Weihnachtsverbot in Kreuzberg?

Der Hintergrund ist der: Ein Ramadan-Fest in Kreuzberg durfte zunächst nicht in der Öffentlichkeit stattfinden. Erst, als es Sommerfest genannt wurde, sei es gestattet worden.
Nun gibt es Befürchtungen, dass es auch keine öffentlichen Weihnachtsfeiern mehr geben dürfe und stattdessen nur noch „Winterfeste“ (s.a. tagesspiegel).

Das Scheinargument des Stadtrats, es gäbe zu viele Anmeldungen für Straßenfeste und deshalb müsse man manche Fest-Anmeldungen negativ bescheiden, wird durch Ulrich Seelemann so entlarvt:
„Wenn ein Sommerfest anstatt des Ramadan genehmigt werden kann, gibt es offensichtlich nicht zu viele Feste in Kreuzberg.“ (Berliner Kurier).

Tatsächlich geht es weniger um die Wortwahl.
Es geht um das dahinterstehende Denken. Es geht letztlich um Inhalte.

Klar scheint das zu sein:
Der Kreuzberger Stadtrat Peter Beckers wolle keine religiösen Feiern verbieten, sondern nur ein Verfahren finden, das niemanden benachteilige (taz).
In der taz wird er schließlich so zitiert:
„Wir wollen keine Selbstdarstellung von Religiösität in der Öffentlichkeit befördern.“

Ich übersetze das mal für mich:
Wenn es nach dem Kreuzberger Stadtrat ginge, dürfe Religion nicht mehr in der Öffentlichkeit stattfinden!?

Dass diese Übersetzung stimmen könnte, zeigt das Indiz, dass die Kreuzberger Bezirksmedaille nicht mehr für ein besonderes religiöses Engagement verliehen werden soll (Bezirksamt Berlin-Kreuzberg).
Religion und entsprechendes Engagement soll eben nicht mehr öffentlich gefördert werden.

Wenn das die Auffassung des Bezirksamtes Kreuzberg ist, dann wäre das kein „aufgeblasener Glaubenskampf“ (taz-Titel – s.o.). Es wäre ein Geschehen, das gefährlich nahe an den Schutzbereich der positiven Religionsfreiheit käme.
Denn wenn religiöses Auftreten in der Öffentlichkeit nicht mehr gewährleistet werden würde, würde man die Religiösen in die private Sphäre drängen und die Religionsfreiheit damit faktisch antasten.

Doch auch abgesehen von dem Antasten verfassungsrechtlicher Grundsätze erscheint mir das dahinterstehende Denken einiger Personen der Kreuzberger Politik etwas zu kurzsichtig zu sein. Natürlich immer vorausgesetzt, dass meine o.g. Übersetzung richtig ist.

Die Bedeutung der Kirchen in der gegenwärtigen Zeit würde völlig verkannt werden. Der kirchliche Einsatz im Kita- und Krankenhausbereich, in der Hospizarbeit, im seelsorgerlichen Engagement, im Schulwesen sowie die vielen Gläubigen, die sich eben aufgrund ihres Glaubens innerhalb und außerhalb von Religionsgemeinschaften für andere Menschen einsetzen… all das würde mit diesem Denken einen kräftigen Tritt gegen das Schienbein bekommen.

Neben allen Gräuelseiten der Kirchengeschichte gibt es auch die positiven Einflüsse des Christentums in unseren Breitengraden: Christen, die sich um Waisen gekümmert haben; Christen, die Kindern eine Bildung ermöglichten; Christen, die Kranke pflegten; auch einige Christen, die sich gegen den Nationalsozialismus stellten… bis hin zum Gepräge des deutschen Grundgesetzes, das wesentlich auf christlichen Werten beruht.

Wer Religion nach und nach aus der Öffentlichkeit verdrängen will, beweist seine Unkenntnis über diese guten Einflüsse oder stellt sich absichtlich dagegen.

Dann wäre nur diese Frage interessant:
Was soll die Alternative zu einer nicht mehr öffentlich stattfindenden Religiösität sein?

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