Drei-Monats-Experiment: Fokussieren!

Gerade das Leben von Großstädtern – aber mittlerweile auch das von der Landbevölkerung – kann ziemlich stressig sein. Obwohl wir zig Geräte haben, die uns Zeit sparen sollen, sind wir nicht entspannter, sondern füllen die „gewonnene“ Zeit mit anderen Aktivitäten. Das hat Vorteile, aber kann eben auch dazu führen, dass wir mehr machen, als wir tun sollten! Irgendwann schlägt das auf’s Gemüt, die Seele kann erkranken und es kann somit auch zu körperlichen Erkrankungen kommen.

In der christlichen Tradition gibt es die sogenannte „stille Zeit„, ich nenne sie auch „heilige Zeit„, weil es eine besondere Zeit am Tag ist. Im Rahmen des Drei-Monats-Experiments geht es darum, einen Rhythmus einzuüben, bei dem diese heilige Zeit fundamental ist. Und diese heilige Zeit ist konträr zum Alltagsstress! Statt den Tag mit Ackern und Schuften zu beginnen, beginnt man mit der Besinnung. Das ist ein guter Gegenpol zum Getriebensein und bloßen Mitschwimmen mit der Gesellschaft.

Um diese Zeit zu gestalten, hilft das Schreiben. Es entschleunigt das Leben und hilft, bewusster zu denken. Doch was soll man schreiben? Im Folgenden werde ich einige Fragen erwähnen, die helfen, das eigene Leben fokussierter zu leben. Fokussiert zu leben, ist ein großes Thema und es lässt sich nicht allein mit diesen Fragen bearbeiten. Aber sie sind immerhin ein Anfang!
Wenn du das Folgende liest, dann wird dich vielleicht die Menge erschlagen. Aber denke daran: es ist ein Experiment für drei Monate! Das ist wie eine Kaderschmiede, wie ein intensives Training… es mag zwischendurch weh tun, aber letztlich wird es stärken!
Ganz zum Schluss gibt es die Fragen auch als Download.

Hier sind meine täglichen Überlegungen und Fragen, die ich überwiegend schriftlich angehe:

1) Dank an Gott
Was war gestern gut? Was finde ich gut an Gott? Wofür will ich Ihm danken?
Dieser Dank ist eine Entscheidung und kein Gefühl. Weil Gott Gott ist, deshalb ehre ich Ihn, indem ich Ihm danke.
Vom Schlaf, über das Essen, das Dach über dem Kopf, die Klamotten, gute Freunde, den Beruf, die (relative) Gesundheit, die Fähigkeiten, Seine Gnade und Barmherzigkeit, dass Er Jesus Christus für uns gegeben hat, dass Er Hoffnung und Vergebung für uns hat…

2) Persönliche Bitten und Fürbitte
Wo brauche ich Hilfe? Wofür benötige ich Weisheit? Was wünsche ich mir für mein Leben? Und diesen Tag? Wo sehe ich Not bei anderen? Wo sehne ich mich nach Gottes Eingreifen?
Diesen Teil erledige ich manchmal schriftlich, um mich dann erinnern zu können, wenn Gott auf diese Gebete geantwortet hat. Manchmal rede ich auch einfach drauf los. Meine Erfahrung ist, dass ich für diesen Teil viel Zeit brauche. Bisher nehme ich mir für die heilige Zeit ungefähr 40 Minuten. Das reicht für meine Bitten und die Fürbitte kaum.

3) Inwiefern habe ich so gelebt, wie Jesus es getan hätte? Und: Wie bin ich mit Menschen umgegangen? Was will ich heute tun/lassen?
Habe ich gesündigt? Gelästert? Getrascht? War geizig oder neidisch? War stolz? Ehrlich? Habe ich mit anderen geteilt? Mich für andere eingesetzt? Habe ich zwischendurch gebetet? Mich mit Gottes Wort beschäftigt? Wie bin ich mit meiner Familie, meinen Kollegen, Freunden, Nachbarn usw umgegangen?
Es geht um das höchste Gebot: Gott und den Nächsten wie mich selbst zu lieben! Vergiss den ganzen Rest! Wenn es hier doof läuft, dann hat auch all das andere keinen Wert. Aber Achtung! Es soll auch nicht darum gehen, ein schlechtes Gewissen zu produzieren! Das Endziel ist ja nicht, festzustellen, wann ich versagt habe. Das mag festgestellt werden, aber dann gilt es, daraus zu lernen und zu überlegen, wie es denn anders und besser wäre. Ich glaube, dass wir lernen können, in der Liebe zu wachsen.

