Liebe geht vor!

Die Story klingt fast unglaublich:
Ying Kai und seine Ehefrau arbeiteten in einer asiatischen Stadt und gründeten jedes Jahr eine neue Gemeinde.

Sicherlich darf man hinterfragen, was im Einzelfall unter „Gemeinde“ verstanden wird.*

Dennoch:
Jedes Jahr eine Gemeinde zu gründen… das erscheint uns im „Westen“ fast unerreichbar.

Ying Kai war allerdings nicht zufrieden. Er hatte vor, eine Gegend mit 20 Millionen Menschen mit Gott bekannt zu machen. Die Rechnung lässt sich schnell machen:
Wenn pro Jahr eine Gemeinde gegründet wird, dann würde diese Arbeit Tausende von Jahren dauern!

Die Frage war also die:
Wie können 20 Millionen Menschen die Chance bekommen, sich für oder gegen Jesus Christus zu entscheiden?

Nachdem er und seine Frau Matthäus 28,18 ff. nochmals studiert hatten und entsprechend der biblischen Prinzipien ihre bisherigen Methoden verändert hatten, hatten sie eines Tages 20-30 Gruppen von Menschen pro Woche. Diese Gruppen wurden in den Lektionen des Christseins sehr praktisch unterrichtet.

Irgendwann entwickelten etliche dieser Gruppen ihre eigene Dynamik:
Manche blieben so, manche gingen ein, aber etliche wuchsen und einige begannen, sich fortzupflanzen.
Dieser „Fortpflanzung“ Raum zu geben, war einer der Schlüssel für das nachfolgende Wachstum.

Es wird geschätzt, dass Ying Kai und seine Frau auf diese Weise direkt oder indirekt dazu beigetragen haben, dass ca. 1,7 Millionen zum Glauben fanden und getauft wurden sowie ca. 140.000 Hausgemeinden gegründet wurden. Weltweit. Innerhalb von ca. 10-11 Jahren.

Ying Kai und Steve Smith haben zu diesen biblischen Prinzipien ein Buch veröffentlicht (T4T – will heißen: „Training for Trainers“). Dabei geht es nicht um den Namen T4T. Es geht um den Inhalt. Und für viele dürfte es ein Neu-Entdecken von biblischen Prinzipien für Jüngerschaft und Gemeindegründung gehen.

Seitdem ich mich mit diesen Prinzipien auseinandersetze (ca. seit Mitte 2012), habe ich einiges dazu gelernt und vieles noch nicht gelernt. Aber das bleibt für mich das Wichtige:
Die Liebe geht vor!

Hier geht es nicht um „mal wieder“ eine neue Methode, die sich nun verkaufen soll.
Es geht um die Liebe Gottes zu uns.
Seine leidenschaftliche Liebe, die zum Tod und zur Auferstehung von Jesus Christus geführt hat.
Es ist Gottes Liebe, die berührt und verändert und die wiederum zur Nächstenliebe führt.
Wer sich unter diesem Gesichtspunkt mit dem Konzept von T4T beschäftigt, der kriegt die Sache in den „richtigen Hals“.
Wer aber nur technisch ein angebliches Erfolgskonzept umsetzen will, der wird sich selbst und anderen das Leben ziemlich schwer machen.

Die Liebe geht vor!

In Berlin wird es am 28.09.2013 ein Seminar zu „T4T“ geben.
Mehr Infos dazu gibt es hier: http://www.inmeinerstrasse.de/t4t-seminar-28-september/

* Nach meinen Beobachtungen geht es bei Gemeinde weniger um die Anzahl der Mitglieder oder um die Existenz eines eigenen Gemeindehauses. Es geht um den Inhalt und die Werte, die eine Gruppe von Menschen zusammenhalten. Gemeinde kann dann u.U. schon mit drei Menschen beginnen. Ich persönlich finde die Orientierung an den 12’en hilfreich. Jesus hatte 12 Apostel berufen. 12 Leute im Team zu haben, sorgt für eine gewisse Stabilität und erhöht die Chance auf weiteres Wachstum. Das kann ich statistisch nicht belegen und verstehe es daher auch nur als Wegmarke.

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5 Gedanken zu „Liebe geht vor!

  1. Ich kann nur sagen, dass ich nach langjähriger Prüfung solcher Geschichten nicht mehr bereit bin, auch nur eine davon zu glauben! Solche Zahlen entpuppen sich bei genauer Nachprüfung als Wunschdenken und pure Phantasie. Da wird jede Begegnung mit einen, irgendwie an einem Gespräch über Glauben Interessierten als „Gemeindegründung“ verkauft – wenn dort nicht schlichtweg gelogen wird.
    Schaut man sich die konkreten – wenn überhaupt vorhandenen – Gemeinden vor Ort an, findet man nicht selten Leute vor, die unverändert mit ihren Götzen und Religionen leben, jetzt nur halt auch noch ein wenig christlich gefärbt. (Ich kenne Beispiele zB aus Indien) Echte Nachfolge Christi ist da oft völlige Fehlanzeige.
    Nein Danke, solche Storys brauche ich nicht, um für Christus motiviert zu sein. Solche Seifenblasen schon mal garnicht.

