Der Reichtum der Kirchen

Die jüngsten Medienmeldungen klingen in ihrem – manchmal sehr subtilen – Urteil über die Millionenausgaben für Kirchengebäude und andere kirchliche Einrichtungen eindeutig: Das sei ein Skandal!

Ist es wirklich verwerflich, wenn Kirchen – ob römisch-katholisch oder evangelisch – Millionen von Euros für ihre Werke und Einrichtungen ausgeben?

Ist es wirklich verwerflich, wenn diese Gebäude ästhetisch wirken und nicht nach zwei Jahren wieder baufällig sind – aber das eben seinen Preis hat?

Ist es verwerflich, wenn kirchliche Einrichtungen hohe Summen ausgeben, um in einem guten Rahmen verwalten zu können?
Und tun das andere, sprich: säkulare Regierungen und Verwaltungen nicht ebenso?

Muss es denn immer das Billigste und damit auch oft das Labilste sein?
Sollte denn das Motto „Geiz ist geil“ auch für Kirchen gelten?

Nun sei es ferne, dass ich über Personen oder Entscheidungen von entsprechenden Gremien richte. Ich bin nicht in der Materie. Ich kenne keine Details.

Dennoch geht es mich etwas an.
Als Christ werde ich unter Umständen zu den „Geldverschwendern“ gezählt.
In der Öffentlichkeit wird selten zwischen den Denominationen differenziert.
Es ist wie fast überall:
Genauso wie Moslems oft in einen Topf geworfen werden, so werden auch Christen oft in einen Topf geworfen. Dass es zwischen Moslems große Unterschiede geben kann, ist vielen nicht bekannt. Manchmal gilt das eben auch für Christen.
Für viele Menschen bin ich „einer von denen“. Und damit geht es mich etwas an, was in der weltweiten Kirche geschieht.

Daher will ich den Blick gerade rücken:
So gibt es eine Überzahl von christlichen Gemeinden auf dieser Welt, die arm sind. Wohl die Mehrzahl der weltweiten Christenheit besitzt keine prunkvollen Kirchengebäude, sondern trifft sich in Wohnzimmern oder Baracken.
Viele Pastoren können nicht allein von ihrem Pastorengehalt leben, sondern gehen normal arbeiten… sofern sie denn Arbeit finden.
Das müssen wir also festhalten:
Wer über die Millionenausgaben der Kirchen spricht, der redet über eine Minderheit von Christen.

Und doch kann ich die Kritiker gut verstehen.
Ich habe den Eindruck, dass sich große Teile der westlichen Kirche weit von dem entfernt haben, auf den sie sich berufen.

Jesus baute kein Kirchengebäude. Er war in den Wohnungen, den Synagogen und auf der Straße unterwegs.
Jesus schien kein prunkvolles Gewand zu tragen, sondern trug die damals kulturell übliche Kluft.
Er reiste nicht erster Klasse (weil es sie so nicht gab). Statt ständig auf einem Esel oder gar Pferd zu reiten, war er zu Fuß unterwegs. Hin und wieder mit dem Fischerboot.
Er kannte Sattsein, aber auch Hunger und Durst.
Er richtete sich nicht in einem System ein, sondern Er lebte einen anderen Weg und gab sich schließlich mit Seinem gesamten Leben hin.
Er ließ sich nicht einen Thron bauen, sondern wusch Seinen Schülern die Füße. Wie ein Sklave.
Und gerade damit zeigte Er Seine Größe und Majestät, Seine Gnade und Liebe.

Wie würde Jesus Christus wohl über die Millionenausgaben der Kirchen denken?

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Ein Gedanke zu „Der Reichtum der Kirchen

  1. Die katholische Kirche in Deutschland und die evangelischen Landeskirchen sind REICH. Pfarrer – und evangelischerseits Pfarrerinnen – dieser Kirchen sind sehr priviligierte Menschen – nicht nur finanziell.

    Caritas und Diakonie wird großenteils vom Steuerzahler finanziert, teilweise auch Bischofsgehälter – egal ob jemand Kirchenmitglied ist oder nicht. Was nach außen kommuniziert wird, hört sich oft anders an.

    Kirchen in Deutschland haben zunehmend ein Gaubwürdigkeitsproblem. Die Menschen erwarten, daß die Kirche, die ethischen Standards, die sie von anderen einfordert, auch selbst praktiziert. Wo dann Träger kirchlicher Sozialarbeit (Diakonie / Caritas) abenteuerliche Hilfskonstruktionen erfinden, um bestimmte Dienstleistungen „auszulagern“ und Lohndumping betreiben zu können, braucht man sich nicht wundern, wenn Kirche als nicht mehr glaubwürdig erlebt wird.

    Ich war dieses Jahr im Sommer in Frankreich und habe dort Pfarrer der reformierten Kirche, einer sehr armen Kirche erlebt. Es war sehr beeindruckend.

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