Warum Gottesdienste die Gemeinschaft nicht fördern

Die Gemeinschaft ist ein wesentliches Merkmal von Gemeinde.
Von dieser Entdeckung ausgehend habe ich gefragt: Sind die üblichen Gottesdienstfeiern kontraproduktiv?

Wenn ich „Gemeinschaft“ unter Christen erwähne, dann begegnen uns mitunter recht unterschiedliche Vorstellungen. Für manche ist die sonntägliche Gottesdienstfeier auch Gemeinschaft der Jesus-Gläubigen.

Schauen wir uns an, was bei einer normalen Gottesdienstfeier geschieht:
– Es findet eine Begrüßung statt. Mitunter begleitet vom Gebet.
– Es wird ein Bibeltext vorgelesen oder es wird eine ähnliche Einleitung umgesetzt.
– Es gibt Lieder und weitere Gebete.
– Es gibt die Predigt.

Je nach Gemeinde existiert eine Vielzahl von Liturgien: Von absolut flach und schlicht bis hin zu einer durchgefeilten Zeremonie.

Doch fast immer dominieren diese Aspekte:
– Von vorne wird der Ton angegeben.
– Die Monolog-Predigt.
– Die Lieder und Gebete.

In der Regel gibt es keinerlei Möglichkeit, auf den Ablauf der Gottesdienstfeier Einfluss zu nehmen.
Es gibt meistens keinen Austausch über die Botschaft der Predigt.
Ungefähr 60 bis 120 Minuten wird den meisten Christen vorgegeben, was sie zu hören, zu beten und zu singen haben.
Das ist nicht Gemeinschaft miteinander. Das ist ein Programm bzw. ein Dienst-Angebot.

Wenn einer Gemeinde die Gemeinschaft wichtig ist, dann gibt es danach Kaffee und Kekse. Man bleibt, redet miteinander und vielleicht betet man sogar füreinander. M.E. ist das ein Ansatz von Gemeinschaft.
Doch allen ist das klar:
– Die Gottesdienstfeier ist vorbei, das hier ist nun der inoffizielle Part und es geht in ein paar Minuten nach Hause.
– Bei einer mittelgroßen bis großen Gemeinde wuseln so viele Menschen durcheinander, dass kaum Zeit und Ruhe sind, um wirklich tiefgehende Gespräche zu führen. Daher bleibt es oft auf der Small-Talk-Ebene oder dem kurzen Informationsaustausch.
So muss es beim Ansatz von Gemeinschaft bleiben. Es ist aber mehr ein Wurmfortsatz als wesentliches Merkmal von Gemeinde.

Aber wie wird dann Gemeinschaft in Gemeinden gelebt?
Für manche sind Hauskreise/Kleingruppen der Platz, um Gemeinschaft zu leben.

Auch hier kann es eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten geben.
Ja, manchmal kann sogar eine Kleingruppe ein Abbild der Gottesdienstfeier sein:
– Die Lieder sind vorgegeben.
– Der Bibeltext ist vorgegeben.
Natürlich wird es mehr Dialog geben, wahrscheinlich über den Bibeltext.
Persönliche Anliegen werden nicht genannt oder nur mal kurz gestreift.
Und sicherlich kann hier eher mal ein anderer Text vorgeschlagen werden.

Aber auch das ist für mich nur ein Ansatz von Gemeinschaft, solange diese Hauskreise nur eine Option sind.
Würden sie an die Stelle der üblichen Gottesdienstfeier rutschen, könnte die Welt anders aussehen. Dann wären diese Kleingruppen Gemeinde und die Gottesdienstfeier wäre die Option.

Ich will weder Gottesdienstfeiern noch Hauskreise schlecht machen.
Ich will nur deutlich machen, dass wir mit diesen Vorgehensweisen oftmals gar nicht Gemeinschaft leben!

Aber ich will ja nicht nur kritisieren (zumal ich mit dem Finger zuerst auf mich zeigen muss). Ich meine, dass es möglich ist, Gemeinschaft mehr zu leben:

– In sonntäglichen Treffen von 3-15 Personen.
– Jeder ist dabei: von 0 bis über 100 Jahre alte Menschen.
– Im Gedenken an Jesus wird das Brot geteilt und der Traubensaft getrunken.
– Zusammen wird an 1-2 Tischen gefrühstückt.
– Dabei hört man einander zu, erzählt sich usw.
– Schließlich betet man gemeinsam, zwischendurch werden Lieder gesungen und einige erzählen den anderen von ihren Erkenntnissen und Erlebnissen von und mit Gott.
– Geleitet werden die Treffen vom Heiligen Geist und die Ältesten der Gemeinde stehen schützend und fürsorglich zur Seite.

Ich vermute, dass solche Gottesdienstfeiern mehr Gemeinschaft intus hätten als viele andere.

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