    • Ob Seifenblase oder nicht… wahrscheinlich kann keiner von uns beiden diese Zahlen wirklich überprüfen.

      Die genauen Zahlen sind mir eher egal (habe diese hier auch nur übernommen). Wichtig ist das: Jeder, der zum Nachfolger Jesu wird, ist ein Gewinn! Jesus selber sagte im Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld, dass letztlich nur 25% der Leute Frucht bringen werden. Deshalb den Versuch des Jüngermachens zu unterlassen, wäre ohne Frage die falsche Schlussfolgerung.
      Wenn es also Prinzipien gibt, die mehr helfen können als andere, dann freue ich mich darüber.

      Ich habe letztens mit jemanden gesprochen, der selbst in Europa mit diesen biblischen Prinzipien gearbeitet hat. Innerhalb weniger Jahre (es waren wohl ca. 5-6 Jahre) sind über 2000 Leute zum Glauben an Jesus gekommen und es wurden Hunderte von Jüngerschaftsgruppen gegründet. Ich hatte keinen Anlass an seiner Aussage zu zweifeln.
      Er sagte aber auch, dass nach seiner Erfahrung nur 10-15% der Leute echte Frucht bringen.

      Letztlich: Egal, ob es dann doch nur 1000 Bekehrte waren oder 3000… Gott hat Macht und kann mit seinem Geist überführen!

      • Nun, was ich von diesen Zahlen der Superlative halte, habe ich geschrieben. Ich finde es sehr traurig, wenn Christen meinen es nötig zu haben, sich mit derart fragwürdigen Zahlen zu schmücken.
        Wenn man diesen Zahlen nur halbwegs Glauben schenkt, dann müsste die aktuelle Weltbevölkerung ungefähr 2 1/2 mal bekehrt sein. Sprich: Jeder, der das kleine 1×1 beherrscht, sollte wissen, dass diese Angaben nicht stimmen können.
        Wie wäre es denn, wenn wir, statt immer neuen Programmen, die mit solchen Bekehrungszahlen in den Tausendern strunzen, einfach mal mit unseren Nachbarn, mit Leuten an der Supermarktkassre, in Cafes und wo es sich auch anbietet, reden? Wie wäre es, wenn unser Leben mehr zum Zeugnis würde, als hochtrabende Worte?

  2. Ich kann Deine Skepsis gegenüber solchen Zahlen gut verstehen.
    Wie oft schon wurden sonstwas für Erweckungen angekündigt… und was ist geschehen? Manche Erweckung kam nicht und manche sieht vielleicht anders aus als wir denken.

    Ich kann aus eigener bescheidener Erfahrung sagen, dass sich in den letzten Jahren ein paar Menschen durch den Dienst unserer Gemeindeleute bekehrt haben. Aber genauso muss ich sagen: etliche sind „abgefallen“ bzw. völlig andere Wege gegangen.
    Auch deshalb kann ich die Skepsis verstehen.

    Ebenso spielen kulturelle Aspekte hinein:
    In manchen Kulturen wäre es unhöflich, „Nein“ zu sagen. In manchen Kulturen scheint es sehr einfach zu sein, Tausende von Menschen zu Jesus zu führen. Aber wie Du schreibst: Wer bleibt dann wirklich bei Jesus und geht den Weg gradlinig weiter?

    Auf der anderen Seite lesen wir auch in der Bibel von beachtlichen Zahlen:
    5000 wurden gesättigt.
    An einem Tag kommen 3000 Menschen zum Glauben an Jesus.
    Und manchmal einfach nur Umschreibungen einer Vielzahl von Begegnungen: „Jesus heilte alle“ (z.B. Mt 9,35).
    Zweifeln wir diese Zahlen auch an?
    Und wenn wir sie nicht anzweifeln, wieso sollten wir z.B. das Werk Gottes durch Ying Kai & andere anzweifeln?

    Wie dem auch sei:
    Es geht nicht um Programme, die den Erfolg bringen.
    Gottes Wirken ist vielseitig. Es ist Sein Geist, der überführt. Aber scheinbar hauptsächlich dann, wenn wir auch das Evangelium bringen. Eben zu den Menschen, von denen Du geschrieben hast (Cafe, Kasse usw.). Dann sind wir auch zum Gebet aufgefordert. Auch dieser Aspekt spielt rein. Ebenso aber die Mächte der Finsternis, die dagegen halten. Und schließlich der Mensch selbst, der sein Herz zumachen kann. All das lässt sich durch kein Programm der Welt beeinflussen!

