Jeder Christ ein Evangelist? Falsch!

Zumindest die Evangelikalen unter uns kennen Sprüche wie diese:
„Jeder Christ ist ein Evangelist!“

Das ist genauso falsch wie diese Behauptung:
„Jeder Christ ist ein Gitarrist!“

Man könnte noch einige andere „…ist“-Identitäten aufzählen, was in einem Moment der Langeweile humorvoll bis gemein werden könnte.

Tatsächlich steckt hinter dem eingangs erwähnten Vers diese Denke:
Jesus hat gesagt, dass wir in die ganze Welt hinausgehen sollen, um das Evangelium weiterzugeben (sinnumgewandelte These aus Matthäus 28,18 ff.).
Also sollte jeder Christ evangelistisch tätig sein.

Was früher möglicherweise Freude erzeugt hat, bewirkt heute oft zweierlei:
– Bei den Nichtchristen die Angst davor, manipuliert zu werden;
– bei etlichen Christen den Druck, zu den unmöglichsten Gegebenheiten von Christus zu erzählen.

Doch auch ohne solch psychischen Folgen entspricht die erwähnte Denke nicht der Botschaft der Bibel.
Und das aus folgenden Gründen:

1. „Evangelist“ zu sein ist nach Epheser 4,11 ein besonderer Dienst, der nicht allen Christen gleichermaßen gilt, sondern einigen.

2. Die wichtigste Tätigkeit eines Christen ist es nicht, evangelistisch tätig zu sein…
wenn man darunter z.B. das Predigen auf einer Coca-Cola-Kiste versteht, das Verteilen von Flyern oder die tägliche Diskussion mit Arbeitskollegen über christliche Themen.
Die wichtigste Tätigkeit ist die:
Sich so senden zu lassen, wie Jesus gesandt wurde.
Und Jesus sagte das von Seiner Mission:
„»Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen,zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«“ (Lukas 4,18-19)

Lasst uns das vor Augen führen!
Jesus ging es darum:
Die Verkündigung
– des Evangeliums den Armen
–  der Befreiung den Gefangenen
– den Blinden, dass sie sehen sollen
– den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig (= befreit / losgelöst) sein sollen
– des Gnadenjahres des Herrn.

Arme sollen eine gute Botschaft hören? Gefangene sollen von Freiheit hören? Blinde davon, dass sie sehen können? Unterdrückte, dass sie befreit sein sollen? Alle sollen hören, dass es Gnade für sie gibt?

Kann es eine bessere Botschaft geben?
Wer sollte etwas gegen eine solche Nachricht haben?!

Man könnte was dagegen haben, wenn es um heiße Luft ginge, sozusagen um himmlische Vertröstungen.
Dann wäre das ein Lockmittel der Frommen, um neue Clubmitglieder zu gewinnen.

Die gute Nachricht dieser guten Nachrichten ist aber diese:
Wenn Jesus etwas verkündet hat, dann ist es geschehen!
Wenn Jesus sagte: „Sei geheilt!“, dann konnte der Blinde sehen!
Wenn Jesus sprach: „Sei frei!“, dann wurde die dämonische Macht gebrochen!
Wenn Jesus sagte: „Dir ist vergeben!“, dann begann ein neues, befreites Leben!
Die Verkündigung Jesu ist gleichrangig mit dem Wort Gottes, als dieser sprach: „Es werde Licht!“ – und tatsächlich wurde das Licht!
Die Verkündigung Jesu schuf also neue Wirklichkeiten. Wort & Tat waren eins.

Mit anderen Worten:
Jesus kam, um umfassende Heilung zu bringen.
Es ging um die Heilung der Beziehung zwischen Gott und Mensch, um die Heilung von sozialen Beziehungen und um die Heilung des Menschen selbst (körperliche Heilung, seelische Heilung, geistliche Heilung / Befreiung).
Nochmal anders formuliert: Jesus kam, um Shalom zu bringen, den ganzheitlichen göttlichen Frieden.

Konkret heißt das:
Ehen werden wieder stabil.
Kinder bekommen Wertschätzung.
Sünder bekommen eine neue Chance für ein erfüllteres Leben.
Kaputte Beziehungen werden besser.
Blinde können sehen, Lahme gehen, Taube können hören, Ängstliche bekommen Mut, Belastete werden frei…

Die Basis dafür ist, dass die Beziehung zwischen Gott und Mensch in Ordnung kommt.
Aber selbst das war bei Jesus oft von der vorlaufenden Gnade bestimmt:
Ohne Beichte bekamen Menschen Vergebung zugesprochen; auch wenn andere kleinsten Glauben hatten, heilte Jesus…

Dahinter steckte bei Jesus die entscheidende Einstellung:
Liebe.
Gott liebt die Menschen.
Er lässt die Sonne aufgehen über Gute und Böse.
Seine Güte führt Menschen zur Umkehr.

Und nun heißt es:
Wir sind so gesandt, wie Jesus gesandt war.
Wir sollen zu den Völkern gehen und sie zu Jüngern Jesu machen.
Und plötzlich wird deutlich, dass wir berufen sind, Heil in diese Welt zu bringen.
Jeder Christ ist jemand, der Heilung und Frieden vermitteln kann.
Wir sollen und dürfen dazu beitragen, dass Depressive Hoffnung bekommen,
dass Kranke geheilt werden,
dass seelische und körperliche Schmerzen verschwinden,
dass Menschen sich wieder versöhnen,
dass Familien besser miteinander klarkommen,
dass kaputte Selbstbilder weichen und ein gesundes Selbstwertgefühl entsteht,
dass jeder die Chance hat, an die Quelle der Heilung angedockt zu sein.

Das ist umfassender als der einfache Satz: „Jeder Christ ist ein Evangelist“!
Das löst in mir weder Angst aus noch Druck.
Das motiviert mich.

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