Gottes Reich zuerst – die Prämisse für jegliche Gemeindearbeit und das persönliche Leben

Unsere Gemeinde im Westen Berlins hat eine Raum-Herausforderung:
Es passen höchstens 55 Menschen in den Saal, den wir als Untermieter hier und da nutzen dürfen.
Seit ein paar Monaten haben wir keinen Nebenraum mehr, den wir bis dato für den Kindergottesdienst hatten.
Somit befinden sich nun jeden Sonntag zwischen 40 und 50 Menschen, groß und klein, im gleichen Saal.
Wie gestaltet man dann das Miteinander?

Natürlich wird das Verlangen groß, sich nach größeren Räumen umzuschauen.
Es ist das Übliche bei einer Gemeindeentwicklung: irgendwann sucht man nach größeren und besseren Räumen.

Interessant ist dabei das:
Dadurch verschiebt sich der Fokus. Zumindest war das so bei mir.
Ein größerer Raum mit entsprechenden Nebenräumen erscheint als DIE Lösung!

Doch nirgends wird im Neuen Testament dazu aufgefordert, dass eine Gemeinde ein Gemeindehaus braucht.
Es wird an keiner Stelle problematisiert.
Ganz pragmatisch wurden die Räume genutzt, die vorhanden und verfügbar waren:
Die Synagoge, die Privathäuser oder es wird vorübergehend ein antikes Schulgebäude genutzt.
All das taucht absolut nebensächlich auf und wird – wie geschrieben – an keiner Stelle wirklich als Thema behandelt.

Damit soll nicht gesagt werden, dass eine Raumfrage völlig egal sei.
Aber es wird zum Problem, wenn die Raumfrage in den Fokus einer Gemeinde rückt.

Denn der Fokus einer Gemeinde liegt völlig woanders!
Nämlich beim Reich Gottes.

Für gestandene Christen ist das eine Binsenweisheit.
Aber für mich war es mal wieder ein Lernprozess, zu verstehen, dass es Gott um Dynamik und weniger um Organisation geht; dass es Ihm um das Loslassen geht und weniger um das Haben; dass es Ihm weniger um unsere irdische Bleibe geht, sondern mehr um unsere himmlische Heimat. Und dort kümmert Er sich auch um den Wohnungsbau.

Gottes Reich zuerst.
Das ist das Motto, dass sich bei mir nun in den letzten Wochen – und nach Gebetstagen der Gemeinde – herauskristallisiert hat.

Hier nun ein paar Stichwörter zum Motto:
Reich Gottes zuerst

(Matthäus 6,33 f.)

Das Folgende steht immer unter dem Vorzeichen, dass Gott eine liebende Gemeinschaft mit uns durch Jesus Christus will. Diese Gemeinschaft ist zweckfrei und die höchste Berufung, die wir haben. Da es sich aber um eine überfließende Gemeinschaft handelt, drängt diese Gemeinschaft zu denen, die noch nicht in dieser Gemeinschaft leben. Deshalb behandelt das Folgende den überfließenden Aspekt der Gemeinschaft: den Auftrag Jesu, Gottes Reich an erste Stelle zu setzen bzw. „alle Völker“ zu Nachfolgern Jesu zu machen.

Bete:
„Gib deinen Dienern Mut, wenn sie weiterhin die gute Botschaft verkünden. Sende deine heilende Kraft, damit im Namen deines heiligen Knechtes Jesus Zeichen und Wunder geschehen.“ (Apg 4,29b-30)

Die Prinzipien: Hingehen – Verkünden – Tun

1. Es ist Gottes Werk
Gott bekehrt und gestaltet den Menschen. Er liebt zuerst.
Egal, was dann passiert: Jesus ist unsere Grundlage und unsere Perspektive.
Alles andere rückt in den Hintergrund.
So „bauen“ nicht wir Gottes Reich, sondern Gott tut es – und setzt uns dabei ein.

