Hinfort mit den Traditionen! Jetzt ist Jesus da!

18 Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten viel; und es kamen einige, die sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, und deine Jünger fasten nicht?19 Und Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten.20 Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, an jenem Tage.21 Niemand flickt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue Lappen vom alten ab und der Riss wird ärger.22 Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche und der Wein ist verloren und die Schläuche auch; sondern man soll neuen Wein in neue Schläuche füllen.“
(Markus 2,18 ff.)

Die Juden fasteten nicht, um endlich mal ein paar Kilo loszuwerden. Es war ein religiöses Fasten. Manche meinten, dadurch Gott näher zu kommen oder gar, ein paar Pluspunkte mehr von Gott einzuheimsen. Das Fasten war ein Ausdruck von „Ich meine es wirklich ernst mit Gott!“ Und in einer religiös geprägten Kultur gehörte das Fasten zum Standard. Nur die Sünder und Heiden fraßen und soffen. Aber die Frommen übten sich in Mäßigung und im Verzicht.
So viel anders ist das bei uns Christen auch nicht immer. Manche kommen zur Gottesdienstfeier, weil Gott ja sonst traurig über sie sei. Oder zumindest deswegen, damit andere nicht denken, man sei vom Glauben abgefallen. Andere sprechen lange und wohlfeile Gebete, was die Zuhörer wahlweise langweilt oder beeindruckt. Doch nicht immer geht in diesen Gebeten wirklich um Gott, sondern darum, dass jemand sein gesamtes Bibel-Wissen präsentiert. Andere ackern in der Gemeinde mit, weil sie dadurch endlich mal Anerkennung von Menschen bekommen… und vielleicht sogar von Gott. Nichts gegen Anerkennung! Aber so viel anders als das religiöse Fasten der meisten Juden zur Zeit Jesu ist das nicht.
Stell dir vor, es gehört zum guten Ton in deiner Gemeinde, dass man zum wöchentlichen Bibelkreis geht. Wer dabei ist, der muss ein Frommer sein! Wer nicht dabei ist, der gerät in Verdacht, es mit Gott nicht ganz so ernst zu nehmen.
Und nun kommt da eine neue Gruppe von Christen vorbei. Sie gehen NICHT zum Bibelkreis! Und sie haben auch sonst keinen Hauskreis! Sie latschen einfach in der Gegend rum. Da kann doch was nicht stimmen!
So sind auch die Jünger von Jesus aufgefallen: das sind welche, die nicht fasten!!!

Irgendwie war es ja auch ein dezenter Vorwurf an Jesus selbst: „Jesus, checkst du noch, was da in deinem Team abgeht? Ihr wollt gottesfürchtig sein und dann bekommt ihr noch nicht einmal das Fasten hin!?“

Mit was für einer Antwort rechnet man da?
„Ja, tut mir leid, ich würde ja gerne, aber die Zeit…“
Oder:
„Du hast völlig Recht, allerdings sind wir erst noch am Anfang des Glaubens und haben noch so viel zu lernen!“
Oder:
„Also, nach meiner theologischen Überzeugung müssen wir die Bibelverse zum Thema ‚Fasten‘ ganz anders deuten!“

Jesus entschuldigt sich nicht. Er sucht nicht einen Kompromiss, damit die Fragenden zufrieden sind. Ihm geht es nicht um ein theologisches Scharmützel. Stattdessen verweist er auf sich!
„Wie kann man fasten, wenn der König der Könige anwesend ist?! Wie kann man fasten, wenn der Sohn Gottes präsent ist!? Wie kann man fasten, wenn die ersten Snacks zur Hochzeitsfeier gereicht werden!? Wie kann man fasten, wenn der Bräutigam da ist!?“
Als wäre irgendein Starkoch da und er brutzelt was Leckeres in der Küche zusammen… fasten? Niemals!
Dabei lehnt Jesus das Fasten nicht ab. Natürlich hat das Fasten einen tief-geistlichen Aspekt. Aber es gibt halt eine Zeit des Feierns und eine Zeit des Verzichts. Die Zeit des Fastens wird schon noch kommen. Keine Bange! Doch jetzt wird gefeiert!

