Weshalb wir nicht den Pastor brauchen…

und warum wir den Pastor brauchen.

Ein langer Titel.

Was gibt es nicht für Meinungen und Stimmen in Gemeinden, wenn es um die Suche nach einem Pastor geht!
Manche suchen die eierlegende Wollmilchsau, also den Pastor, der alles drauf hat.
Andere suchen hauptsächlich den geschickten Rhetoriker oder den Familientypen oder den Senior-, Junior- oder Gebetspastor.
Dann werden Stellenanzeigen veröffentlicht oder im eigenen Gemeindewerk nachgefragt, ob es denn nicht irgendwo den Typen gibt, den man zu meinen braucht.
Findet sich ein Kandidat, dann geht es um das persönliche Kennenlernen, Vorstellungsgespräche und Probepredigten. Schließlich will man ja nicht die Katze im Sack kaufen.

Nun will ich nicht sagen, dass dieses Verfahren völlig falsch ist.
Aber der biblische Rückhalt dafür ist fraglich.

Um das vorwegzunehmen:
Bei der Frage nach dem Pastor geht es nicht so sehr um die Frage von Sünde oder Nicht-Sünde.
Es gibt wenig direkte biblische Anweisungen, wie so ein Pastoren-Verfahren zu laufen hat.
Daher geht es mehr darum, den biblischen Rahmen zu entdecken, der dann auch die Weite der Möglichkeiten bestimmt.

Hier folgen einige Entdeckungen:

1) Es gibt einen Hirten (das lateinische Wort „pastor“ bedeutet „Hirte“)!
Und dieser Hirte ist Jesus Christus selbst.
So steht in Hebräer 13,20: „Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes,“.
Andere Verse: 1.Petrus 2,25; Johannes 10,2.11 ff.
Die Bedeutung dieser Erkenntnis ist umfassend, denn wenn wir nach einem Pastor fragen, dann sollten wir zuerst nach Jesus Christus fragen. Nirgends in der Bibel wird es gut geheißen, sich von einem Menschen völlig abhängig zu machen. Selbstverständlich gibt es ganz gesunde menschliche Abhängigkeiten. Sie sind unausweichlich. Aber unser Fokus soll auf Jesus Christus gerichtet werden. Wer aber stattdessen von einem Menschen seine Zufriedenheit, sein Gemeindeglück oder seine geistliche Erfüllung erwartet, wird früher oder später enttäuscht werden und ehrt Menschen mehr als Gott.

2) Die Ältesten einer Gemeinde sind Hirten.
In 1.Petrus 5,1-4 wird formuliert: „Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll:Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund;nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde.So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.“
Hier wird das altgriechische Wort „poimano“ verwendet, es bezieht sich auf das Hüten als Hirte.
Ebenso taucht es in der Apostelgeschichte 20,28 auf.
Diese Erkenntnis ist für einige bahnbrechend. Denn es wird deutlich, dass es nicht den einen menschlichen Pastor gibt und daneben den Gemeindevorstand oder die Gemeindeleitung. Biblisch wird hier nicht unterschieden. Die Ältesten sind die Pastoren! Stets im Plural genannt, wenn es um den Gemeindedienst geht.
Wenn sich eine Gemeinde also auf die Suche nach einem Pastor begibt, dann sucht sie eigentlich einen Ältesten und zwar einen Mitältesten, da es ja nicht um die One-Man-Show geht, sondern um das Team und die entsprechende Ergänzung.
Und möglicherweise wird an dieser Stelle schon klar, wie fremd sich das in unseren Ohren anhört, wenn eine Gemeinde nach einem Ältesten in der Ferne sucht… per Stellenanzeige. Nun mag dieses Verfahren nicht völlig daneben sein, aber viel eher muss man sich fragen: Gibt es in der eigenen Gemeinde niemanden, der als Ältester dient? Was ist mit denen, die sich schon für die eigene Gemeinde einsetzen, sie verwalten, Einzelnen nachgehen, Hauskreise leiten…?
Es ist den biblischen Berichten fremd, Älteste außerhalb der Gemeinde anzuheuern. Biblisch normal ist es, wenn Älteste in der eigenen Gemeinde entdeckt werden und dann eingesetzt werden.

3) Besonders aktive Älteste dürfen Geld bekommen.
In 1.Timotheus 5,17-18 steht: „Die Ältesten, die der Gemeinde gut vorstehen, die halte man zwiefacher Ehre wert, besonders, die sich mühen im Wort und in der Lehre.Denn die Schrift sagt (5.Mose 25,4): »Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden«; und: »Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert«.“
Schon in 1.Korinther 9,14 zeigt Paulus auf, dass es sein kann, dass Evangelisten Geld für ihren Einsatz bekommen.
So ist es auch möglich, dass Älteste finanziell unterstützt werden.
Es wird nicht geschildert, in welcher Höhe und in welcher Regelmäßigkeit Gelder an diese Arbeiter geflossen sind.
Aber der Hintergrund mag der gewesen sein:
Jemand setzt sich besonders für das Reich Gottes ein, so dass es nicht oder kaum möglich ist, daneben noch einen anderen Beruf auszuüben. Diese Menschen sind oft bereit, auf anderes zu verzichten, damit sie ihrem Ruf folgen können. Diesen Menschen geht es nicht zuerst um eine Bezahlung. Sie würden diesen Dienst auch ohne Geld tun, sofern es dann ein anderer Beruf zulässt. Wo solch ein Einsatz in der Gemeinde entdeckt wird, empfiehlt der Apostel Paulus, diese Ältesten finanziell mitzutragen, damit sie ihren Dienst weiterhin ausüben können.
Und wiederum wird damit klar, dass es um den Dienst geht, den jemand bereits in der Gemeinde ausübt und nicht um jemanden, der von Außen angeheuert wird.

4) Die Ältesten haben verschiedene Funktionen.
Wie schon angemerkt, sind die Ältesten die Pastoren.
Aber es gibt noch andere Aufgaben.
So sind sie Aufseher und Verwalter über die Gemeinde.
Sie kümmern sich umfassend um die Gemeinde.
Sie leiten und begleiten die Gemeinde.
Teilweise lehren sie andere.
Das betrifft organisatorische Angelegenheiten. Das betrifft aber auch geistliche Grundentscheidungen.
Dabei sind sie gut beraten, wenn sie auf die Gemeinde achten und nicht selbstherrliche Entscheidungen treffen.
All das ist u.a. hier nachzulesen: 1.Petrus 5,1-4; Apostelgeschichte 20,17.28; Hebräer 13,7.17; Apostelgeschichte 15,1 ff; Epheser 4,11 ff.
Dabei mag es Älteste geben, die stärker im Lehren sind und andere, die stärker im Hirtendienst sind. Andere haben mehr Fähigkeiten im organisatorischen Bereich. Und andere Älteste bringen eine evangelistische Note hinein.
Das Team macht den Unterschied und nicht der eine Pastor.

Nun ist zu sehen, wie merkwürdig unser – noch aktuelles – Pastorensystem aussieht.
Gelingt es, unsere Gemeinden nach und nach zum Umdenken zu bringen?

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s