Welchen Gemeindedienst soll ich tun? Teil 1

In der Bibel wird davon ausgegangen, dass sich Christen für andere einsetzen (s.a. 1.Korinther 12).  Im Grunde entspringt das dem höchsten Gebot Jesu: „Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften«. Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. Es ist kein anderes Gebot größer als diese.“ (Markus 12,29 ff.) Wer Gott liebt, der tut das, weil er weiß, dass wir von Ihm geliebt sind. Und wer Gott liebt, der wird andere lieben, denn Gott wünscht sich das. Diese Liebe für andere drückt sich praktisch aus (1.Johannes 3,10 ff.). Kurzum: Das führt zum Dienst an anderen Christen und an allen anderen Menschen. Konkret äußert sich das unterschiedlich: Zuhören, ermutigen, putzen… bis hin zu regelmäßigen Diensten wie z.B. dem Kindergottesdienst, Mitarbeit beim Musikteam, Predigtdienste, Gebetsdienst…oder auch dem Einsatz für den eigenen Kiez, für Nachbarn oder die Kollegen und Mitarbeiter in der Firma. Möglichkeiten gibt es viele, weshalb die Frage auftaucht: Wo und wie soll ich mich denn einsetzen?

Ich unterscheide Dienste, die der persönlichen Berufung und den Fähigkeiten entsprechen, und die keine besondere Berufung und keine besonderen Fähigkeiten benötigen. Der letzte Fall betrifft Dienste wie das Abwaschen, den Müll rausbringen, für andere zu beten, etwas zum Essen mitzubringen usw.  Wenn nach einer Gottesdienstfeier immer die gleichen 1-2 Leute den Raum ausfegen oder das Geschirr abwaschen, dann darf man fragen: Wo sind die anderen Mitarbeiter? Mangelt es vielleicht an der Liebe untereinander? Pointiert gesagt: Für das Kloputzen ist keine besondere Berufung nötig! Gerade diese kleinen, eher unscheinbaren Dienste können ein Gradmesser für die Liebe untereinander sein.

Nun macht es keinen Sinn, wenn sich 20 Menschen in der Küche drängeln, damit auch jeder mal abtrocknen kann, weil ja nur so die Liebe untereinander sichtbar werden würde. Es geht vielmehr um den Blick für den anderen: während die einen abwaschen, können die anderen die Stühle stellen oder jemand ist gerade im Gespräch, hört zu und ermutigt. Die Liebe untereinander kann sich unterschiedlich ausdrücken. Entscheidend ist die Einstellung: Bist du mit den anderen zusammen, um bedient zu werden, oder, um zu dienen? Hilfreich kann das sein: Bete und überlege vor dem Treffen, wem du dieses Mal wie dienen kannst! Und dann tue das!

– Fortsetzung folgt –

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5 Gedanken zu „Welchen Gemeindedienst soll ich tun? Teil 1

  1. Wow, nun ist also schon eine Aufgabe im programmorientierten Gemeindeablauf zu übernehmen, durch das höchste Gebot gedeckelt? Übertreibst du es hier nicht ein wenig?
    Gemeindedienst ist also „Küchendienst“ oder Aufräumen, etc.? Nicht etwa der Gemeinde / dem Leib Christi / anderen konkreten Christen zu helfen, sondern mitzuhelfen den Rahmen für „Gemeinde“-Programme zu sichern?
    Oder habe ich dich jetzt völlig falsch verstanden und du meintest Küchen von bedürftigen Christen aufräumen, ihnen helfen ihren Haushalt auf die Reihe zu bekommen?
    Ok, ich will fair sein, du erwähnst beides. Ich hoffe, du erfasst meinen Grundgedanken dennoch 😉

    Mit über 30 Jahren Erfahrung u.a. als Leiter in inst. Gemeinden möchte ich mal folgenden Gedanken anbieten:
    Wenn inst. Gemeinden schon Druck auf ihre Mitglieder ausüben müssen, damit die nötigen Hilfsdienste weiter geleistet werden, sollten die Leiter nicht besser darüber nachdenken, warum ihre inst. Gemeinde offensichtlich an Attraktion für ihre Mitglieder verloren hat? Denn hätte sie diese noch, müsste kein Druck auf die Mitglieder ausgeübt werden.
    Ein weiteres noch: Fängt man an, für die Erledigung solcher Hilfsdienste, Druck auf die Mitglieder auszuüben, wird die Atmosphäre in der Gemeinde dadurch nachhaltig vergiftet. Evtl. kann man dann auch direkt darüber nachdenken, diese inst. Gemeinde einfach zu schließen?