4) Inwiefern habe ich gestern gesund gelebt?
Wann bin ich schlafen gegangen und wann aufgewacht? Was habe ich gegessen und getrunken? Habe ich mich körperlich betätigt? Was habe ich da getan und wie lange? Hatte ich im Alltag zwischendurch kleine Pausen?  Was will ich heute tun/lassen?
Was gesund ist, ist natürlich eine umfassende Frage. Aber wir haben ja ein Empfinden für unser Leben und unseren Körper. Wir spüren es, wann wir satt sind oder wann wir müde sind. Wir haben ein Empfinden dafür, ob der Sport letztlich gut getan hat und zu wenig bzw zu viel war. Ich gehe davon aus, dass Körper, Seele und Geist zusammenhängen. Das, was wir unserer Seele antun, tun wir auch unserem Körper an – und umgekehrt. Die geistliche Gesundheit fördere ich, indem ich mich mit Gottes Wahrheit beschäftige, bete, danke und Gott lobe. Ich bin überzeugt, dass auch das wiederum meiner Seele und dem Körper gut tut.

5) Wie bin ich mit den Medien umgegangen?
Wieviel „Spaßsurfen“ habe ich gemacht? Wie lange habe ich Filme oder Serien geschaut? Wie lange habe ich mich mit den Nachrichten aus dieser Welt beschäftigt? Wie war mein Email-Verhalten, Whatsapp-Verhalten, Facebook-Verhalten? Was will ich heute tun/lassen?
Das Internet und andere Medien können wirklich segensreich sein! Und zugleich können sie meine Zeit auffressen, wenn ich es gestatte! Ich bin z.B. politisch sehr interessiert und lese deshalb viele Nachrichten. Aber wohin führt das? Klar, ich bin etwas informierter (wobei da ja schon die Frage ist, welchem Journalisten ich wirklich Glauben schenke). Aber es hat noch einen Effekt: Die Nachrichten regen mich oft auf. Aber ändere ich was auf dem politischen Gebiet? Nö. In der Regel nicht. Also, nix gegen einen Einblick in das Weltgeschehen, aber dosiert. Nichts gegen einen guten Film, aber das soll nicht meine tägliche Hauptbeschäftigung sein. Damit will ich mein Leben nicht füllen. Lieber habe ich die Zeit frei, um etwas wirklich Entspannendes zu machen oder um kreativ zu werden. Das bringt mir und anderen im Zweifel mehr. Deswegen habe ich mir das Limit gesetzt, ca. 20-30 Minuten „unberuflich“ im Internet unterwegs zu sein (Nachrichten, Facebook usw), ca. einmal pro Woche einen Film zu gucken und möglichst nur zweimal täglich die Emails zu checken.

6) Wie bin ich mit Geld und Materiellem umgegangen?
Wofür habe ich Geld ausgegeben? Habe ich Geld verschwendet? War ich geizig? Habe ich geteilt? Wie fand Gott wohl mein Verhalten? Was will ich heute tun/lassen?
Geld und Materielles sind wirklich nützlich, aber gerade in unserer westlichen Gesellschaft prägen sie uns extrem. Ich befürchte, dass ich vom Materiellen und Konsumdenken vernebelter bin, als mir bewusst ist. Jesus warnt vor dem Mammon, also der Macht des Geldes und Besitzes. Nicht, weil er es ablehnt (er hat ja selbst von Unterstützern gelebt, die offensichtlich so viel Geld hatten, dass sie ihm und seinen Nachfolgern helfen konnten). Aber wir sind schnell im Sichtbaren und Haptischen verankert und haben dann weniger Klarheit für das Geistliche. Also: Geld und Besitz haben eine dienende Funktion, aber sie dürfen nicht versklaven.

7) Wie habe ich meinen Beruf ausgeübt? Was kann ich daraus lernen?
Möglicherweise eine sehr wichtige Frage, weil viele immerhin 8-15 Stunden am Tag mit ihrem Beruf beschäftigt sind! Also, mindestens ein Drittel des Tages ist vom Berufsleben geprägt.

