Versus Trump

Jetzt will ich aber auch mal meinen Senf dazu geben. Weniger, weil ich Politik-Profi wäre. Aber weil mich die aktuelle Art der Berichterstattung nervt.

Nee, ich bin echt kein Trump-Fan. Obama fand ich sympathischer. So mal ganz menschlich geschrieben.
Und wahrlich: Die auf „Clinton oder Trump“ zugespitzte US-Wahl erschien von Beginn an wie die Wahl zwischen einem der geringeren Übel. Keine beneidenswerte Wahl für die US-Bürger.

Trump hat in diesem Wahlkampf viel gekeift und Äußerungen von sich gegeben, die – gelinde gesagt – alles andere als diplomatisch und einheitsfördernd waren.
Clinton hat sich da gewiss geschickter ausgedrückt. Politisch erfahrener. Aber gemessen an ihren bisherigen politischen Taten waren da auch kaum Ruhmestaten aufzuweisen.

Nun, denn. Trump ist Präsident der USA.
Seine Tonart ist im Vergleich zum Wahlkampf vielleicht einen Hauch sanfter geworden. Aber er bleibt provokant, kantig und nicht wirklich harmonisch.

Was mir aber ebenso nicht gefällt, ist, wie die Mehrheit unserer Medienvertreter einseitig berichten.
Eine gewisse Einseitigkeit ist ja normal. Kein Mensch kann alles wissen und alles stets ausgewogen darstellen. Geschenkt!
Aber es ist überdeutlich: Der offizielle Mehrheitsjournalismus mag Trump nicht und macht das überaus deutlich.

Wenn ich die Berichterstattungen mit denen über Obama vergleiche, dann fällt mir nur ein Urteil dazu ein:
Ich muss beim Lesen vom Spiegel, Focus, der Welt, der SZ u.a. damit rechnen, weniger eine sachliche Berichterstattung zu bekommen, sondern mit Meinungen von Journalisten und Redakteuren konfrontiert zu werden.

Ein Beispiel:
Trumps „MuslimBan“.
Was durch eine Vielzahl von Medien transportiert wird, ist das:
Trump ist gegen Moslems und Moslems dürfen nicht mehr in die USA einreisen. Also ist Trump ein Rassist.
Proteste weltweit.
Facebook-Anzeigen von mitleidenden Menschen, die eine weinende Freiheitsstatue zeigen.
Deutsche Politiker, die in den USA Allianzen gegen Trump schmieden wollen.

Was passiert da?
Trump will sein Land gegen Terroristen aus dem Ausland schützen.
Das ist seine Pflicht als Präsident.
Dafür hat er bestimmt, dass Menschen aus gewissen Ländern für einige Monate nicht einreisen dürfen. Es sei denn, sie haben eine Berechtigung. Innerhalb dieser Monate sollen die Behörden prüfen, wie sie die Sicherheitschecks verbessern können, damit eben keine Terroristen in das Land gelangen.

Obama hatte Ähnliches gemacht.
Im Jahr 2011 durften Menschen aus dem Irak nicht in die USA einreisen. Für sechs Monate nicht.
Gab es Proteste? Nicht, dass ich wüsste.
Unter Obama wurden jahrelang kaum mehr als 50.000 Geflüchtete pro Jahr in das Land gelassen. Nur 2016 war eine Ausnahme. Aus Syrien gelangten bis Ende 2015 noch nicht mal 2000 syrische Flüchtlinge in die USA. Und das, obwohl die USA in Syrien federführend im Kriegsgeschehen mitwirkte.
Gab es Proteste? Nicht, dass ich wüsste.
Obama beschloss das Programm namens „Visa Waiver Program Improvement and Terrorist Travel Prevention Act of 2015„. Es gab Einreisebeschränkungen für Menschen aus den Staaten, für die Trump aktuell einen Einreisestopp beschlossen hat.
Gab es Proteste bei Obama? Nicht, dass ich wüsste.

