Eine neue Hausgemeinde in Hamburg

Was ist los in der Landschaft der Hausgemeinden in Deutschland?
Mich hat das Konzept der Hausgemeinde schon immer fasziniert. Ich halte dieses Konzept global gesehen für das effektivste Modell. Wahrscheinlich ist es so hilfreich, weil es schlichtweg ein Modell des Neuen Testaments ist.
Trotzdem sehe ich für das Modell hier in Deutschland mehr Fragezeichen. Passt es zur deutschen Kultur?
Da ich mich seit einigen Tagen intensiver mit dem Thema „Gemeinde & Gemeinschaft“ beschäftige, habe ich einfach einige Hausgemeinden in Deutschland, der Schweiz und in Österreich angeschrieben und um Antworten gebeten.

Hier ist das erste Feedback von Bernd (http://www.hausgemeinde-hamburg.de). Vielen Dank an dieser Stelle für die Offenheit und das Einverständnis zur Veröffentlichung!

1. Seit wann gibt es Eure Hauskirche?

Wir haben grade erst im November 2013 gestartet und bemühen uns gleichzeitig parallel ein lokales Netzwerk dafür aufzubauen. Allerdings nicht mit dem Ziel wieder eine neue Denomination und damit eine weitere Institution zu bauen.

2. Was war Euer Wunsch, als Ihr die Hausgemeinde gestartet habt?

Menschen zu erreichen, die Alternativen zur Inst. Gemeinde suchen, oder die dort verletzt wurden und Heilung suchen. Und der Wunsch Gemeinschaft nicht nach Methoden und Prinzipien leben zu wollen, sondern den Einzelnen in der Gemeinschaft zu Wort kommen zu lassen. Gemeinsames Wachstum zu erlauben, offene Dialoge zur Bibel und der Wirklichkeit im Leben zu führen. Die persönliche Ebene des Einzelnen in seiner Eigenverantwortung in der Liebe Gottes wachsen zu lassen. Das ist sehr kurz gefasst und Worte können kaum ausdrücken was wir meinen, wir sehen die Menschen in ihrer (persönlichen) Not, und möchten Ihnen helfen Gottes Kraft und Liebe zu erfahren.

3. Welche Hindernisse/Herausforderungen taten sich auf, als Ihr angefangen habt?

Da wir grade erst starten, haben wir hier noch nicht wirklich eine Antwort darauf. Bisherige Erfahrungen sind aber sehr positiv, so hatten wir jüngst ein erstes Treffen und können sagen, dass Gott uns hier wahrhaftig gesegnet hatte. Alles schien gut zu passen, die Chemie stimmte und wir erkannten alle, dass Gott uns zusammen geführt hatte, und das obwohl wir grade mal fünf Leute waren.

4. Was würdet Ihr rückblickend noch einmal so machen?

Auch das kann ich nicht beantworten, da wir noch zu frisch dran sind, oder meintest du hier unseren allgemeinen Werdegang durch die Gemeinden? In diesem Fall möchte ich dir sagen, dass ich viel Gutes dort erlebt habe und sehr viele liebe Geschwister kennenlernen durfte. Aber wir hatten immer das Gefühl gehabt das etwas nicht passte, und erst im Verlauf mehrerer Jahre fanden wir heraus was es war. Das zu beschreiben würde jetzt ein Buch füllen, wir beziehen uns daher auf das Buch von Wayne Jacobsen „Der Schrei der Wildgänse“ welches diese Probleme sehr deutlich beschreibt.

5. Was würdet Ihr rückblickend anders machen?

Diese Frage finde ich etwas wackelig, da alles ein Prozess ist indem wir wachsen. Daher sind auch negative Erfahrungen etwas wertvolles, woran wir gereift sind. Und wie bereits erwähnt, sind wir noch zu frisch und können noch nicht wirklich dazu Stellung nehmen.