Jesus macht das Feiern und Fasten von seiner Person abhängig.
Das heißt: es geht beim Fasten nicht darum, religiöse Gesetze zu erfüllen. Es geht nicht um das Sammeln von Pluspunkten oder das Beeindrucken von Menschen. Das Fasten ist personenbezogen. Wenn der „Bräutigam“ da ist, wird gefeiert. Ist er weg, dann wird gefastet. Warum? Im ersten Fall ist Freude da. Endlich ist der Bräutigam zugegen! Im zweiten Fall ist Trauer da. Der Bräutigam ist wieder weg.
Der Vergleich mag nicht völlig passend sein, aber hoffentlich wird das Denken dahinter verständlicher:
Wenn jemand verliebt ist, dann ist es wunderschön, mit dem Subjekt der Liebe zusammen zu sein. Jedes Eis schmeckt gleich doppelt so gut. Wenn aber der Partner für ein paar Tage weg muss, geht’s der Verliebten hundeelend. Tag und Nacht denkt sie an den Holden. Nichts macht mehr Spaß. Selbst das Essen schmeckt fade. Sie kriegt keinen Bissen runter.
Hier geht es nicht um die Frage, ob man Fasten MUSS. Es geht auch nicht darum, dass man Fasten sollte. Jesus macht klar: das Fasten wird meinen Leuten von alleine wichtig werden, wenn er weg ist. Da braucht es keine Vorschrift. Weil sie an Jesus hängen, wird es eine Zeit geben, in der sie keinen Bissen runter bekommen, weil er weggenommen wurde.
Wer weiß, wie unsere Gemeinden ticken würden, wenn wir uns nicht um Normen und sozialen Druck kümmern würden, sondern alle unsere Aktionen von Jesus abhängig machen würden?!

Damit die Fragenden noch mehr zum Nachdenken haben, bringt Jesus schließlich den Vergleich vom neuen Stoff auf altem Kleid bzw. von neuem Wein in alten Schläuchen. So oder so: das Kleid / der Weinschlauch würden kaputt gehen und das Neue wäre auch dahin.
Besser ist es, den neuen Stoff auch auf neuen Stoff zu nähen und den neuen Wein auch in neue Weinschläuche zu füllen.
Manche Zuhörer mögen gedacht haben: „Hä?“
Inhaltlich wirkt der Vergleich im Kontext der Bräutigamsanwesenheit wie ein gedanklicher Sprung. Dabei macht Jesus nur das deutlich: Wenn der Bräutigam da ist, dann hat etwas Neues begonnen. Und das Neue wäre nicht wirklich neu, wenn man es in das Alte reinpressen würde. Das Neue muss auch neu und anders gelebt werden. Die alten Konventionen gelten nicht mehr. Lasse dich auf das völlig Andere ein! Hier wird nicht nur eine Weiche anders gestellt. Hier verlässt man die Schienen und steigt in den Hubschrauber!

So ist das Leben mit Jesus: Alles Alte zählt nicht mehr. ALLES Alte! Es beginnt ein neues Leben mit Jesus.
Das Alte sind unsere Erfahrungen, unsere Werte, unsere Beziehungen, unsere Sachen… unser gesamtes Leben. Das heißt nicht, dass diese Dinge immer schlecht waren. Aber sie sind wie ein altes Kleid. Es hat seine Zeit und seinen Stellenwert. Doch, wer mit Jesus unterwegs sein will, für den beginnt eine neue Zeitrechnung. Das Alte kann nicht rübergerettet werden. Stattdessen geht es nur darum, in der Beziehung zu Jesus zu sein. Und die Beziehung zu Jesus ist NICHT die Beziehung zur Gemeindetradition. Es ist nicht die Beziehung zum Pastor. Es ist nicht die Beziehung zu einer Bibelauslegungsmethode oder dem besten Gemeindewachstumsmodell. All das ist zweitrangig oder vielleicht sogar egal. Es geht nur um die Beziehung zu Jesus. Das Neue folgt dieser Beziehung. Meine Beziehung zur Gemeinde, zur Gesellschaft, zu Traditionen, zum Bibelwissen usw… wird nun alleine durch Jesus definiert. Ich bin nicht Teil einer Gemeinde, weil die Gemeinde so großartig ist, sondern weil Jesus mich da haben will. Ich sammle Bibelwissen nicht, um Bibelwissen zu haben, sondern um mehr von Jesus zu entdecken. Ich entwickle die Beziehungen zu den anderen nicht, weil sie alle so fein und toll sind, sondern weil Jesus will, dass ich Beziehung zu ihnen habe.
Alles wird neu.

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