Die Väter fehlen

Viele Zahlen muss ich erstmal nicht bringen. Denn jeder weiß darum.
Die Väter fehlen.

Hier eine Scheidung, da eine Trennung.
Kinder, die zumeist dann bei der Mutter sind. Der Vater taugt dann nur noch für jedes zweite Wochenende.
Ich kenne so viele Menschen, die ihr Leben lang darunter leiden.

Oder Väter, die zwar da sind – und doch nicht da sind.
Die Familie „funktioniert“. Aber Zeit hat der Vater nicht.
Er muss arbeiten. Dem Hobby nachgehen. Und das Kind stört dann eher.
Also, ab in den Hort mit dem Kind: 07:30 Uhr hinbringen. 17:00 Uhr abholen.
Schnell einkaufen. Alle sind platt. Kind wird vor den Fernseher gesetzt oder mit dem Computerspiel bespaßt.

Oder Väter, die zwar da sind – aber besser nicht da sein sollten.
Die ihre Kinder missachten. Sie schlagen. Sie beschimpfen. Sie missbrauchen.
Das sind keine Väter. Diese Menschen sind ein Fluch für das Kind.
Auch von solchen Kindern kenne ich viele. Die wenigsten Kinder finden Frieden und Heilung damit. Die meisten Kinder bleiben lebenslang davon geprägt.

All diese Väter sind keine Ausnahmen.
Sie sind die Regel.

Ja, es gibt auch die anderen Väter.
Die, die sich bemühen. Die ihrem Kind vermitteln wollen: „Ich bin für dich! Ich liebe dich!“
Die, oft ungewollt, in dem Spagat zwischen Berufsleben, der eigenen notwendigen Erholung und der Zeit für die Familie zerrieben werden.
Es scheint, dass nur die wenigsten Väter diesen Spagat gekonnt meistern.
Wie auch?
Es hat ihnen keiner beigebracht.
Und die Gesellschaft fördert das nicht.

Gefördert werden Ganztagskitas und Ganztagsschulen.
Damit das Arbeiten „rund um die Uhr“ möglich bleibt.
Man nennt das „modern“. Man nennt das „Hilfe für die Familien“.

Der Effekt ist aber der:
Die Kinder werden von Erzieherin X und Erzieherin Y „erzogen“.
Dann von Lehrerin „A“ und anschließend von Lehrerin „B“.
Eine gradlinige Erziehung, die Sicherheit vermittelt, folgt nicht daraus.

Die restlichen ein bis drei Stunden am Tag werden mit den wirklichen Eltern verbracht.
Einkaufend. Fernsehend. Abwesend. Weil alle auf dem letzten Loch pfeifen.

Die Väter fehlen.

Die Väter, die ihre Verantwortung vor Gott wahrnehmen.
Die Väter, die ihre Frauen lieben.
Die Väter, die ihren Kindern zeigen, wie man ein gutes, gesegnetes Leben lebt.
Die Väter, die Männer sind.
Die etwas wagen, um ihre Familien zu schützen und zu leiten.
Die etwas riskieren, und als Abenteurer diese Welt zum Guten verändern.
Die Väter, die der Fels in der Brandung sind.
Die Väter, die auch mit den Schwachen weinen können.

Wir brauchen Männer Gottes.

Denn jeder Mann Gottes ist ein Segen für seine Kinder.
Und dieser Segen wird von Generation zu Generation weitergetragen.
Dieser Segen ist stärker als jeder Fluch.

Wie können wir helfen, damit es mehr Männer „nach dem Herzen Gottes“ gibt?

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5 Gedanken zu „Die Väter fehlen

  1. Sehr starker Beitrag, in dem ich mich leider wieder finde. Ich bin der, der das Geld verdient, um die Familie zu ernähren. Meine Sohn sehe ich nur 2 Stunden am Tag. Geh oft um 6 aus dem Haus und komme um 6 wieder nach Hause. Ich bemühe mich dann auch die Zeit mit ihm zu verbringen, und sei es nur mit Hausaufgaben machen, zusammen essen oder tatsächlich zusammen seine Lieblingssendung zu sehen und dabei etwas zu kuscheln.

    Er sagt selbst, dass ich zuwenig Zeit für ihn habe. Das trifft mich sehr.

    Auf der anderen Seite spüre ich aber auch, wie erschöpft ich bin. Wie oft ich nachts ruhelos aufwache und all die vielen Aufgaben meinen Geist mürbe machen.