8) Wie ging es mir mit den drei Verhaltensweisen, die ich einüben will?
Ich habe mir für die drei Monate drei persönliche Ziele gesteckt. Ich will die heilige Zeit zur Gewohnheit machen, ich will abnehmen, ich will als Coach besser werden. Natürlich habe ich diese Ziele weiter mit der SMARTT-Technik konkretisiert. Auch hier gehe ich davon aus, dass ich ungefähr drei Monate brauchen werde, um ein neues Verhaltensmuster zu erlernen, womit nach drei Monaten diese drei Verhaltensweisen zu etwas ganz Normalen werden, das kaum noch einen inneren Aufwand bedeutet (nur zum Verständnis: natürlich soll mein Leben nicht davon geprägt sein, abzunehmen.. dann würde ich ja eines Tages aufgrund von Untergewicht sterben! Dahinter steht vielmehr das Einüben einer gesunden Lebensweise.). Durch mein tägliches Reflektieren bin ich wesentlich mehr hinterher, in diesen Bereichen zu lernen. Dabei läuft nicht alles glatt, es gibt auch mal Tage, an denen ich echt schwach bin. Aber ich sehe es wie bei meinem Kung Fu-Training: eine bestimmte Schlagtechnik zu erlernen, braucht Zeit. Man versteht zuerst die Grundzüge, probiert sich aus, holt sich Muskelkater, erholt sich davon, perfektioniert die Technik – und an manchen Tagen läuft’s besser, an anderen hat man das Gefühl, wie ein Anfänger zu sein. Was sind deine drei Verhaltensweisen, die du einüben willst?

9) Was steht heute an? Was davon ist wichtig? Was davon ist wichtig UND dringend?
Viele von uns haben zig Möglichkeiten, ihr Leben zu gestalten. Diese gefühlten Wahlmöglichkeiten können uns leicht überfordern. Welchen Käse soll ich kaufen? Welchen Film soll ich sehen? Welche Klamotten soll ich anziehen? Wen soll ich anrufen? Usw. Wenn solche Entscheidungen nicht automatisiert sind, dann kosten sie Energie und Zeit. Es ist hilfreich, sich daher zu Beginn des Tages zu fragen, welche Aufgaben wirklich wichtig und dringend sind. Dann erst kommen die Aufgaben, die „nur“ wichtig sind, aber nicht dringend sind. Und der ganze Rest ist Kür, also kein Muss.

10) Welche Aufgaben lassen sich kombinieren bzw vereinfachen? Kann ich etwas tun, was andere Aufgaben leichter oder überflüssig macht?
Diese Frage ist nicht leicht, denn sie erfordert ein Denken, das darin geschult ist, in Synergieeffekten zu denken. Ein Beispiel: Ich habe einen Einkauf zu machen. Außerdem will ich noch Post einwerfen. Schließlich wollte ich noch Sport machen und mir eine kleine Pause am Tag gönnen. Wie passt das alles zusammen? Es könnte möglich sein, den Einkauf per Fahrrad zu erledigen, vorher die Post einzuwerfen und danach in das Cafe fahren und mich für 15 Minuten hinzusetzen und mir einen Orangensaft zu gönnen. Alles ist eine Tour und dabei habe ich Sport gemacht und mir eine Pause gegönnt. Das ist nur ein einfaches Beispiel. Ein anderes wäre das: Als Gemeinde haben wir hin und wieder Mitgliederversammlungen. Wir hatten diese schon öfter unter der Woche. Aber hin und wieder haben wir sie auch nach der Gottesdienstfeier. Das ist viel praktischer, weil wir uns damit Extra-Wege sparen und einen freien Abend mehr haben!

11) Gibt es etwas, was Gott möchte, das ich heute tue?

——–
So – ditt war jetzt wirklich viel. Aber mir war es das wert, so viel zu schreiben, weil ich diese Aspekte wirklich für wichtig halte. Jeder wird sie für sich ergänzen oder korrigieren. Doch wie auch immer: sie helfen ungemein, sich täglich zu fokussieren. Und ein fokussiertes Leben führt zu mehr Erfolg und Erfüllung.

Hier gibt es die Fragen als kostenlosen Download (Fokussierungsfragen (pdf) und Fokussierungsfragen (odt))!

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