Mose das Volk Israel aus Ägypten herausführt.
Nur Mose war plötzlich ängstlich und fühlte sich unfähig.
Dennoch wurde er von Gott berufen.
Ähnliche Geschichten gibt es mit Paulus, mit Jona und vielen anderen.

Aus diesen Geschichten lässt sich ein Muster erkennen:
a) Die Berufung für spezielle Aufgaben kommt von Gott.
Souverän. Das hat kein Gabentest ergeben und das ist auch kein menschlicher Traum.
Der Auftrag ist glasklar und unmissverständlich.
Es geht nicht um die Frage „Habe ich da was verpasst?“.
Es geht um die Frage „Bin ich gehorsam oder nicht?“.
b) Die Berufung ergeht oft an die Unfähigen oder gar Unwiligen.
Die Berufung hat nichts mit meiner Perfektion oder Hingabe zu tun.
c) Solche Berufungen haben oft ein dickes Leidenspaket im Rucksack.
Paulus, Mose & Co mussten viel durchleiden, während sie der „kleineren“ Berufung folgten.
d) Die Berufungen ergehen nur an wenige Menschen.
Nur Mose war berufen, das Volk herauszuführen. Dieser Auftrag galt nicht allen anderen Israeliten. „Kleinere“ Berufungen sind keine Massenware.

3. Allen anderen Menschen, die keine „kleinere“ Berufung haben, kann dieses Wort aus Psalm 37,4-6 gelten:
„und habe deine Lust am HERRN, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt. Befiehl dem HERRN deinen Weg und vertraue auf ihn, so wird er handeln und wird deine Gerechtigkeit aufgehen lassen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag.“
D.h.:
Lebe in der Gemeinschaft mit Jesus Christus… und dann tue, was in Deinem Herzen ist.
Das gibt eine große Freiheit zum Ausprobieren und Scheitern, zum Experimentieren und Hinfallen. Und das ist okay.
Denn die höchste Berufung hast Du ja schon!

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3 Gedanken zu „Der fromme Irrsinn mit der Berufung

  1. Das ist mal ein brauchbarer Beitrag zum Thema »Berufung«, der den Blick auf das Wesentliche lenkt. Anders gewichten würde ich aber Punkt d): Ich würde nicht sagen, daß Berufungen nur an wenige Menschen ergehen, sondern daß spektakuläre Berufungen nur an wenige ergehen. Ich denke, es gibt sehr viele alltägliche, unspektakuläre Berufungen, die genauso Gehorsam erfordern wie die spektakulären, und wahrscheinlich werden viele gar nicht bewußt als ultimative Berufung wahrgenommen. Hier finden auch Wachstumsprozesse statt. Ich denke, David ist schon gemäß seiner Berufung unterwegs gewesen, als er sich als Hirte noch mit Löwen und Bären herumgeschlagen hat. Da er darin treu war, konnte er darin wachsen. In der öffentlichen Wahrnehmung zählt aber nur die Berufung »König«, kaum aber die Berufung »Schafhirt«. Vielleicht sieht das geistlich beurteilt aber ganz anders aus und David war möglicherweise als Hirt gehorsamer denn als König.

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