Ist das Abendmahl nur für Insider oder für alle? Was für „alle“ spricht!

Hier ist der einleitende Artikel.
Und hier der „Pro Insider“-Artikel.

Was dafür spricht, Nichtchristen nicht vom Abendmahl abzuhalten:
Das Vorbild Jesu (er hatte nur Seine Nachfolger zum Mahl eingeladen und nicht „alle“) taugt nur bedingt als hilfreiche Antwort. Denn Jesus hatte auch nur jüdische Männer eingeladen, also keine heidnischen Männer und keine Frauen. Hieße das dann, dass diese Personengruppen nicht teilhaben dürfen? Natürlich nicht, wie Apg 2,42 und 1.Kor 11,18 ff. zeigen. Das heißt aber auch, dass wir eine biblische Gesamtschau für solche Fragen brauchen.
– Die Textstelle in 1.Korinther 11 behandelt nicht die Frage, ob Nichtchristen teilnehmen dürfen. Daher geht die Eingangsfrage „daneben“, weil es im Text selbst keine Antwort dazu geben kann.
Das Wort „unwürdig“ in 1.Korinther 11,27 betrifft als Adverb nicht die Person des Empfangenden, sondern die Art und Weise, WIE das Mahl gefeiert wird. D.h. es geht nicht um die Prüfung, ob eine Person würdig genug ist, um das Mahl zu empfangen, sondern darum, wie die Anwesenden das Mahl feiern. Wenn wir uns also vor dem Mahl prüfen, dann weniger im Hinblick auf die Frage, ob auch wirklich keine Sünde in unserem Leben ist, sondern vielmehr im Hinblick auf die Frage, ob wir das Abendmahl auf eine angemessene Weise feiern, sprich: ob wir Rücksicht aufeinander nehmen.
– Das Mahl wird federführend von Christen geleitet und damit ist es immer eine Verkündigung von Jesus auch für die anwesenden Nichtchristen. Es ist damit mehr Chance als Hürde, mehr Einladung als Aussperrung.
– Es gibt kein biblisches Verbot, dass Nichtchristen teilnehmen.
– Laut 1.Kor 14,23 konnte damit gerechnet werden, dass es bei den Versammlungen der korinthischen Christen auch nichtchristliche Gäste gab. Das wäre doch die passende Situation gewesen, das Verhältnis von Nichtchristen zum Abendmahl zu klären. Darüber verliert Paulus aber kein Wort, sondern ermahnt zu einem Abendmahl, in dem Rücksicht aufeinander genommen wird.
– Die Androhung der Folgen (Schwachheit, Krankheit, frühzeitiger Tod) werden den Christen bewusst gemacht. Die Nichtchristen sind zwar von Gott geliebt, aber stehen auch noch unter dem Zorn Gottes (Röm 1,18) und sind damit grundsätzlich von diesen Folgen betroffen. D.h.: für die Nichtchristen kann es auch durch ein möglicherweise unwürdig empfangendes Abendmahl nicht viel schlimmer werden.
– Letztlich eine ganz pragmatische Überlegung: wir können niemanden in das Herz schauen. Es kann sein, dass ein Christ das Mahl empfängt, obwohl er „1000“ verborgene Sünden mit sich rumträgt. Ebenso kann ein Nichtchrist teilnehmen, der im Mahl spürbar erfährt, von Gott geliebt zu sein. Es ist Gottes Aufgabe, das Unkraut vom Weizen zu trennen (Mt 13,25 ff.).

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2 Gedanken zu „Ist das Abendmahl nur für Insider oder für alle? Was für „alle“ spricht!

  1. Moin Dirk,
    zu Deiner Aussage:

    „Das Vorbild Jesu (er hatte nur Seine Nachfolger zum Mahl eingeladen und nicht „alle“) taugt nur bedingt als hilfreiche Antwort. Denn Jesus hatte auch nur jüdische Männer eingeladen, also keine heidnischen Männer und keine Frauen. Hieße das dann, dass diese Personengruppen nicht teilhaben dürfen? Natürlich nicht, wie Apg 2,42 und 1.Kor 11,18 ff. zeigen. Das heißt aber auch, dass wir eine biblische Gesamtschau für solche Fragen brauchen.“

    Dieses Argument finde ich nicht überzeugend, denn in der Frage, di wir hier behandeln geht es ja nicht um die Kriterien Mann/Frau, Heide/Jude, sondern um Glaube/kein Glaube.

    „Es gibt kein biblisches Verbot, dass Nichtchristen teilnehmen.“

    Das „argumentum ad ignorantiam“ ist ein klassischer Fehlschluss. Aufgrund der Abwesenheit eines Verbots darauf zu schließen, dass etwas erlaubt sei, ist äußerst fragwürdig. Dann kannst Du auch gleich wieder anfangen, Kinder zu taufen.

