Was machen die da nur?

Dieser dämliche Ukraine-Konflikt!
Da liest man in den Nachrichten die neuesten Meldungen und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass viele Berichterstattungen tendentiös sind – auf (fast) allein Seiten. Phasenweise hatte ich den Eindruck, als würden die USA und Europa klammheimlich auf einen militärischen Einsatz hoffen, zumindest, wenn man das an der Einseitigkeit mancher Medienartikel misst.
Sehr oft scheint das Antibild klar zu sein:
Es ist Putin. Wahlweise alle Russen.
Schließlich hat er die Annektierung der Krim angeordnet.
Ein Teil der Ukraine mit überwiegend russisch-stämmigen Menschen. Man hätte sie schützen müssen, so die sinngemäße Aussage Putins.

Wer Völkerrecht achten will, annektiert nicht.
Fraglos war das eine falsche Aktion seitens des russischen Staates, auf die man reagieren muss.

Doch diejenigen, die jetzt mit verbalen Steinen und Steinchen werfen (wahlweise auch mit Felsbrocken namens „Wie Hitler“), sind sie denn so viel besser?

Natürlich nicht!
Ich scheue mich fast, die üblen Taten „unserer Seite“ aufzuzählen, aber man kommt um einige sicherlich nicht herum.
Das jüngste Beispiel ist die militärische Intervention in Afghanistan, um die deutsche Sicherheit am Hindukusch zu verteidigen. Schon damals dachte ich: Wie abartig ist denn diese Begründung! Damit ließe sich ja jeder militärische Einsatz rechtfertigen. In Afghanistan gab es ja noch nicht mal mehrheitlich deutsch-stämmige Menschen. Es ging vordergründig darum, ein – aus unserer kulturellen Sicht – Terror-Regime zu stürzen und damit dem globalen Terrorismus den Boden zu entziehen. Blöd war nur, dass der globale Terrorismus nicht auf ein Staatsgebiet beschränkt ist, sondern höchst mobil ist und herkömmlische Kriegsstrategien dagegen ziemlich unfähig wirken. Sicherlich wussten das die wichtigen Entscheidungsträger unserer Welt. Denn tatsächlich mag es ihnen einfach um Bodenschätze gegangen sein und sicherlich auch um eine Bündnistreue gegenüber den vorpreschenden USA.

Ähnliches ließe sich vom Irak-Krieg sagen, für den weitere Lügen herangezogen wurden, um dann einzumarschieren und ein umso größeres Chaos und Leid zu hinterlassen, als es vorher der Fall war. Die Deutschen waren im Hintergrund fleißig unterstützend dabei. Als Teil der „Achse des Guten“.

Und schließlich die enorme Unterstützung Europas und der USA für die Ukraine.
Schon vor dem Beginn der ukrainischen Revolution wurde mächtig viel Geld in die Ukraine gestopft, um die Nähe zum Westen hin zu fördern. Überlegungen einer Nato-Mitgliedschaft wurden angestellt. Wenn auch nicht durch Soldaten, so doch durch sanftere Mittel wurde versucht, die Ukraine für den Westen zu gewinnen.
Man stelle sich vor, wie Russland das mit Polen oder Dänemark versuchen würde…
„Uns“ sind dabei alle Mittel recht. Und sei es, dass man eine demokratisch nicht legitimierte ukrainische Regierung unterstützt, in der tatsächlich Faschisten aktiv sind.

Sind wir die Guten und Putin der Böse, für den sich sogar Hitler-Vergleiche lohnen?
Mitnichten.
Es widert mich an, wie einseitig viele Berichterstattungen sind.
Es widert mich an, wie diese Hitler-Vergleiche bemüht werden. Wie kann man nur! Wie kann man nur diese Annektierung in die Nähe eines Horror-Szenarios rücken, das Millionen von Menschen das Leben gekostet hat?! Jeder, der diesen Vergleich heranzieht, tut dies mit dem Wissen um die weitere Entwicklung der Nazi-Geschichte. Wer das tut, handelt im besten Fall dumm. Und tut dies zudem mit dem Blick auf Faschisten in der ukrainischen Revolutionsregierung.
Dann vergleicht die Annektierung doch lieber mit dem Einsatz der USA und Europas in Afghanistan!

Leider sehen die letzten Ereignisse in der „Ukraine-Krise“ nicht hoffnungsvoll aus.
Die Verhandlungen in Genf wurden m.E. ohne die relevanten Personengruppen geführt. Scheinbar waren weder die ukrainischen noch die russischen Separatisten* vertreten (hat jemand andere Meldungen?). Solche Gespräche am grünen Tisch müssen scheitern. Vielleicht ist das sogar eingeplant gewesen, um bei einer Intensivierung des Konflikts sagen zu können: „Aber wir hatten es doch versucht!“
Putin behält sich militärische Schritte vor.
Und manch deutsche Politiker zeigen dümmlich die Hitler-Karte.
Wenn auf diesem Weg tatsächlich Frieden und Ruhe erreicht werden sollten, wäre das für mich ein Wunder.

Gibt es nun Lösungen?
Leider ist das Geschehen so komplex, dass man aus meiner Sicht nicht DIE Lösung erarbeiten kann.
Von allen Seiten gibt es zu viele Beeinflussungen. Geheime Machtpoker, starke Worthülsen und zig Interessengruppen und Wertevorstellungen prallen aufeinander. Ängste, geboren in der kriegerischen Historie der Nationen, lodern auf und sind bekanntlich schlechte Ratgeber. Leider lässt sich die Zeit nicht zurückdrehen, denn dann wäre es wohl weiser gewesen, dass sich die Ukraine selbst reguliert. Naja, ein unrealistisches Bild, oder?
Aber wem die Menschen wichtig sind, der wird auf sie hören wollen.
Und wer sie hören will, muss sich Zeit nehmen für sie.
Statt auf Gewalt zu setzen, braucht es Gespräche mit den Rädelsführern.
Denn die Alternative ist die: der Einsatz von Gewalt und der Versuch, die „Freiheitskämpfer“ beider Seiten einzusperren und mundtot zu machen. Oftmals wird dadurch aber die Temperatur der Gewalt angeheizt, bestenfalls zeitlich verzögert.
Natürlich: Wer nicht reden und verhandeln will, der muss zwangsläufig Gewalt magnetisch anziehen.
Aber Verhandlungen und wieder Verhandlungen und wieder Verhandlungen… das muss es wert sein, um Nationen nicht zu zerreissen und Menschenleben zu schützen.

Vielleicht endet es darin, dass die Ukraine ein Bund von verschiedenen Distrikten wird. Und vielleicht spaltet sich ein Distrikt tatsächlich ab und wendet sich Russland zu. Dann mag Putin jubeln und der Westen mag das als Niederlage empfinden. So what!? Dann isses halt so.

Dann haben wir vielleicht wieder den Nerv, uns den richtig schlimmen Szenarien zuzuwenden:
Syrien, Süd-Sudan, der von uns mitangezettelte Zustand im Irak, das strukturelle Unrecht in Afrika…

So oder so gilt das:
Ich bete für den Frieden in der Ukraine.
Mögen die Entscheidungsträger weise sein und das beschließen und umsetzen, was dem Frieden dient!

* Warum werden die russisch-stämmigen Widerständler als Separatisten bezeichnet und die ukrainischen Widerständler als Freiheitskämpfer?

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