Das Asylantenheim in Berlin

Nahezu alle Online-Zeitungen berichteten darüber:
Politisch rechts gesinnte „Mitbürger“ protestierten gegen das Asylantenheim in Berlin-Hellersdorf.
Manche hätten sogar den Arm zum Hitlergruß erhoben.
Die Menge der Gegendemonstranten hätte die Zahl der Rechten um ein Vielfaches überschritten (s.a. Spiegel Online / Welt.de).

Wer dann auf die Seite von Pro Deutschland geht, sieht den Aufruf zur Demo. Ganze zehn Demonstranten konnte Pro Deutschland laut Spiegel-Bericht aufbieten.
Pro Deutschland arbeitet mit subtiler Feindseligkeit gegen Menschen aus anderen Ländern. Wer den entsprechenden Demo-Text liest, spürt, wie versucht wird, diese Menschen im Allgemeinen zu kriminalisieren und ihnen vorzuwerfen, dass sie hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen Asyl suchen würden.

Es verbietet schon fast die Vernunft, auf solche Argumente einzugehen.
Die Argumentation mit Schwarz-Weiß-Argumenten war schon immer eine Taktik der Manipulatoren oder der Dummen. Manchmal fällt auch beides zusammen.
Es ist einfach unfassbar, wie hier im Pauschalen Stimmung gegen Menschen gemacht wird, die Not leiden.
Und man fragt sich, was die sog. Rechten denn Ehrenvolles getan haben, damit dieser Staat einer der wenigen Staaten auf dieser Welt ist, der ein Sozialsystem hat, der hilft, wenn Menschen keine Arbeit finden, der versucht, eine Rente zu garantieren, der Meinungsfreiheit ermöglicht…
All diese Errungenschaften sind nicht auf dem Mist der Rechten gewachsen. Sie sind Errungenschaften der Demokratie und der Menschen, die füreinander einstehen wollen.

Ich will nun keine tiefgreifende Analyse der Rechten betreiben.
Stattdessen freut es mich, wenn ich lese, dass die Gegendemonstranten in der eindeutigen Mehrheit waren.

Doch manchmal denke ich, dass es für viele der Meckerer, Jammerer und der Rechten in unserem Lande heilsam wäre, wirklich Not zu erfahren und nicht vom Sozialstaat – und damit auch von mir durch Steuerzahlungen – durchgefüttert zu werden.

Wie wäre es, in einem Land geboren zu werden, in dem alle Hoffnungen auf eine bessere Zukunft mit Füßen getreten werden? Wo man nicht weiß, ob man am nächsten Tag etwas zu Essen haben wird? Wo man damit rechnen muss, wegen einer einfachen Erkrankung sterben zu müssen? Wo man von staatlichen Stellen keine Hilfe erfährt, sondern nur abgewiesen wird? Wo man miterleben muss, wie die eigenen Kinder wegen des Hungers weinen oder nur noch apathisch gucken?  Wo man wegen einer abweichenden Meinung sofort in das Gefängnis gesteckt wird und gefoltert wird?
Das sind Fälle echter Not.
Und wer wegen solcher Gründe in ein anderes Land ziehen will, um einfach mal eine Ahnung von Frieden und Hoffnung zu bekommen, der tut etwas sehr Folgerichtiges.

Solche Menschen unter einen kriminellen Generalverdacht zu stellen, wie es Pro Deutschland tut, der lügt oder hat einfach keine Ahnung (und ist damit dumm).

In Lukas 6,31 hat Jesus ein Gesetz formuliert, was Kant in einer ähnlichen Weise formuliert hat:
„Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!“

Folgendes wünsche ich niemanden, auch den Nazis nicht:
Liebe Nazis, hungert mal ein paar Wochen, verliert eure Kinder wegen simpler Krankheiten, werdet vom sämtlichen Arbeitgebern abgewiesen, mögen Euch alle staatlichen Leistungen gestrichen werden und werdet wegen Eurer Ansichten gefoltert… wie lange würdet Ihr es in Deutschland aushalten? Wann würdet Ihr Zuflucht in Dänemark, Polen, Holland oder auf Mallorca suchen?
Einfach mal vorstellen… einfach mal auf sich wirken lassen… und sich dann vorstellen, dass man durch Existenzängste in Holland gelandet ist. Man denkt, jetzt gäbe es Hoffnung. Aber stattdessen hört man die Leute flüstern: „Diese Deutschen müsste man vergasen! Alles Kriminelle!“

Ich will so nicht sein.
Ich will nicht in einem Land leben, das so ist.
Ich will, dass es die Chance auf Gnade und Barmherzigkeit gibt.
Ich bin dankbar für diesen Sozialstaat, auch wenn es viele Baustellen gibt.
Ich will, dass wirklich Notleidende die Möglichkeit haben, besser durch das Leben zu kommen.
Ich zahle meine Steuern gerne dafür, wenn damit Notleidenden geholfen werden kann.
Ich zahle meine Steuern nicht dafür, damit Menschenhasser Sozialleistungen kassieren.

P.S. Empfohlene Lesung: http://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlingspolitik-in-deutschland-eine-schande-1.1751795

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Ein Gedanke zu „Das Asylantenheim in Berlin

  1. Zur Zeit häufen sich die Meldungen von Demonstrationen und Anmeldungen dazu von der NPD vor Asylantenheimen in verschiedenen Städten Deutschlands. Auch in unserer Nähe wird es in den nächsten Tagen zu mehreren solcher Provokationen kommen. Ich hoffe zumindest an einem dieser Orte selbst vor Ort dabei sein zu können und mich in den Gegenprotest einreihen zu können.
    Dies ist nun die Fortsetzung der Provokationen braun Gesinnter, die unter dem Deckmantel einer angeblich politischen Partei ausgeübt werden. Waren es zuletzt Moscheen, die das Ziel der Provokationen war, so sind es jetzt Asylantenheime.

    Auch ich empfinde diese Provokationen als unerträglich. Aber mehr wie diese, erschrecken mich die Bürger, die diesem Gedankengut auch noch zustimmen. Unsere Stimme gegen die Dummheit braunen Gedankenguts kann in unserem Land nicht laut genug sein. Von daher danke ich dir für dein Statement.

    Charly

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