Asylanten, Nazis und Deutschlands Zukunft

Gibt es eine offizielle, politisch gestützte Vision davon, wie sich Deutschland entwickeln soll?

Wir befinden uns in einer Situation, die das Zeug für Katastrophen hat:
Abertausende von Menschen aus anderen Ländern strömen nach Europa und nach Deutschland. Sind die Asylanten Kriminelle? IS-Kämpfer? Oder nur arme Seelen, die dankbar sind, nicht von Streubomben zerfetzt worden zu sein? Wie gehen wir damit um?

Relativ unbemerkt rüsten die USA wieder in Deutschland und Nachbarstaaten auf. Alte Militäreinrichtungen werden reaktiviert, „um Russland abzuschrecken“. Stehen wir vor einer Schlacht vor den Toren Europas oder gar inmitten von Europa?

Die Euro-Finanzkrise mit dem Aushängeschild „Griechenland“ ist nicht wirklich gelöst und bleibt als Droh-Szenario eines globalen Finanz-Crashes bestehen. Kriegen wir das gehändelt oder wird es zur Vernichtung von Eigentum führen?

Und dann gibt es viele andere Nebenfelder, auf denen mehr Verwirrung als Klarheit herrscht, wie z.B. die europäische Gesellschaft, in der darum gerungen wird, wie „gender“ wir werden und ob Mann und Frau wirklich absolut gleich sind und es ja eigentlich egal sei, weil man sich sein Geschlecht aussuchen könne… Diskussionen über den Wert und Bestand der kleinsten, aber tragenden Zellen im Land: den Familien und Ehen.

Wo nun ist eine Vision, die unsere Gesellschaft im Guten voranbringt?
Oder müssen wir mehr Spannungen, Konflikte und Feindschaften erwarten, die unser Land dann stark beschädigen werden?

Vielleicht gibt es diese Vision. Aber wenn es sie gibt, habe ich von ihr noch nichts gehört. Das mag an der dann ausbaufähigen Kommunikationskunst mancher Politiker liegen. Oder es liegt daran, dass „die Medien“ darüber nicht berichten.Oder vielleicht müsste ich mehr Nachrichten lesen.

Das könnte meine Vision sein:
Es ist möglich, dass wir bessere Zeiten als jetzt erleben. Es ist möglich, dass wir in Richtung Vollbeschäftigung gehen und Arbeiter angemessen bezahlen können. Es ist möglich, dass unser Rentensystem wieder stabiler wird. Es ist möglich, dass Arme und Kranke von der Gesellschaft mitgetragen werden. Es ist möglich, dass wir unser gemeinsames Potential nutzen und füreinander einsetzen. Es ist möglich, dass Deutschland stärker wird: eine bessere Versorgung in jederlei Hinsicht.

1) Identität
Die oben genannten Szenarien können erschrecken, aber sie können auch erwecken.
Sie können zur Frage führen: Wer sind wir eigentlich? Wer bin ich und wofür will ich einstehen?
Im Kern ist es eine Identitätsfrage. Aber woher haben wir Identität? Und wer sagt uns, dass diese Identität gut und richtig ist?
Im besten Fall führen diese Fragen zum Wiederentdecken unseres christlichen Erbes. Weil dieses Erbe besagt: es gibt einen guten Schöpfergott, der uns Menschen bejaht und uns für fähig hält, das Leben konstruktiv zu gestalten. Weil dieser Gott im guten Sinne regieren will: mit Gnade, Vergebung, Hoffnung und Gerechtigkeit.
Weil dieser Gott in Seiner Liebe für uns so weit gegangen ist, dass Er Seinen Sohn Jesus Christus geopfert hat – und sich dieser Jesus hat opfern lassen, um unsere Schuld zu begleichen und uns zum Frieden mit Gott zu führen. Um uns wieder zu befähigen, das Leben mit Gott und Menschen friedlich zu gestalten. Und weil dieser Gott stärker als der Tod ist und Seinen Sohn hat auferstehen lassen. Dieser Gott weiß um unsere Beschränktheit und Sündhaftigkeit. Deshalb will Er uns erlösen von Scham, Schande und Verdammnis. Dieser Gott will aussprechen: „Du bist wertvoll! Du bist erlöst!“
Ich kenne keine Identität, die mir höher erscheint und mehr Stabilität und Hoffnung gibt.
Wer von diesem Denken geprägt ist, der kann in anderen Menschen geliebte Geschöpfe Gottes sehen. Der entwickelt Respekt vor dem Leben von Mensch, Tier und Natur. Der fängt deshalb an, sich für diese Welt einzusetzen. Es mag ja viel berechtigte Kritik an Kirche und Gottes Bodenpersonal geben. Aber das ändert für mich nichts daran, dass die Basis des christlichen Glaubens hilfreich, stark und wahr ist. Es geht um das Wiederentdecken des christlichen Erbes, das durch das Bild von der Würde des Menschen die Aufklärung gefördert hat und durch das der Wertekanon der Bibel in unserer Moral und im Gesetz Einzug gehalten hat: Respekt vor dem Leben und dem Eigentum anderer, Fürsorge für die Schwachen, Verhandlung statt Gewalt.