Obama führte während seiner gesamten Amtszeit Kriege.
Es gab die bislang höchste Zahl an Drohnenangriffen (erinnere: Tötungen ohne ein demokratisches Gerichtsverfahren) unter seiner Regierung.
Immer wieder gab es sogenannte „Kollateralschäden“, d.h.: Zivilisten wurden von US-Streitkräften vernichtet.
Unter Obama wurden die sogenannten „islamischen Rebellen“ unterstützt, wobei man mehr und mehr herausfand, dass es sich um verschiedene islamistische Gruppen handelte, die sich oft nur im Grausamkeits-Level unterscheiden.
Guantanamo wurde nicht geschlossen.
Gab es Proteste? Nicht, dass ich wüsste.

Wie geschrieben:
Nicht, dass ich für Trump mit all seinen Entscheidungen bin.
Aber ich bin für eine ausgewogene Berichterstattung.
Die Meinung will ich mir dann selbst bilden wollen.

Und meine Bitte an alle denkenden Bürger:
Informiert Euch querbeet!
Nicht alles, was in herkömmlichen Medien berichtet wird, ist ausgewogen.
Lest hier und da! Recherchiert auch mal!
Und wer will, kann ja dann noch immer weinende Freiheitsstatuen auf Facebook zeigen.

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6 Gedanken zu „Versus Trump

  1. Nö, das ist aber so mal nicht so wirklich richtig, was du hier anführst.
    Zitat aus einem t-online-Artikel:
    „… das Detail mit dem Einreisestopp (bei Obama) stimmt nicht. Der damalige Präsident ordnete nach der Festnahme der beiden Verdächtigen lediglich an, die Überprüfungen von Zehntausenden irakischen Flüchtlingen zu verschärfen. Dies führte dann zu Verzögerungen bei der Visa-Vergabe. Im Gegensatz zu Trumps Entscheidung waren davon beispielsweise keine Green-Card-Besitzer betroffen.“
    Aus welcher Quelle hast du deine Information?

    • Quellen sind z.B.:
      Fox News
      ABC
      Welt.de

      Klar: nicht offiziell deklariert als „Einreisestopp“.
      Aber die Wirkung war die gleiche, weil die Einreiseanträge nicht bearbeitet worden sind.
      Sozusagen Wortklauberei. Es ging um den Effekt und darum, in dieser Zeit die Überprüfungen der potentiell Einreisenden zu checken, ggf. zu justieren.
      M.E. die gleiche Begründung bei Trump.

      • Bei Trump ist die Begründung offener Rassismus und Populismus (der massive Einfluss vom Rassisten Bannon ist deutlich), bei Obama eine Reaktion auf eine terroristische Aktion. Den Unterschied sollte man nicht vernachlässigen.
        Btw.: Fox News und ABC sind doch recht einseitige Informationsquellen. Insbesondere da in den USA freie Medien anders zu bewerten sind, wie bei uns. Denn wem die Medien gehören, nach dessen Lied tanzen sie. und Welt.de schreibt nichts anderes, wie auch der von mir verlinkte Artikel.

        Was passiert da?
        Trump will sein Land gegen Terroristen aus dem Ausland schützen.
        Das ist seine Pflicht als Präsident.

        Das stimmt soweit. Das fatale daran ist, dass die Terroristen, die bisher in den USA aktiv waren, überwiegend aus Amerika selbst stammten oder aus Ländern, die er nicht mit dem Bann belegt hat. Was bringt also diese Aktion in Sachen Sicherheit? Nichts! Was bringt sie in Sachen Populismus und Hetze: Viel!

        Deine Bitte an denkende Bürger kann ich nur unterstützen. Dieses Beispiel zeigt, wie nötig das ist, um sich selbst nicht narren zu lassen.

        Ich selbst schwanke zwischen Brechreiz und Wut wenn ich verfolgen muss, wie sehr, vor allem evangelikale Christen, Trump als „von Gott geschickter Mann“ oder schlimmer noch, als „Präsident mit starken christlichen Werten (womöglich gar selbst eine Art Prophet)“ handeln. Trump zeigt mir diesbezüglich lediglich, wie leicht es der Antichrist, selbst mit offen antichristlichen Auftreten, diese Christen verführen können wird. Denn Trump zeigt offen seine Verachtung für alles, wofür Jesus steht.