    Andererseits fahren wir immer irgendein „Programm“:
    Das Vorhaben, Menschen an der Supermarktkasse anzusprechen, ist eine bestimmte Vorgehensweise. Es ist sicherlich kein ausgefeiltes Programm. Aber es ist eine Methode. Wenn man nicht sehr extrovertiert ist, wird es vielen schwerfallen, spontan (ungeplant) in ein solches Gespräch zu gehen. Nicht jeder ist evangelistisch begabt.
    Für viele andere ist es letztlich eine Hilfe, wenn sie lernen, wie sie ihre Geschichte mit Jesus erzählen können. Ebenso können viele lernen, das Evangelium zu erklären. Dann kann gelernt werden, wie man anderen die Basis-Einheiten des Christsein beibringt. Man kann lernen, aus welchen Charakteristika eine Gemeinde besteht und wie man das umsetzt. Usw.

    All das kann man natürlich Programm nennen. Aber im Kern ist es nichts anderes als das, was Jesus will: Macht alle Völker zu meinen Jüngern (und s.a. 2.Tim 2,2).
    Das o.g. Seminar hat eben das zum Inhalt:
    Was ist in diesem Jüngerschaftsprozess von der Bibel her zu bedenken?
    Wie können wir für Rahmenbedingungen sorgen, damit Jüngerschaft fruchtbar ist?

    • Und wenn wir sie nicht anzweifeln, wieso sollten wir z.B. das Werk Gottes durch Ying Kai & andere anzweifeln?

      Z.B. in dem wir feststellen, dass Jesus der Messias war und Ying Kai ein Christ wie du und ich? Ist es überhaupt statthaft, Jesus, in seinem zeichenhaften Auftreten in einem Volk, welches durch politische Unterdrückung zu einem großen Anteil sehnsüchtig auf eben diesen Messias wartete, mit den Menschen und Kulturen und unserem Auftreten darin zu vergleichen?
      Wie Häufig haben sich in der APG Tausende zu einem Ereignis zu Gott bekehrt? Mehr wie gerade einmal? Wie kommen wir dann auf die Idee, wir könnten solche Zahlen durch irgendeine Neuauflage eines Glaubensgrundkurs erreichen? Christlicher Größenwahn oder Wunschdenken evtl.?
      Ich zweifle nicht am Werk Gottes, ich bezweifle aber massiv das, was uns oft als solches verkauft werden will. Ganz besonders, wenn sich damit einzelne Christen als die „Inhaber“ des „nun so wirklich richtig toll funktionierenden Konzepts“ verkaufen wollen!

      Andererseits fahren wir immer irgendein “Programm”:
      Das Vorhaben, Menschen an der Supermarktkasse anzusprechen, ist eine bestimmte Vorgehensweise. Es ist sicherlich kein ausgefeiltes Programm. Aber es ist eine Methode.

      Nun, ich wollte damit keine Methode, sondern eine Einstellung vermitteln.

      Kurse, die dabei helfen sicherer das Evangelium vermitteln zu können, gibt es schon zuhauf. Alle ganz gut bis sehr gut. Wofür dann schon wieder so ein Bohei um eine Neuauflage eines solchen? Für das gute Gefühl, dass man damit quasi einen Zauberstab in die Hand bekommt, um die Massen zu bekehren?

      Was auffällt ist auch, dass wir Christen sehr phantasievoll darin sind, uns ständig neue Beschäftigungstherapienen einfallen zu lassen, welche uns erfolgreich davon abhalten, das konkrete Leben der Menschen zu teilen, die um uns herum sind. Ich erreiche viel mehr Menschen, wenn ich mich auch um ihre Sorgen kümmere, wenn ich mich mit den gesellschaftlichen und auch politischen Sorgen aktiv auseinander setze. Dafür müssen sich die Christen aber aus ihren bequemen Gemeindestühlen raus in die wirkliche Welt begeben. (So, wie ihr es, so viel ich weiß, es ja auch macht.) Ich habe es doch hier zu Anlässen wie das Love-Parade-unglück und dem Auftreten der Salafisten bei uns gesehen: Die ganze Gesellschaft in schierer Aufruhr – nur die Christen sind weit und breit nicht zu sehen. Da gibt es gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen über das Für und Wider der Tafeln, und wo sind die Christen? Etcpp.
      Also, warum bekehren sich so wenige? Weil so viele keine Chance haben, mal einen Christen zu treffen, der dann auch mal über seinen Glauben mittels Tat und Worte redet? Oder weil wir allen ernstes erwarten, die Menschen kommen zu uns, weil wir in unserem Gemeindeprogramm einen neuen Kurs stehen haben?

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