Kinderarmut

Nun bin ich weit davon entfernt, mit einem winzigen Artikel das gesamte Gebiet der „Kinderarmut“ behandeln zu können. Daher gebe ich nur lose Gedankensplitter weiter.

Kinderarmut ist eine Herausforderung für Deutschland. So stellt es der UNICEF-Bericht vom Oktober 2013 dar. Über 8% aller Kinder in Deutschland, insgesamt rund 1,1 Millionen Kinder, sind von Armut betroffen.

Klar, der Armutsbegriff kann nur relativ gedacht werden. Was hierzulande als „arm“ gilt, könnte in anderen Ländern als „bessergestellt“ gelten.

Armut macht sich natürlich zuerst am Geld fest. Wieviel Einkommen fließt zur Familie?
Aber Armut kann ein vielseitiges Gesicht haben.
Mir fällt spontan eine Familie ein, die haben wirklich wenig Geld. Aber sie sind dennoch reicher als manch andere: sie haben gute Beziehungen in ihrer Großfamilie. Es gibt gegenseitige Hilfen in Sachen Zeit & Kraft. Vermutlich empfinden sich diese Kinder nicht als arm.
Es gibt ebenso Familien, in denen es an Geld nicht mangelt.
Aber die Eltern schuften und schuften. Die Kinder werden mit allen technischen Spielereien ausgestattet. Dafür sind sie von 07:30 Uhr bis 16:00 Uhr in der Schule und im Hort. Die verbleibende Kraft der Eltern geht dann in Richtung Haushalt, aber selten in Richtung Kind. Wiewohl materiell reich, können diese Familien auch arm sein. Kinder können auch seelisch verarmen.

Ohne Frage: Geld ist wichtig.
Aber entscheidend ist für mich der Geist der Liebe.
Das klingt sehr romantisch-verklärend, oder?
Dabei sind das grundlegende Aspekte eines gelingenden Miteinanders:
Einander zuhören, Wertschätzung zeigen, Respekt haben, sich gegenseitig helfen…
Mit diesen Tugenden kann manch „arme“ Familie reicher als andere sein.

Allerdings spielt das Geld hierzulande leider eine immens wichtige Rolle.
Wer einmal Hartz4 empfangen hat, spürt den eisigen Atem des Mammons.
Um Geld wird mehr Aufstand gemacht als um Menschenleben.
So gibt es Streit darüber, ob Deutschland direkt oder indirekt finanzklamme Europastaaten unterstützen soll. Aber dass jährlich fast 100.000 Kinder in Deutschland abgetrieben – und strafrechtlich formuliert: „getötet“ – werden, ist selten ein Thema. Oder gar keins.
Entsprechend beherrscht das Geld unsere Gesellschaft und es wird zum Gradmesser für Menschen.

Wer wenig Geld hat, kann nicht gleichermaßen am sozialen Leben teilhaben.
Der Internetzugang kostet Geld. Das Telefonieren kostet Geld. Geburtstagsfeiern zu veranstalten kostet Geld. Sportvereine und Musikunterricht kosten Geld.
In Anbetracht der gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise, kann eine eher arme Familie froh sein, wenn noch Geld für den Kauf neuer Klamotten übrig bleibt. Die werden natürlich von Woolworth gekauft und nicht von P&C.

Man könnte auf Handys, Clubmitgliedschaften und ähnliches verzichten. Ich glaube, dass das Leben deswegen nicht ärmer wird.
Aber ernst wird es im Schulalltag. Wiewohl wir Steuern zahlen, müssen wir beachtliche Summen von Geld für die Schuldbildung unserer Kinder extra bezahlen. Dann geht es um Schulbücher, die privat gekauft werden müssen. Um Ausflüge, die privat finanziert werden müssen. Und immer öfter ist zu hören, dass Eltern die Renovierung von Klassenzimmern aus eigener Tasche bezahlen. Wer wenig Geld hat, kommt hier schnell an Grenzen und wird dann auch eher sozial ausgeschlossen.

Und das ist wirklich ein Problem von Deutschland:
Wir haben immer wieder Exportüberschüsse.
Angeblich sprudeln die Steuereinnahmen wie seit Jahren nicht.
Wir gelten als eines der reichsten Länder dieser Welt.
Aber, wenn jemand erstmal Hartz4 bekommen hat, wird es schwer, aus dieser Spirale wieder rauszukommen.
Geld für die Bildung ist kaum vorhanden. Viele Ausgaben im Bildungsbereich dienen mehr dem Status Quo – und damit der Verschlechterung – als der tatsächlichen Verbesserung.
Dafür wird Geld für den Ausbau von Kindergärten ausgegeben. 15 Kinder auf eine Erzieherin, oder wie war der Schlüssel? Was ist das gegen die Liebe der Mutter für ihr Kind? Mehr Kindertagesstätten, damit die Eltern Geld verdienen können. Im „Idealfall“ verdienen sie viel Geld, damit sie ihren Kindern alle technischen Spielereien ermöglichen können – und dann ihre Kinder seelisch verarmen lassen. Oder die Eltern gehen schlecht bezahlten Arbeiten nach, mit der Folge, dass durch die materielle Enge keine gleichermaßen wertvolle schulische Bildung ermöglicht werden kann. Abgesehen davon, dass auch minderbezahlte Jobs genauso lange dauern können wie hochbezahlte Tätigkeiten.

Das ist also der Knackpunkt in Deutschland:
Wiewohl reich, verfestigen wir die Armut und die Kinderarmut.
Das ist etwas, was nicht sein müsste. Wir haben die Möglichkeiten, das zu ändern.
Wenn das aber nicht geändert wird, dann WILL man es nicht ändern.
Dann bejaht man letztlich die Kinderarmut.
Und meines Erachtens bejaht man damit den Bildungsuntergang und den Sozialabstieg Deutschlands.

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