  2. Danke für dein Mitdenken, Charly!
    Gewiss: Trump gibt oft genug Sätze von sich, die diskriminierend sind. Seine Art, Präsident zu sein, ist nicht das, was ich von einem Präsidenten erwarten würde. Seine Twitter-Äußerungen. Der harsche Umgang mit manchen Journalisten. Usw. Ein Präsident muss sicherlich nicht immer der Versöhner sein. Er darf auch mal Ecken und Kanten zeigen. Muss es auch. Hier kumuliert aber viel: Seine Art und Weise und wie eine Vielzahl von Medien auf ihn auch während des Wahlkampfes reagiert haben. Daraufhin hat er wiederum reagiert. Mitunter ein sich gegenseitig hochschaukelnder Kreis, der m.E. keinem gut tut. Als Präsident muss er lernen, darüber zu stehen. Wenn er das nicht schnell lernt, dann wird dieser Kampf mit manchen Medienvertretern nicht aufhören und sich ggf. zuspitzen.
    Andere Äußerungen von ihm klingen gut. Sein Plädoyer, verfolgte Christen schützen zu wollen. Sein Plädoyer für das ungeborene Leben. Ob die Maßnahmen die richtigen sind, weiß ich nicht. Aber diese Statements gefallen mir.
    Ich schreibe das auch deswegen, um deutlich zu machen, dass ich nach wie vor kein Trump-Fan bin, genügend Kritisches sehe, aber auch hier und da gute Akzente sehe.

    Zur Sache:
    Aus meinem Bauchgefühl haben viele etablierte Medien in den letzten Monaten, u.U. sogar Jahren, immer mehr darauf gesetzt, die Meinung ihrer Redaktionen/Journalisten zu vermitteln und der Schwerpunkt vom Versuch einer möglichst objektiven Berichterstattungist hin zur Meinungsmache verlagert worden. Klar: Gilt nicht für alle und immer, scheint mir aber ein Trend zu sein. Unsere „Hauptmedien“ sind angeblich auch in den Händen von ein paar wenigen Reichen, die fraglos nicht die tägliche Berichterstattung beeinflussen, aber immerhin ein paar Hauptlinien aufzeigen können. Die Berichte mancher Journalisten darüber, wie sie manche Infos aus direkten Gesprächen mit der Regierung nicht weitergeben dürfen/wollen, weil ihnen sonst der Zugang zu diesen Infos entzogen wird, lassen auch einen komischen Beigeschmack aufkommen. Das nur dazu, dass die Medien hierzulande auch nicht immer von der Einseitigkeit verschont sind.
    Trotzdem müssen diese Berichte nicht falsch sein. Das gilt es eben zu prüfen.
    Deshalb würde ich auch ABC oder Foxnews nicht gleich diskreditieren.

    Was die Welt nämlich schreibt, ist das:
    „Unter Obama hat das Außenministerium 2011 die Bearbeitung von Asylanträgen aus dem Irak für sechs Monate eingestellt.“
    Was ist der Effekt der Verfahrenseinstellung für sechs Monate?
    Dass in dieser Zeit grundsätzlich niemand aus dem Irak in die USA konnte.
    Das ist nichts anderes als ein Einreisestopp, nur netter formuliert.
    Der gleiche Effekt, den Trump mit seiner Regelung anstrebt.

    Die Staaten, auf die er sich bezieht, wurden bereits unter Obama in den Fokus genommen und von der Visa-Freiheit ausgenommen. Damit mussten die Menschen aus diesen Ländern bereits schärfere Kontrollen über sich ergehen lassen. Ebenso mit der Möglichkeit, es nicht bis in die USA zu schaffen.
    Wir können an der Stelle ebenso fragen:
    Warum?
    Was bringt es?
    Mehr Sicherheit?
    Oder war das auch Populismus?

    Aber selbst, wenn wir bei dem Irak-Beispiel unter Obama bleiben:
    Was sollte die Regelung bringen?
    Eine gesamte Nation, die unter der Führung der USA und mit bewussten Lügen seitens der USA zerbombt wurde, wurde unter Generalverdacht gestellt, weil zwei schwarze Schafe gesuchte Terroristen waren und es bis nach Kentucky geschafft hatten. Wohlgemerkt: diese beiden hatten m.E. keinen Terroranschlag in den USA verübt.
    Zwei von Millionen!? Deshalb für 6 Monate faktisch niemanden aus dem krisengeschüttelten Irak in die USA lassen?
    Ich verstehe nicht, was daran besser ist.