2) Flüchtlingssituation
Es schadet, wenn Teile der eigenen Bevölkerung pauschal als „braunes Pack“ oder „Dunkeldeutschland“ bezeichnet werden. Das vergrößert nur die Gräben und führt zu noch mehr Spannungen. Es schadet, wenn Flüchtlinge grundsätzlich als kriminell und als „Schmarotzer“ verdächtigt werden. Das vergrößert nur die Gräben und führt zu noch mehr Spannungen. Es geht nie am einzelnen Menschen vorbei. Und es geht nie daran vorbei, dass wir den Einzelfall ebenso sehen müssen wie das große Ganze.
Natürlich gibt es Nazis, die nur Gift sprühen und gegen die wir hart vorgehen müssen. Doch ich kann die Anti-Nazi-Keule nicht gegen meinen Nachbarn schwingen, der – vielleicht berechtigte, vielleicht unberechtigte – Ängste und Sorgen wegen des neuen Flüchtlingheims hat.
Natürlich gibt es Kriminelle, Schmarotzer und Dschihadisten unter den Flüchtlingen. Wir müssen was gegen diese Menschen tun. Aber ich kann diese Angst-Keule nicht gegen alle Flüchtlinge schwingen, unter denen die Mehrheit friedliebend ist und bereit ist, sich zu integrieren.
Ich würde mich über einen politischen Maßnahmenkatalog im Rahmen der Asylpolitik freuen, der klar und gradlinig ist:
a) Angehen der Ursachen
Warum fliehen die Menschen? Und was davon liegt vielleicht an uns? An den westlichen Staaten? Wo profitiert unsere Rüstungsindustrie von den Kriegen und Gemetzeln? Wo verdienen Firmen Geld mit dem Leid anderer Menschen? Wollen wir immer die billligsten Früchte und Klamotten – auf Kosten vieler Staaten in Afrika und Asien?
Rüstungsartikel dürften nur innerhalb der NATO-Mitglieder verkauft werden, aber nie an Drittstaaten. Sämtliche Produkte aus anderen Ländern müssten Fair-Trade sein und auf die Einhaltung müsste staatlicherseits geachtet werden. Entwicklungsprojekte müssten äußerst gezielt begleitet und überwacht werden: Hilfe zur Selbsthilfe und vor allem Ausbildungshilfen – und keine Finanzierungen, die über dunkle Kanäle nur Dikatoren stützen. Mehr Fairness auf dem Wirtschaftsmarkt. Staatlich reguliert. Und mit „Partnern“, die ihrerseits Waffen in Krisengebiete schicken, müssten wir hart verhandeln und bereit sein, Konsequenzen zu ziehen, die „weh tun“.
b) Stellenausbau in Deutschland
Weil auch in Zukunft Tausende von Menschen zu uns kommen werden, müssen wir unser Personal aufstocken:
– Mehr Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen, die angemessen die deutschen und ausländischen Kinder begleiten und unterrichten können. Keine Klassen mit mehr als 50% Ausländeranteil. Bessere Ausstattung der Schulen. Verpflichtender Sprachunterricht für Ausländer. Verpflichtender „Kultur- und Ethikunterricht“ (am besten auch gleich für Deutsche). Kleinere Klassenverbände. Je ein Lehrer und ein Erzieher pro Klasse.
– Mehr Polizisten, Richter und Staatsanwälte, die Konfliktfälle schnell und effektiv angehen können. Durchschnittliche Gerichtsverfahren dürfen nicht Jahre dauern, sondern müssen innerhalb eines Jahres entschieden werden können. Ausländer, die hier strafbar werden, müssen schnell ausgewiesen werden können. Strafverfahren vor Gericht müssen noch in derselben Woche starten, in der die vermeintliche Tat begangen wurde. Wohl gemerkt: das ist auf Kriminelle jeglicher Herkunft – ob Deutsch oder nicht – bezogen!
c) Förderung von multikulturellen Projekten
Im Alltag führt letztlich nichts an der Begegnung zwischen zwei Menschen vorbei. Nur in dieser Begegnung entdeckt der Mensch das Menschsein des anderen und kann Verständnis und Vertrauen entwickeln. Und nur in einer solchen Beziehung kann Produktives und Kreatives entstehen, das auch für andere einen Nutzen hat. Deshalb brauchen wir auf allen Ebenen solche Begegnungen, die helfen, dass Ausländer uns entdecken und wir sie entdecken. Und vielleicht entdecken wir dabei, dass uns manch Deutscher fremder ist als der Syrer. Oder der Rumäne entdeckt, dass die „deutsche Kultur“ ihm mehr Vorbild ist als die eigene. Solche Projekte müssen ideell und finanziell unterstützt und initiert werden. Das gilt im sozialen, politischen wie im wirtschaftlichen Bereich.