    • Der Kern ist die Liebe. Die Beispiele, die ich genannt habe, sind halt nur Beispiele und gerne durch völlig andere Dienste und Tätigkeiten zu ersetzen. Ich bin der Überzeugung, dass es nicht zuerst um ein Programm geht, sondern um den Inhalt. Und der Inhalt hat Wert, wenn es in Liebe geschieht, Programm hin oder her. Auch in einer Firma gibt es Programme und Strukturen. Die müssen ja nicht abgeschafft werden, aber als Christ bin ich in der Lage, dortige Dienste in Liebe zu tun. Um pingelig zu werden: was ist ein „Programm“? Ist es schon programmhaft, wenn man sich einmal wöchentlich am gleichen Fleck trifft, um Gott und einander zu begegnen? Ist es ein „Programm“, wenn man eine Suppenküche betreibt? Wo fängt ein „Programm“ an und wo hört es auf? M.E. ist ein „Programm“ dann schlecht, wenn wir uns auf das Programm verlassen und nicht auf Gott, der ein Programm auch gerne mal aufweicht, sprengt oder überwindet. Doch wenn wir auf Gott setzen, dann ist ein Programm im Zweifel nichts anderes als ein Werkzeug, das man auch wieder ablegen kann.

      Auf jeden Fall, das sehe ich wie du, wäre es fatal, das Argument der Liebe als ein Druckmittel einzusetzen, um eine eingeschlafene Gemeinde aufzuwecken. Liebe hat nichts mit Druck iSv Manipulation zu tun. Dennoch kann das äußere Miteinander aufzeigen, wie das mit der Liebe untereinander ist. So verstehe ich die Argumentation in 1.Johannes 3. Und dann kann es durchaus passieren, dass so eine Sicht auch erwecklich werden kann…

      • Was ist ein kritikwürdiges Programm? Spätestens dann ist ein programmorientiertes Treffen kritik- und damit hinterfragungswürdig, wenn die Aufrechterhaltung des Programmablauf über den aktuellen Bedürfnissen der Besucher gestellt wird. Erst Recht ist ein Programm kritikwürdig wenn man das Programm selbst als Dienst an Gott verstehen will. Das ist es eben gerade nicht! Wer Gott dienen will, muss u.a. den konkreten Brüdern und Schwestern helfen. Das kann natürlich auch durch organisierte Gottesdienste geschehen. Organisierte Treffen des Leib Christi sind natürlich nicht abzulehnen. Doch wenn diese organisierten Treffen den Mittelpunkt dieser Christen bildet und nicht (mehr) die konkret gelebte Gemeinschaft mit und um Jesus und untereinander, dann ist der Tod im Topf.
        Du bringst ein sehr gutes Prüfwerkzeug:

        Doch wenn wir auf Gott setzen, dann ist ein Programm im Zweifel nichts anderes als ein Werkzeug, das man auch wieder ablegen kann.

        Und? Wie sieht es konkret aus? Könntet ihr das Programm ablegen, ohne dadurch die Qualität der Gemeinschaft eurer Gemeinde damit deutlich zu senken?

        Ich bin der Überzeugung, dass es nicht zuerst um ein Programm geht, sondern um den Inhalt.

        Weißt du, wie oft ich das schon von Gemeindeleitern gehört habe? Und doch ergab ein offener Blick auf ebendiese Gemeinden das klare Ergebnis, dass die Form den Inhalt schon lange an Wichtigkeit überholt hatte. Eure Gemeinschaft kenne ich nicht durch eigenes Erleben und erlaube mir diesbezüglich damit auch keinerlei Urteil darüber!

