Der Syrien-Krieg und die Kinder

Ich versuche, ehrlich zu sein:
Der Syrien-Krieg berührte mich bisher nicht wirklich.

Ich kenne keinen Syrer. Ich war noch nie in Syrien. Ich verstehe die Sprache nicht.
Und eigentlich ist das alles auch zu kompliziert.
Mal sollen es die Assad-Anhänger sein, die böse sind.
Dann sind es wieder die Rebellen, die Greueltaten verüben.

Eben wie im richtigen Krieg:
Da bleibt keiner unschuldig.

Und so blieb es beim traditionellen Statement:
Natürlich ist Krieg schlecht!

Einen Krieg und das Recht und Unrecht zu begreifen ist eben schwerer als im Hollywood-Film, wo ich schon nach wenigen Momenten weiß, wer gut und wer böse ist.

Aber so ist das Leben eben.

Was mich das erste Mal betroffen gemacht hat, ist diese Meldung:
Eine Million Kinder, davon ca. 800.000 Kinder unter 11 Jahren, sollen auf der Flucht sein (spiegel-online).
Im Grunde reicht ja schon ein Kind, dessen Eltern getötet worden sind, und das nun versucht, alleine oder mit Hilfe von entfernten Verwandten zu überleben.

Kinder – und das ist für mich ausnahmsweise glasklar – haben diesen Krieg nicht gewollt und nicht am Leben gehalten.
Sie sind wirklich nur Opfer.

Und sie haben mit ihren jungen Jahren Dinge erlebt, die manchen aus unseren Breitengraden für Jahrzehnte in die psychologische Betreuung treiben würden:
Wie die eigenen Eltern von der Rakete zerfetzt wurden, wie die eigene Schwester vergewaltigt wurde, wie der eigene Bruder von Kugeln durchsiebt wurde…
Da wächst keine Generation heran, deren Sorge es ist, wann denn endlich das neue Iphone auf dem Gabentisch liegt. Das ist eine Generation, der alles genommen wird: Familie, Land und damit auch Identität.
Ich vermute es so:
Diese Kinder würden lieber ein Leben lang auf das Iphone, die neuesten Klamotten und alles andere verzichten, wenn denn ihre Geliebten wieder lebendig würden.

Mich durchzog schon der Gedanke, ob ich denn ein syrisches Kind adoptieren sollte.
Doch dann wurde ich gewahr, dass das nicht die Lösung wäre.
Ich kenne die syrische Kultur nicht, aber ich vermute, das es zumindest Tanten oder andere entfernte Verwandte gibt, die sich dann um „ihr“ Kind kümmern. Der Familienzusammenhalt in Syrien ist möglicherweise größer als hier.
Dann ist auch nicht in allen Fällen klar, ob die Eltern wirklich tot sind. Viellieicht gelten sie als tot oder zumindest als verschollen, aber tauchen dann nach 1-2 Jahren wieder auf.
Aber ihr Kind ist dann in einem fremden Land!?

Ich spüre nur eine Ohnmacht.
Und habe das Bild von Tausenden von einsamen Kindern vor meinen Augen.
Als Christ kann ich beten.

Und sonst?

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