So können Deutsche (Was ist Deutsch?) und Ausländer einander zum Nutzen werden. Es könnten neue Firmen entstehen, die das Know-How von Deutschen und Ausländern in sich bergen. Damit entstehen neue Arbeitsplätze in Deutschland. Mehr Steuergelder fließen und das Rentensystem wird stabilisiert. Unmöglich? Nein. Aber schwer.

3) Russland-USA-Europa
Je nachdem, welche Medienberichte wir lesen, werden wir Meinungen begegnen, die absolut im Kontrast zueinander stehen. Mal sind die USA schuld, mal Russland, mal Europa – oder alle genauso. Eine Lösung scheint mir mehr wie ein Traum zu sein, als wirklich umsetzbar. Und doch: mancher Erfolg begann mit einem Traum.
Die o.g. Krise ist zu vielschichtig – sozial, politisch, historisch -, als dass es einfache Lösungen geben könnte. Doch ohne Lösungsversuche werden wir sehenden Auges in einen größeren bewaffneten Konflikt hineinstolpern, den „natürlich“ keiner will, der dann aber eines Tages vielleicht nur den kleinen Tropfen braucht, damit das Fass überläuft.
Das Ziel ist klar: wir brauchen ein friedliches Miteinander. Was bisher an freundschaftlichen Beziehungen in alle Richtungen aufgebaut wurde, muss bewahrt werden und ausgebaut werden. Ob es Schüleraustausche sind, Wirtschaftsbeziehungen oder Konferenzen mit der politischen Macht. Ausschlüsse von solchen Konferenzen helfen nicht. Sanktionen auch nicht. Wir schneiden uns nur in das eigene Fleisch. Stattdessen brauchen wir Verflechtungen auf vielen Ebenen, so dass jedem klar ist: Wer einen Krieg beginnt, der zerstört sich damit selbst. Aber wir werden nie um das Militär herumkommen. Es wird genügend böse Menschen geben, die eine waffenfreie Zone für sich ausnutzen würden. Doch das Militär darf nur für die Selbstverteidigung eingesetzt werden und für den Bündnisbeistand, nie als Aggressor oder als „Verteidiger der deutschen Sicherheit am Hindukusch und sonstwo“. Deshalb müssen alle Versuche unterbunden werden, Waffen und Soldaten an die Ukraine zu vermitteln oder an Staaten, die direkt an Russland angrenzen. Stattdessen: Politik, Wirtschaft, Kultur – mit Russland, den USA und anderen. All das – aber nie ein Krieg mit Russland oder gar ein Krieg auf europäischem Boden.