        Johannes spricht an keiner Stelle (ich lasse mich gerne korrigieren, wenn doch) von der gelebten Liebe der Christen untereinander an Beispielen organisierter Treffen oder der Synagogen. Johannes ist viel mehr schmerzlich konkret bei den Bedürfnissen einzelnen Christen und nicht bei Bedürfnissen organisierter Gemeinschaften.

  2. Danke für deine Gedanken!

    „Und? Wie sieht es konkret aus? Könntet ihr das Programm ablegen, ohne dadurch die Qualität der Gemeinschaft eurer Gemeinde damit deutlich zu senken?“

    Ehrlich gesagt: ich weiß nicht, ob ich das beurteilen kann. wäre von außen vielleicht einfach zu beurteilen und ist ja auch ein Stück weit hypothetisch. Wir kommen eindeutig aus der Tradition klassischen Gemeindebaus, der fraglos programmorientert ist (damals wusste ich es nicht besser). Ich versuche, das immer wieder aufzuweichen, ohne revolutionieren zu wollen. Mein Wunsch ist es, möglichst vielen klarzumachen, was Gemeinde im Kern ausmacht: eben nicht das Programm, nicht das Pastorenzentrierte, nicht das Gebäude, nicht die Organisation… sondern die Bewegung, das allg. Priestertum aller Gläubigen, das Reich Gottes (das mehr ist als nur die Gemeinde), das Spontane. Wenn jemand unter uns eine gute Idee hat, hat er immer den Freiraum, das umzusetzen oder auszuprobieren. So sind Einzelne in der Woche einfach vor Ort und bieten Gemeinschaft an, ohne festes Programm, einfach Begegnung. Vor kurzem lief ein Treffen aus, in dem ich versucht habe, die Leute zu befähigen, unabhängig von mir die Bibel auszulegen und andere im Glauben zu begleiten. Wie oft schon habe ich gesagt: „Wenn sich jemand in deiner Gegenwart bekehrt, dann bringe ihn nicht in die Gottesdienstfeier, sondern triff dich mit ihm im Wohnzimmer oder in der Kneipe. Solltest du Hilfe dabei brauchen, bin ich da, aber mache es lieber alleine oder mit jemand anderen.“ Mein Wunsch ist, dass sich Leute finden, die sagen: „Wir wollen in einer anderen Ecke etwas für Gott und Menschen starten!“ Ich würde sie begleiten wollen und sie aussenden wollen. Lieber vervielfachen als an einem Fleck zu sammeln.
    Im Monat haben wir mind. einen Gastprediger, manchmal auch zwei, wodurch meine Position als potentielles menschliches „Zentrum“ auch aufgeweicht wird. Alle zwei Wochen haben wir einen Abend, den wir „Gott begegnen“ nennen. Es gibt Stille, Lobpreis, Gebete, Bibelworte, Zeugnisse… ohne festgelegte Reihenfolge, jeder kann sich einbringen. Alle paar Wochen/Monate haben wir „Mitmachgottesdienste“: jeder kann sich beteiligen mit Zeugnissen, Erkenntnissen, Eindrücken, Gebeten usw. (es sind allerdings oft die üblichen Verdächtigen, weil sich nicht jeder traut, öffentlich zu reden bzw. es nicht jedermanns Gabe ist). Und immer wieder geht es ja auch um Programme: Mitgliederversammlungen, die eine Tagesordnung haben; sonntägliche Versammlungen, die oft nach einem ähnlichen Muster ablaufen (wiewohl ich das auch in de Hand anderer abgegeben habe und diese Leute festlegen können, ob es zuerst Lobpreis gibt oder erst die Predigt, ob alle zusammen beten oder nur einer alleine, welche Gedanken zu Beginn geäußert werden oder ob Stille herrschen soll usw).
    Vermutlich sind wir im Kern noch immer klassisch-traditionell, aber die Leute haben in den letzten Jahren viel Flexibilität an den Tag gelegt und haben sich dem Spontanen geöffnet…

    Wollte ich nur mal gerade selbst reflektieren, deshalb ist es nun so lang geraten…. 🙂

  3. Pingback: Welchen Gemeindedienst soll ich tun? Teil 2 | berlinjc

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