Die „Zeichen“ von Köln…

Mann, was da geht wieder ab auf Facebook!
Da wird über „die“ Politiker geschimpft, über „die“ Flüchtlinge, über „die Ausländer“, über die „Rechten“, über „die“ Feministinnen, über „die, die, die“!
Ausgangspunkt ist dieses Mal das erschreckende Geschehen in Köln.

Eigentlich nervt mich das mittlerweile, wieviel Stimmungsmache hier und da geschieht (wiewohl ich die Meinungsfreiheit ja sehr schätze).
Eines sollte bewusst sein: es gibt nicht „die“ Leute, es gibt immer nur konkrete Individuen.

Natürlich gibt es politisches Versagen hierzulande. Aber es gibt auch diverse Politiker, die mit allem Anstand ihre Arbeit erledigen und nicht ständig in der Presse vertreten sind.
Natürlich gibt es Flüchtlinge und Ausländer, die sollten schleunigst wieder abgeschoben werden. Aber es gibt auch Flüchtlinge und Ausländer, die dankbar sind, in Deutschland sein zu dürfen und alle Bereitschaft mitbringen, sich hier friedlich und konstruktiv einzubringen.
Natürlich gibt Rechte, die so strohdoof und gefährlich argumentieren, dass man nur hoffen kann, dass sie nie mehr Einfluss gewinnen als den einen „Gefällt mir“-Klick auf Facebook. Aber es gibt auch Bürger, die schlichtweg Sorge und Angst haben, ob begründet oder nicht, und die Meilen davon entfernt sind, die NDP zu wählen.
Natürlich gibt „die“ Polizisten, die versagt haben. Aber es gibt auch Tausende von Polizisten, die Überstunden schieben und finanziell, materiell und politisch immer nur einen reingewürgt bekommen – und trotzdem wieder ihren Dienst nach bestem Wissen und Gewissen versehen.
Naja, und „die“ Feministinnen, „die“ Kirchen und die vielen anderen Gruppen von Menschen lasse ich jetzt mal beiseite.

Fakt ist, dass es seit Ende des zweiten Weltkrieges ein bisher einzigartiges Phänomen in Deutschland ist – sofern ich weiß -, dass so viele Männer auf die bekannte Weise vorgegangen sind.
Und natürlich spielt es eine Rolle, dass die Täter offenkundig aus Kulturen stammen, in denen Frauen weniger wert sind und der Staat als Rechtsstaat eher unbekannt ist.
Und natürlich spielt es eine Rolle, dass die Polizei bundesweit seit Jahren eher schlecht als gut ausgestattet ist und durch die vielen Flüchtlinge noch an ganz anderen Stellen gebraucht wird und so mancher Polizist frustrierter ist als gewünscht.
Und natürlich spielt es eine Rolle, dass die Integration politisch, sprich: gesetzlich, in Deutschland kaum gewollt ist, sondern eher erschwert wird.
Und natürlich spielt es eine Rolle, dass wir einen „grenzenlosen Zuzug“ von Menschen aus anderen Ländern nicht verkraften können, sondern mehr denn je an konstruktiven Plänen arbeiten müssen.
Und natürlich spielt es eine Rolle, dass die wirtschaftlichen Zeiten in Deutschland längst von der Globalisierung geprägt sind und lokal kaum noch steuerbar sind.
Und natürlich tritt hier zu Tage, dass so viele Menschen mit zweierlei Maß messen und die Heuchelei bei Geschehnissen wie in Köln besonders deutlich wird.

Das Geschehen in Köln ist für mich daher einerseits das:
ein Erschrecken.
Was ist in diesem Land los? Wo haben „wir“ versagt? Was muss anders laufen? Wie kommen jetzt die betroffenen Frauen klar, denen das Erlebte fraglos noch lange Zeit nachhängen wird? Wie geht es der Frau, die vergewaltigt wurde? Wer hilft ihr, tröstet sie, unterstützt sie?

Andererseits ist es für mich ein Symptom, ein Zeichen der Zeit:
Unsere Gesellschaft radikalisiert sich.
Es wird immer mehr um „die“ gegen „die“ gehen. Damit wird der Hass zunehmen und die Gewaltbereitschaft ebenso. „Die“ Nazis zünden Flüchtlingsheime an und schaden damit ihrer Heimat finanziell und moralisch. „Die“ Ausländer grapschen Frauen an, rauben und verletzen andere Menschen und tragen dazu bei, dass sie verabscheut werden. „Die“ Politiker übertreffen sich an Schlagworten, suchen immer den medialen Mittelpunkt und haben damit das Vertrauen der Bevölkerung verloren. Derweil häufen sich die weltweiten Krisen, ohne, dass es Aussicht auf weise Pläne und Hilfe gibt.
Vermutlich werden eben auch die innerdeutschen Krisen zunehmen und vermutlich wird „die“ Politik das tun, was sie kurzfristig tun kann: der Sicherheitsapparat wird aufgestockt, das Militär im Inneren eingesetzt, die Überwachung ausgebaut, der mediale „Mainstream“ angeheizt… und mit der Zeit wird es immer mehr zu staatlichen Gewaltakten gegenüber der Bevölkerung gehen. Mal abwarten, wer in ein paar Jahren dann als Terrorist eingestuft wird. Der Lissabon-Vertrag der EU gibt das her.

Ist das das Ende der Geschichte?
Nein.
Denn Köln zeigt auch, dass sich die meisten im Kern ja irgendwie einig sind: Hier ist Böses geschehen!
Dieser moralische Reflex funktioniert nahezu übergreifend. Könnte es sein, dass uns dann doch noch mehr eint, als wir glauben?
Könnte es sein, dass sogar unsere politischen und sozialen Gegner, letztlich genau wie wir, so ein Geschehen verhindern wollen – sprich: genau wie wir das Gute wollen?
Könnte es sein, dass die meisten Menschen in Deutschland dann doch noch so viel gute Moral haben, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist?

Könnte es sein, dass es viel mehr um die Sachfragen geht? Um die Fragen, wie wir solche Geschehen in Zukunft verhindern können?
Und dass wir dabei natürlich unterschiedliche Erkenntnisse haben, liegt ja in der Natur des Menschen.
Wie wäre es, wenn wir die besten Erkenntnisse aus allen Lagern nehmen würden, damit sie sich sinnvoll ergänzen und es uns gemeinsam wirklich gelingen würde, solche Geschehnisse in Zukunft zu verhindern?
Dann könnte der Rechte mit dem Araber, der Emanze, dem Politiker, dem Polizisten und sonstwem an einem Tisch sitzen – und sie würden solange Brainstorming betreiben, bis die besten Ideen geboren sind.

Dafür wäre es hilfreich, nicht auf „die“ oder „die“ zu schimpfen.
Dafür wäre es hilfreich, den anderen verstehen zu wollen, zuzuhören und dann um die besten Methoden zu ringen. In dem Bewusstsein, dass wir uns Frieden für dieses Land wünschen.
Das würde mir Hoffnung geben.
Ich glaub‘, ich fang schon mal mit einem Gebet dafür an…

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