    Es gibt noch jemanden für den ich zu wenig Zeit habe: Jesus. Zu oft bin ich müde und studiere das Wort nicht mehr. Wie wenig verbringen ich mit Blog „jesusundich.de“.

    Ich hoffe sehr, dass ich für all das eine Lösung finde. Denn die Erziehung meines Sohnes, ihm Gott und Jesus näher zu bringen, ist mir sehr wichtig.

    Liebe Grüße
    Quin

    • So wie du es schreibst, bist du einer der Väter, die sich wirklich Mühe geben, die ihre Kinder lieben und sich einsetzen. Das verdient Respekt! Es ist wirklich ein Kampf: mit sich selbst, manchmal vielleicht mit Gott, mit den Umständen. Vermutlich gibt es keine einfachen Lösungen. Ich knabbere seit einiger Zeit darauf rum: Wie können wir den Männern helfen, im guten Sinne „starke Männer“ zu sein. Nicht überfordernd, sondern beruhend auf einer stabilen Basis. Letztlich kann diese Basis nur Gott sein und unsere Beziehung zu Ihm. Die Probleme verschwinden deswegen nicht immer. Aber wir haben mehr Kraft und Weisheit, um das durchzustehen. Ich wünsche dir echt viel Kraft, genügend Oasen der Erholung, ausreichend „Höhlen“ zum Rückzug, und mindestens ebenso viel Freude, um für deine Frau und dein Kind da zu sein! Gott ist mit dir!

  2. Natürlich liebe ich meine Familie, sie ist mein ein und alles. Vor allem mein Sohn. Ich denke es gibt an sich keine rechte Lösung. Man muss einfach versuchen jeden Tag die Prioritäten richtig zu verschieben. Den ganzen Tag mit Gott bewältigen – denn aus eigener Kraft kann man das nicht lange schaffen. Und im Tag dann sehen, wo heute die Prioritäten liegen. Gott hat mich auf diesen Platz gestellt, also möchte er auch, dass ich ihn in seinem Sinne ausfülle. Ich muss überall mein bestes geben. Egal, ob im Beruf oder zu Hause. Und letztlich auch in meiner persönlichen Beziehung zu Gott!

  3. Ich würde mir nicht anmaßen wollen hier allgemeingültige Aussagen zu treffen oder mich gar als Mann Gottes zu bezeichnen. Ich sehe meine eigene Position als eher schwach. Du hast mich in Deinem Artikel verdammt gut beschrieben:

    „Ja, es gibt auch die anderen Väter.
    Die, die sich bemühen. Die ihrem Kind vermitteln wollen: „Ich bin für dich! Ich liebe dich!“
    Die, oft ungewollt, in dem Spagat zwischen Berufsleben, der eigenen notwendigen Erholung und der Zeit für die Familie zerrieben werden.
    Es scheint, dass nur die wenigsten Väter diesen Spagat gekonnt meistern.
    Wie auch?
    Es hat ihnen keiner beigebracht.
    Und die Gesellschaft fördert das nicht.“

    Ich persönlich muss immer aufpassen, dass ich nicht zu reizbar werde und gerade den Menschen, die ich liebe, Schmerz zufüge. Außerdem muss ich aufpassen, dass mich die Probleme und die ganzen „Muss“ nicht überrennen. Ich nenne das für mich „resetten“. Das mache ich symbolisch durch eine einfache Atemübung und das funktioniert meistens sorgar.

    Ich bin nach all den Jahren immer noch auf dem Weg zu Gott. Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wie ich ihm dienen soll. Wie er mich haben will. Wenn ich mit diesem speziellen Problem (auch mal zornig) zu Gott komme, dann kommt ganz ungerührt und ruhig ein Bild zurück, dass ausdrückt, dass man als Christ seinen Dienst zu tun hat (sein Kreuz auf sich zu nehmen hat). Und das dies, wenn man das für sich angenommen und den ganzen Stolz abgelegt hat, auch ein leichtes und schönes Joch ist. Dienen ist out, aber Jesus hat es uns vorgemacht.

    Mir hilft das ungemein und bringt mich auch wieder runter. Ich sehe klarer und opfere letztlich meine Erholungszeit für die Familie.

    Das möchte ich jetzt nicht als allgemeingültig ansehen. Das ist rein persönlich, auch von einem Menschen, der nervlich vielleicht nicht so belastbar ist wie manch anderer (ich kenne Väter mit 4 Kindern die das alles scheinbar mit Links meistern).

    Letztlich kann ich nur sagen, dass ich mich (wie Du sagst) einfach bemühe jeden Tag mein bestes zu geben…

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