Hartz IV für arbeitslose Ausländer?

Nach Ansicht der EU-Kommission sei das deutsche Sozialsystem rechtswidrig. Denn Deutschland müsse auch nicht-arbeitssuchenden Zuwanderern den Zugang zu Hartz IV erleichtern und die Einzelfälle prüfen (Artikel der SZ).
Der gedankliche Hintergrund sei der: Wir sind doch alle EU-Bürger, auch etliche Zuwanderer.

Wer sich nun die Kommentarseiten der entsprechenden Online-Artikel zum Thema durchliest (überfliegen reicht auch), dem schlägt eine Welle des Protestes entgegen. Dann könne man das Geld doch gleich zu den Menschen in’s Ausland schaffen, das sei viel unkomplizierter. Oder wir Deutschen würden hart arbeiten, damit andere, womöglich arbeitsunwillige Ausländer, durchgefüttert werden. Dann lohne sich das Arbeiten nicht mehr. Man müsse aus der EU raus.
Und so weiter – und so fort.

Hier prallen Welten aufeinander.
Da die EU-Denker, die zu einer zunehmenden Vereinheitlichung der System gelangen wollen und idealistisch davon ausgehen, dass wir nur unseren europäischen Mitbürgern helfen würden. Wollen wir etwa nicht ein EU-Staat sein?
Dort die National-Denker, die um ihre kulturelle Identität fürchten, das Empfinden haben, vereinnahmt und überrollt zu werden und schließlich nur Melkkuh der EU zu sein.
Ein interessantes psychologisches Stück, was sich gerade abspielt.

Was auch immer in dieser Situation als Recht gilt, eines ist klar:
Die Zeiten haben sich geändert.

Es regiert eben nicht mehr der eine König, der eine Kanzler oder der lokale Stammesfürst.
Wir werden von den EU-Organen mitregiert.
Was seit Jahren Tatsache ist, wird an solchen Themen deutlich.
Allerdings haben wir nicht die eine Regierungspersönlichkeit vor Augen, wenn wir über die EU reden.
Sondern wir als Normalbürger haben ein verschwommenes Konstrukt vor Augen, das aus zig gesichtslosen Menschen besteht, die im Namen der EU Einfluss auf unser Leben nehmen. Und oftmals erscheinen solche Einflussnahmen für uns alltagsfremd, was sie ja auch sein müssen, da Richtlinien und Gesetze pauschal sind und dies umso mehr, je mehr Menschen betroffen sind und je weiter weg die Entscheidungsträger vom Volk sind.
Das ist für mich der eigentliche Punkt hinter solchen Empörungen und Diskussionen.

Rein von der Sache her ist es durchaus legitim, bedürftigen Menschen zu helfen, ob sie nun Deutsche oder Nicht-Deutsche sind.
Ebenso ist es richtig, darüber nachzudenken, auf welche Weise Deutschland den bedürftigen Zuwanderern helfen kann.
Denn die Alternative ist die:
Jegliche Hilfen für bedürftige Ausländer zu streichen.
Doch das wiederum wäre für mich eine Ungeheurlichkeit, schließlich besteht die Welt nicht nur aus Deutschen, sondern diese Welt ist in erster Linie von Menschen bevölkert. Damit muss keine Gleichmacherei betrieben werden, aber es muss möglich sein, über die Hilfe für andere Menschen nachzudenken.

Ich kenne einige Zuwanderer, Ausländer und Flüchtlinge. Und niemand von diesen will den deutschen Staat ausnutzen. Im Gegenteil: Sie wollen etwas für ihr Geld tun und mancher wäre am liebsten unabhängig von Sozialleistungen. Und diejenigen, die offiziell hier arbeiten dürfen, sind mitunter sogar fleißiger als einige Deutsche in meinem Bekanntenkreis.

Wie auch immer die Sache vor dem Europäischen Gerichtshof ausgehen wird, ist das wünschenswert:
– Dass es den EU-Organen besser gelingen würde, die Menschen der EU einzubeziehen statt so oft den Eindruck zu erwecken, an der Lebenswirklichkeit vorbei zu entscheiden und „über die Köpfe hinweg“ zu regieren;
– dass letztlich zu einer Versachlichung solcher Diskussionen gefunden wird statt auf einem polemischen Niveau zu bleiben.

Eigentlich geht es von allen Seiten darum, immer den einzelnen Menschen vor sich zu sehen und diesem Respekt zu zollen. Ob es nun der EU-Entscheidungsträger ist, der bräunliche oder grünliche Deutsche, der Zuwanderer und wer auch immer.
Mehr Respekt voreinander wäre schön.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s