4) Euro-Finanzkrise
Und wenn es ein Thema gibt, das noch komplizierter als der genannte Konflikt ist, dann ist es das Thema „Weltfinanzen“. Davon ist die Eurofinanzkrise ein Teil. Ohne das Verständnis des globalen Finanz- und Wirtschaftsmarktes kann auch die Eurokrise nicht ordentlich gedacht werden. Und ich verstehe dieses globale System nicht. Oder kaum. Meine Vermutung ist, dass es auch die Experten nur zum Teil begreifen. Und selbst wenn sie es begreifen, scheint es keine Lösungen zu geben. Denn wir haben uns vom einfachen Tausch-System („Deine Kuh für mein Schwein.“) längst gelöst und auch das „Meine Hundert DM für deine Kuh-Prinzip“ gilt global nicht mehr umfassend. In einer Welt, in der Gewinne damit erzielt werden können, dass auf die Pleite von Firmen und Staaten gewettet werden kann, ist das einfache Tausch-System durchbrochen. In einer Welt, in der Geld ausgegeben werden kann, das nur auf dem Papier existiert, aber eigentlich erst erwirtschaftet werden muss, werden Schulden das Normale. Und damit auch die Gefahr eines immerzu stattfindenden Crashs. So unliebsam mir die Vorstellung ist, aber faktisch muss es auf die Einrichtung eines globalen Finanzinstituts abzielen, das von mehreren Regierungen gesteuert wird. Dann müssen Wetten wie die erwähnte verboten und bestraft werden. Kreditverträge brauchen faire und realistische Standards, sowohl für Private als auch für Staaten. Weltweit. Ob es Sinn macht (und möglich ist), dass wir wieder mehr zum Tausch-System tendieren (Geld gegen Ware) statt auf Spekulationen zu setzen, weiß ich nicht, würde die Sache aber wieder ein wenig überschaubarer und verständlicher machen können. Und aktuell im Fall von Griechenland und ähnlich gelagerten Staaten hilft wohl nur ein Neustart. Schmerzlich, mit vielen Verlusten erzwungen. Und auch ideell ein Verlust. Doch das Risiko für die verbleibenen Staaten würde letztlich gemindert und ein Neustart könnte unter Begleitung auf Dauer zu einer Bereicherung werden. Eine allemal bessere Aussicht als das sich weiter Verbohren in den internationalen Schuldensumpf.

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Ein Gedanke zu „Asylanten, Nazis und Deutschlands Zukunft

  1. Ich lese Deinen Artikel, nicke innerlich an der einen oder anderen Stelle und muss doch nach dem letzten Punkt innehalten, weil sich eine Frage in mir formt, die unabhängig von der riesen Herausforderung der Umsetzbarkeit für mich die Gretchenfrage bleibt:
    Was ist gewollt? Von denen, die große Macht innehaben, sei es politisch oder wirtschaftlich, lokal, national oder gar global?

    Und ich gebe zu, dass sich da bei mir Verdruss breit macht. Ein Finanzsystem und verfeindete politische Systeme kommen nicht von irgendwo, sondern werden von Menschen gemacht, benutzt und propagiert. Dabei ist für mich der Worst-Case noch nicht einmal der Überzeugungstäter von Ideen/Ideologien, die letztlich viele Menschen in Elend stürzen, sondern derjenige, der die Welt in dumme Schafe zum Manipulieren, und schlaue Wölfe mit obligatorischem Macht- und Geldanspruch ansieht.
    Es fällt mir schwer, bei den obersten Machthabern Ideale wie (soziale) Gerechtigkeit, Streben nach Wahrheit und gemeinschaftlichem Wohlstand auszumachen. Einem Lokal- o Regionalpolitiker traue ich das noch eher zu.

    Fazit: Es bleibt für mich dabei, dass auf kleiner Ebene jeder erstmal schaut, was die Weltlage für ihn bedeutet. Wer sich natürlich in die höheren Ebenen der Politik berufen fühlt, für den bete ich gerne. Für deine Vision fürchte ich, dass sie nicht am Unvermögen sondern Unwillen scheitert. Aber da die Hoffnung zuletzt stirbt, gibt’s von mir trotzdem ein Thumbs Up! 🙂

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