2. Die Haltungsfrage: Es ist unsere Entscheidung
Wir entscheiden uns dazu, Gottes Reich an erste Stelle zu setzen.
Unabhängig von unseren Taten, ist das entscheidend: Welche Einstellung haben wir?
Wollen wir haben?

3. Motto: Gottes Reich zuerst
Knapp formuliert heißt das
= Alle Menschen sollen von dem rettenden Gemeinschaftsangebot Gottes wissen.
= Alle Menschen sollen zu Nachfolgern Jesu werden.
Erinnere: Nicht wir „bekehren“ Menschen. Das kann nur Gott. Nicht wir bewirken „gute Frucht“. Das tut Gott durch uns. Nicht wir „bauen Gottes Reich“. Das ist Gottes Aufgabe.

4. Gottes Wort soll verbreitet werden
Der Glaube an Gott kommt durch die Verkündigung von Gottes Wort.
Die Verkündigung von Gottes Wort geschieht immer „hingehend“ zu den Menschen.
Jeder Nachfolger Jesu und Seine Gemeinde verbreiten das Wort Gottes.
Der Kern ist das Evangelium.
Diese Verkündigung sieht „bunt“ aus: durch den Dialog, das Lied, die Predigt, das Video, den Roman…
Die Beachtung des Kontextes ist dabei wichtig – ein Gebot der Liebe.

5. Gottes Liebe soll verbreitet werden
Die Umsetzung (das Tun) von Gottes Liebe geschieht immer „hingehend“ zu den Menschen.
Jesus trennt nicht zwischen „guten Worten“ und „guten Taten“. Er liebt, deshalb gehört beides zusammen. Gottes Liebe wird praktisch verbreitet durch, z.B., Heilungen, Befreiungen, eine hilfreiche Politik, Urban Gardening, Suppenküchen, Pfadfinderarbeit, Kleiderbörsen, hilfreiche Gesetze, Besuchsdienste, „Kingdom Companies“, Sprachkurse, Ermutigungskarten usw.
Die Beachtung des Kontextes ist dabei wichtig – ein Gebot der Liebe.

6. Der einzelne Nachfolger braucht dafür Stärkung
Entsprechend zu Christus geschieht das
a) durch die persönliche Beziehung zu Gott
b) durch 2’er-Teams (Jesus sandte Seine Leute zu zweit aus)
c) durch Kleingruppen (Jesus arbeitete mit zwölf Jüngern)
d) durch die öffentliche Versammlung der Ortsgemeinde
e) durch die Begleitung der Ältesten
f) durch übergemeindliche Dienste wie den 5fältigen Dienst
g) durch Workshops, Seminare, Seelsorge usw.
Die Grundlage ist immer „Gottes Reich zuerst“: Wie kann ich Gottes Wort verbreiten? Wie kann ich Gottes Liebe praktisch zeigen?

7. Die Ortsgemeinde verkörpert Jesus Christus an einem bestimmten Ort
a) durch öffentliche Versammlungen, die Gott verherrlichen durch Gemeinschaft, durch Verkündigung, durch Lobpreis und Gebet
b) durch die Unterstützung übergemeindlicher Mission mittels Gebet und Spenden
c) u.U. durch konkrete Dienste für die Nachbarschaft.

Anhand dieser sieben Aspekte wird deutlich, dass Gemeinde kein sich genügender Verein ist, sondern in Gottes Wesen und Mission eingebettet ist.
Das Ziel von Gemeinde ist nicht ein schönes Gemeindehaus, ebenso wenig wie eine Gottesdienstfeier, die die Zufriedenheit der Gläubigen steigern soll.
Es geht stattdessen immer um
a) die zweckfreie Gemeinschaft des Einzelnen und der Gruppe mit Gott
b) die überfließende Gemeinschaft, die aus der zweckfreien Gemeinschaft geboren wird.

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