Jesus und die Schwiegermama

„30 Und die Schwiegermutter Simons lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie ihm von ihr. 31 Da trat er zu ihr, fasste sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie und sie diente ihnen.“
(Markus 1,30 f.)

„39 Und er trat zu ihr und gebot dem Fieber und es verließ sie. Und sogleich stand sie auf und diente ihnen.“
(Lukas 4,39)

Jesus ist zu Gast bei Simon, auch Petrus genannt. Das ist wahrscheinlich eines der besonderen Merkmale der letzten drei Jahre im Leben Jesu: er ist oft zu Gast. Was soll man auch machen? Er wandert mit seinen Leuten von Ort zu Ort. Drei Jahre lang. Es ist ein Normalzustand, mitten in der freien Natur zu schlafen. Ohne Zelt und Gaskocher. Richtige Survival-Typen! Und wenn man dann mehrere Tage bei Wind und Regen, Sonnenschein und Kälte unter freiem Sternenhimmel übernachtet hat, dann ist die Freude groß, endlich mal wieder ein paar Häuser zu sehen, in denen man sein kann. Die orientalische Gastfreundschaft ist dann eine einzige Wonne: Ein Reisender wird aufgenommen. Das gebietet die Sitte. Erst recht, wenn es sich um einen Rabbi handelt. Ich kenne eine Frau aus dem Irak. Wenn ich sie mal besuche, dann wird fast alles aufgetischt, was es in ihrer Küche gibt. Der Tisch ist so voll, als hätte sie zehn Gäste zu Besuch. Und das, obwohl sie mit wenig Geld auskommen muss.

Hier besucht Jesus die Schwiegermutter von Petrus. Ob er mit seinen Leuten dort auch übernachtet hat, wissen wir nicht, aber es dürfte naheliegend sein. Es gibt nur ein Problem: die Schwiegermutter ist krank. Fieber. Und zwar nicht nur erhöhte Temperatur, sondern ein Fieber, das einen auf’s Bett schmeißt. Die Frau kann nicht mehr. Heutzutage denken wir dann: „Fieber ist zwar doof, aber zumindest kann ich ein paar Tage rumliegen, mich mal richtig auskurieren. Das wird schon wieder!“ Aber damals war das anders (und eigentlich ist es in vielen Gebieten der Welt heute noch anders): es gab keine Krankenversicherung. Wer also krank war, konnte nicht arbeiten. Ohne Arbeit gab es kein Essen. Ohne Essen stirbt man. Jegliche Krankheit konnte somit zur Bedrohung für das Leben werden.

Jesus sieht die kranke Schwiegermutter (ich finde, es spricht sehr für Petrus, dass er Kontakt mit ihr hat! 🙂 ). Was tut er?
Es gibt keine langen Reden. Es gibt keine tröstenden Worte. Jesus haut rein: er geht hin, fasst ihre Hand, gebietet dem Fieber und sie ist gesund. Und zwar richtig gesund! So gesund, dass die Lebenskräfte in ihrem Körper herumwirbeln und sie nicht anders will und kann, als die Gäste zu bewirten. Eben noch total schlapp auf dem Bett, jetzt schon beim Servieren!
Jesus ist DAS Leben. Und wenn DAS Leben einem Menschen in Fülle begegnet, dann sprudelt es nur so. Krankheit muss verschwinden. Sorgen fliehen. Ängste hauen ab. Schuld wird vergeben. DAS Leben hat reingehauen!

Es ist zu sehen, dass es Jesus nicht darum ging, der Frau einfach ein paar Wellness-Tropfen zukommen zu lassen. Es geht nicht um Streicheleinheiten für das Ego. Es geht darum, dass Krankheit in der Gegenwart des Lebens nicht bestehen bleiben kann. Wenn das Leben da ist, dann wird alles Kaputte aufgelöst.

Klar, wer würde nicht gerne diese Power haben, wie sie Jesus hat!? „Fieber verschwinde!“, und das Fieber verschwindet. „Pickel hau‘ ab!“, und der Pickel ist weg. „Dicker Bauch werde dünn!“, und man ist plötzlich schlank… aber eben darum geht es bei Jesus nicht. Es geht nicht um die Wellness. Es geht um Barmherzigkeit für einen Menschen. Das ist die Antriebsfeder Jesu: seine Liebe zu den Menschen. Und aus dieser Motivation heraus versteht er die Situation von uns. Diese Barmherzigkeit ist auch das, was uns antreiben sollte, wenn wir anderen Menschen begegnen. Ohne diese Barmherzigkeit werden Gebete und Krankenheilungen zur Ego-Show und produzieren letztlich manipulierte Menschen, die in ihrer Kaputtheit immer so weitermachen. Wir brauchen DAS Leben und DIE Liebe Gottes. Wo Gott so wirken kann, dort können Menschen wirklich heil werden: innerlich und äußerlich. Da muss dann auch Krankheit weichen.
Wer das erfahren hat, der kann und will nicht anders als das zu tun: anderen im Namen Jesu zu dienen.

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