6. Welche Tipps würdet Ihr anderen mitgeben, die eine Hausgemeinde starten wollen?

Eine gute Frage!
Aus meiner Sicht würde ich sagen, man sollte sich erstmal damit befassen, was man eigentlich für Erwartungen und Vorstellungen hat. Die nächste Frage wäre dann, ob diese Erwartungen und Vorstellungen auch Gottes Absichten sind? Man kann sehr schnell mit einer Hausgemeinde wieder alte (Denk-) Muster und Schubladen zum Leben erwecken und das wird dann die Leute frustrieren. Daher wäre mein Rat erst Klarheiten über sich zu gewinnen, darüber wo man selbst steht und ob man selbst wirklich schon bereit dafür ist. Es kann sehr sinnvoll sein, sich zuerst auf die Suche zu begeben und zu lernen. Da dies zunächst ein sehr persönlicher Prozess ist, sollte man abwarten bis die Klarheiten in sich gewachsen sind. Bis dahin kann man ja einen Haus- oder Gebetskreis besuchen oder einfach nur in Gott ruhen.

Wenn man aber glaubt bereit zu sein, kann man den Versuch machen eine Gruppe zu starten. Wir haben dazu öffentlich aufgerufen und hatten zuerst sechs Anmeldungen wovon drei kamen. Unser Ziel war es, die Leute einfach nur kennenzulernen und wir hatten uns nicht festgelegt was daraus werden würde. Wir haben das einfach Gott überlassen. Wir haben auch kein Kennlernprogramm gestartet, sondern haben die Situation wie sie kam, einfach so genommen. Wir haben dann angeboten einander vorzustellen und so flossen die Herzen von selbst aus sich heraus. Am Ende war es dann so, dass es passte und die Leute sich wiedersehen möchten.

Fazit: Wenn wir uns zurücknehmen und keine inst. Rituale vollziehen kann Gott frei wirken.

7. Hausgemeinden werden manchmal auch Vorhaltungen gemacht. Welchen Vorhaltungen/Vorwürfen seid Ihr begegnet und was sind Eure Antworten darauf?

Von solchen Vorwürfen habe ich noch nichts gehört, außer in Gesprächen mit Menschen aus den inst. Gemeinden, die von deren Mustern noch sehr geprägt sind. Da wird hauptsächlich deutlich, dass inst. Gemeindemitglieder von Angst und Scham geprägt sind. Da die meisten dieser Christen als unmündige Christen erzogen werden, haben sie Angst etwas Neues zu begreifen, bzw. schämen sie sich, weil viele von Ihnen den Gewissenskonflikt oft bereits in sich tragen.

Die Reaktionen sind dann eher zurückhaltend bis abweisend.

Unsere Antwort darauf ist, dass auch diese Menschen einen Prozess durchlaufen und dieser ihnen auch zugestanden werden muss. Wenn sich Gelegenheiten bieten, kann man drüber reden, wobei man dann aber auch gefestigt sein sollte.

Wir denken sogar daran eine Art Workshop zu bauen um diesen anbieten zu können. Wayne Jacobsen war vor Jahren auch in Deutschland unterwegs und hat über das Thema gesprochen. Leider gab es wohl daraufhin kaum Veränderungen und wie alles was in Wandlung ist, braucht es viel Zeit bis sich festgefahrene Muster ändern.

Ob ein Workshop dies vermag können wir nicht sagen, aber vielleicht wagen wir diesen Versuch.

8. Welche Perspektive habt Ihr für die nächsten Jahre als Hausgemeinde?

Keine! Wir vertrauen vollkommen auf Gott, es ist seine Gemeinde. Ich möchte damit sagen, dass wir keine Pläne machen und fast nichts durchorganisieren. Wir glauben aber, das in Bezug auf die Endzeitphase, dass Hausgemeindemodell nicht nur eine Alternative sein wird, sondern der Fluchtpunkt schlechthin. Gebäude und Mitarbeiter kosten viel Geld und juristische Personen wie Z. B. Vereine werden mehr und mehr den Gesetzen zum Opfer fallen. (Siehe Gleichstellungsgesetz) Glaube und Staat kann auf Dauer so nicht mehr gesegnet funktionieren.

Eine Juristische Person wie z. B. einen Verein halte ich nur noch für ein Sozialwerk geeignet, für eine Gemeinde allerdings wird das zunehmend schwierig werden.

9. Seid Ihr damit einverstanden, dass ich Eure Antworten oder Teile davon auf meinem Blog veröffentliche?

Ja, sind wir.

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2 Gedanken zu „Eine neue Hausgemeinde in Hamburg

  1. Pingback: Ein Interview zum Thema Hausgemeinde | Hausgemeinde Hamburg

  2. Pingback: Die HausKirche in Lengerich | berlinjc

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