    Abgesehen davon empfinde ich manches echt als heuchlerisch bzw. schwer verständlich.
    Deutsche Firmen dürfen einen Schutzzaun um Saudi-Arabien bauen, damit niemand einfach einreisen kann. Deutsche Polizisten bilden den entsprechenden Wachschutz aus. Proteste?

    Als die größeren Zahlen von Flüchtlingen nach Deutschland wollten bzw kamen, gab es ja die heißen Diskussionen um den deutschen Grenzsschutz. Bis die Osteuropäer Fakten geschaffen hatten und Zäune hochgezogen hatten. Die Zahlen der Geflüchteten schrumpften und so mancher Regierungspolitiker aus Deutschland brüstet sich jetzt damit, dass die deutsche Politik geholfen habe, die Flüchtlingszahlen zu reduzieren. Ich glaube das nicht. Das war hauptsächlich der Effekt der Grenzsicherung der Osteuropäer.

    Und gäbe es nicht das tödliche Mittelmeer, sähe die Welt der deutschen Politiker und Medien auch ganz anders aus. Wenn es für Hundertausende nur darum ginge, einen Tagesmarsch durch die Wüste zu machen oder einen Fluss zu überqueren, wäre mittlerweile (ich übertreibe) „halb Afrika und Arabien“ bei uns.
    Die Gedanken an einen Schutzzaun wären ganz schnell da! Aber da so viele Menschen im Meer ertrinken oder in Nordafrika und der Türkei unter gruseligen Umständen ausharren und nicht einfach nur einen Fluss nach Europa überqueren müssen, können wir so tun, als wären wir die Moralapostel und könnten auf den bösen Trump schimpfen.
    Damit will ich nicht sagen, dass ich solche Zäune oder gar Mauern für die richtige oder gar einzige Maßnahme halte.
    Flüchtlinge, die Schutz suchen, sollen Schutz bekommen können!
    Und vielleicht ist es so, wie mal jemand zu mir sprach:
    „Die Arbeiter besuchen jetzt ihren Arbeitgeber.“ Oder anders: Diejenigen, auf dessen Kosten wir seit Jahrzehnten, zT Jahrhunderten leben, wollen auch das Leben haben, das wir führen.

    Kurzum: unsere Medien und manche Politiker machen es sich zu einfach. Ich bezweifle, dass wir Europäer letztlich so viel moralisch anständiger sind als Trump.

    Und um den Schulterschluss mit dir klarzumachen:
    Ich distanziere mich davon, in Trump einen „Heilsbringer“ zu sehen!
    Ich tue das ausdrücklich als evangelikaler Christ! 🙂

    • Da Trumps Äußerungen sich fast täglich ändern und sich zum Teil eklatant widersprechen, gebe ich genau garnichts darum, was er über Christen sagt oder nicht. Fakt ist: er ist keiner. Also nicht nach dem evangelikalen Sinne. Seine angeblichen pro-christlichen Aussagen oder Handlungen stehen eben immer auch im Widerstreit mit seinen vollkommen antichristlichen. Damit ist z.B. seine Haltung gegen Abtreibung im offenen Konflikt zu sehen, das er Folter befürwortet, etcpp.
      Nein, ich meine nicht dass man Trump noch etwas Zeit geben müsse. Er hat schon jetzt sehr offen gezeigt wer er ist und was von ihm zu erwarten ist. Offen gesagt: Trumpf gefährdet massiv den Weltfrieden und die Weltwirtschaft. Und mit jedem Tag wird es schlimmer und schlimmer.
      Klar, du hast Recht. Analysiert man die bisherige Politik der USA oder auch Europas, so gibt es auch hier vieles was kritisch betrachtet werden muss und in sich destruktiv ist und auch wenig mit Menschenrechten etc. zu tun hat. Aber das allein ist schon schlimm genug, Da brauchen wir nicht auch noch solche Despoten wie Putin, Erdogan und Trump – von Viktor Orban und Anderen mal abgesehen. Solche Leute sollte man mMn auch nicht verteidigen.

  3. Pingback: Strr. aus Gold

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