    „Das Mahl wird federführend von Christen geleitet und damit ist es immer eine Verkündigung von Jesus auch für die anwesenden Nichtchristen. Es ist damit mehr Chance als Hürde, mehr Einladung als Aussperrung.“

    In 1. Kor 11, 26 heißt es:

    „Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ (ELB 2008)

    Die „Verkündigung“ geschieht also durch die Handlung, nicht verbal. Von Predigten, geschweigedenn evangelistischen Aktionen lese ich in diesem Zusammenhang nichts. Das wäre m.E. auch nicht „Sinn der Sache“. Denn im Zusammenhang mit diesem Mahl geht es allein um den Dank und die Anbetung, die die Gläubigen dem in ihrer Mitte anwesenden Erlöser darbringen. Genau das Gegenteil war ja in Korinth der Fall. Die Gläubigen dort konzentrierten sich nur auf sich selbst (Menschen!), machten aus dem Mahl des Herrn eine Party nach eigenem Geschmack und mißachteten damit die Rechte Christi. Ich glaube, dass Paulus nicht zufällig den Begriff „Herrenmahl“ / „das dem Herrn gehörende Mahl“ benutzt, sondern um deutlich zu machen, dass dieses Mahl und die Art, wie es zu feiern ist, nicht in unsere menschliche/christliche Beliebigkeit gestellt ist.

    Ein weiterer Gedanke: Ist es wirklich Aussperrung, wenn man einem Menschen, der kein Christ ist, dieses Mahl verweigert? Er gehört doch trotz Teilnahme nicht „zum Leib“. An der Tatsache, dass er / sie geistlich „außen vor“ ist, ändert die Teilnahme ja nichts. Werden wir damit nicht zu solchen, die „Bitteres zu Süßem machen“ (Jes 5, 26)? D.h., dass wir einen Menschen in einer falschen geistlichen Sicherheit wiegen, wenn wir ihn / sie teilnehmen lassen? Ich rede hier nicht vom „grünen Tisch herunter“, sondern kenne solche Beispiele persönlich.

    „Laut 1.Kor 14,23 konnte damit gerechnet werden, dass es bei den Versammlungen der korinthischen Christen auch nichtchristliche Gäste gab. Das wäre doch die passende Situation gewesen, das Verhältnis von Nichtchristen zum Abendmahl zu klären. Darüber verliert Paulus aber kein Wort, sondern ermahnt zu einem Abendmahl, in dem Rücksicht aufeinander genommen wird.“

    Könnte es sein, dass Paulus das Abendmahl hier nicht erwähnt, weil es eben kein teil des „öffenstlichen“ Gottesdienstes war? Und betreffs 1. Kor. 11, 17 ff.: Ermahnt Paulus wirklich zu einem Abemdhal, bei dem Rücksicht aufeinander genommen wird? Liegt sein Fokus nicht eher darauf, dass die Rechte des Herrn dieses Tisches geachtet werden sollen?

    „D.h.: für die Nichtchristen kann es auch durch ein möglicherweise unwürdig empfangendes Abendmahl nicht viel schlimmer werden.“

    O.k, die kommen eh‘ in die Hölle, also lass‘ sie essen und trinken?
    Wäre nicht eine Einstellung gemäß Sprüche 24, 11 – 12 angebracht?

    „Letztlich eine ganz pragmatische Überlegung: wir können niemanden in das Herz schauen. Es kann sein, dass ein Christ das Mahl empfängt, obwohl er „1000“ verborgene Sünden mit sich rumträgt. Ebenso kann ein Nichtchrist teilnehmen, der im Mahl spürbar erfährt, von Gott geliebt zu sein. Es ist Gottes Aufgabe, das Unkraut vom Weizen zu trennen (Mt 13,25 ff.).“

    Es stimmt sicherlich, dass wir niemanden ins Herz schauen können. Aber wir können und sollen die Frucht prüfen (Matthäus 7, 16 ff.) Wenn wir die Tatsache, dass wir in keines Menschen Herz schauen können, zur Maxime erhgeben, dann sollten wir auch alle Bibelstellen zum Thema Zucht (z.B. 1. Kor 5 u.a.) streichen.
    Matthäus 13, 25 ff. bezieht sich auf die gesamte Christenheit (und hat sich in der Kirchengeschichte frappand erfüllt). Wenn es jedoch um den lokalen Kontext geht, dann ist Handeln nicht zu erlaubt, sondern sogar geboten (vgl. Matthäus 18, 15 ff.; 1. Kor., 5 u.a.)

    • danke für deine ausführungen!
      ich gehe mit vielem konform. und auch der hinweis auf den faktor des glaubens finde ich entscheidend. gleichermaßen teile ich deine gedanken zur gemeindekorrektur.

      worüber ich noch nachdenke:
      es gibt kein verbot – das finde ich erstmal deswegen beachtlich, weil ich davon ausgehe, wenn gott etwas sehr schlecht findet, er es auch formuliert, zb niemanden zu ermorden, nicht geizig zu sein usw.
      ein fehlendes verbot gibt natürlich für viele themen keinen automatischen freifahrtschein. allerdings gibt der kontext der korinthischen christen schon her, dass vereinzelt auch nichtchristen anwesend sein konnten, s.a. 1.kor 14. und das abendmahl in der ursprünglichen form war wohl eingebettet in ein gemeinsames, üppigeres mahl. mit diesen prämissen ist die frage naheliegend: wie handhabten die korinthischen christen das abendmahl, wenn nichtchristen zugegen waren? hierzu gibt es ein schweigen im korintherbrief. entweder, weil die korinther es irgendwie schafften, dass die nichtchristen nicht teilnahmen. oder, weil doch keine nichtchristen anwesend waren… unwahrscheinlicher, gemessen an 1.kor 14…, oder es handelte sich nur um einzelfälle, die nicht so problematisch und daher nicht erörterungswürdig waren?

      ob wirklich zwischen öffentlichen und nicht-öffentlichen feiern getrennt wurde, ist schwer zu sagen. findest du dazu hinweise?

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